Dienstag, 23. August 2016

Die Mutter meiner Mutter - Sabine Rennefanz



„Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden, flüstert meine Mutter.“ Ein Satz, der viele Fragen beantwortet, vieles erklärt, was zuvor undurchsichtig war, was Anna Stein, ihren Töchtern und ihrer Enkelin – der Protagonistin und Ich Erzählerin des Romans – ein Leben lang Rätsel aufgegeben hat. Etwas, das sie verfolgt und ihnen unbewusste Handlungsmuster auferlegt hat.

Anna Stein ist eine schwierige Frau. Unnahbar für ihre Töchter und Enkel, oftmals entrückt, verbittert und fehl am Platz. Was keinem so richtig klar ist – sie ist ein Kriegsflüchtling. Hat die Heimat in Zeiten der Not verlassen, um überleben zu können. Doch im Krieg war es überall schwierig. Hier, wie da.

Gewalt und Hass haben sich ausgebreitet, haben genommen, was sie kriegen konnten und sind auch Jahre später nicht abgezogen. Belasten die breite Masse, aber auch viele Einzelschicksale. Autorin Sabine Rennefanz verdeutlicht, wie diese untergehen im Schrecken, den die Vernichtung einer Glaubensrichtung, das Abschlachten von Menschen anderer Einstellung, Aussehen und Denkweise, mit sich bringt.

Erst jetzt verstehe ich, dass es ein Erbstück unserer Familie ist, diese Angst, die von einer Tochter zur nächsten vererbt wird.“

Ängste werden häufig von Generation zu Generation weiter getragen. Vor allem dann, wenn sie so tief sitzen, wie bei Anna Stein, die nicht nur den Krieg, sondern eine Person im besonderen fürchtet. Sie verändern Charakter, Verhalten und den Umgang mit anderen Menschen. Je enger die Verbindung desto stärker sind sie von den Handlungen ihrer Nahestehenden betroffen.

Verlustängste und Bindungsschwierigkeiten gehen Hand in Hand. Verliert eine Generation ihre Wurzeln, hängen auch die folgenden Generationen in der Luft. Wie will man sich verankern, wenn es keinen Anker gibt, der einem die Hand reicht? Wie begegnet man der Scham, die sich seit Generationen manifestiert?

Dahinter steckt auch ein Abwehrmechanismus: Im Vergleich zum Holocaust erscheint die Brutalität in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen nach dem Krieg harmlos.“

Sabine Rennefanz verdeutlicht auf anschauliche, sowie eindringliche Art, über wie viele Generationen hinweg der zweite Weltkrieg nachhallt. Das Schicksal von Anna Stein ist kein Einzelfall. Wie viele andere Frauen auch, ist sie Opfer von Gewalt geworden, hat versucht diese zu verharmlosen und die Schuld bei sich selbst gesucht. Hat versucht bei ihrer Tochter etwas gut zu machen, woran diese überhaupt keinen Anteil hat, und sie somit nur tiefer hineingezogen. Hat ihr Trauma zu dem der nachfolgenden Generationen gemacht.

„Die Mutter meiner Mutter“ hat mich sehr bewegt, denn es zeigt, wie lange Gewalt nachwirkt. Wie viele noch heute an den Gräueltaten des zweiten Weltkriegs leiden, egal ob direkt oder indirekt betroffen. Aus meiner Arbeit weiß ich wie langwierig Traumata und Ängste bestehen, werde dort immer wieder damit konfrontiert, dass sich negative Erlebnisse wie Gewalt, Missbrauch, Alkoholkonsum über Generationen durchziehen, dass Verhaltensmuster von einer Generation zur Nächsten weiter gegeben werden. Sabine Rennefanz stellt diese Problematik in ihrem Roman so dar, dass sie auch für Psychologie Laien leicht verständlich ist. Verpackt sie zudem in einer Geschichte, die sich gut und gern lesen lässt, auch wenn sie teilweise bedrückend ist. Interessant geschrieben, ohne zu sehr in einen Sachbuchcharakter zu fallen. Lesenswert!

Buchinfo:


Luchterhand (September 2015)
256 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
19,99 €

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Weitere Rezensionen zu "Die Mutter meiner Mutter":





Sonntag, 21. August 2016

[Reiseproviant] #17 | 16





Nachdem ich einfach heimlich, still und leise meine Blogpause von zwei auf drei Wochen verlängert habe, bin ich nun gut erholt zurück. Frisch gestärkt mit neuen Ideen und jeder Menge Rezensionen im Gepäck, freue ich mich darauf wie gewohnt mit euch über die Themen zu plaudern, die uns am Herzen liegen.

Wie war das denn so, ohne bloggen?

Ich muss gestehen – es war ziemlich entspannt. Trotz all der Freuden, die das Bloggen mit sich bringt, ist es nun mal viel, viel Arbeit und oftmals auch (selbstgemachter) Stress. Zeitdruck, weil schnell noch eine Rezi zum Erscheinungstermin eines Buches raus muss, der wöchentlich erscheinende Beitrag nicht rechtzeitig fertig zu werden droht usw und so fort.

Zudem ist es mit wirklich gut gelungen meine Social Media Zeit einzuschränken und trotzdem meine Kanäle auf Twitter und Instagram zu füttern und Accounts zu besuchen die ich mag. Das Handy hat ziemlich häufig in der Ecke gelegen, was ein echt gutes Gefühl war. Morgens habe ich es sogar geschafft meinen Bloglovin' Feed durchzusehen und interessante Blogbeiträge zu besuchen und zu kommentieren. Nur auf meinem eigenen Blog habe ich keinen einzigen Tag vorbei geschaut. Ich habe dort keine Kommentare gelesen (beantwortet werden sie aber noch) und auch keine Statistiken angeschaut.

Gewonnen habe ich jede Menge Lesezeit! Ganze 8 (!!) Bücher habe ich gelesen, drei weitere sind bereits begonnen und werden im Wechsel gelesen (eBook, gedrucktes Jugendbuch, gedrucktes Sachbuch). Es war so schön, den Fokus mal wieder auf das zu legen, was mir in meiner Freizeit am meisten Spaß macht. Lesen, lesen, lesen!

Der jährliche Blogurlaub für 2017 ist bereits gebucht.




Wenn ich nun alle Bücher vorstelle, die ich im August bzw. während der Zeit vom letzten Reiseproviant bis heute gelesen habe, dann kann ich mir am Ende des Monats den Statistik Beitrag sparen. Also berichte ich euch lediglich von den Leseerlebnissen der vergangenen Woche.

Begonnen hat meine Reise im schönen Paris, auf das ich durch einen wundervollen Jugendroman, einem nahezu perfekten Sommerbuch, richtig viel Lust bekommen habe. „Paris, du und ich“ von Adriana Popescu ist mindestens so toll wie die anderen Bücher der Autorin und dank eines Jungen namens Vincent noch viel besser. Noch bevor meine Rezi online geht und ihr euch ein eingängiges Bild über das Buch machen könnt, rate ich euch: lest es!!!

Sehr, sehr emotional ist der Roman „Wir beide wussten, es war etwas passiert“. Autor Steven Herrick wählt Worte voller Poesie, die vom Thienemann Verlag auch in dementsprechender Optik abgedruckt wurden. Tränenreiches Lesen mit dickem Kloß im Hals und eine große Leseempfehlung.

Bei einem Gewinnspiel des Blogs Die Liebe zu den Büchern, habe ich das Sachbuch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ von A. Reinwarth gewonnen. Schon die ersten Seiten des Ratgebers mit dem Untertitel „Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich locker machst“ haben mich zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht.

„Wir sind Helden“ / C. Bukowski isr mein aktuelles eBook. Ich habe noch zu wenige Seiten gelesen , um ein Urteil über den Inhalt fällen zu können, weiß aber schon jetzt – die Schreibe der Autorin ist ganz große Klasse!

Da ich gedruckte Bücher einfach über alles liebe, kann ich nicht nur auf dem Reader lesen. Also habe ich gestern noch „Der Geruch von Häusern anderer Leute“ von B-S. Hitchcock begonnen. Die Autorin ist echt hart mit ihren Protagonistinnen. Ihr Umfeld ist nichts für schwache Nerven und das, was ihnen geschieht ist bedrückend und stimmt mich sehr nachdenklich. Ich hoffe sehr, dass alle Protagonistinnen zu einem glücklichen Ende finden. Aber sicher ist nichts.




Alle, die so gerne kochen und essen wie ich, finden auf Die Liebe zu den Büchern einen passenden Beitrag. „5 x 9 Kochbuchhighlights für die Wunschliste

Weiter geht es mit Wunschlistenfutter auf Literatourismus. „Zehn Bücher für Eilige“ ist eine Liste kleiner, aber feiner Romane mit geringer Seitenzahl.

Kennt ihr schon den Buchpreisblog? Dort bloggen 7 tolle Bloggerinnen und Blogger über Themen und Bücher rund um den Deutschen Buchpreis. Z.B „10 interessante Fakten zum Deutschen Buchpreis“.



gelesen: Sonne, Wald, Baby, "Paris, du und ich"

gebacken: Blaubeer Pfannkuchen

getrunken: Im Frühtau Kaffee an der Pferdekoppel mit selbstgebastelteten Kaffeetassen

geordnet: Das Regal der Next Reads (Bücher, die ich unbedingt ganz, ganz bald lesen möchte)


Wie immer freue ich mich über eure Kommantare und nette Plaudereien.
Habt eine wundervolle neue Woche!






Montag, 1. August 2016

Blogpause - ich bin urlaubsreif!

Ich habe hin und her überlegt, ob ich einen Monatsrückblick schreibe oder nicht. Eigentlich mag ich die Statistiken sehr gern. Sowohl auf anderen Blogs, als auch meine eigene. Es macht Spaß zurückzublicken auf all die Artikel, die in den vergangenen Wochen online gegangen sind, die ich mit viel Mühe und Herzblut geschrieben habe und die ich euch gerne nochmal ins Gedächtnis rufe. Welche Bücher ich gelesen habe, findet ihr hier.

Doch der vergangene Monat endet etwas anders. Der Neue beginnt nicht so, wie ich es erwartet, mir vorgestellt oder gewünscht hätte. Ich bin müde. Die Ereignisse der letzten Zeit, die private Belastung (siehe hier) hat mich geschlaucht. Ich habe das erste Mal seit sechs Jahren bloggen das Gefühl eine Pause zu brauchen.

Im Moment scheint es vielen Bloggern so zu gehen. Liegt es an den äußeren Faktoren, mit denen wir uns täglich abgeben? Negative Nachrichten aus der Welt, Stress im Alltag oder liegt es daran, dass wir so viel Zeit und Leidenschaft in unsere Blogarbeit stecken, dass dafür einfach viel Kraft drauf geht? Ich glaube es ist von allem ein bisschen, das im Ganzen das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen bringt.

Jetzt ist es auf jeden Fall soweit. Ich bin Blog-Urlaubsreif.

Eine ganze Weile schon verdränge ich dieses Gefühl, doch nun treiben mich äußere Umstände dazu dem nachzugeben. Ich habe mir einen Finger gebrochen, trage einen Gips an der rechten Hand und finde es ziemlich nervig nur mit sechs Fingern zu tippen. Also nutze ich die Gunst der Stunde und mache hier zwei Wochen dicht. So lange dauert es, bis der Gips wieder runter kommt. Ich behalte mir allerdings vor meine Auszeit zu verlängern, denn natürlich werde ich im Hintergrund nicht gänzlich untätig sein und mein Ziel ist es doch einige Rezensionen abzuarbeiten und mit einem Rucksack voll vorgearbeiteter Artikel starten zu können, um so auch für die kommenden Wochen weniger Stress zu haben.



Außerdem möchte ich in der Zeit gerne lesen. Viel lesen. Bücher, die hier schon länger rum liegen. Welche das sind, seht ihr auf dem Foto. Ich werde sie nicht verlinken, denn die Maus zu betätigen fällt mir echt schwer. Natürlich ist die rechte Hand eingegipst und natürlich bin ich Rechtshänderin.

Außerdem möchte ich gerne in ein paar Sachbücher reinlesen, meine Freundin Tine von Lesemomente kommt zu Besuch, das kleine Mäuschen hat einen Termin beim Osteopathen und in der Sonne sitzen will ich auch.

Ein großer Stressfaktor ist meiner Meinung nach mein Handy. Soziale Netzwerke hier, Pinterest da, Google, Whats App, usw. Ständig hat man dieses Ding in der Hand (ja ich pauschalisiere hier extra), wartet auf Nachrichten, Gefällt mir's oder Anrufe. Ganz verzichten kann und will ich nicht, aber ich möchte den Konsum einschränken.

Ich werde meine Lesefortschritte auch weiterhin auf Instagram, Twitter und Goodreads teilen, mich aber nicht mehr stundenlang dort aufhalten. Morgens 10 Minuten, abends 10 Minuten. So der Plan.

Es wird demnächst Zeiten geben, in denen mein Handy einfach mal ausgeschaltet ist. Ich muss nicht immer erreichbar sein.

Am 15. August geht es hier dann weiter. Hoffentlich erholt, frisch und voll neuem Tatendrang. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit, gebt auf euch acht und lasst es euch gut gehen.


Nanni

Samstag, 30. Juli 2016

[Kinder Traumstube] Das Büchermädchen liebt minimutz

Minimutz – was steckt dahinter?


Minimutz sind Produkte, die speziell auf Kinder – insbesondere Babys und Kleinkinder, abgestimmt sind.

Große, einfache Formen, leicht zu erkennende Farben und weiches, TÜV geprüftes Material ermöglichen erste motorische Erfahrungen.

Die Gründer sind Lynne, Physiotherapeutin und Mutter eines Sohnes, und Sebastian, Geschäftsführer von Minimutz und Vater von zwei Töchtern.

Bestellen kann man ganz einfach auf der minimutz - Welt. Ab 35,- € ist die Bestellung versandkostenfrei. Liebevoll verpackt ist sie immer. Auch bei einem geringen Bestellwert.

Welche Produkte gibt es?


Es gibt den (oder das?) „minimutz“, ein Stofftier in verschiedenen Größen, eine Rassel in der minimutz – Form, eine Kuscheldecke, ein Schmusetuch, Karten mit viel Herz, sowie liebevoll gestaltete Accessoires wie Greifringe, Bodys etc., die personalisierbar sind.



Wir durften testen.


Mein kleines Mädchen (6 Monate) und ich, bekamen die Möglichkeit zwei der minimutz Produkte zu testen*.

Da meine Kleine ein absolutes Kuschelkind ist und gerne weich liegt, habe ich mich für die minimutz Kuscheldecke, sowie die minimutz Rassel entschieden.


Die minimutz Kuscheldecke:


Die minimutz Kuscheldecke besteht aus super weichem Polyester und einer Füllung aus Polyurethan. Sie ist TÜV Rheinland zertifiziert, Schadstoff geprüft und bei 30° waschbar.

Die Decke ist mit einem festen Saum eingefasst, so dass sie gut in Form bleibt und nicht verknautscht, wenn das Baby sich darauf bewegt. Bei vielen anderen Decken ist dies nicht der Fall. Oftmals rührt die Kleine so viel hin und her und liegt dann doch auf dem kalten Boden, weil die Decke weggerutscht ist. Mit der minimutz Decke passiert das nicht so leicht.

Da sie sehr weich ist, liegt mein kleines Mädchen sehr gern darauf. Sie kann sich regelrecht ankuscheln und streichelt oft über die angenehme Oberfläche. Egal, ob ich sie in ihr Ställchen lege oder ob sie auf dem Boden spielt – die minimutz Decke liegt immer darunter.

Optisches Highlight sind das aufgestickte minimutz Logo und die bunte Saumeinfassung, sowie die leuchtende Farbe.

Für uns ist die Decke ein unerlässlicher Begleiter, denn sie gibt mir die Sicherheit, dass mein Baby auf einer so warmen Decke liegt, dass sie nicht aufgrund unangenehmer Bodentemperaturen erkranken kann. Es ist sinnvoll eine zweite Decke oder eine Matte unter zu legen, da sie nicht so dick ist, dass sie abrupte Drehungen und Bewegungen des Babys vollkommen dämmen kann.

Da sie sich schnell und einfach zusammen rollen lässt, packe ich sie auf jeder Reise / Besuch bei Großeltern / Krabbelgruppe usw. in die Babytasche und weiß so, dass mein Kind sich immer Zuhause fühlt, da ihr Geruch und Oberflächentextur der Decke wohl vertraut sind.

Die minimutz Rassel:


Die minimutz Rassel ist - wie die minimutz Stofftiere auch, ergonomisch geformt und hat mit 10 cm eine Größe, die für kleine Kinderhände zu bewältigen ist.

Oftmals erzeugen Rasseln einen Geräuschpegel, der einem vorbeifahrenden Zug ähnelt (vgl. hier), und schaden damit dem feinen Kindergehör. Die minimutz Rassel ist leise, angenehm und damit keine Belastung fürs Kinderohr.

Die Form der minimutz Rassel ist klar und einfach. Die kleine Kinderhand kann an jeder Stelle zugreifen, knautschen und drücken. Meine Kleine konnte sie trotzdem erst ab einem Alter von 5 Monaten packen. Vorher war sie ihr doch noch ein bisschen zu breit.




Was mir an den minimutz Produkten gefällt?


Das kann ich einfach beantworten: sie sind kinderfreundlich.

Die einfachen Formen und Farben sind für unsere kleinen Lieblinge einfach zu erkennen, gut wahrzunehmen und zu begreifen. Zwischen all den Produkten, die durch viel zu viele Farben und unklare Formen eher zu einer Reizüberflutung führen und eigentlich eher dem Auge der Erwachsenen entsprechen, als dem der Kinder, stechen die minimutz Produkte raus.

Weiches Material, an dem ich als Mutter mein Kind bedenkenlos herumkauen lassen kann, und das zum kuscheln und anfassen ebenso einlädt wie die klare Struktur. Durch benutzen der ergonomischen Figuren wird automatisch und spielerisch die Motorik gefördert.

Abgerundet werden die Figuren durch das ihnen gegebene Gesicht, das den Kleinen mit freundlichen, großen Augen entgegen lächelt.


Weitere Infos:


minimutz auf Facebook




* vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt

Dienstag, 26. Juli 2016

Milchmädchen - G. R. Gemin



Gemma hat es nicht leicht. Ihr Vater sitzt im Knast, ihre Mutter ist immer überarbeitet und genervt und ihr kleiner Bruder ist ein Schleimer. Aber alles immer noch besser, als Kate Thomas zu sein. Die hat keine Freunde und wird von allen Cowgirl genannt. Weil sie auf einem Bauernhof lebt und gerne Kühe melkt. Was daran so schlimm ist, weiß Gemma eigentlich gar nicht so genau. Sie macht halt mit. Wenn die anderen in ihrer Klasse sagen, dass es blöd ist auf einem Bauernhof zu leben, dann wird das wohl so sein.

Was Gemma bis dato nicht wusste: ihre eigene Großmutter, diejenige, die sie so gerne mag, weil sie immer ein offenes Ohr und Zeit für sie hat, hat auch mal auf einem Bauernhof gearbeitet. Um genau zu sein sogar auf dem selben, auf dem auch Kate lebt. Damals gehörte er noch Kates Großvater, der leidenschaftlich gern Landwirtschaft betrieben hat. Anders als Kates Vater, der drauf und dran ist, alle Kühe zu verkaufen. Das gefällt weder Kate, noch Gemmas Großmutter. Also entwickeln sie einen Kuh Rettungsplan. Und Gemma? Die macht halt wieder mit.

„Milchmädchen“ ist so ein wundervoller Roman. Ich habe ihn verschlungen!

Thematisch spricht Autor G. R. Gemin nichts gänzlich Neues an. Es geht um Außenseiter Dasein, um Selbstbewusstsein, um ein besseres Miteinander, um Freundschaft, Familie und Nächstenliebe. Die Umsetzung jedoch ist fantastisch erfrischend, herzlich und humorvoll.

Dass er dabei Kühe als Protagonisten einsetzt, spielt mir Landmädchen vom Bauernhof zu. Aber selbst dann, wenn ich noch kein Faible für Kühe gehabt hätte, hätte ich es spätestens nach dieser Lektüre. Dank Gemin weiß nun jeder Leser von „Milchmädchen“, wie nützlich diese Tiere sind. Sie liefern uns wertvolle Lebensmittel, sind nachhaltig in deren Produktion und wenn sie uns mit ihren großen warmen Augen ansehen, dann geht uns das Herz auf.

Das haben auch die Bewohner des Viertels bemerkt, in denen Gemmas Großmutter lebt. Dort ist es schon lange nicht mehr so schön wie es mal war. Die Kriminalität steigt, ebenso wie die Gleichgültigkeit mit der man einander begegnet.

Sich um ein Lebewesen zu kümmern, sei es nun eine Kuh oder ein anderes Tier, bedeutet Verantwortung zu übernehmen. Auf Bedürfnisse einzugehen. Es steigert die Achtsamkeit mit der wir andern begegnen, aber auch Achtsamkeit für uns selbst. Themen, die in der tiergestützten Therapie schon lange oben anstehen. In „Milchmädchen“ passiert etwas ähnliches. Und das gleich mit einem ganzen Viertel.
In der Bryn Mawr geht es bald zu wie auf einem Markt. Ein buntes Treiben, das dazu beiträgt, dass man sich wieder annähert, dass durch Aufgaben keine Zeit für Kriminalität bleibt und der Alltag wieder einen Sinn bekommt. Egal, ob jung oder alt, jeder sorgt sich, jeder interessiert sich.

Jeder sollte eine Kuh haben. Und obendrein eine Kate, die zeigt, dass es sich lohnt einen eigenen Charakter auszubilden, nicht hinter Oberflächlichkeiten herzulaufen und für seine (vierbeinigen) Freunde einzustehen.



Buchinfo:


272 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
16,99 €
Originaltitel: Cowgirl
Übersetzung: Gabriele Haefs

Hier versandkostenfrei bestellen:



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Weitere Rezensionen zu „Milchmädchen“:


Sonntag, 24. Juli 2016

[Reiseproviant] #16 | 16


Lesereise:


In der vergangenen Woche habe ich recht viel gelesen. Das lag nicht etwa daran, dass ich mehr Zeit hatte, als sonst, sondern vielmehr an der wirklich guten Lektüre, die ich mir herausgesucht hatte.

Begonnen habe ich meine Lesereise mit einem Ausflug nach Nordfrankreich. Treffpunkt für vier Schicksale, die durch Begegnungen miteinander verbunden sind, aber jedes für sich eine kleine Geschichte über die Farbenvielfalt der Liebe
Delacourt ist für mich schon lange ein Garant für besondere Lesestunden. Seine poetische Schreibe ist so wunderschön und irgendwo finden sich immer Sätze, die perfekt ins eigene Leben passen. In seinem aktuellen Werk schöpft er wieder mal aus den Vollen der menschlichen Emotionen und unterstreicht diese mit einem anrührenden Hauch von Dramatik.

Von einer Emotion zur Nächsten. „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“ ist ein autobiografischer Roman des Autors Matt Haig, der darin von seinem Leben mit der Krankheit „Depression“ erzählt. Ein Buch, das sehr viel in mir bewegt hat und zu einem besseren Verständnis dieser von sehr vielen Vorurteilen belasteten Krankheit führt.

Auf dem Reader lese ich die meiste Zeit nur nachts. Das liegt daran, dass ich prinzipiell lieber ein gebundenes Buch in der Hand halte. In der Schwangerschaft habe ich mir dann einen Reader angeschafft, damit ich nachts lesen kann, ohne meinen Mann (und jetzt das Baby) zu stören, da ich zu der Zeit arg unter Schlafstörungen gelitten habe. Auch jetzt bin ich nachts häufig wach, weil ich entweder nach dem Stillen schlecht einschlafe oder aber darauf warte, dass mein kleines Mädchen hungrig aufwacht, was dann meistens nicht passiert.
Mein aktuelles eBook ist „Glück ist, wenn man trotzdem liebt“, der aktuelle Roman von Autorin Petra Hülsmann. Seit langem habe ich mich mal wieder an ein eher humorvolles Buch gewagt, denn es ist nun mal so, dass ich beim Lesen leiden lachen vorziehe. Hülsmann hat schon sehr viele begeisterte Kritiken für ihren Roman über die etwas eigensinnige Isabelle bekommen und auch ich habe wirklich Freude an dem Buch. In der örtlichen Buchhandlung habe ich außerdem erfahren, dass ich auf den Endseiten das Rezept für das lecker klingende „Schokaldenmalheur“ (Schokokuchen mit flüssigem Kern), das sehr zu empfehlen ist.

Gestern habe ich mit dem Jugendroman „Der Kuss des Raben begonnen“, bin aber noch nicht so weit, dass ich schon eine aussagekräftige Meinung dazu haben könnte. Autorin Antje Babendererde konnte mich in der Vergangenheit mit Romanen begeistern, in denen sie die Historie und Kultur indianischer Stämme aufgreift und in Geschichten für Jugendliche verpackt.

Welche Bücher begleiten euch zur Zeit?

Blogrundreise:


Das liebe Bröselchen liest einige der für den Deutschen Jugend Literatur Preis nominierten Bücher.

Papiergeflüster hat Ju Honisch über ihr eBook „Die Quellen von Malicorn“, Selfpublishing und Einhörner interviewt.


Und auf Lottas Bücher findet ihr einen tollen Beitrag zur Aktion #thePowerofBlogs

Lebensreise:


gelesen: gemeinsam mit dem kleinen Büchermädchen

gerochen: an einer Schokoblume

gelacht: über Otto Waalkes bei dessen Bilderausstellung



Euch allen eine glückliche und gesunde neue Woche.

Freitag, 22. Juli 2016

[Kinder Traumstube] Mein erstes Buch ... von den Tieren - Natalie Choux




„Wer hat eine wilde Mähne?“ So die tierische Frage auf der ersten Seite des Bilderbuches „Mein erstes Buch von den Tieren“.

Gespannt sitzen die kleinen Mäuse neben mir, die Antwort liegt ihnen bereits auf der Zunge. Bevor sie diese laut heraus rufen können, bewegt einer den Schieber. Der Löwe kommt hinter einem Busch hervor.

Das gleiche Spiel folgt Seite um Seite. Von der Savanne geht’s in den Dschungel, in den Wald bis hin zum Meer, wo ein Delfin fröhlich aus dem Wasser springt. Auf der letzten Seite sind noch einmal alle Tiere abgebildet.


Die Frage „Welches ist dein Lieblingstier?“ ist nur einer von mehreren Möglichkeiten wie das Buch zur Erweiterung des Sprachschatzes genutzt werden kann.

Welche Tiere sind bereits bekannt? Welche sind im Gedächtnis geblieben?

Größere Kinder haben außerdem die Möglichkeit den Lebensraum und die Farben der Tiere dazu zu lernen.

Die Farben und Formen der Tiere sind einfach und klar gehalten. Leicht zu erkennen und gut zu unterscheiden. Das Material ist stabil und das Schiebesystem sieht so aus, als würde es etlichen Stunden nutzen standhalten

Das spielerische bedienen des Schiebers ist nicht nur ein witziges Gadget (an dem auch Erwachsene Freude haben), sondern eine Möglichkeit die Motorik des Kindes zu verbessern.



Die Auswahl an Themen ist Vielfältig. Ganz bestimmt ist für jeden Geschmack was dabei. Ob Tiere, Fußball oder Jahreszeiten, Körper, Weihnachten oder Fahrzeuge – 18 verschiedene Themen sorgen für Abwechslung und spielerisches Lernvergnügen.

Und Spaß macht es alle mal!

Buchinfo:


arsEdition (September 2014)
12 Seiten
Pappebuch mit Schiebeelementen
ab 18 Monaten
9,99 €

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