Mittwoch, 28. September 2016

Die sieben Schwestern - Lucinda Riley



Die Schwestern d'Aplièse sind benannt nach den Plejaden, dem Siebengestirn am Himmelszelt. Als ihr Pa Salt, der sie alle wie ihre eigenen Kinder aufgezogen hat, stirbt, verlieren sie alle kurzfristig den Halt unter ihren Füßen. Doch wie immer sorgt Pa Salt sich auch nach seinem Tod um seine Mädchen und hinterlässt ihnen Briefe mit Hinweisen auf ihre Herkunft. Erstmalig werden sie mit ihren biologischen Wurzeln konfrontiert.

„Die sieben Schwestern“ ist der Auftakt einer Reihe. Pro Band geht Autorin Lucinda Riley näher auf das Schicksal einer der Schwestern ein. Den Auftakt macht Maia, erste Adoptivtochter von Pa Salter und älteste der Mädchen.

„Die sieben Schwestern“ ist mein erster Roman der Autorin Lucinda Riley, von der ich schon so viel Gutes gehört habe. Meine Erwartungen wurden erfüllt, denn ich habe genau die Art Familiengeschichte bekommen, auf die Klappentext und Rezensionen mich vorbereitet haben.

Die Reihe baut auf einer interessanten Basis auf. Sieben Schicksale, die durch eine Person eng miteinander verbunden sind. Jedes einzelne für sich so spannend, dass es die Aufmerksamkeit der Leser wert ist.

Maia ist eine sympathische Protagonist, deren Ursprung in Rio de Janeiro liegt. Ihre Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt, denn um ihre eigenen Handlungen nachzuvollziehen, sowie den Lebensweg ihrer Familie zu verstehen, muss man weit zurückreisen.

Lucinda Riley entführt uns ins Jahr 1927. Der Bau der berühmten Christus Statue, von der ich bisher glaubte, das sie noch viel älter ist, steht an, als Bel mit ihrem Vater einen Pakt eingeht. Inhalt dieses familiären Deals ist Bels Hochzeit mit dem zwar hässlichen, aber reichen Gustavo, den Bel nicht liebt, der ihr aber durch dieses Eheversprechen ermöglicht eine Europareise unternehmen zu können. Eine Reise, die den Stein von Maias komplexer Familiengeschichte ins Rollen bringt.

Riley verwendet viele für Familiensagen typische Elemente, wie Hochzeit mit ungeliebtem Mann, Unglück und Tod geliebter Familienmitglieder, ist oftmals vorhersehbar, bekommt aber immer wieder den Dreh mich gut zu unterhalten, indem sie einen neuen geheimnisvollen Aspekt einwirft, der in Verbindung mit den Schicksalen ihrer Schwestern steht, vermutlich in den Folgebänden aufgelöst wird und damit sehr neugierig macht auf die Geschichten, die noch kommen werden. Ausschlaggebend dafür, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen habe, ist Lucinda Rileys Erzählton, der ein bisschen Farbe in die manchmal eher matt schimmernden Figuren bringt und für kurzweilige Unterhaltung sorgt.

Buchinfo:


Goldmann (März 2015)
576 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
19,99 €
Originaltitel: The Seven Sisters 1 – Maia
Übersetzung: Sonja Hauser

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Weitere Rezensionen zu „Die sieben Schwestern“:


Freitag, 23. September 2016

[Rezension + Wanderbuch Aktion] Der Geruch von Häusern anderer Leute - Bonnie-Sue Hitchcock



Mit den Büchern aus dem Königskinder Verlag habe ich bisher immer einen guten Griff getan. Hinter wunderhübschen Schutzumschlägen verbergen sich liebevoll gestaltete Bücher mit sehr besonderen Geschichten.

Eins von ihnen ist „Der Geruch von Häusern anderer Leute“, das so fein und hübsch aussieht und auf den ersten Blick eher zart wirkt. Um das Thema des Buches aufzugreifen – man weiß nie, wie es hinter der Fassade aussieht. Erst genaues hinsehen zeigt was wirklich in einem Menschen bzw. Buch steckt. Hier ist es keine sanfte Geschichte, sondern Schicksale von großer Tragik und Dramatik. Ein Roman, der mit voller Wucht zuschlägt.

Irgendwann habe ich festgestellt, dass Häuser, in denen Mütter wohnen, besser riechen.“

Im Debüt der in Alaska geborenen Journalistin Bonnie-Sue Hitchcock steht keine einzelne Hauptperson im Vordergrund, sondern gleich vier. Vier junge Menschen, deren Leben auf die ein oder andere Art und Weise eine ungute Wendung genommen hat. Vier Menschen, die viel Verantwortung übernehmen müssen und deren Tage nur selten mit Sonnenschein beginnen. Vier Schicksale, die scheinbar schon seit längerem durch dünne Fäden miteinander verknüpft sind, die durch Handlungen und Erlebnisse immer dicker werden und sich am Ende des Romans in einem fest verwobenen Netz bewegen.

Handlungsort des Romans ist Alaska in den 60er Jahren, eine Art Reservat oder ähnliches. Die Autorin geht nicht detailliert darauf ein, macht aber Andeutungen, dass die dort lebenden Menschen Inuit Vorfahren haben und setzt ihnen die Form von Lethargie und Depression zur Seite, die ich schon aus anderen Büchern mit ähnlichem Setting kenne.

Die vier Jugendlichen, um die es in „Der Geruch von Häusern anderer Leute“ geht, haben auf unterschiedliche Arten mit ihrem Leben zu kämpfen. Einige von ihnen sind dadurch nur stärker und härter geworden, andere haben sich von der allgemeinen Melancholie ihres Umfeldes anstecken lassen, haben nie erfahren, dass es Alternativen gibt. Manche sind an ihren Problemen gewachsen, haben Kompetenzen entwickelt, um trotz aller negativer Erfahrungen ihren Weg zu gehen, andere haben weder den nötigen Hintergrund, noch das Wissen, dass es überhaupt anders möglich ist. Dass auch sie ein Anrecht auf Glück haben.

Ich warte erst mal ab. Auch wenn sie auf den ersten Blick harmlos wirken, warten viele Leute nur darauf, dir wehzutun, sobald du ihnen zu nah kommst. Man kann nie vorsichtig genug sein.“

„Der Geruch von Häusern anderer Leute“ hat sehr viel in mir ausgelöst. Die Schicksale der Jugendlichen sind keine leichte Kost und nur schwer verdaulich. Immer dann, wenn ich am wenigsten damit gerechnet habe, haben sie wieder unter der vollen Härte des Lebens leiden müssen. Das hat mich emotional ziemlich aufgewühlt und immer wieder das Buch aus der Hand legen lassen, obwohl die darin konzipierte Spannung nach weiterlesen verlangte.

„Der Geruch von Häusern anderer Leute“ ist eins jener Bücher, die man immer wieder nachdenklich betrachtet. Dessen Inhalt noch lange nachhallt, weil er zeigt das auch in Geschichten das Leben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen ist und dass sie oft näher an der Realität liegen, als wir oftmals glauben. Ich empfinde „Der Geruch von Häusern anderer Leute“ als ein Buch, das mich wieder mehr öffnet für die Schicksale anderer Menschen, das mir zeigt, dass ich genau hinsehen muss, bevor ich urteile, das Mut macht und realistisch von Hoffnung spricht, wo manch einer nur noch Trümmer sieht.


Buchinfo:


320 Seiten
ab 14 Jahren
Gebunden mit Schutzumschlag
17,99 €
Originaltitel: The Smell of other People's Houses
Übersetzung: Sonja Finck

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Weitere Rezensionen zu „Der Geruch von Häsuern anderer Leute“:




WANDERBUCH AKTION:


Da mir "Der Geruch von Häusern anderer Leute" so sehr gefallen hat, möchte ich das Buch gerne mit euch teilen und eine Wanderbuchaktion ins Leben rufen.

Ablauf:


  • Ihr bewerbt euch unter diesem Beitrag im Kommentarfeld, warum ihr gerne an der Aktion teilnehmen, bzw. das Buch lesen möchtet (ein "weil das Buch so schön aussieht" reicht mir nicht aus). Adressen tauschen wir später via eMail. Eure eMail Adresse bitte mit angeben.
  • Nach erhalten des Buches habt ihr drei Wochen Zeit zum Lesen und vier Wochen Zeit, um euren Eindruck zum Buch schriftlich zu verfassen. Es muss keine ausführliche Rezension in der Art wie ich sie geschrieben habe sein. Es kann einfach eine Zusammenfassung eurer Empfindungen beim Lesen, eurer Emotionen, eine Art Lesetagebuch etc. sein. Wichtig ist, dass ihr nicht spoilert.
  • Ihr müsst keinen eigenen Blog haben, um teilnehmen zu können. Wer keinen hat, der kann mir den Beitrag einfach als Dokument via eMail zusenden.
  • Ihr dürft, nein ihr müsst sogar, im Buch herum schreiben. Notiert darin eure Gedanken, unterstreicht Sätze, die ihr mögt. Stellt Fragen an Nachleser, kommentiert, Notizen und und und. 
  • Mit Teilnahme gebt ihr euch damit einverstanden, dass ihr das Buch auf eure Kosten an den nächsten Leser weiter sendet.
  • Am Ende kommt das Buch zu mir zurück. Ich werde dann nochmal einen Bericht dazu veröffentlichen. 
  • Ihr verpflichtet euch mit Zusage zur Teilnahme oben genannte Anforderungen zu erfüllen. 
  • Die Teilnehmer Zahl ist auf 8 begrenzt.

Dienstag, 20. September 2016

Die Magie der Namen - Nicole Gozdek



Namen sind gewichtig. Namen sind magisch. Dein Name bestimmt, wer du bist. Was du bist. Deinen Namen bekommst du am Tag deiner Volljährigkeit. Erst dann weißt du, welchen Beruf du ausüben wirst, zu welcher Gesellschaftsklasse du gehörst, wie dein Leben weitergehen wird. Hast du deinen Namen, musst du ihn und alles was damit zusammen hängt, hinnehmen.

Auch Nummer 19 bekommt mit Beginn der Volljährigkeit seinen Namen. Im Gegensatz zu allen anderen, weiß er aber nichts damit anzufangen. Der Name deutet auf eine relativ gut betuchte Familie mit Ansehen hin, doch ist sie niemandem bekannt. Während seine Klassenkameraden problemlos in ihre neuen Rollen schlüpfen, ist Nummer 19 trotz seines Namens Identitätslos. Eine gefährliche Suche bringt ihn auf die richtige Fährte und einen großen Stein ins Rollen.

Vorneweg muss ich sagen, dass mich der Roman recht gut unterhalten und ich ihn innerhalb kürzester Zeit weggelesen habe. Aber ich kann ihn leider nicht ganz kritiklos empfehlen.

Als ich einer Freundin erzählte, dass ich „Die Magie der Namen“ beginne, hat sie mit Begeisterung reagiert. Sie selbst mochte den Roman und die Idee – magische Fähigkeiten, die an bestimmte Namen gebunden sind – sehr gerne und ist sich sicher, dass ihr solch ein Thema noch nicht untergekommen ist. Auch mir gefällt der Gedanke, einen Namen zu haben, der mir magische Fähigkeiten verleiht (vorausgesetzt es sind die passenden) und der Gedanke, dass das Schicksal mit dem Namen verknüpft ist, es aber möglicherweise Protagonisten gibt, die sich dem entgegen setzen, lässt einen spannenden Roman vermuten.



Verwendet werden klassische Fantasy Elemente. Gefährten, eine abenteuerliche Reise, politische Machenschaften. Nicht uninteressant, aber eben nicht gänzlich neu. Auch dann nicht, wenn es mit Namensmagie verknüpft wird. Bausteine vieler Fantasygeschichten, die ich bereits gelesen habe, und auch weiterhin gerne lesen werde. Leider ist es der Autorin Nicole Gozdek, Gewinnerin des PIPER Awards auf Wattpad, nicht gelungen permanent Spannung aufzubauen.

Die Welt, in der sich die zum größten Teil sehr sympathischen, aber sehr vorhersehbaren Figuren bewegen, ist mit viel Liebe und großem Aufwand erschaffen worden. Allein all die Namen und Stammbäume zu entwerfen und skizzieren, müssen die Autorin Stunden Arbeit gekostet haben. Am Setting gibt es wirklich nichts zu kritisieren.

Im Endeffekt bleiben Geschichten nun mal Geschmackssache und nur weil meine Freundin und ich eben befreundet sind, mögen wir nicht immer die gleichen Bücher. Ihre Begeisterung kann ich nicht ganz teil, habe mit „Magie der Namen“ aber einige nette Lesestunden verbracht.

„Die Magie der Namen“ ist in der Datei der Leseapp Papego erfasst und kann über diese auch via Smartphone und Tablet gelesen werden, was ich sehr praktisch finde und deshalb gern genutzt habe.

Buchinfo:


PIPER (März 2016)
368 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
16,99 €

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Weitere Rezensionen „Die Magie der Namen“:



Sonntag, 18. September 2016

[Kolumne] Früher war nich' so'n Theater ...!

Bei uns im Sauerland ist das ja so: Jeder hat eine Meinung. Zu Allem und Jedem. Diese wird kundgetan, ob man das möchte oder nicht. Den Meinungsäußerer / Die Meinungsäußererin interessiert auch nicht, ob diese fachlich fundiert ist oder aus eigenen Erfahrungswerten resultiert. Nein, es wird geredet wie die Schnauze der Mund gewachsen ist. Hauptsache, man hat auch was dazu gesagt. Das Thema ist übrigens schnurzpiepegal.

Seit ich Mutter bin, begegnet mir diese Verhaltensform immer häufiger. Kurz wird Interesse geheuchelt, aber sobald ich berichte, werde ich unterbrochen und bekomme ungefragt Tipps und Tricks, wie ich mein Kind noch besser erziehen / ernähren / kleiden etc. kann.

Der Satz, den ich am meisten höre ist: „Früher war nich' so'n Theater.“

Bildrechte: N. Eppner


Früher war nich' so'n Theater in der Schwangerschaft!

Also früher haben die Frauen ja während der Schwangerschaft noch Kartoffeln geerntet (auch die aus der Stadt), jeden Tag das Haus geputzt (müssen die dreckig gewesen sein) und bis kurz vor der Geburt noch morgens dem Mann das Hemd rausgelegt. Der geht nämlich brav arbeiten und darf sich auf keinen Fall frei nehmen, um die Schwangere zu Ultraschallterminen zu begleiten. Warum auch? Vater wird man ja erst ab dem Tag der Geburt.

Früher war nich' so'n Theater bei der Geburt!

Früher haben die Frauen ihre Kinder im Galopp verloren, damit sie auch ja schnell wieder bei ihren unselbstständigen Männern sein können, um für sie den Haushalt zu schmeißen, denn dort hält er sich ja schließlich während der Geburt auf. Na okay, mit in den Kreissaal darf er. Aber ein Familienzimmer? Was ist denn das für neumodisches Zeug? Wobei will der denn auch helfen? Beim Stillen etwa? Ne, ne, lieber nehmen wir dem Mann die Möglichkeit das Leben seines Kindes von Anfang zu begleiten, als uns auf so moderne Machenschaften einzulassen.

Früher war nich' so'n Theater beim Stillen!

Da wurde zwischen Tür und Angel, zwischen Herd und Esstisch, zwischen Bügelbrett und Waschmaschine gestillt. Das Kind auf dem einen, den Wäschekorb auf dem anderen Arm balancierend. Schämen muss man sich dafür nicht, dass man der Natur freien Lauf lässt, aber in der Öffentlichkeit stillen ist schon sehr anmaßend. Die meist gesagten Sätze übers Stillen:
  • "Was, du stillst nicht mehr?"
  • "Was, du stillst noch?"


Früher war nich' so'n Theater mit der Erziehung!

Manchmal ist es besser einen Klapps auf die Finger zu geben, als die gute Dekoration wegräumen zu müssen. Im Notfall kann man die Kleinen ja auch mal in ein Zimmer sperren. Früher, wenn der Oppa geschimpft hat, haben wir alle still gesessen und keinen Mucks mehr gesagt.
Satz, der mir gestern genau so begegnet ist:“Ach, sie ist aber auch wirklich aktiv. Will se schon krabbeln? Dann musste se aber bald anbinden. Ist nicht schön für's Kind, aber da muss se dann durch.“
Aber ich hab ja sowieso Glück mit dem Kind. Das ist ja immer so lieb. An meiner Erziehungsmethode bzw. meinem Umgang mit dem Kind kann es nicht liegen. Neumodisch wie das alles ist.

Früher war das nich' so'n Theater mit dem Essen!

Wenn das Kind zum Essen guckt (Anmerkung meinerseites: meistens schon ab vier Monaten), dann kann's auch schon am Tisch mitessen (Anmerkung meinerseits: empfohlenes Alter für Beikost ca. 6 Monate). Besonders gut eignen sich Schokoladenpudding, Eis, das Innere vom Frankfurter Kranz und Kartoffeln mit saftiger, gut gewürzter Bratensoße. Allergien macht man sich doch selbst, weil die Kinder heute nix gescheites mehr zu essen kriegen. Und früher hat man ja auch alles gegeben und guck an, was aus uns geworden ist! fettleibig, oft krank, Magen- und Hautprobleme


Dieser Text ist natürlich völlig überzogen. Nein, nicht ganz, denn einige dieser Sätze habe ich genau so tatsächlich schon gehört. Andere sind meiner Fantasie entsprungen, liegen aber nahe an den Gesprächen, die mir oftmals aufgezwungen werden.

Ich lerne gerne aus den Erfahrungen älterer Familienmitglieder und Mitmenschen, finde es aber furchtbar, wenn die Augen so vor Neuerungen und Fortschritt verschlossen werden.

Früher und Heute können nicht verglichen werden. Die Lebensumstände waren völlig anders. Arbeitszeiten haben sich verändert, die Art der Arbeit, aber ganz besonders die Art unseres Alltags. Faktoren wie Stress, Technik, völlig andere Ernährungsweisen durch die Möglichkeit Lebensmittel auf unterschiedlichsten Wegen haltbar zu machen, sowie veränderte Familienkonstellationen haben dafür gesorgt, dass Familie / Alltag Früher und Heute unterschiedlich sind. Nicht immer ein Fortschritt, aber Veränderungen, vor denen wir uns nicht verschließen können.

Bildrechte: N. Eppner



Kennt ihr solche Aussagen auch?

Nicht nur zum Thema Kind, sondern auch zu vielen anderen Themen bekommt man ungefragt unqualifizierte Meinungen aufs Auge gedrückt.

Welche Aussage nervt euch am meisten?

Freitag, 16. September 2016

Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben - Matt Haig



Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Krankheiten. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben an Depression. […] Depression kann jeden treffen.“ (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe)

Depression ist kein Zustand, den Betroffene sich einreden, der diejenigen trifft, die zu schwach sind Etwas auszuhalten, die nicht arbeiten wollen oder die Menschen in ihrem Umfeld unter Druck setzen wollen – alle aufgezählten Punkte sind Vorurteile, die ich im Bezug zu Depressionen schon gehört habe. Depression ist eine Erkrankung, die jeden treffen kann. Einer von ihnen ist Matt Haig, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller.



Fast jeder von uns ist bereits mit Depression in Kontakt gekommen. Und trotzdem und trotz all der Toleranz, die wir uns täglich auf die Stirn schreiben, wird nach wie vor hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. Es besteht Scham, denn die angesprochene Toleranz ist eben doch nicht vorhanden und die Blicke, die an Depression erkrankten Menschen zugeworfen werden, sind schiefer als schief.

Da ist kein Licht am Ende des Tunnels, denn der Tunnel ist an beiden Enden zu, und du bist drin.“

Auch ich bin sowohl im privaten, wie auch beruflichen Umfeld bereits mit Depression in Kontakt gekommen. Hätte ich im Vorfeld Haigs Roman gelesen, hätte ich noch viel mehr Verständnis aufbringen können. Haig klärt auf. Hilft zu verstehen. Denen, die eine Schnittstelle zu Erkrankten haben, aber auch denjenigen, die von der Krankheit betroffen sind, denn indem er von seinen eigenen Erfahrungen berichtet, gibt er Erkrankten Tipps und Hilfestellungen.

Ich wähle das Wort „Erkrankte“ bewusst, denn man kann nicht oft genug erklären, dass es sich um eine Krankheit handelt. Und nicht um einen selbst herbeigeführten, selbst inszenierten Zustand. Es ist eine Erkrankung, die aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren entsteht. Einige von ihnen sind neurobiologischer Natur und damit wissenschaftlich belegbar. Depressionen können behandelt werden und sind heilbar. Wie lang und steinig der Weg zur Linderung ist, macht Matt Haig deutlich. Verständlich für jeden, auch diejenigen, die keine Vorkenntnisse haben oder immer noch zwischen ihren Vorurteilen festhängen.

Wenn es am schlimmsten ist, wünschst du dir verzweifelt irgendein Leiden, irgendwelche körperlichen Schmerzen, weil die Psyche unendlich ist und ihre Qualen genauso unendlich sein können.“

Solltet ihr jemals so jemandem begegnen, reicht ihm „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“. Matt Haig verdeutlicht wie schwer es ist mit Depression zu leben, dagegen anzukämpfen und nicht den Ausweg im Suizid zu finden. Allein in Deutschland sind 90% derjenigen, die Suizid begehen, Menschen, die an Depressionen leiden (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe). Eine unfassbare hohe Zahl. Wie schlecht muss es einem Menschen gehen, wenn der Tod die bessere Alternative ist, als das Leben? Matt Haig beschreibt es. Mit all seinen Gefühlen, seinen intimen Geständnissen, die den Leser mitten in sein Innerstes blicken lassen, hat er mich tief berührt. Ich habe mit ihm gelitten, habe mich an all diejenigen an Depression erkrankten erinnert, die mir bisher in meinem Leben begegnet sind und einige Tränen vergossen. Mitleid ist es aber nicht, was sie benötigen. Was sie brauchen ist Verständnis und Respekt. Nur so haben sie die Möglichkeit offen mit ihrer Erkrankung umzugehen und eine Behandlung durchzuführen.

Nach dem Regen kommt Sonnenschein. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.“

Um genau diese Punkte kämpft Matt Haig in seinem Buch, das mehr ist, als ein biografischer Roman, mehr als ein Sachbuch, mehr als ein Erfahrungsbericht. Es ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, weil es so sehr bewegt und ganz nebenbei fabelhaft geschrieben ist. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und hoffentlich bei vielen Lesern auch zum Umdenken. Ein Buch, das Mut macht für das eigene Leben zu kämpfen.

Buchinfo:


DTV (März 2016)
304 Seiten
Hardcover
18,90 €
Übersetzung: Sophie Zeitz


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Weitere Rezensionen zu „Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben“:



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Mittwoch, 14. September 2016

Jackaby - William Ritter



Statt das Geld ihrer Eltern in ihre Ausbildung zu investieren, macht sich Abigail Rook klammheimlich davon. Von Abenteuerlust und Reisefieber getrieben, landet sie in New Fiddleham, Amerika. Um sich dort über Wasser halten, ein Zimmer und Lebensmittel kaufen zu können, braucht sie einen Job. Es erscheint wie ein Glückstreffer, als sie die Annonce liest, in der ein Assistent für eine Detektei gesucht wird. Eine aufregende Arbeit und genau das richtige für die wagemutige Abigail.

Ihr neuer Chef heißt R.F. Jackaby, ist ein sonderbarer Mann, mit einem seltsamen Hut und wie sich bald herausstellt, hat er übersinnliche Fähigkeiten, an die Abigail eigentlich gar nicht glaubt. Bereits ihr erster Fall belehrt sie eines besseren. Ziemlich schnell ist klar, dass der Serienkiller, der seit kurzem im eher beschaulichen New Fiddleham sein Unwesen treibt, übernatürliche Kräfte hat. Wer ist das Monster? Und wie kann es gestoppt werden?

„Jackaby“ ist der Debütroman des Autors William Ritter und zeitgleich Auftakt zu einer Reihe, die im Original schon drei Teile umfasst. Übersetzt wurde bisher nur der erste Band, die anderen werden aber hoffentlich bald folgen. Mir hat dieser erste Teil so gut gefallen, dass ich mich schon jetzt auf die nachfolgenden Bücher freue.



Anfangs war ich etwas skeptisch, denn es gibt im Jugendbuchbereich bereits ein anderes Ermittlerteam, dass sich um die Vertreibung von Geistern kümmert und somit ein ähnliches Aufgabengebiet innehat. Doch obwohl den Lesern, denen die „Lockwood & Co.“ Romane ebenso gut gefallen wie mir, sicher auch ihre Freude an „Jackaby haben werden, sind die beiden Reihen nicht zu vergleichen. Die einzigen Ähnlichkeiten sind eben die Mystery Elemente und das Gefühl, dass man sich in einer Sherlock Holmes ähnlichen Umgebung befindet. Eine Atmosphäre, die mir unheimlich gut gefällt.

Mr. Jackaby selbst ist eine großartige Hauptfigur. Skurril und immer ein bisschen verwirrt, hat er in Windeseile mein Leserherz erobern können. Sein Blick auf seine Umgebung, sowie seine Mitmenschen ist emotionslos und von wissenschaftlichem Charakter, was ihn fast schon zu einem Sheldon Cooper des 19. Jahrhunderts macht. Obwohl er an Übersinnliches glaubt, mit Geistern reden kann (eine davon beherbergt er sogar in seinem Haus) und die Fähigkeit des Sehens besitzt, sieht er sich als Wissenschaftler, was seine kuriose Art zusätzlich unterstreicht. Kurz gesagt: sein Blick auf die Welt ist anders, als die aller anderen. Viele, viele Male hat mich seine trockene Art zum Schmunzeln gebracht.

Gemeinsam mit Abigail, die mutig ist und sich den für Mädchen im 19. Jahrhundert typischen Verhaltensmustern entgegen setzt, ergeben sie für mich ein perfektes Ermittlerteam, das im ersten gemeinsamen Fall, der mich mit düsterer Dramatik an die Buchseiten gefesselt hat, gut zusammen arbeitet.

Voller Spannung fiebere ich der nächsten Geschichte um Abigail Rook und Mr. Jackaby entgegen.


Buchinfo:


cbt (Juli 2016)
320 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
Originaltitel: Jackaby
Übersetzung: Dagmar Schmitz

Reiheninfo:


1. Jackaby
2. Beastly Bones: A Jackaby Novel 
3. Ghostly Echoes: A Jackaby Novel

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Weitere Rezensionen zu „Jackaby“:


Dienstag, 13. September 2016

[Kinder Traumstube] Was kitzelt dich am Näschen / Text: Birgit Hörner, Illustration: Anna Karina Birkenstock



In den ersten Jahren eines Kinderlebens ist das Wichtigste die Interaktion mit erwachsenen Bezugspersonen. Diese Beziehung kann durch Spiele, die zum kuscheln einladen und Körperkontakt intensiviert werden und hilfreich den Weg zu einer starken Bindung unterstützen.

Oftmals ist man als Elternteil, Großeltern etc. ratlos wie dieser Kontakt am sinnvollsten gestaltet werden kann. Ich selbst singe dann ausgedachte Lieder mit höchst sinnfreien sowie wenig hilfreichen Texten. Umso schöner ist es ein Buch gefunden zu haben, das Hilfestellung gibt.

Aufbauend auf Melodien bekannter Kinderlieder, sammelt der Verlag arsEdition unter dem Titel „Was kitzelt dich am Näschen“ Texte von Birgit Hörner, die als Massage- und Streichelspiele dienen. Wer nicht singen mag, der kann die Verse problemlos auch einfach sprechen.



Einfache Bewegungen werden durch die Abstimmungen mit leicht verständlichen Sätzen zu Spielchen, die Kindern ab einem Alter von wenigen Monaten Freude bereiten und sicher bis ins Kindergartenalter Anklang finden werden. Unterhalb der Texte steht immer eine Anleitung welche Bewegungen dazu ausgeführt werden sollten.

Im Buch, das liebevoll und kindgerecht von Anna Karina Birkenstock illustriert wurde, finden sich u.a. Verse, die auf den Morgen bzw. Abend abgestimmt sind, so dass sich daraus leicht herzliche Rituale entwickeln können, die Kindern Freude bereiten. Neben dem Spaßfaktor dient dies den Kleinen auch zur Stabilität, denn Rituale geben ihnen Sicherheit und Geborgenheit.

Wenn ich eine klitzekleine Kleinigkeit bemängeln wollen würde, dann wäre es die Tatsache, dass den Texten, die gesungen werden können, keine Noten beigefügt sind. Aber das ist wirklich Kritik auf höchstem Niveau, denn die verwendeten Kinderlieder sind vermutlich jedem geläufig (mich bringt es allerdings immer etwas aus dem Konzept, wenn ich einen anderen Text dazu singen muss als gelernt).

Noten passen auch gar nicht mehr in das Format, des Büchleins, das als Jubiläumstitel in einer handlichen Ausführung gedruckt wurde. Wer es umfangreicher mag und von den Anregungen so begeistert ist wie ich, der kann sich auch eine umfassendere Version des Titels zulegen (siehe hier).



Buchinfo:


arsEdition (April 2016)
20 Seiten
Hardcover wattiert
ab 6 Monaten
6,79 €

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