09.02.11

Die Glasbücher der Traumfresser - Gordon Dahlquist


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KLAPPENTEXT:
Was, wenn es ein Buch aus blauem Glas gäbe, das all ihre Träume enthielte? Wenn Ihre Sehnsüchte und Bedürfnisse eingefangen und aufbewahrt würden, damit andere sich an ihnen erfreuen könnten? Wenn all Ihre Geheimnisse und Wünsche jedermann bekannt wären – und Sie selbst sie für immer verloren hätten...?
Verpassen Sie auf keinen Fall den letzten Zug nach Harschmort Manor, einem mysteriösen Herrenhaus, das bizarre Geheimnisse und haarsträubende erotische Entdeckungen birgt! Dort begegnen Sie einer sitzengelassenen jungen Lady, einem professionellen Killer und dem Leibarzt eines mecklenburgischen Prinzen – die beim Versuch die Welt vor einer alchemistischen Maschine und einer teuflischen Verschwörung zu retten, ihr Leben, ihre Ehre und ihre Tugend riskieren. Begleiten Sie diese drei ungleichen Helden bei dem größten Abenteuer, das je ein Mensch erleben durfte...

ZUM AUTOR:
Gordon Dahlquist ist ein renommierter und weltweit ausgezeichneter Bühnenautor und Regisseur. „Die Glasbücher der Traumfresser“ ist sein grandioses Debüt. Sein zweiter Roman „Das Dunkelbuch“ ist ebenfalls im blanvalet Verlag erschienen.

EIGENE MEINUNG:
„Die Glasbücher der Traumfresser“ ist das bildgewaltige Debüt eines Autors, dem es gelingt, seine Leser so in die Geschichte hineinzuziehen, dass sie Freude, Erregung und Ängste der Charaktere am eigenen Leib spüren. Selten erlebt man, dass man so in eine Handlung eintaucht, ein Teil des Geschehens wird, wie bei diesem Buch
Starke Protagonisten und hervorragend ausgearbeitete Nebencharaktere geben dem Roman nicht nur Tiefe, sondern füllen ihn mit Leben. Ein allwissender Erzähler begleitet jeweils Kapitel weise die Hauptfiguren Miss Temple, Kardinal Chang oder Doktor Svenson, deren Schicksale miteinander verbunden sind, weshalb sie im Laufe der Geschichte aufeinandertreffen, um gemeinsam gegen diejenigen anzukämpfen, die dem Wahn der Macht verfallen sind.

Meine Lieblingsfigur ist Miss Temple, die einst eine sittsame junge Dame war, aber während sie ihrem ehemaligen Verlobten Roger Bascombe folgt, um herauszufinden, warum er ihre Verbindung gelöst hat, im wahrsten Sinne des Wortes vom Weg abkommt. Mit einem Zug voller maskierter und in Abendgewändern gekleideter Menschen, fährt sie einem ungewissen Ziel entgegen und landet unverhofft in den Fängen und Intrigen machtgieriger und gerissener Menschen, und ehe sie sich versieht trachtet man ihr nach dem Leben. An ihr mochte ich besonders, dass sie sich, egal in welcher misslichen Lage sie steckte, nie hat unterkriegen lassen.

Kardinal Chang ist in etwa eine Mischung aus Privatdetektiv und Kopfgeldjäger. Er wird auf einen neuen Fall angesetzt, bei dem er unter anderem Miss Temple, die sich ihren Verfolgern klugerweise als Isobel Hastings vorstellte, nach den Hintergründen ihres Erscheinens befragen und notfalls töten soll. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm noch nicht klar, was seine Auftraggeber wirklich treiben, weshalb er sich irgendwann entscheiden muss, auf welcher Seite er steht.

Doktor Svenson ist der Leibarzt und persönliche Aufpasser des Prinzen Karl-Horst von Maasmärck, der aufgrund seiner Verlobung mit der jungen Lydia Vandaariff seine deutsche Heimat verlassen hat. Er ist schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe und seine Tugend ist schon längst verloren gegangen.

Diese drei geraten in die Fänge einer experimentierfreudigen Gesellschaft, die nach Macht dürstet und sich deswegen nicht scheut gnadenlos Manipulation und Gewalt einzusetzen, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.

Die Vorstellung, dass Träume eingefangen und in ein Buch gepresst werden, hat mich sofort fasziniert. Gordon Dahlquist setzt diese Idee auf fantastische Weise um. Mit dem Hintergrund des viktorianischen Zeitalters, den politischen Ideen und den technischen Entwicklungen dieser Epoche, bekommt die Geschichte viel mehr die Atmosphäre eines Abenteuers, in dem Mut und Geschick der Helden die Probleme lösen und die Schurken bezwingen, als wenn er sie vor dem Hintergrund neuster technologischer Entwicklungen inszeniert hätte.

Ein Roman, der ein bisschen ist wie ein Theaterstück. Gordon Dahlquist knausert nicht mit detailgenauen Beschreibungen von Kleidung, Bühnenbild und Gefühlsregungen der Charaktere. Er spart weder an grausigen, noch an erotischen Einzelheiten, was die Geschichte nicht nur zu einer Besonderheit macht, sondern auch den Leser dazu anhält, ganz genau zu lesen, um ja nicht das kleinste Detail zu verpassen. Eine Tatsache, weshalb man das Buch nicht mal eben so zwischendurch lesen kann. Außerdem braucht man etwa die ersten zweihundert Seiten, um sich überhaupt einen Überblick der Figuren zu machen, welchen man aber mindestens weitere zweihundert Seiten keine genauen Absichten zuschreiben kann, weswegen der Leser nicht weiß, wer nun auf der guten und wer auf der Bösen Seite ist, und das Gefühl der Spannung und Ungewissheit kaum los wird, weshalb man das Buch nur schlecht aus der Hand legen kann.

Ein Buch für all jene Leser, die sich in gern in große Geschichten entführen lassen, und die nötige Ausdauer besitzen, diese auch durchzustehen. Denn „Die Glasbücher der Traumfresser“ umfasst 900 Seiten kleiner Schrift, hätte an keiner Stelle gekürzt werden können, wird aber nie langweilig und reisst den Leser aus dem Alltag in eine fabelhafte Erzählung. Und wie sagt Miss Temple so schön: "Von einem Abenteuer zu lesen ist weitaus respektabler, als selbst eines zu erleben."
  • Taschenbuch: 928 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (10. August 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442372747
  • ISBN-13: 978-3442372744
Meinen herzlichsten Dank an blanvalet für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

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