04.08.11

Sommerhit - Tom Liehr



image_1_11303KLAPPENTEXT:
Falk Lutter ist vierzehn, etwas blauäugig und zu dick, als er 1980 mit seiner Familie nach einem Balaton-Urlaub in den goldenen Westen flieht. Doch nur er und seine Mutter kommen auch an. Und was der Dresdner Junge dort erlebt, ist ein Kulturschock: Cool sein ist die Devise seiner neuen West-Berliner Mitschüler – eine Coolness, die während der Abi-Abschlussfahrt in ein Drama mündet. Und "Cool sein" heißt auch sein Sommerhit, der in den 90er Jahren die Tanzflächen rockt. Zwanzig Jahre später kommt es dann zum Klassentreffen. Falk nennt sich jetzt Martin Gold und ist ein Star, der weiß, was er will, und den niemand mehr so richtig auf dem Schirm hat. Der Tag der Abrechnung ist gekommen.
ZUM AUTOR: (Quelle: Rütten&Loening)
Tom Liehr, geboren 1962 in Berlin, war Redakteur, Rundfunkproduzent und DJ. Seit 1998 Besitzer eines Software-Unternehmens. Er lebt in Berlin. Bislang erschienen seine Romane "Radio Nights", "Idiotentest", "Stellungswechsel", "Geisterfahrer" und "Pauschaltourist".
EIGENE MEINUNG:
Wie vermutlich einige andere auch, wurde ich zunächst von Cover und Titel des Buches etwas in die Irre geleitet und erwartete ein fröhliches Sommerbuch. Liest man den Klappentext kann man eigentlich nicht auf so falsche Gedanken kommen, doch der Text auf der Rückseite des Buches ist da nicht so eindeutig.
Obwohl ich also ganz falsche Erwartungen in das Buch gesetzt hatte, wurde ich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Kaum ein locker leichtes Sommerbuch hätte mich so mitziehen können, wie "Sommerhit" es getan hat.
Das liegt vor allem an der Schreibe des Autors, den ich zwar so vom Hören-Sagen kannte, von dem ich aber noch nie etwas gelesen hatte. Ich muss zugeben, ich hatte auch ihn etwas unter der Kategorie der lustigen deutschen Autoren abgespeichert, was wiederum ein Fehler war.
Seine Schreibe ist bildgewaltig, facettenreich und obwohl es keine Geschichte mit unerwarteten Überraschungen ist, ist es Tom Liehr gelungen mich so zu fesseln, dass ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen hatte.
Der Autor verarbeitet in seinem Buch gleich zwei Themen, die mich auch im Nachhinein zum Nachdenken angeregt haben. Zum einen geht es um die DDR, die Machtstrukturen dort, Geheimnisse und Spielchen, die mit den Bewohnern gespielt wurden. Prägend ist hier vor allem mit welcher Naivität gerade auch Falks Eltern an die Sache gehen. Nur das Ziel vor Augen nach Westdeutschland überzusiedeln, mit dem Hintergedanken dort ein besseres Leben zu führen ohne zu Hinterfragen. Eine Naivität, die vielleicht sogar ein bisschen typisch ist, für die Menschen, die in der DDR lebten. Ich weiß es nicht genau und will mich da auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn es besteht die Möglichkeit, dass sie gar keine andere Wahl hatten, als das hinzunehmen, was man ihnen vorgegeben hat. Sei es nun in Bezug auf alltägliche Dinge, wie z.B. Musik, Lebensmittel etc. oder aber in Hinblick auf Ausbildung, Arbeit usw. Eigentlich eine Tatsache, die ich mir, als im Westen, sowohl geographisch als auch zeitlich fernab der DDR aufgewachsen, nur sehr schwer vorstellen konnte, die in "Sommerhit" aber interessant und spannend umgesetzt wurde. Ich musste direkt gestern mal eine Doku über den Mauerfall anschauen...
Das zweite große Thema ist Macht an sich. Wer hat Macht? Wie kommt es zu Macht? Was macht Macht aus? Und, muss man Macht immer ausnutzen? Ein Thema, das im kleinen Kreis beginnt (Schule, Cliquen) und sich auf große Geschehen ausweiten kann (2. Weltkrieg). Egal in welchem Ausmaß die Ausnutzung der eigenen Macht stattfindet, das Ergebnis bleibt immer gleich. Menschen werden unterdrückt, schikaniert und manch einer ist nicht stark genug, dies zu ertragen. Ich bin immer wieder geschockt, in welche Situationen Menschen durch das gedankenlose handeln anderer getrieben werden können. Wie fesselnd Gruppenzwang sein kann, wie verwerflich auch mitlaufen sein kann und wie sehr manche Menschen ihre Machtpositionen ausnutzen. Zum Glück kann sich manchmal das Blatt wenden....Ob man dies allerdings ausnutzen sollte, wenn man selbst auf einmal in der "oberen Position" ist und über Macht verfügt, ist die andere Frage...
FAZIT:
Ein lesenswertes Buch, das nicht nur ausgesprochen fesselnd unterhält, sondern auch sehr zum Nachdenken und vor allem Überdenken der eigenen Handlungen anregt. Sprachlich so überzeugend, dass ich dringend auch andere Bücher des Autors lesen muss.
BEWERTUNG:
Kuh 4(3)
BUCHDETAILS:
  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Rütten & Loening; Auflage: 1 (2. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • 16,99 €
  • ISBN-10: 3352008140
  • ISBN-13: 978-3352008146

EXTRAS:

Zu diesem Buch gibt es eins meiner Lieblingsextras: Eine Playlist !! Unbedingt reinhören und über Musik freuen, die nicht dem Mainstream entspricht und das Buch sehr schön begleitet.

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