04.08.11

Vor meinen Augen - Alice Kuipers



u1_978-3-8414-2121-0.433176KLAPPENTEXT:
„Ich öffnete die Haustür und trat hinaus in den kalten Morgen. Die Wolken waren mit grauem Licht durchzogen wie mit dichtem Rauch. Ich versuchte, gar nichts zu denken, meinen Kopf leer zu machen, aber ich schaffte es nicht, und für einen Moment waren die Erinnerungen einfach zu stark. Unsicher streckte ich eine Hand aus und sah, wie sie zitterte. Meine Lungen waren voller Rauch; die Luft war zu dick, um zu atmen. Ich lehnte mich gegen den Zaun, holte ein paarmal Luft und sagte mir, dass alles in Ordnung.“

ZUR AUTORIN: (Quelle: Fischer)
Alice Kuipers wurde 1979 in London geboren, studierte in Manchester und lebt heute in Saskatoon in Kanada. Sie hat Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften und als Radioproduktionen veröffentlicht. Ihr erster Roman „Sehen wir uns morgen“ erschien in 29 Ländern, wurde mehrfach ausgezeichnet und zu einem internationalen Bestseller.
EIGENE MEINUNG:
Sophies Leben ist ein Trümmerhaufen. Denn es ist etwas geschehen, dass nicht nur ihren Alltag, sondern auch sie selbst und ihre Mutter zerstört hat. Ein Ereignis, das man nicht mehr rückgängig machen kann und das so unverhofft und heftig auf die beiden eingeschlagen ist, dass sie nur sehr schwer wieder auf die Beine kommen können.
Sophies tagebuchartige Einträge erleichtern den Einstieg in die Geschichte, in der lange geheim gehalten wird, welches schwerwiegende Erlebnis ihr Leben so sehr verändert hat. Alice Kuipers gelingt es die Gefühle der Charaktere sehr gut rüber zu bringen. Allerdings schwächt die Art mit der sie versucht die jugendliche Ausdrucksweise und Schreibe Sophies zu gestalten, etwas die Geschichte, da sie nur wenig authentisch und eher aufgesetzt wirkt. Ich muss sagen, dass mich das anfangs etwas gestört hat und mich das Buch deswegen zunächst nicht so packen konnte. Doch dann wird die Geschichte immer tiefgründiger und voller Spannung habe ich darauf gewartet zu erfahren, was Sophie passiert ist.
Die Charaktere sind facettenreich und sehr emotional. Man kann ihre Stimmungen spüren und leidet mit ihnen mit. Vor allem Sophies Mutter ist sehr verstört. Anfangs nimmt man sie kaum wahr. Sie ist wie ein Schatten ihrer Selbst, kaum zu greifen und voller Verzweiflung. Unter anderem darüber, dass sie und Sophie sich soweit voneinander entfernt haben.
Sophie selbst sitzt in einem Loch, aus dem sie verzweifelt versucht heraus zu kommen indem sie immer wieder Dinge tut, die Mädchen in ihrem Alter auch tun, nur um dann fest zu stellen, dass ihr Leben nicht das eines normalen Teenagers ist. Dabei wirkt sie oft überdreht, was man manchmal nicht nachvollziehen kann, doch schnell wir klar, dass sie sich eigentlich immer mehr an ihrem Kummer fest frisst und dabei nicht bemerkt wie ihr Umfeld zusammenbricht. An ihrem unterdrückten Schmerz scheint nicht nur sie, sondern auch ihre Freundschaften zu zerbrechen.
Apathisch und scheinbar gleichgültig bringt sie ihre täglichen Pflichten hinter sich, bis ihr auch diese nicht mehr möglich sind. Mit der Antwort „Alles bestens!“ speist sie die Menschen ab, die sich Sorgen um sie machen. Verzweiflung macht sich beim Leser breit, denn er muss mit ansehen wie es Sophie scheinbar nicht gelingen will zurück ins Leben zu finden.
FAZIT:
Vor meinen Augen ist ein Buch über ein trauriges Mädchen und dessen Bewältigung verstörender Ereignisse. Ein Buch, das sehr emotional ist und zu Herzen geht.
BEWERTUNG:
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BUCHDETAILS:
  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Fischer Fjb; Auflage: 1 (12. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • 14,95 €
  • ISBN-10: 3841421210
  • ISBN-13: 978-3841421210
  • Originaltitel: Lost For Words

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