06.06.13

Fern wie Sommerwind - Patrycja Spychalski


KLAPPENTEXT:
441_30863_128994_xxlGanz ehrlich! Noras größtes Problem ist, dass sie sich ihr Leben lieber vorstellt - in den verrücktesten Visionen ihrer Zukunft -, als es einfach zu leben. Doch jetzt kommen die letzten Ferien, der Sommer der großen Entscheidungen. Nora verbringt ihn an einem hübschen Badeort am Meer und jobbt als Drachenverkäuferin am Strand. Neben dem Kaffeemädchen und den Eisverkäufern ist da auch noch Popcornjunge Martin, mit dem schönen Lächeln und dem sonnengelben Haar. Als Martin sich immer wieder in Noras Tagträumereien verirrt, wird klar: Wenn es um ihn geht, sollte das Leben auf keinen Fall nur im Kopf stattfinden …

AUTORIN: 
(Quelle: cbt)
Patrycja Spychalski, geboren 1979 in Starogard, Polen, zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Berlin. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schauspielausbildung, wandte sich dann aber einem ganz anderen Bereich zu: Seit 2002 arbeitet sie in vielfältigen sozial-kulturellen Projekten mit Kindern und Jugendlichen. Sie schrieb schon mehrere Kurzgeschichten für Anthologien, bevor sie ihren ersten Roman „Ich würde dich so gerne küssen“ verfasste. Ihre große Liebe gilt der Rockmusik - selbstverständlich neben ihrem Freund, ihrem kleinen Sohn Juri und ihren beiden neurotischen Katzen, mit denen sie in Berlin lebt.

EIGENE MEINUNG:
„Ich schreibe Briefe an die Zukunft. Und jedes Mal, wenn ich sie in den Briefkasten werfe, dann merke ich, dass sie falsch adressiert sind ...“
Mit diesem poetischen und doch bedeutungsschweren Satz beginnt er, der neuste Roman der sympathischen Autorin Patrycja Spychalski, der mich sehr berührt und an einer Zeit erinnert hat, die einfach die emotionalste im Leben eines Menschen ist.
Protagonistin Nora ist 17 Jahre alt und auf dem Weg, das Leben auf eigenen Füßen zu erkunden. Dazu hat sie einen Ferienjob an der Ostsee angenommen. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen ist es ihre Aufgabe, Touristen mit urlaubsnotwendigen Gegenständen zu versorgen. Eis, Kaffee, Popcorn und ihrem Fall Drachen. Schnell bildet sich eine kleine Gruppe, die immer mehr zu Freundschaft heran reift. Für Nora, die sich in der Vergangenheit eher etwas isoliert und in Tagträume über ihre möglich Zukunft zurück gezogen hat, eine besonders intensive Erfahrung. Außerdem gibt es in dem Freundeskreis den künstlerisch begabten Martin, der sich mehr und mehr in ihren Träumen ausbreitet …
„Wer weiß, was ich sonst noch alles sein kann, wenn ich erst mal auf mich allein gestellt bin.[...] Da liegen wir also beide mit unserer Zukunft, die sich vor uns ausrollt, schweigen und hören Songs von Nina Simone.“
Der Autorin ist es gelungen mich mit einer Intensität, die mich selbst überrascht hat, in eine andere Zeit hinein zu zaubern. Ich habe mich gefühlt als wäre ich selbst wieder 17 und sofort war dieses Gefühlschaos, das man in diesem Alter erlebt, wieder da. Diese Mischung aus Unsicherheit und uneingeschränkter Zuversicht. Das Gefühl alles zu schaffen und doch nicht so richtig dort angekommen zu sein, wo man sich heimisch fühlt. Verwirrung , aber auch einem unbändigen Glauben an sich selbst, seine Wünsche und Träume.
„Und in diesem Moment begriff ich zum ersten Mal, dass jeder für sich alleine ist. Man kann zusammen essen und reden, Monopoly spielen und ins Kino gehen, vielleicht sogar vertraut sein, aber wenn es darauf ankommt, wenn es wirklich essenziell und beängstigend wird, dann ist man allein. Immer. Allein mit seinen Tränen und seinen blutigen Lippen.“
An Noras Geschichte gefällt mir so gut, dass sie sehr authentisch geschrieben ist. Es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen und schon gar nicht alles rosarot. Nora macht ihre eigenen Erfahrungen, die prägend dafür sind, welch ein Mensch in späteren Zeiten einmal aus ihr werden wird. Erfahrungen, die jeder selbst machen muss, um lernen und sich weiter entwickeln zu können, was gerade auf dem Weg zum erwachsen werden sehr wichtig ist. Auch Fehler machen ist erlaubt, denn es ist nun mal nicht einfach aus dem behüteten Leben als Teenager heraus zu brechen. In Noras Fall betrifft das auch die Liebe, denn die erste richtige ist einfach die schwierigste, weil sie so viel mehr ist als nur kribbeln im Bauch, richtige Worte im richtigen Moment …

FAZIT:
„Ich genieße den Rausch der Geschwindigkeit. Den Sommerwind im Gesicht. Meine Liebe. Die Freiheit.“
Dies ist der Satz, der meiner Meinung nach der treffendste ist, um die Gefühle des Romans, des Sommers, den Nora erlebt, - einen Sommer, wie ihn jeder einmal erlebt haben sollte -, zu beschreiben. Gefühle, mit denen mich die Autorin sehr berührt hat. Gefühle von Freiheit und Leichtigkeit, sich selbst zu erfahren und der Möglichkeit alle Wege zu beschreiten, die man möchte. Die Zukunft vor sich zu haben und die Richtung selbst zu bestimmen. So wie Nora, das Drachenmädchen ...
BUCHINFO:
cbt (Mai 2013)
256 Seiten
7,99 €
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