05.02.14

Die andere Seite des Himmels - Jeannette Walls


Klappentext:

Kalifornien 1970. Bean Holladay und ihre ältere Schwester Liz sind Teenager, als ihre geniale Mutter mal wieder von der Bildfläche verschwindet. Für die Mädchen zunächst nicht weiter beunruhigend. Sobald Probleme am Horizont auftauchen, ergreift ihre Mutter die Flucht. Doch dieses Mal scheint die Sache ernst zu sein …

Nachdem die Fürsorge bei den Mädchen auftaucht, wissen sie, dass sie sich schnellstens aus dem Staub machen müssen. Mutterseelenallein legen sie den langen Weg nach Byler, Virginia, zurück, dem Heimatort ihrer Mutter. Dort betreten sie eine Welt, die anders ist als alles, was sie bisher erlebt haben. Sie lernen ihren verschrobenen, aber liebenswerten Onkel Tinsley kennen, erfahren erstmals, dass ihre Mutter aus einer wohlhabenden Familie stammt, und erkunden staunend das familieneigene Anwesen. Bean und Liz gefällt es in ihrer neuen Umgebung, sie merken jedoch bald, dass sie in dem konservativen Ort zuweilen anecken. Und weil sie sich nichts gefallen lassen, haben sie plötzlich den mächtigsten Mann der Gemeinde gegen sich. Ein mitreißender Roman über zwei mutige Mädchen, die sich gegen die Welt der Erwachsenen auflehnen.

Autorin:
(Quelle: Hoffmann und Campe)

Jeannette Walls wurde in Phoenix, Arizona, geboren. Sie studierte am Barnard College und arbeitete über zwanzig Jahre als Journalistin in New York. 2006 erschien ihr internationaler Bestseller Schloss aus Glas, der in 23 Sprachen übersetzt wurde. Eine Kinoverfilmung ist in Arbeit. Ein ungezähmtes Leben, die 2009 veröffentlichte Romanbiographie über ihre Großmutter, belegt seit Jahren die deutschen Bestsellerlisten. Walls lebt mit ihrem Mann in Virginia.

Eigene Meinung:

" >>Ich schätze, Julius Johnson hat sich gedacht, wenn ein dünnes weißes Mädchen den Mumm hatte, es mit Maddox aufzunehmen, dann sollte er nicht nachstehen.<<"

Es gibt Bücher, die sind so wundervoll, dass man dies mit eigenen Worten kaum zu beschreiben weiß. "Die andere Seite des Himmels" ist so eins dieser Bücher. Eins der Sorte, an die man immer und immer wieder denken muss, an die man sich mit viel Wärme und Herzlichkeit zurückerinnert und die man nie, aber auch wirklich niemals vergessen wird.

Hauptverantwortlich hierfür ist ein Mädchen, das nicht nur anders ist als Gleichaltrige, sondern vor allem über jede Menge Mut verfügt. Tapferkeit, von der sich jeder eine Scheibe abschneiden kann.
 
Liz Holladay und ihre jüngere Schwester Jean, genannt Bean, sind oft auf sich allein gestellt. Ihre Mutter ist Künstlerin, lebt in ihrer eigenen Welt, redet sich alles passend, ist oftmals unzufrieden und flüchtet dann vor sich selbst und dem Leben an sich. Bisher ist sie immer nur für kurze Zeit weggewesen und hat die beiden Mädchen mit ausreichend Nahrung und Geld zurück gelassen, damit sie in Abwesenheit der Mutter auch weiterhin versorgt sind. Einen Vater haben die Mädchen nicht. Also rein biologisch schon, aber Liz´ Dad ist ein Schuft, der die Mutter verlassen hat und Beans Vater ist tot.
 
Als wieder einmal das Leben über Charlotte Holladay hereinbricht läuft sie wie so oft davon und lässt die Mädchen allein. Da sie Angst haben von den "Fliegelflageln" ins Heim gesteckt zu werden, machen sie sich alleine auf den Weg zu ihrem Onkel Tinsley nach Byler. Dem Heimatort ihrer Mutter. Dort erleben sie jedoch nicht nur schöne Dinge, vor allem nicht, als sie sich gegen Jerry Maddox, dem meist gehassten Mann der Gegend, zur Wehr setzen ...
 
Dies ist mein erster Roman der Autorin Jeannette Walls, die ich aufgrund der Kraft ihrer Schreibe viel älter eingeschätzt hätte. Ihre Schreibe ist so lebendig, so authentisch und qualitativ hochwertiger Erzählkunst, gepaart mit dem nötigen Quentchen Fantasie, das man meiner Meinung nach benötigt, um eine gute Geschichtenerzählerin zu sein. Gekonnt vereint sie Tragik, Gefühl, Herzlichkeit und vielleicht auch ein Häppchen Ironie, so dass sich die Handlung der Geschichte sehr deutlich in Emotionen des Lesers widerspiegelt.
 
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Protagonistin Bean, die wie schon eingangs von mir erwähnt, ein ganz besonderes Mädchen ist. Etwas naiv, aber vor allem mit dem Herz am rechten Fleck, findet sie in Tynsdale nicht nur neue Freunde, sondern vor allem endlich ihre Identität. Ihre Schwester Liz trifft es jedoch mit einer ganz anderen Härte. Sie wird Opfer von Machtgier und der Tatsache, dass es leider Menschen gibt, die ihre Machtpositionen auf ganz grausame Art ausnutzen. Hier wird deutlich wie beeinflussbar die Menschheit, aber vor allem auch einzelne Personen sind. Wie stark sich Abhängigkeit sowohl auf eine breite Masse, als auch individuell auswirken kann.
 
Jeannette Walls verpackt in ihrem neusten Roman nicht nur die Kritik an Machtspielchen, sondern geht in einem wie ich finde passenden Maß auch auf weitere wichtige Gesichtspunkte ein. Das wären zum Einen, entsprechend des Handlungszeitraums, Rassentrennung und die Tatsache, dass manche Menschen eben gleicher sind als andere, zum Anderen aber auch etwas, dass mir besonders ins Auge sticht, da ich in eben diesem Bereich arbeite. Es geht darum zu welchen Menschen, welchen Persönlichkeiten Kinder heranreifen können. Was ist entscheidend, um ein solch tapferer Mensch wie Bean zu werden? Persönliche Ressourcen, positive oder negative Erlebnisse oder aber der Umgang mit den "richtigen" Menschen? Jeannette Walls bringt uns hier zum Nachdenken darüber, wie wichtig Zuneigung, Liebe und Vertrauen vor allem während des Heranwachsens sind. Man könnte nun endlos und ausufernd darüber berichten, aber ich denke das wichtigste ist: Lest "In einem anderen Himmel" !!!
 

Fazit:

"In einem anderen Himmel" ist einer der herzlichsten und trotz grausamen Ereignissen, herzerwärmendste Roman, den ich seit langem gelesen habe. Lest dieses Buch und macht Bekanntschaft mit der wundervollen, einzigartigen und überaus tapferen Bean Holladay!!!
 

Buchinfo:

 
Hoffmann und Campe (November 2013)
368 Seiten
19,99 €
Übersetzer: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
 
 
 
 

Kommentare:

  1. Will ich lesen! Findest du denn auch, dass es etwas von "Wer die Nachtigall stört" hat?

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  2. Ja musst du!! Also "wer die Nachtigall stört" ist natürlich einzigartig, aber vom Ton her ist es schon ähnlich. Also ich habe es bei Lovelybooks mit in die Liste "Wer ... mochte, mag auch ..." gesetzt. Auf jeden Fall gleiche Erzählqualität und ähnlich tolle Protagonisten.

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    1. Schön!
      Ich fand ja "Schloss aus Glas" recht langatmig zu lesen und "Wer die Nachtigall stört" so gar nicht. Dann hoffe ich, dass sich das hier wirklich mehr in die unterhaltsam lesende Richtung bewegt.

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