17.04.14

Das Haus des Windes / Louise Erdrich



„Wir fordern das Recht, auf jeder Art von Land innerhalb unserer ursprünglichen Grenzen Kriminelle egal von welcher Rasse zu verfolgen.“

Joes Mutter wollte nur mal eben schnell zum Büro. Eben mal schnell noch eine Akte bearbeiten und zurückzukehren mit dem schlimmsten Schock ihres Lebens.

Joes Familie lebt in einem Indianerreservat. Setzen sich für die Rechte der Indianer ein, die immer noch mit Rassentrennung und daraus bestehenden Konflikten zu kämpfen haben. Oftmals werden sie behandelt wie Dreck, wie ein Stück Vieh, das keine Rechte hat und der Willkür derer ausgeliefert ist, die Geld und Macht haben.

Joes Mutter wird Opfer einer der Konflikte. Sie wird vergewaltigt, ist stark traumatisiert und sich mehr als sicher, dass sie keine Chance hat, Recht zugesprochen zu bekommen, denn sie ist ja „nur“ eine Indianerin. Sie spricht kaum noch, zieht sich immer mehr zurück und Joe und sein Vater müssen hilflos dabei zusehen, wie sie nach und nach verschwindet. Sich auflöst, unsichtbar werdend, um dem Schrecken zu entkommen. Dramatisch und grausam, so schockierend, dass dem Leser das Blut in den Adern gefriert ist die Situation in der sie sich befindet. Einmal beschreibt Joe, dass er „brutale Vergewaltigung“ aus einem Buch kennt. Diese Aussage wirkt auf mich so skurril, so hart, denn auch wir erleben dies hier in einer Geschichte, doch es wirkt so echt, dass das seelische Leiden des Opfers so präsent ist, das einem der Schock ins Gesicht geschrieben steht. Mehr als einmal war ich so betroffen, dass ich nicht wusste, wie mir geschieht.

Auf der anderen Seite erleben wir die Geschichte von Joe, einem jungen heranwachsenden, der sich mit Dingen beschäftigt, die für Jungs in dem Alter wichtig sind. Es ist die Geschichte seines Weges zum Erwachsenen, gezeichnet von positiven und negativen Erlebnissen, ein Auf und Ab des Lebens, schnelllebig und intensiv.

Lousie Erdrich beschreibt sehr direkt und intensiv das Leben der Indianer im Reservat. Authentisch und mitreißend kreiert sie eine Geschichte, die sowohl fasziniert und begeistert, auf der anderen Seite aber auch schockiert und mit unglaublicher Härte zuschlägt. Sehr nachdrücklich zeigt sie die Wehrlosigkeit der Indianer gegenüber dem Gesetz, das sie einfach aufgedrückt bekommen haben, ohne Mitspracherecht, ohne Einbezug der eigenen Grundsätze, und dem sie sich unterwerfen müssen, da sie ansonsten gestraft werden. Eine Tatsache, die sie in Lethargie und Trägheit fallen lässt, was hier noch mal ganz klar und deutlich dargestellt wird.
 
Buchinfo:
Aufbau Verlag
384 Seiten
19,99 €
Übersetzerin: Gesine Schröder
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Nanni

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