04.04.14

Golem und Dschinn / Helene Wecker


" ' Du hast die Einsamkeit vergessen. Wir sind alle irgendwann einmal einsam, gleichgültig wie viele Menschen um uns sind. Und dann begegnen wir jemandem, der das zu verstehen scheint.' Sie lächelt, und für einen Augenblick ist die Einsamkeit weg."

"Golem und Dschinn" ist die Geschichte zweier Wesen, die auf ihre eigene Art Erfahrung mit Einsamkeit und der Sehnsucht nach Nähe, nach Zuneigung, aber auch nach Macht und Überlegenheit gemacht haben.

Der Golem ist eine junge Frau aus Lehm, geschaffen aus dem Zweck, die Einsamkeit zu überwinden. Basierend auf dem Wunsch eines Mannes, der der tristen Zeit des Alleinseins überdrüssig war und dem alle Mittel und Wege Recht waren, diesen Zustand zu überwinden. So wendete er sich an einen nicht ganz ungefährlichen alten Mann, der mit Fähigkeiten, die wider der Natur sind, ein Lebewesen aus Lehm erschuf.

Währenddessen, fernab des Ortes, wo der Meister des Golem einst Zuhause war, erweckt ein Goldschmied einen Dschinn aus einem Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende langen Schlaf. Wie im Märchen aus 1001 Nacht, gefangen in einer Lampe, doch ohne die obligatorischen drei Wünsche. Und dennoch verfügt der Dschinn über magische Fähigkeiten. Er kann nicht nur Metalle zum schmelzen bringen, sondern auch die Herzen der Frauen. Das Feuer, aus dem er besteht, lässt die Seelen seiner weiblichen Gegenüber auflodern und noch lange nachdem er es wieder gelöscht hat, hinterlässt dieses Feuer seine Spuren. Brandmale im Herzen, in der Seele.

Zwei Wesen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Frau aus Erde, der Mann aus Feuer, sie frisch erschaffen, unerfahren, naiv, aber mit unglaublicher Intelligenz und Mitgefühl ausgestattet, er Jahrtausende alt,überlegen und gerissen. Beide erliegen der Macht Wünsche zu erfüllen. Sie, die der Mitmenschen, er in erster Linie die eigenen. Eines Tages begegnenen sie sich. Spüren, dass sie doch irgendwie einem ähnlichen Schicksal erliegen und so erleben sie gemeinsam den Kampf gegen eigene Schwächen und gehen gemeinsam den Weg der unerwarteten Entwicklungen.

Obwohl Helene Weckers Debüt "Golem und Dschinn" ein über 600 Seiten dicker Schmöker ist, fliegt man nur so durchs Buch. Gefangen in einer Geschichte, die den Leser voller Wärme und Vertrautheit umgibt und doch so viele Überraschungen und unverhoffte Wendungen bereit hält. Es ist eine wahre Freude die beiden Protagonisten auf ihrem Weg sich selbst kennen zu lernen, zu begleiten, und eine Geschichte voller Weisheit und Magie zu entdecken, eingebettet in die kraftvolle und bildliche Schreibe der Amerikanerin, die Kreatives Schreiben an der Columbia University in New York studierte.

Ein Debüt, wie ein Märchen aus 1001 und einer Nacht und doch fest in der Wirklichkeit verankert. Eine Lesefreude der ganz wundervollen Art und eine Empfehlung für alle, die sich dem Zauber von Geschichten nicht entziehen können.

Buchinfo:

 
Hoffmann und Campe (August 2013)
624 Seiten
24,99 €
Übersetzerin: Anette Grube
 

1 Kommentar:

  1. Von dem Roman kenne ich bislang nur die Leseprobe, aber die fand ich schon ganz toll. Sobald ich ihn in der Bücherei mal ergattern kann, muss ich ihn unbedingt lesen!

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