28.05.14

Roter Mond / Benjamin Percy



„Roter Mond“ hat genau das gehalten, was ich mir vom Buch versprochen habe. Intelligente Spannung, in rasantem Tempo verarbeitet zu einem Roman, der mich stundenlang fesseln kann.
„Lykaner“, so der Fachbegriff für all diejenigen, die gebissen wurden. Infiziert mit dem Virus, der sie zum Werwolf macht. Manche sind infiziert, andere nicht. Man sieht es ihnen nicht auf den ersten Blick an, wenn sie es nicht öffentlich zeigen. Manche von ihnen sind gut, manche von ihnen Böse. Leben unter den Menschen, werden geächtet und verfolgt.
Einer dieser Wölfe ist Claire. Ihre Eltern wurden von Regierungsagenten ermordet. Nun befindet sie sich auf der Flucht zu ihrer Tante Miriam, die einmal einer Gruppe von Rebellen angehört hat. Auf ihrer Flucht begegnet sie Patrick, der sich auf der neuen Schule rechtsextremen Schülern angeschlossen hat, um nicht aufzufallen. Ja und dann gibt es da noch Chase, den Präsidenten. Kein Kostverächter, wenn es um Frauen und Alkohol geht, aber stets vorn im Kampf für Moral. Bis er eines Tages selbst mit dem Virus infiziert wird ...
Geschickt verpackt der US-Amerikanische Autor Benjamin Percy die Themen Terrorismus und Rechtsextremismus in einen Fantasythriller, mit dem er seine Leser zu fesseln versteht. Ich finde es sehr interessant über diese Themen zu lesen und geschickt vom Autor diese unter dem Netz des Fantasygenres zu verstecken, so dass er für keinerlei reale Gruppierungen, Religionen etc. Partei ergreifen muss.
Die Themen werden von verschiedenen Seiten beleuchtet, aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt, so dass der Leser einen guten Einblick in jede Denkweise bekommt und ihm ein tiefes Eindringen in die Geschichte leicht gemacht wird. Dabei hilft auch die Erzählung auf verschiedenen Ebenen, in denen die einzelnen Charaktere begleitet werden, bis deren Handlungen mehr und mehr verknüpft werden.
Der Autor ist definitiv nicht zimperlich mit seinen Figuren, verliert sich aber nicht im Rausch des Blutes, sondern glänzt durch gutdurchdachte Handlungen, die den Leser immer weiter ins Geschehen ziehen, bis er nicht mehr entkommen kann. Plötzliche Schockmomente sorgten dafür, dass mir mehr als einmal der Atem stockte.
Benjamin Percy zeigt uns in seinem Roman „Roter Planet“ die Abgründe der menschlichen Seele. Die Geheimnisse, die sich tief im Inneren verstecken und denen wir manchmal erlauben an die Oberfläche zu treten. Von Narretei und Wahn getrieben, darin verrannt, um die eigene Meinung, die Umsetzung der „eigenen Sache“ durchzusetzen, systematisches Infiltrieren,  jeglichen Blick auf die Realität verlierend, in einem Tunnel aus Intoleranz gefangen. Mit politischen Machenschaften verpackt in eine Welt der Fantasie entsprungen und doch so nah an der Realität, ist es dem Autor gelungen mich nicht nur zu fesseln, sondern auch nachhaltig zum Denken anzuregen.
Buchinfo:
 
Blanvalet (März 2014)
640 Seiten
19,99 €
Originaltitel: Red Moon
Übersetzer: Michael Pfingstl
 

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