22.09.14

Tango für einen Hund - Sabrina Janesch




"Frida und Ernesto. Mit uns hätte es so ein gutes Ende nehmen können. Zum Beispiel in Acapulco. An der Copacabana. Irgendwo. Aber statt einem guten Ende gab es eine fette Mehlexplosion in der Semmenbütteler Mühle. Und alles, alles, was ich für den Sommer geplant hatte, fuhr zur Hölle."

Ernesto ist 17. Mit 17 hat man seine eigenen Vorstellungen vom Leben. Seine eigenen Wünsche. Ganz vorn steht Frida. Das wird jetzt wohl nichts mehr, obwohl Ernesto sich heldenhafter für die schöne Klassenkameradin geopfert hat. Das Einzige was ihm davon übrig geblieben ist sind 200 Sozialstunden. Gemeinsam mit so einem alten Knacker der Gedichte schreibt. Sein eigener Film ist irgendwie misslungen, obwohl Filme eigentlich sein Spezialgebiet sind, weil er ja später mal Regisseur werden wird.

"Da war ich dann etwas weniger beeindruckt, damit kannte ich mich schließlich aus: Wenn man Ernesto heißt, ist man direkt weniger geschmeidig. Dann ist man eher verdruckst und steht zur Strafe dafür, dass man der Jüngste und der mit dem beknacktesten Namen ist, in der großen Pause mit den Freaks und den Intelligenten rum."

Schuld an allem sind ja irgendwie immer die Eltern. Die haben Ernesto schließlich diesen Beknackten Namen gegeben und waren nicht da, als dieser verrückte Verwandte aus Argentinien auftaucht. Im Gepäck einen Hund in der Größe eines Ponys, der keinerlei Rücksicht auf Ernestos traumatische Vorerfahrungen mit Hunden macht. Und nun soll er sich auch noch um das Riesenvieh kümmern. Kein Wunder, dass er dabei in den größten Schlamassel gerät.

" 'Pünktlich, pünktlich - joven, ist das Einzige, woran du denken kannst? Manchmal nimmt der Tango eine überraschende Wendung. Das ist der Rhythmus des Universums, joven. Den kann man nicht kontrollieren. Den muss man einfach mitgehen."

"Tango für einen Hund" ist der dritte Roman der preisgekrönten Autorin Sabrina Janesch, die sich schon mit ihrem Roman "Katzenberge" in meine persönliche Liste der Top Autoren geschrieben hat. Nach "Ambra" hat sie nun einen Roman verfasst, der sich deutlich von seinen Vorgängern abhebt und der trotzdem so gut ist, dass ich nie das Verlangen hatte darin nach dem Stil der Autorin zu suchen, sondern diese Art Roadmovie-Coming-of-Age-Geschichte in voller Gänze und Pracht auf mich wirken zu lassen.

" 'Bergeweise Schwierigkeiten. Nichts als Probleme. Ein Desaster nach dem anderen. Die besten drei Tage meines Lebens.' "

Es ist eine Geschichte vom sich selbst finden, von einer ganz besonderen Freundschaft und der Tatsache, dass es ziemlich viel Mut und Durchhaltevermögen bedarf, um "Karma-Millionär" zu werden, dass aber jeder in der Lage ist das zu schaffen. Sabrina Janesch schreibt -wie immer - großartig, findet Worte, die das Lesen zu einem Genuss machen und das sogar in bestem Dialekt. Ich bin beeindruckt wie mühelos sie in den Charakter des 17-jährigen Ernesto steigt, wie sie es trotz vieler, irgendwie "rotziger" und teilweise auch überdrehter Handlungen schafft den Leser ans Geschehen zu fesseln. Klitzekleine Kritik von meiner Seite - wobei ich mir nicht sicher bin, ob das an der Autorin oder mir als Leserin liegt - ich hatte manchmal das Gefühl eine Handlung verpasst oder nicht richtig verstanden zu haben. Sabrina Janesch hat mich dann aber so schnell wieder eingefangen mit ihren unglaublich sympathischen und charakterstarken Figuren, dass ich den Roman und glücklich und zufrieden beendet habe und ihn gern weiterempfehle an alle, die bereit sind durch die Pampa der Lüneburger Heider zu reiten und dort den rasantesten Sommer des Jahres zu erleben.

Buchinfo:


Aufbau (2014)
303 Seiten
19,95 €

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