21.10.14

Anders / Andreas Steinhöfel



" 'Aber es tut gut, mal wieder mit einem Kind zu tun zu haben. Ich hatte ganz vergessen, wie hell ihr seid. Das Licht im Dunkel der Welt.Wirklich, so ist es, ihr strebt der Zukunft als Flammen entgegen: voller Hoffnung, mit dem Glauben an Veränderung.[...]' "

ANDERS heißt eigentlich gar nicht ANDERS, sondern Felix Winter. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände ist es dazu gekommen, dass Felix ins Koma fiel. 263 Tage lang. Genau so lange, wie seine Mutter mit ihm schwanger war. Aus solch einem langen Koma zu erwachen ist ja auch eine Art Geburt. Felix kann sich an nichts mehr aus der Zeit vor seiner Kopfverletzung erinnern. Und  irgendwie verhält er sich seitdem sonderbar. ANDERS eben.

"Fast jeder Mensch, da machte sie selber bestimmt keine Ausnahme, war in irgendwelche Zwänge eingebunden, wurde von inneren und äußeren Einflüssen bestimmt, die sich seinem Willen und seinem Zutun entzogen. Aber wer zwischen vollmundig und malzig lebte, der lebte unmöglich wirklich."

Er ist sehr viel sensibler geworden. Kann scheinbar in seine Mitmenschen hineinblicken, ihre Gefühle viel feiner wahrnehmen. Eine Sensibilität, die man Kindern nicht zwangsläufig abspricht und die auf dem Weg zum Erwachsen werden oftmals verloren geht. Autor Andreas Steinhöfel spielt in seinem neusten Roman "ANDERS" mit diesem Thema, gibt ihm einen Hauch sagenhaftes, mystisches, lässt den Gedanken, dass ein Kind aufgrund seiner Betrachtungsweise der Dinge, Menschen und Gefühle oftmals eine ganz andere Wahrnehmung hat, aber auch sehr real erscheinen. Eine Gedankenreise, auf der ich ihm nur allzu gerne folge.



"Sie sind nur zwei Jungen in einem Baum, und mal fällt Licht auf ihre Gesichter, mal Schatten."

Licht und Schatten, damit lässt es sich gut spielen. Im Schatten sehen viele Dinge ANDERS aus, als im Licht betrachtet. Jeder Mensch hat eine Schattenseite. Bei manchen ist sie größer als bei anderen, bei manchen tritt sie stärker zum Vorschein als bei anderen. Bestimmt werden diese Schattenseiten durch Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben. Eine Dynamik, die sich durch jedes Leben hindurchzieht und uns mal mehr mal weniger auf die Schattenseiten des Lebens zieht. Auch die Menschen in ANDERS Umgebung erleben gute wie schlechte Dinge. Vergessen dabei die wichtigen Feinheiten des Lebens im Blick zu halten: die Menschen, die man gern hat, Freundschaft, Liebe und Glück. Und manchmal muss erst etwas ANDERS werden, bevor man den Blick wieder auf wirklich Wichtiges richten kann.

" '[...] Klingt Herzschlag anders, wenn man verliebt ist?' "

"ANDERS" ist mein erster Roman des preisgekrönten Autors Andreas Steinhöfel (ganz gewiss nicht mein letzter), der mich begeistern konnte, indem er mich einfach da abgeholt hat, wo ich stehe. Der mit wunderschönen Worten eine Geschichte erschaffen hat, deren Held zwischen Licht und Schatten lebt und dementsprechend wechselhaft auch Sympathien bei mir erringen, mich aber dennoch auf eine besondere Art mitnehmen konnte. "ANDERS" ist ein wunderbarer Roman, der eben ANDERS ist, der oberflächlich gelesen eine spannende Geschichte beinhaltet, die tiefgründig so viel Wahres enthält. Vom Königskinder Verlag so wunderschön schlicht und eindringlich in Szene gesetzt. Passend und verdient, hebt sich der Roman damit aus einer breiten Masse von Kinder- und Jugendbüchern ab.

Buchinfo:


Königskinder Verlag (Oktober 2014)
240 Seiten
16,90 €
empfohlenes Lesealter: ab 12 Jahren




1 Kommentar:

  1. Das klingt nach einem sehr interessanten Buch - und auch sehr nach Steinhöfel. Es wird wohl wirklich Zeit, dass ich mal wieder etwas von ihm lese.

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