06.12.14

Eines Morgens in Paris / C. S. Richardson

Eines Morgens in Paris

"Brot war der Stoff des Lebens, für ihn der Stoff von Generationen: Die Notre-Dames waren so lange schon Bäcker, wie es überhaupt Notre-Dames gab."

Octavio ist der Sohn eines Bäckers. Er hat ein wenig Schwierigkeiten mit Buchstaben - das war schon bei seinem Vater so - verfügt dafür aber über umso mehr Wärme und Herzensgüte, die erst dann voll zum Tragen kommt, als der Vater in den Krieg ziehen muss und die Mutter mit dem Tagewerk der Backstube, der Arbeit die Leben und Überleben bedeutet, allein dasteht.

"Die Möglichkeit, dass sie einen Knaben zur Welt bringen könnte, war Madame nie in den Sinn gekommen. 
Nein, sagte sie. Der Name muss etwas Apartes sein. Weiblich. Mit einer Note von Stärke.
Wie ihre Mutter, sagte Pascal."

Ein Buch für Genießer

Isabeau ist die Tochter der feinen Madame und arbeitet nur wenige Schritte entfernt von Octavio im Keller des Louvre. Erst die Folgen des ersten Weltkrieges, der so viele Menschen Entbehrung,  und Octavios Vater den Verstand kostet, sorgt dafür, dass die beiden zueinander finden. Ganz zart und achtsam.

"Die Klagen der Menschen, die den ganzen Tag lang für magere Zuteilungen Schlange standen; eine solche Entbehrung bedeutete den sicheren seelischen Tod des Landes."

"Eines Morgens in Paris" ist eine sehr feine, sanfte Geschichte, die mit vielen kleinen entzückenden Details genau das Flair wiederspiegelt, dass das Cover des Romans mit seinem hübschen Scherenschnitt verspricht. Der Kanadier Charles Scott Richardson erzählt eine Geschichte, die Freunde schöner Worte begeistern, bei Verfechtern des Abenteuers und der Spannung jedoch eher auf Ablehnung stoßen wird. Viele, ja wirklich sehr viele Beschreibungen von Schauplätzen, Personen und der Stimmungslagen führen den Leser in ein verworrenes Labyrinth, aus dem es erst ab der Hälfte des Romans so langsam herauszufinden gelingt. Ein Buch mit sehr viel Charme und Schick, aber eben auch unnützem Tand, der nicht jedermanns Sache ist.


Buchinfo:


Atlantik (Oktober 2014)
240 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €
EBook
11,99 €
Übersetzer: Giovanni und Ditte Bandini


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