13.02.15

Tanz auf Glas - Ka Hancock



"Auf Scherben tanzen. Das war ein Symbol für unsere Ehe, für mich aber noch viel mehr ein Gleichnis für unsere Liebe. Lucy hat oft zu mir gesagt, sie liebe mich so sehr, dass sie mit mir auch für immer auf Glasscherben tanzen würde."

Ist es möglich ein über 500 Seiten starkes Buch innerhalb eines Tages förmlich zu inhalieren? Ist es möglich von einer Geschichte so gefangen genommen zu werden, dass man Seite für Seite davon verschlingt, obwohl man manchmal vor Tränen kaum aus den Augen schauen kann? Ja es ist möglich. Dann, wenn aus jeder einzelnen Pore des Romans echte und ehrliche Liebe, Wärme und Herzlichkeit strahlt und man die Menschen darin so sehr ins Herz schließt, als seien Personen, die man schon lange Zeit kennt und lieb gewonnen hat.

"Lucy gab es nur im Gesamtpaket, das war mir wahrscheinlich schon an dem Abend klar, an dem wir uns kennenlernten. Sie gehörte zu einem Trio von Schwestern, die aufeinander aufpassten - manchmal wie scharfe Wachhunde -, und ich wusste, dass ich die mehrheitliche Zustimmung brauchen würde, wenn ich einen Platz in ihrem Leben haben wollte."

Lucy und ihre Schwestern Lilli und Pris haben schon früh Bekanntschaft mit der Todesfee gemacht. Lucy war gerade 17, als der Vater bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam. Später starb die Mutter an Krebs, den sie schon lange in ihren Genen trug und an ihre Töchter weitervererbt hat. Lucy hat schon einmal einen Krebsbefall überstanden, obwohl dies keiner für möglich gehalten hätte. Doch dieses Leiden ist heimtückisch und hinterlistig und man weiß nie genau ob die Krankheit gesiegt hat oder der Mensch als Sieger aus diesem schweren Kampf hervorgeht. 

"Ich liebte seine vielen Facetten, von denen er behauptete, sie seien ein Teil seiner psychischen Störung. Aber ich sah da keine Störung. Ich sah einen prachtvollen Bildteppich, der sich vor meinen Augen ausrollte."

Mit 21 lernt sie den Komiker Michael Chandler kennen. Er ist witzig, liebenswert und interessant, Lucy ist sich ziemlich schnell sicher, dass er der Mann fürs Leben ist. Doch auch hier lauert eine böse Krankheit, denn Mickey ist manisch depressiv. Seine Manien enden oft in Psychosen, so dass er weder seine Frau erkennt, noch sonst irgendwie eine Ahnung davon hat, was um ihn herum geschieht. In Lucy findet er seinen Fels in der Brandung. Sie gibt ihm Kraft diese psychische Erkrankung zu überstehen und immer wieder ins Leben zurückzukehren. Beide Erkrankungen sind also eine gefährliche Mischung, ein explosiver Genpool, vor dem Lucy und Mickey ihre Mitmenschen, aber vor allem nachfolgende Generationen schützen möchten. Doch das Schicksal ist so unberechenbar wie ihrer beider Erkrankungen. Es führt sie in Hochs, in denen sie zu jubeln vermögen, hält aber auch immer wieder Tiefs bereit. Wie stark macht sie ihre Liebe wirklich?


" '[...] Mickey, weißt du, was ich glaube? Jeder Mensch sollte wenigstens einer Person auf diesem Planeten so wichtig sein, dass sie für ihn zu kämpfen bereit ist. [...]' "

Psychische Erkrankungen sind etwas, womit ich mich schon lange befasse. Berufsbedingte Neugier treibt mich immer wieder dazu auch Romane zu diesem Thema zu lesen. Ich bin mir sicher noch ein Buch gelesen zu haben, in der manische Depression so liebevoll betrachtet, so selbstverständlich ins Leben zweier Menschen eingebettet wurde, wie in "Tanz auf Glas". Es zeigt, dass es eine Krankheit ist, mit der man Leben muss, aber auch Leben kann. Dass es Menschen gibt, die von anderen so stark gehalten werden, dass sie sowohl mit psychischen Erkrankungen, als auch einer schweren Krankheit wie Krebs zurecht kommen. Ganz ohne Kitsch, sondern realitätsnah und ganz, ganz ehrlich erzählt Ka Hancock von einer unerschütterlichen Liebe, die gelernt hat auf Glas zu laufen, auf Scherben zu tanzen.

Buchinfo:


Droemer Knaur (September 2013)
528 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €
Taschenbuch
9,99 €
Originaltitel: Dancing on broken glass
Übersetzung: Katharina Volk



1 Kommentar:

  1. Puh, das klingt nach einem heftigen, aber auch sehr tollen Buch. Ich hatte bei dem Cover gar nicht ein so ernstes Thema erwartet. Deine Zitate sind auch richtig schön. :)

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Hallo,
schön, dass du hier her gefunden hast. Ich freue mich über deinen Kommentar.
Liebe Grüße,
Nanni

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