19.02.15

Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich - Liv Marit Weberg

"Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich" ist ein Roman, der Gesprächsstoff liefert. Der den Wunsch des Austauschs mit anderen Lesern weckt. So erging es auch Bianca und mir. Gemeinsam haben wir uns ans interaktive, fiktive Lagerfeuer gesetzt und über Anne Lise und ihre Marotten geplaudert. Nachlesen könnt ihr dieses Gespräch auf Biancas Blog Literatwo.



"Wir leben dann ja doch in einer Welt, in der viel Soziales stattfindet. Menschen halten zusammen, durch dick und dünn, in guten wie in schlechten Zeiten. Sie bewegen sich durch eine Welt voller Menschen. Viele finden das angenehm."

Anne Lise hat ein Problem. Sie kann nicht so gut mit Menschen. Sie hat gelernt damit zu leben, Kompetenzen zu entwickeln, menschlichen Kontakt zu meiden. Für andere ist das Problem größer. Für ihre Eltern zum Beispiel, die von ihr erwarten, dass sie sich "normal" entwickelt, wie jedes andere junge Mädchen benimmt. Zuhause auszieht, studiert oder eine Ausbildung macht, Freunde findet, Jungs trifft und ihre eigenen Schritte in die Welt wagt. Für Anne Lise bedeutet Zukunftsorientiert sich vor der Zukunft zu schützen. Den Eltern scheint jedoch besonders die Sache mit dem Freund ein Anliegen zu sein, weshalb Anne Lise es probehalber versucht. So recht will es ihr jedoch nicht gelingen und so lebt sie weiter erst mal vor sich hin. Bis das zur Verfügung gestellte Geld alle ist und ihr nichts anderes übrig bleibt, als der Welt entgegen zu treten.

"Jeder ist seines Glückes Schmied. Und ich bin ein außerordentlich schlechter Schmied."

Der Einstieg in den Roman war leicht. Liv Marit Weberg hat eine klare Schreibe, mit der sie nur sagt, was sie auch sagen möchte. Kein Drumherum reden, kein ausuferndes Geschnörkel, aber immer eine ordentliche Portion Sarkasmus auf der Feder. Der Leser kann sich nicht ausruhen, muss immer brav mitdenken, versuchen Anne Lises Handlungen, die mitunter etwas skurril wirken nachzuvollziehen. Sie steckt mehr Energie darein Begegnungen und Ereignisse, die ihr Angst machen zu umgehen, als in den eigentlichen Akt. Woher kommt das, wie ist sie dahin gelangt? Wir lernen auch ihre Eltern kennen, deren Verhalten mir direkt aufstößt. Sie leben getrennt, gehen eher kühl miteinander um, der Vater schätzt Frauen nicht so sehr, was nicht gerade dazu führt, dass Anne Lises Gefühl von eigener Wertigkeit steigt. Erst die Bekanntschaft mit einem Jungen und seinen Ratten hilft ihr so langsam aus ihrem Schneckenhaus herauszukriechen.

"Wir sind nicht für alle gleichermaßen geeignet."

"Zum Glück bemerkt mich niemand ... dachte ich" fällt für mich unter die Kategorie besonderes Buch. Das liegt nicht nur an der weiter oben angesprochenen Art der Autorin mit einer Oberflächlichkeit zu schreiben, die sehr gut in Anne Lises Leben passt, sondern vor allem an dieser eigenartigen und doch liebenswerten Protagonisten, die schüchtern und leise und auf ihre Art mutig, einen Schritt nach dem anderen in ein neues Leben wagt Eine spannende junge Frau, die nicht mehr mit der Oberflächlichkeit betrachtet werden sollte, die ihr bisher im Leben begegnet ist.

Buchinfo:


Fischer Sauerländer (Februar 2015)
224 Seiten
Hardcover
12,99 €
Übersetzung: Hinrisch Schmidt-Henkel

1 Kommentar:

  1. Huhu :)
    Ich bin gerade durch Zufall auf deinen tollen Blog gestoßen und habe mich auch gleich als Leserin eingetragen. Dieses Buch kannte ich bislang noch gar nicht. Da es aber sehr interessant klingt, ist es gleich mal auf meine Merkliste gewandert.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Jasmin
    http://jasmins-buecherblog.blogspot.de/

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