25.03.15

Nacktschnecken / Rebecca Martin



"Es ist schwer den Punkt auszumachen, an dem die Dinge ihr Gleichgewicht verlieren. Mir fällt es schwer."

Nora und Paul sind seit über zwei Jahren ein Paar. Haben das Gefühl sich blind zu verstehen und doch gibt es Dinge, die sich zwischen die beiden drängen. Die das Loch in der Beziehung vergrößern, bis der Abstand sie voneinander entfernt. Dinge wie eine Ex-Freundin, Unzufriedenheit, Sex und die Suche nach Perfektionismus. Dinge, die in einer unausgewogenen Balance scheinbar mehr von Nora auszugehen scheinen, als von Paul und die sie vielleicht auch ein bisschen blind machen.

" '[...] Ich habe Angst, dass mein ganzes Beziehungsleben ein einziger Teufelskreis sein wird, weil das Vermissen und die Suche und das Finden und das Verlieren sich im Kreis hinterherlaufen und laufen und laufen, und ich nie verstehen werde, wie man aus diesem Kreis ausbricht, ohne zu stolpern. Aber ach, stolpern. Was rede ich? Besser: Ich habe nie verstanden, wie man den richtigen Zeitpunkt erkennt, um zu stolpern. Wann es sich zu stolpern lohnt. [...]'"

Nora kämpft mit einer Unzufriedenheit, die sie nicht richtig greifen kann und die sich in vielen Zwischenmenschlichen Ereignissen wiederspiegeln. Es ist der Kampf, den man in ihrem Alter durchmacht, den sicher einige von uns wiedererkennen. Der Kampf um die Suche nach sich selbst. Wo soll meine Reise hingehen? Wer werde ich einmal sein und vor allem mit wem werde ich mein Leben verbringen. Ruhelosigkeit, die uns blind und taub macht für Menschen, denen wir am Herzen liegen. Festhalten daran was in der Vergangenheit einmal war. Eine Lebensetappe, in der alles neu ist. In der wir der wir immer auf dem Sprung, immer ein gewisses kribbeln verspürend, wie ein Pulverfass durchs Leben ziehen. Immer auf der Suche nach dem Perfekten. Gibt es das überhaupt? Oder ist es notwendig Eingeständnisse zu machen? Vielleicht ist es aber auch einfach ausreichend Geduld zu haben. Denn die Zeit des Erforschens weicht irgendwann einer Zeit der Vertrautheit, in der es nicht mehr so aufregend, aber eben sehr schön ist. Sowohl in einer Beziehung, als auch im Lebensalltag.

"Wenn ich eines in dieser Beziehung gelernt habe, dann ist es das: Ich kann mich ziemlich gut selbst austricksen."

"Nacktschnecken" ist nicht nur ein Roman über Liebe, sondern auch über Freundschaft und Leben. Ohne zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass Nora genau den Weg einschlägt, den ich mir für sie gewünscht habe. Erfahrungen sammeln, Abenteuer erleben, das alles gehört dazu, aber es hilft sehr, sich irgendwann auf dem Boden der Tatsachen einzufinden, anzukommen und ohne Ruhelosigkeit seinen Weg zu beschreiten, ohne dabei still stehen zu müssen. Es ist wichtig auf dem Weg in die Zukunft nicht immer an der Vergangenheit festzuhalten.

"Es ist, als ob ich versuche, der Welt, in der ich mich bewege, etwas entgegenzusetzen. Aber alles, was ich damit erreiche, ist: noch stärker mit ihr zu verschmelzen."

"Nacktschnecken" ist ein Roman wie Musik. Klangvoll, stimmig, eine Melodie, die den Leser mitnimmt, wenn er sich die Mühe macht, sich ihr zu öffnen. Die ihn auffordert Paul und Nora zu begleiten, zwischen die Noten zu schauen, für jede Lebenslage den richtigen Ton zu finden.
Rebecca Martin hat mit ihrem zweiten Roman eins der Bücher geschrieben, die einem das Gefühl geben, verstanden zu werden. Zwischen dessen Seiten man sich wohlfühlt. Mit Protagonisten, die einen Identifizierungscharakter haben. Eins der Bücher, das sich einen Platz im Herzen erkämpft.

Buchinfo:


Dumont (März 2015)
368 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €





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Nanni

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