30.04.15

Marias letzter Tag / Alexandra Kui



"Es ging nie um Mutproben, das haben die meisten leider nie kapiert. Wir kämpften nicht darum, unsere Ängste zu überwinden, über diesen Punkt waren wir hinweg. Wir hatten einfach keine mehr.
Bis wir begriffen, dass wir zu weit gegangen waren ..."

Maria liegt im Koma. Die schöne, die beliebte, die immer fröhliche Maria. So kannte sie die Außenwelt. Aber was war in ihr drin? War das Unglück wirklich ein Unfall oder wollte Maria die Grenzen ihres eigenen Lebens austesten? Lou, die schon lange Zeit Marias beste Freundin ist, weiß es nicht genau. Obwohl sie so viel miteinander geteilt haben, scheinen sie ihr Innenleben voreinander verschlossen zu haben.

"Die Erkenntnis sterben zu müssen, macht mich zu feige fürs Leben. Sophie Scholl wurde nur einundzwanzig Jahre alt. Aber die hat sie wenigstens genutzt."

Um über den Schmerz, den Marias Unfall in ihr aufgeworfen hat, hinweg zu kommen, beginnt Lou einen Videoblog. Mehr und mehr kommt sie aus sich heraus, wird von dem Mädchen im Hintergrund zu einem Mädchen, dass sich ein bisschen aufdringlich, in den Vordergrund arbeitet. Und doch fehlt die Erfüllung, die sich Lou davon erhofft hatte, denn statt ihr eigenes Leben umzukrempeln, schlüpft sie in das ihrer Freundin Maria. Auf ihrem Weg in ein scheinbar besseres Leben, bemerkt Lou nicht, dass sie dabei ist sich zu verirren und zu verlieren. Das kann einfach nicht gut ausgehen.

"Woran liegt es, dass man beim Fotografieren immer die glücklichen Momente einfangen will, während beim Tagebuchschreiben die traurigen ganze Seiten füllen? Wo liegt die Wahrheit, irgendwo dazwischen? Existiert sie überhaupt?"

Der Einstieg ins Buch ist nicht so ganz leicht. Eine poetische Schreibweise, die sehr ungewohnt für ein Jugendbuch ist, fordert den Leser. Fordert ihn sich anzustrengen, selbst zu denken und auch zwischen die Zeilen zu blicken. Nicht ganz leicht wenn diese - fiktiv - aus den Gedanken einer Jugendlichen entspringen. Sprudelnd dort heraus schießen, manchmal scheinbar unsortiert. Hat man als Leser erst mal einen roten Faden gefunden und sich auf eine etwas andere Denkweise eingelassen, findet man sich in einem Roman wieder, der klug, mutig und interessant ist.

Buchinfo:


cbt (März 2015)
288 Seiten
14,99 €
Hardcover mit Schutzumschlag

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