06.08.15

Alles so leicht / Meg Haston



Stevie wird in eine Klinik für Jugendliche mit Essstörungen eingewiesen. Im vergangenen Jahr ist ihr Gewicht zusehends weniger geworden. Sie verschwindet nach und nach. Nicht nur aus dem Leben ihrer Familie, die seit dem Auszug der Mutter in Trümmern liegt.

"Ich brauche dazu kein Werkzeug. Mein Körper ist sowohl Waffe, wie auch Wunde, Jäger und auch Beute. Ich werde mich ohne Hilfe selbst zerstören."

Stevies Todessehnsucht ist so groß, dass es für ihre Therapeutin Anna sehr schwer ist, sie davon zu überzeugen wieder Nahrung zu sich nehmen zu müssen. Das ist auch gar nicht so einfach, denn Stevies Körper hat bereits eine festgefahrene Abwehrhaltung gegenüber Nahrungsaufnahme eingenommen. Wenn sich der Todestag ihres Bruders jährt, möchte auch sie sterben. Sie, die einzig und allein die Verantwortung für seinen Tod trägt.

"Ich starre so lange auf die Wand hinter ihr, bis ich alles verschwommen sehe. Das ist schön. So gefällt mir die Welt, unscharf an den Rändern, als ob ich auf den Meeresboden gesunken wäre und zur Sonne hochschaue."

"Alles so leicht" ist ein sehr berührender Roman, der sehr real und damit auch sehr bedrückend aufzeigt, wie gefährlich Krankheiten wie Anorexie und Bulimie sind. Dass sie nicht immer nur vom Wunsch einem Schönheitsideal zu entsprechen ausgehen, sondern häufig von tiefen seelischen Verletzungen herrühren.



Autorin Meg Haston war selbst an einer Essstörung erkrankt, hat es geschafft die Krankheit zu besiegen und ihre Erfahrungen in einen Roman gepackt, der nicht nur in Bezug auf die Geschichten der Patientinnen, sondern auch auf ihre Therapeuten sehr realistisch ist. Sehr eindringlich erfährt der Leser, wie schwer es ist, den Körper überhaupt wieder dazu zu bringen, Nahrung aufnehmen zu wollen. Wie schwer es ist, wieder ein halbwegs realistisches Körperbild und Körpergefühl zu bekommen. Und wie leicht die Krankheit eben doch die Überhand gewinnt.

"Ich nicke. Als Belohnung dafür, dass sie mich nicht angefasst hat."

Obwohl die Autorin betont, dass die Figuren des Romans fiktiv sind, habe ich nicht das Gefühl eine erfundene Geschichte zu lesen. So klar, so frei von jeglichem Kitsch und Schmalz, ist "Alles so leicht". Den Titel finde ich sehr passend gewählt, beschreibt er doch genau das, was mit den Mädchen, die mehr und mehr schwinden passiert und zeigt genau das Gegenteil von dem, was das Leben für die Erkrankten nicht ist. Nämlich überhaupt nicht leicht.

"Aber es dauert nicht lang, da unterwarf sich mein Körper meinem Willen. Mit geschickten Fingern zog ich an den Schnüren und befahl meinem Leib, sich zu entleeren."

Ein sehr lesenswerter Roman über Essstörungen, der zum Teil brutal auf den Leser einschlägt und doch ohne jegliche Übertreibung oder Heuchelei zeigt, dass es Hoffnung gibt. Dass es ein harter Kampf ist, dass sich kämpfen aber immer lohnt.

Buchinfo:


Thienemann (Juli 2015)
ab 13 Jahren
320 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €
Originaltitel: Paperweight
Übersetzung: Alexandra Ernst
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Beim Buchladen am Freiheitsplatz versandkostenfrei bestellen.


Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezension. Ein Buch mit keinem einfachen aber dennoch wichtigem Thema. Ich finde sowas ja sehr interessant aber auch traurig. Es muss schwer sein, da wieder rauszukommen.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Danke, liebe Vanessa.
      Ist es auch. Leider haben Essstörungen von allen psychischen Erkrankungen die höchste Sterberate. Umso wichtiger finde ich, dass es solche Bücher gibt, die Mut machen und zeigen, dass man auch aus einem sehr tiefen Loch wieder heraus finden kann.

      Viele liebe Grüße
      Nanni

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  2. Danke für Deine Rezension, die mich gleich überzeugen konnte :)
    Das Buch landet auf meine Wunschliste.
    Ein schönes Wochenende für Dich,
    LG Ela

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    1. Freut mich, dass auch dir meine Rezi gefällt, liebe Ela.
      Ein wirklich lesenswertes Buch.

      Viele liebe Grüße
      Nanni

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  3. ""Alles so leicht" ist ein sehr berührender Roman, der sehr real und damit auch sehr bedrückend aufzeigt, wie gefährlich Krankheiten wie Anorexie und Bulimie sind. Dass sie nicht immer nur vom Wunsch einem Schönheitsideal zu entsprechen ausgehen, sondern häufig von tiefen seelischen Verletzungen herrühren."

    Den Absatz hattest du ja bei Facebook gepostet und ich finde ich total super. Man (auch ich) vergisst manchmal zu schnell, dass eben der Wunsch nach dem Verschwinden oder eben auch svV hinter dieser Krankheit steckt.

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    1. Danke :)
      Ja leider ist es viel mehr, dass dahinter steckt. Oftmals ja auch ein abgrundtiefer Hass, den man - aus unterschiedlichen Gründen - gegen sich selbst richtet.
      Es gibt aber sogar einige Berufe, die ihre Arbeitnehmer in Magersucht treiben. Allen voran leider Sport. Betroffen sind Skispringer, Jockeys oder eben Ballerinas. Traurig.

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