16.09.15

Auerhaus / Bov Bjerg



Frieder hat einen Suizidversuch hinter sich. Tabletten. Misslungen, aber weder aus Frieders Kopf verdrängt, noch aus denen seiner Freunde und seines Umfelds. Nach seinem Aufenthalt im "Schwarzen Holz" darf er wegen der Angst, die nun alle um ihn haben, in ein eigenes Haus ziehen. Das Auerhaus. Eine WG gründen mit seinen Freunden oder was immer die anderen fünf für ihn sind. Aber hilft das Frieder wirklich wieder einen Sinn in seinem Leben zu finden? Und hat man mit 18, kurz vor dem Abi / mitten in der Ausbildung / der Findungsphase des Lebens überhaupt eine Ahnung vom Sinn des Lebens und wo man ihn suchen muss?

"Sie wurde nicht mal achtzehn. Nicht achtzehn zu werden, war scheiße. Wenn man nicht achtzehn wurde, war alles umsonst."

Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive. Der Jugendliche, der die Erzählung übernimmt, wird nicht mit Namen genannt, scheint aber ein wirklicher Freund Frieders zu sein. Einer, den Frieders Schicksal wirklich berührt, der sich Sorgen macht und so auch sein eigenes Leben in Frage stellt. Bei den anderen vieren ist das nicht so sicher. Cäcilia möchte schon etwas erreichen. Erfolgreich sein und das Ansehen ihres Umfeldes genießen.

"Frieder sprach jetzt immer von Freitod. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Frieder besonders frei war, als er die Tabletten geschluckt hatte. Wenn alles auf die eine Entscheidung rauslief, wo war da die Freiheit?"

Die anderen befinden sich sehr auf der Sinnsuche, die dieser Generation häufig zu eigen ist. Egal, in welchem Jahrzehnt wir uns befinden - auch das deutet der Autor nur an (wer sich mit Musik auskennt, errät es schnell). Das Gefühl, mit dem Frieder und die Bewohner des Auerhauses zu kämpfen haben, ist auf eben diese Generation in fast jedem Jahrzehnt transportabel. Dieses herum schwimmen zwischen Jugendlich sein, von Eltern oder Erwachsenen behütet, und selbst Erwachsen werden, Verantwortung für sich selbst übernehmen. Nicht wissen, wo man ist. Nicht wissen, wo es hingehen soll. Keinen Plan davon, was man will, aber genau wissen, was man nicht will. Spießig sein. Das Leben der Eltern nachleben. Zu dem Einheitsbrei werden, den man täglich vorgelebt bekommt. "Birth - School - Work - Death."

Es ist die Zeit des Ausprobierens. Die Zeit in der man auch mal vom rechten Weg abkommt. Alles Mögliche erprobt. Freundschaften, Liebe, Sex, Drugs, Rock'n'Roll. Weniger auf die coole, als vielmehr auf die melancholische Weise, denn eigentlich ist es ernst. Findet man nicht den Weg, der zu einem passt, ist man möglicherweise den Rest seines Lebens unglücklich. Ein hoher Berg, den es zu überwinden gilt. Für manche zu hoch.

"Frieder sagte: 'Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wollte bloß nicht mehr leben. Ich glaube, das ist ein Unterschied.' "

Bov Bjergs "Auerhaus" ist das interessante Porträt einer Generation. Von Robert Stadlober wird der Roman mit einem Song verglichen. Ein Vergleich, den ich ganz passend finde, denn der Wiedererkennungswert, das aufkommen lassen einer längst vergessenen Stimmung, diese Eigenschaften eines Songs, hat auch "Auerhaus". Und damit eröffnet es auch die Möglichkeit von verschiedenen Lesern verschieden gelesen, verschieden empfunden zu werden. Und damit eröffnet es mir die Möglichkeit zu sagen: gute Leistung, Herr Bjerg!

Buchinfo:


Blumenbar (im Aufbau Verlag 2015)
240 Seiten
Gebunden mit klappbarem Vorsatz
18,00 €
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