08.10.15

Jenseits des Schattentores / Beate Teresa und Susanne Hanika



"Wie viele siebzehnjährige Mädchen gibt es auf Erden? Wie viele Wirrungen und Katastrophen enstehen durch diese siebzehnjährigen Wesen auf dem Weg zum langweiligen Erwachsenendasein, in dem sie gezähmt und traumlos an der Seite eines Mannes enden, der ihrer Anmut nicht würdig ist?"

Aurora Perrini möchte auf ihrem Weg zum Erwachsen werden eigene Schritte gehen und freut sich, als sie die Anzeige für eine kleine Wohnung entdeckt. Sie spürt, dass etwas komisch ist, kann sich dem Nervenkitzel, der schon immer einen gewissen Reiz auf sie ausübt, aber nur schwer entziehen und folgt dem seltsam offerierten Angebot. Dass sie dort ein schöner Jüngling, ein Zwerg, eine Auftragskillerin und ein toter Fährmann erwarten, damit hatte sie nicht gerechnet. Bevor sie eine andere Chance hat, hat das Abenteuer bereits nach ihr gegriffen.

"Ach Welt, du bist kein guter Ort für junge Mädchen, aber auch kein schlechter, wenn man Abenteuer sucht."

Durch ihr eigensinniges Auftreten hat Aurora die Aufmerksamkeit von Persephone, griechische Göttin der Unterwelt, aber auch der Fruchtbarkeit, auf sich gelenkt und wird von dieser fortan in einer Kugel beobachtet. Persephone hat gefallen an dem hübschen jungen Mädchen und ihren Begleitern gefunden und muss sich ganz arg zusammen reißen sich nicht einzumischen. Was ihr nicht auf ganzer Linie gelingt.

"So viel zur Denkweise der Männer und zum Umgang mit ihren Töchtern. Sie glauben, junge Mädchen sind wie Wildpferde, die man an Halfter und Strick gewöhnt, mit etwas Geduld werden sie fügsam und vergessen ihre Herkunft, sie vergessen, wie es ist, wenn die Hufe im wilden Galopp über die Ebene donnern, sie vergessen den Wind in den Nüstern und die Freiheit zwischen ihren Augen."

"Jenseits der Schattentore" ist ein von mir lang ersehntes Werk. Die Bücher der Hanika Schwestern - egal ob als Gemeinschafts- oder solo Arbeit geschrieben - konnten mich bisher immer begeistern. So auch ihr neuster Roman, obwohl er sich gefühlt deutlich von anderen Büchern aus ihrer Feder unterscheidet. Ich wollte ja nur mal schnell reinlesen, als mich der Sog der Geschichte packte und erst etliche Seiten später wieder ausspuckte. Meine Sympathien haben die beiden Schwestern schon lange, ihr neuer Roman hat sie sich ebenfalls verdient. Und das vom ersten Moment an, denn Protagonistinnen wie Aurora und Persephone muss man nun mal sofort mögen. Ergänzt werden sie von Nebenfiguren, die mit solch großartigen Eigenschaften wie Undurchschaubarkeit und leichtem Wahnsinn aufwarten. In dieser Begleitung bestehe ich jederzeit gern ein Abenteuer! Auch, wenn es immer rasanter wird und mich durch die griechische Mythologie wirbelt.

"Was soll ich sagen? Dass auch ich in meinen jungen Jahren der Versuchung nicht hätte widerstehen können? Dass einen das Böse anzieht, einen neckt und an einem zerrt, bis man nur noch willig seine Hände ausstreckt?"

Mir gefällt der Erzählton, den Beate Teresa und Susanne anschlagen. Kennt man sie aus ihrem Vorgängerwerk "Dark Angels" noch düster und bedrückend, entwickeln sie in "Jenseits des Schattentores" einen herrlichen - teils etwas schwarzen - Humor. Ihre Schreibe ist wenig Mainstream, sondern hat Charakter. Ein Buch, in dem man sich gruselt, in dem Köpfe rollen (oder getragen werden), mit eben diesem Humor zu kombinieren, traut sich nicht jeder. Weitere Kombinationen wie zwei alternde Göttinnen und der Wunsch eines jungen Mädchens nach Freiheit, seiner Suche nach Wahrheit und der ersten richtigen Liebe, sorgen dafür, dass ich einem Roman der beiden Schwestern, der mich überrascht hat, der mir - was nur selten passiert - beim Lesen etliche Lacher abgerungen hat und der die Schmerzgrenze meiner Schreckhaftigkeit deutlich gehoben hat, wieder einmal meine Leseempfehlung ausspreche. Beate Teresa, Susanne, ich hoffe eure kreative Ader wird nie versiegen (und wenn doch holt euch Rat bei Persephone ;))


Buchinfo:


FISCHER Sauerländer (September 2015)
480 Seiten
Hardcover
16,99 €
Ab 14 Jahren
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Susanne Hanika (Hanika Sisters/Spencer Schwestern) auf Facebook

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Beate Teresa Hanika / Susanne Hanika auf Fantasie und Traeumerei:


"Erzähl mir von der Liebe" / B.T. Hanika
"Nirgendwo in Berlin" / B.T. Hanika
"Rotkäppchen muss weinen" / B.T. Hanika
"In Ewigkeit, Amen" / S. Hanika
"Dark Angels' Summer" / K. und T.L. Spencer
"Dark Angels' Fall" / K. und T.L. Spencer
"Dark Angels' Winter" / K. und T.L. Spencer

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Nanni

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