31.08.15

[Hörbuch] Obsidian 03: Opal - Jennifer L. Armentrout (Sprecherin: Merete Brettschneider)

ACHTUNG!! Dies ist der dritte Band der Obsidian Reihe. Die Rezension enthält Spoiler zu den Vorgänger Bänden!

"Opal" macht es mir nicht ganz einfach, mir eine abschließende Meinung zu bilden. Der Einstieg war leicht und stand in gutem Bezug zum Vorgänger "Onyx". Handlungsgefüge ließen einfach wieder in Erinnerung rufen und so war ich zügig wieder mitten im Geschehen. Blake ist zurück gekehrt. Der Junge, von dem keiner so genau weiß, auf wessen Seite er wirklich steht, und der bei Daemon sehr viel Misstrauen auslöst, da er ebenfalls in Katy verliebt ist.

Katy gefällt mir immer besser. Sie wächst mehr und mehr in ihre Rolle hinein, gewinnt an Stärke und Selbstvertrauen, ohne sich - wie sie es zuvor schon oft getan hat - durch Naivität und vorschnelles handeln, in schwierige Situationen zu manövrieren. Auch die Beziehung zwischen ihr und Daemon wächst. Sie kommen sich näher. Richtig nahe ...

Zwischen ihnen entsteht eine enge Vertrauensbasis, die darauf aufbaut, dass sie sich nun viel offener austauschen. Geheimnisse werden ausgemerzt und Schwierigkeiten gemeinsam besprochen. Auch Katys Freundschaft zu Dee scheint wieder in eine positivere Richtung zu verlaufen.

In "Opal" wird halt viel geredet. Wenn nicht geredet wird, knutscht man, danach wird wieder geredet. Für mich eine etwas zähe Handlung, so dass mir manchmal die Lust fehlte, das Hörbuch überhaupt anzuschalten. Mehr als die Liebesgeschichte zwischen Daemon und Katy, interessieren mich die Machenschaften des Verteidigungsministerium. Wer steht auf welcher Seite? Wie gefährlich ist Blake wirklich? Lebt Dawsons Freundin Beth noch und wird man sie befreien können? Fragen, die Autorin Jennifer L. Armentrout ganz sicher noch beantworten wird. Aber eben nicht in "Opal", sondern vermutlich erst in Band 4 "Origin", der im Dezember erscheinen wird.

Nachdem "Opal" auf mich als typischer "Zwischenband" eher etwas langatmig wirkt, freue ich mich auf "Origin" umso mehr, denn Jennifer L. Armentrout hat zum Schluss des dritten Teils noch mal alles gegeben und so endet "Opal" mit einem ganz scheußlichen, süchtig und schlaflos machenden, zur Verzweiflung treibenden Cliffhanger. Es lohnt sich definitiv die Reihe weiter zu lesen / hören. Lasst euch von kleinen Langatmigkeiten nicht abschrecken. Jennifer L. Armentrout lässt ihre Fans nicht im Stich!


Hörbuchinfo:


Silberfisch / Hoerbuch Hamburg (Juni 2015)
2 MP3 CDs
805 Minuten
Ungekürzte Lesung
19,99 €
Silberfisch auf Facebook
Hoerbuch Hamburg auf Twitter

Hier kaufen:



Reiheninfo:





Hörbuchcover Armentrout -  Obsidian Hörbuchcover Armentrout - Onyx. Schattenschimmer Hörbuchcover Armentrout - Opal. Schattenglanz Hörbuchcover Armentrout - Origin. Schattenfunke

01) Obsidian                               
02) Onyx                                     
03) Opal                                       
04) Origin (ET: Dezember 2015)


30.08.15

[Reiseproviant] #29

Hallo ihr Lieben,


es ist Sonntag und damit Reiseproviant-Zeit.

Lesereise:


Meine Woche hat mit einer weiteren Neuerscheinung begonnen. "Auf und davon" von D. Arnold aus dem Verlag Heyne fliegt ist ein skurriler Roadtrip mit tiefgründiger Story.
In "Die Stellung" von M. Wolitzer aus dem DuMont Verlag, ist ein tragikomischer Familienroman, in dem die elterlichen Figuren einen Sexroman geschrieben haben, der bei ihren Kindern zu unterschiedlichsten Reaktionen geführt hat.
Ein Hörbuch hat diese Woche für besonders gute Laune bei mir gesorgt. Der vierte Band der Haferhorde, in dem Pony Schoko sich verliebt und Sprecher Bürger Lars Dietrich wieder all sein grandioses Können zeigt, ist witzig und sehr herzig. 
Positiv überrascht hat mich "Tochter des Drachenbaums" von S. Aernecke. Eine Kombination aus Liebesroman, Historie und Kultur La Palmas. Spannend wie ein Thriller.
Zu diesem Roman verlose ich außerdem drei Freiexemplare. Nähere Infos dazu findet ihr hier.
Außerdem habe ich den tollen Jugendroman "Ein Sommer und vier Tage" von Adriana Popescu begonnen, der in mir die Sehnsucht nach Urlaub geweckt hat.

Für welches Buch konnte ich euer Interesse wecken?

Blogrundreise:


In der heutigen Blogrundreise möchte ich ein persönliches Anliegen ansprechen.
Einige von euch haben vielleicht schon von der Aktion #bloggerfürFlüchtlinge gehört / gelesen, über die wir Blogger die Möglichkeit haben, uns für Flüchtlinge einzusetzen, in dem wir das Medium nutzen, das uns liegt: unseren Blog / Vlog / Homepage usw.

Täglich kommen hunderte, tausende Menschen in Deutschland an, die aus verschiedenen schrecklichen Gründen ihre Heimat verlassen mussten und dafür Menschenunwürdige Reisen auf sich genommen haben. Darunter viele, viele Kinder, die allein in einem Land ankommen, in denen ihnen von Lebensmitteln über Sprache bis hin zu ihren Mitmenschen alles fremd ist.

Erst gestern habe ich mit meiner ehemaligen Kollegin vom Jugendamt telefoniert, die mir gesagt hat, dass sie dort täglich Überstunden machen, um die Daten von Kindern aufzunehmen, die Hilfe benötigen. Diese Hilfe kann man auf vielfältigste Weise leisten.

Bekleidung, Schuhe, Spielzeug, Bücher, Toilettenartikel, Dinge, die für uns banal klingen, weil wir sie ganz selbstverständlich jeden Tag benutzen, werden dort dringend benötigt!!
 Wer es leisten kann, kann Geld spenden.
Ehrenamtliche Helfer können mit wenig viel bewirken.

Ebenso wichtig finde ich Aufklärung. Informiert, stoppt Vorurteile, schafft Verständnis. 

Lebensreise:


Gesehen: Bei uns im Ort gibt es eine Freilichtbühne, auf der über Sommer immer ein Kinder- und ein Erwachsenenstück gespielt wird. Das Erwachsenenstück ist in diesem Jahr "Die drei Musketiere".
Schwiegerpapa hat gleich am Anfang eine Fechtszene und sich dabei heldenhaft geschlagen.
Tolle Inszenierung des Mantel- und Degenklassikers.

Gekocht: Gelbe Linsen-Karotten-Suppe (mit roten Linsen) nach dem Rezept von whatinaloves
aufgepimpt mit Gemüse-Sesambällchen

Gemixt: Endlich kann ich wieder Smoothies trinken. Und die sind jetzt super gesund, da eine ordentliche Portion Chia mit rein kommt.
Wer von euch nutzt die Wunderkörner ebenfalls?

Genossen: Der Herzensmann ist übers Wochenende verreist. Grund genug es mir am Samstag morgen so richtig gemütlich zu machen  :)


Euch allen noch einen entspannten Sonntagabend und eine spannende neue Woche!




28.08.15

[Gastrezensenten gesucht] Tochter des Drachenbaums (Amakuna-Saga 01) / Susanne Aernecke



Romy unternimmt zum ersten Mal eine Klettertour allein. Normalerweise wird sie von ihrer Freundin Thea begleitet. Die stellt sich gerade dem harten Kampf gegen Krebs und so ist Romy ganz allein, als sie viele Meter in die Tiefe stürzt. Wie durch ein Wunder überlebt sie den Vorfall ohne auch nur eine Verletzung davon zu tragen. Doch seitdem hat sie mysteriöse Träume. Das Gefühl einer Frau in einer ganz anderen Zeit zu begegnen, eine Frau, die scheinbar die selbe Seele in sich trägt, lässt sie nicht mehr los. Als Theas Krebsmittel, das Romy während ihrer Arbeit bei einem Pharmakonzern erforscht, versagt, reisen die beiden Frauen nach La Palma, dorthin, wo Romy ihre mysteriösen Halluzinationen hatte. Denn dort scheint es ein Wundermittel zu geben, dass nicht nur Krebs heilt, sondern viele andere Krankheiten auch. Ein Wundermittel, dass nicht nur vielen Menschen helfen, sondern auch einflussreichen Pharmakonzernen zu viel Geld verhelfen könnte. Ein gefährliches Spiel um Leben und Tod beginnt. 

" '[...] Reichtum ohne Einfluss und Macht ist tatsächlich nur eine Schwierenkomödie. Macht heißt, Dinge zu besitzen, die man für Geld nicht kaufen kann.' "

Viele hunderte Jahre vor Romys Fund, lebt die junge Heilerin Iriomé. Die Prophezeiung einer Stammesältesten lässt sie bei deren Tod das Versprechen ablegen, Amakuna, die Möglichkeit Kranke zu heilen, mit ihrem Leben zu beschützen und dafür zu sorgen, dass es nicht in falsche Hände gerät. Doch dann wird Iriomés Volk der Guanchen angegriffen. Iriomé flieht mit dem jungen Spanier Joaquin. Doch ist seine Liebe zu ihm berechtigt? Wird er ihr helfen Amakuna zu verteidigen oder ist seine Gier so groß, dass er der falsche Gefährte für Iriomé ist?

"Romy nickte. Eigentlich wunderte sie gar nichts mehr. Seit sie auf dieser Insel waren, hatten sie nichts mehr selbst in der Hand. Als hätte irgendjemand die Führung übernommen. Fragte sich nur, wohin der Weg ging."

Susanne Aernecke, Tochter eines Kapitäns und Geschichtensammlerin, hat mit "Tochter des Drachenbaums" einen Roman geschrieben, der mich auf vielen Ebenen positiv überraschen konnte. 

Romy und Iriomé sind zwei strake Protagonistinnen, die den Leser sehr schnell für sich einnehmen können. Mutig und tapfer kämpfen sie für Amakuna, denn sie haben geschworen immer dafür einzustehen. Richtig gelingen kann ihnen das nur, wenn der Mann an ihrer Seite steht, der wahre Liebe für sie empfindet. Ein schwieriges Unterfangen, denn Susanne Aernecke kreiert männliche Protagonisten, die in der Lage sind Figuren wie Leser für sich zu gewinnen und so zu verwirren, dass lange Zeit unklar ist, wer es ernst meint, wer in reiner, echter Liebe zu den beiden Frauen bzw. deren Auftrag steht, und wer einfach nur gierig und Machtbesessen ist. Eine Verwirrspiel, das mir gut gefallen hat und mich zu fesseln vermochte.



Spannung aufzubauen ist eine Eigenschaft, die der Autorin sehr gut gelingt. Trotz vieler Erklärungen hat sie immer einen straffen roten Faden und behält den Grundgedanken ihres Romans im Blick. Bevor sie sich zu sehr in Beschreibungen verliert, zieht sie immer wieder den Spannungsbogen in die Höhe. Oftmals am Ende eines Kapitels, nachdem sie dann wieder auf die andere Erzählebene wechselt, so dass der Leser einfach weiterlesen muss. Fesselnd und spannend sind sowohl der Teil, der aus Romys Perspektive erzählt wird, als auch der aus Iriomés. Ich kann mich nicht entscheiden, in welchem Zeitalter ich mich lieber aufgehalten habe.

"Blieb ein Krieger nicht immer ein Krieger? Machte eine Frau, wenn sie verliebt war, nicht immer die gleichen Fehler?"

Außer dem Wunsch den Roman zu verschlingen (ich habe nur zwei Tage für die über 500 Seiten benötigt), ist bei mir eine große Sehnsucht nach La Palma aufgekeimt. Eine Insel, der ich zuvor noch keine Beachtung geschenkt habe, die dank Susanne Aerneckes lebhaften und farbenprächtigen Beschreibungen ganz neu von mir betrachtet wird. Sowohl die beschriebene Flora der Insel, als auch deren Kultur klingen sehr interessant und wecken Urlaubsgefühle und den Wunsch dort Zeit und Stress zu vergessen.

"Vielleicht hatte die Äbtissin ja recht, und es gab die wahre Liebe nur zu den Göttern, den Geistern oder Ahnen. Vielleicht waren die Menschen immer nur für eine kurze Zeit in der Lage, dieses große, umfassende Gefühl füreinander zu empfinden, und sanken dann zurück in ihr Dasein, das von Gier, Eifersucht, Geiz und anderen hässlichen Eigenschaften überschattet war."

"Tochter des Drachenbaums" ist ein interessanter Roman, der eine gefühlvolle Liebesgeschichte gekonnt in die Historie und Kultur der Insel La Palma einbettet. Und trotz aller rosaroten Vorstellungen und dem Wunsch nach der einzig wahren Liebe, die so stark ist, dass sie scheinbar Wunder zu vollbringen vermag, ist der Roman auch unglaublich spannend Teilweise erlebe ich einen Thriller Charakter, wenn Autorin Susanne Aernecke ihre Figuren in ihrer Gier, ihrem Streben nach Macht, agieren lässt und diese dabei über Leichen gehen. Für mich ein lesenswerter Roman, der sich sowohl inhaltlich, wie auch im Setting von einer breiten Masse abzuheben vermag.

Buchinfo:


Alyna im Europa Verlag (Mai 2015)
582 Seiten
Klappenbroschur
16,99 €


Hier versandkostenfrei bestellen:




Bewerbt euch jetzt als Gastrezensent:



Für jeweils 1 von 3 Exemplaren des spannenden ersten Teils der Amakuna-Saga "Tochter des Drachenbaums".

Vier Wochen nach Erhalt des Leseexemplars (das ihr dann selbstverständlich behalten dürft) solltet ihr das Buch gelesen und eine kurze Rezension dazu geschrieben haben.
Diese sendet ihr dann an mich und ich veröffentliche sie hier auf dem Blog.
Danach dürft ihr sie ebenfalls auf eurem eigenen Blog und / oder auf Plattformen wie Lovelybooks, Goodreads etc. und Onlinehändlern wie Amazon, Thalia usw. veröffentlichen.
Je mehr, desto besser.
Ein eigener Blog wäre schön, ist aber keine Voraussetzung für eure Teilnahme.
Eure Rezension sollte mind. 100 Wörter umfassen. Es dürfen auch mehr sein.

Um eins der Exemplare zu bekommen, stellt euch im Kommentarfeld kurz vor und erzählt mir, warum ihr das Buch gerne lesen und rezensieren möchtet. Sollten sich mehr als 3 Bewerber finden, werde ich auslosen.

Anmeldeschluss ist Mittwoch, der 02.09. 2015 um 23:59 Uhr.
Bewerber bitte nur aus Deutschland, Österreich oder Schweiz.

Ich freue mich auf eure Teilnahme :)

26.08.15

Die Stellung / Meg Wolitzer



Die vier Kinder der Mellows, - Holly, Michael, Claudia, Dashiell -, haben einen recht guten familiären Verbund. Man versteht sich mal mit dem einen besser, mal mit der anderen. In schlechten Zeiten hält man zusammen und so ist es für Michael nur allzu klar, dass er seinen unfassbaren Fund, den von den Eltern herausgebrachten Sexratgeber, der sich so lange schon im Haushalt zwischen all den anderen Büchern - neben einem Öko Diätratgeber - versteckt hält, mit seinen Geschwistern teilt. Die Kinder unterschiedlichen Alters von 8 - 16 Jahren, reagieren mit einer Mischung aus erschrockener Abneigung und Faszination. Als wäre der Name der Eltern als Verfasser dieses Werks, das von Erfahrungen und Berichten lebt, nicht genug der Scham, sind diese unverkennbar - wenn auch als Zeichnungen dargestellt - das Paar, das die verschiedenen Stellungen darstellt, inklusive einer von ihnen selbst erdachten Position, die als das Non-Plus-Ultra beschrieben wird. Ein Fund der das Leben der scheinbar Kinder für immer verändert und erst verarbeitet wird, als es zu einer Neuauflage des Romans kommen soll.

"Tatsächlich war , wenn man es genau betrachtete, das Geräusch der endenden Kindheit eine fürchterliche Sache. Wenn du einer der übernatürlich begabten Menschen warst, die es hören konnten, wusstest du, dass es dem Zerschellen von Glas ähnelte, dem Aufschlag eines Körpers auf den Boden, wobei du mit einer fürsorglichen Mutter oder einem fürsorglichen Vater gerechnet hättest, der den Sturz auffing, jedoch feststellen musstest, dass es nur das harte, heiße Trottoir des Lebens war, das da wartete."

Meg Wolitzer kreiert auf sarkastisch, tragisch komische Weise das Porträt einer Familie, die sich aufgrund des Sexratgebers von anderen Entwicklungen familiärer Bande zu unterscheiden scheint, jedoch sehr flexibel auf diverse Familien umlegen lässt. Meg Wolitzer erzählt von vier Menschen, ihren Eltern, und den Lebenswegen den diese Familienmitglieder einzeln und im Kontext zu den anderen eingehen. Der Leser bekommt einen kurzen Einblick in die Kindheitssituation und trifft die Protagonisten dann im Erwachsenenalter wieder. Der Blick liegt dabei auf Charakterzügen, menschlichen Eigenschaften, die jedem einzelnen zu eigen sind. Manche davon schon immer. Tief in ihnen schlummernd, erst zutage getreten, nachdem sie den Sexratgeber der Eltern gefunden haben. Einige veränderten sich zeitgleich mit dem Fund des Ratgebers, der auf die Mellow Kinder zunächst eine verstörende Wirkung zeigte.

"Holly fror ständig, wie es so viele fünfzehnjährige Mädchen tun. Es war ganz so, als würde die weibliche Haut mit dem Heraufziehen der Pubertät dünner und machte die Mädchen für jeden irrlichternden Gedanken, jede Angst und jedes Verlangen empfänglich, so dass sie sich mit zusätzlichen Schichten bedecken mussten."

Kann man wirklich dieses Buch, das einen so offenen Blick auf die Eltern zeigt, einen Blick, den Kinder eigentlich nicht erleben, für alle weiteren positiven wie negativen Abzweigungen im Lebensweg verantwortlich machen? Oder hat es die bereits brodelnden Vulkane, die nun für Kluften zwischen einzelnen Beteiligten des Familienkonstrukts sorgen, einfach nur verstärkt, aber eben nicht hervorgerufen? Vielleicht hätten die Mellow'schen Nachkommen gemeinsam, miteinander mit dem Erlebten zurecht kommen können, doch auch ihr Umfeld wusste vom Erfolg von Peter und Roz Mellow und ihrem erfüllten Liebesleben, so dass sie während ihrer Kindheit oftmals auf Verständnis und Mitleid trafen, was eine ungestörte Verarbeitung unmöglich machte und auf gewisse Art manipulativ auf sie einwirkte.

"Es war, als erwachten die Mellows als Familie in dieser ersten Schneenacht des Winters in New York noch einmal zum Leben, wie ein alter, aufziehbarer Clown, der über Jahrzehnte reglos dagestanden hatte und in dem sich plötzlich ohne jeden Grund etwas verschob, worauf sich die Mechanik noch einmal in Gang setzte und der Clown die Becken wie in einem kutzen Fieber unerklärlicher Aktivitäten gegeneinanderschlug."

Meg Wolitzer hat interessante Charaktere entworfen. Personen, deren Entwicklungen vom Leser nachempfunden werden können, weil sie realistisch sind und auf Erfahrungen, Erlebnissen und genetisch vorgegebenen Charaktereigenschaften aufgebaut sind. So ist es nur allzu verständlich, dass die Botschaft, die Peter und Roz Mellow über Liebe in die Welt tragen wollten, die sich aber nicht in einen Ratgeber pressen lässt, von jedem ihrer Kinder anders aufgefasst und weitergeführt wird. Jeder Mensch ist anders und jeder verarbeitet Erlebnisse anders. Wer der Kinder sich wie entwickelt hat, ist sehr spannend und soll von mir hier auch nicht weiter ausgeführt werden, denn genau darin liegt der Reiz für den Leser.
Ein tragikomischer Familienroman, der mich sprachlich wie inhaltlich überzeugen konnte.

Buchinfo:


DuMont (August 2014)
368 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,99 €
Originaltitel: The Position
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence
DuMont auf Facebook
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DuMont auf Twitter


Hier versandkostenfrei bestellen:



Die Autorin auf Lesereise:


13.9. Literaturhaus Köln
14.9. internationales literaturfestival berlin
15.9. Harbour Front Literaturfestival Hamburg
16.9. Hauptbücherei Wien 
17.9. Kaufleuten Zürich






25.08.15

[Hörbuch] Die Haferhorde 04: Schmetterlinge im Ponybauch - Suza Kolb (Sprecher: Bürger Lars Dietrich)



Dies ist der vierte Teil der witzigen Ponygeschichten für große und kleine Pferdefreunde und kann unabhängig von den anderen Teilen gehört werden. Mehr Spaß macht es jedoch, wenn man die ersten drei Bände und damit auch schon Schoko, Keks und alle zwei- und vierbeinigen Bewohner und Freunde des Blümchenhofs kennt.

Die Ponys trauen ihren Augen kaum, als sie im Gefolge des hochnäsigen Kavaliers, der im Besitz des bösen Donnerheinis ist, eine kleine Ponydame auftaucht. Ihr Reiter ist der ihnen bisher unangenehm aufgefallene Dennis. Wieder einmal macht er seinem Ruf alle Ehre und schlägt das weiße Ponymädchen, als sie nicht sofort versteht, was er von ihr will.

Schoko ist empört. Wie kann man nur so ein Fiesling sein?! Und überhaupt, ist die Ponydame das wohl hübscheste Geschöpf, das er jemals gesehen hat. Elfa heißt das weiße Ponymädchen, das aus Island kommt und schrecklich Heimweh hat. Sein Bauch hat gar keinen Hunger mehr, seit er sie kennt und überhaupt fühlt er sich so an, als würden darin ganz viele Schmetterlinge herum fliegen. Bruno behauptet, dass es davon kommt, dass er in Elfa verliebt ist. Ob das wohl stimmt? Auf jeden Fall fühlt er sich dazu verpflichtet, Elfa aus den Klauen des Donnerheinis zu retten. Ein nicht ganz ungefährliches Unternehmen. Aber mit Abenteuer kennt Schoko sich ja schon bestens aus.

"Die Haferhorde" ist einfach super! Witzige Geschichten der Vierbeiner vom Blümchenhof, die man einfach mögen muss. Auch im vierten Band geht es wieder turbulent her. Suza Kolb bezaubert in "Schmetterlinge im Bauch" nicht nur mit Humor und Abenteuer, sondern hat zudem eine kleine und feine Liebesgeschichte eingebaut.

Bürger Lars Dietrich beweist wieder einmal mehr, dass er nicht nur ein ganz besonderes Sprechtalent ist, sondern auch über gewisse Fähigkeiten im Sprachen erlernen verfügt. Neben dem bayerisch von Bergpony Tony, musste er sich für das neuste Abenteuer der Ponybande auch noch einen isländischen Dialekt zulegen. Wie immer hat er seine Aufgabe mit Bravour gemeistert.

"Die Haferhorde" zu hören ist jedes Mal ein großes Vergnügen. Mit Witz und Charme verzaubern mich Schoko, Keks und ihre Freunde vom ersten Moment an. Ich kann wirklich jedem Ponyfreund und jeder Ponyfreundin diese Geschichten ans Herz legen.

Buchinfo:


Der Audio Verlag (August 2015)
2 CDs
2 Std. 17 Min.
12,99 €
ab 8 Jahren
ungekürzte Lesung
Originalverlag: Magellan
Der Audio Verlag auf Facebook


Hier kaufen:



Reiheninfo:

04) Die Haferhorde: Schmetterlinge im Ponybauch



24.08.15

Auf und davon / David Arnold



"Jedenfalls fühle ich mich plötzlich sehr rebellisch und erschöpft. Diese ganzen Eds und Morrise und nicht-Ahabs und Mädchen mit Kaugummiblasen und kostenlosen Zigaretten, die endlosen Enttäuschungen, Entfernungen und hundert anderen Ents haben mich einfach ausgelaugt."

Mary Iris Malone - genannt Mim - lebt bei ihrem Vater. Und ihrer Stiefmutter Kathy, die sie nicht sonderlich gut leiden kann. Sie ist Mims Meinung nach der Grund, warum sie so weit von der Mutter weggezogen sind. Als sie einen Brief von ihrer Mom findet, der auf sie mehr als mysteriös, aber eben so klingt, als benötige diese dringend Mims Hilfe. Macht sie sich auf den Weg. Entgegen Mims Erwartungen, wird es eine Reise voller Umwege, Bekanntschaften und Erkenntnis.

"Der Fernseher lief im leeren Wohnzimmer, aber ohne Ton.
Niemand war sauer.
Niemand kümmerte sich um mich.
Mein Gott, Isabel ... ich hoffe, du weißt nicht, wie sich das anfühlt."

"Auf und davon" lässt mich etwas verwirrt zurück. Es hallt immer noch in mir nach, obwohl ich es schon seit einigen Tagen beendet habe. Es fällt mir schwer, meine Meinung in Worte zu fassen, denn dieses Buch reißt mich hin und her. Allein diese Tatsache spricht eigentlich dafür, dass es ein gutes Buch ist, aber um es als Highlight zu bezeichnen, fehlt mir das letzte Fünkchen Etwas. David Arnold sorgt auf jeden Fall dafür, dass seine Leser permanent mitdenken, grübeln und in Bewegung bleiben. Seine Geschichte wird ganz sicher für sehr viel Diskussion unter ihren Lesern sorgen.

"' Ich hab dich gehört. Als du geschlafen hast. Unter der Brücke.'
Na super.
'Was habe ich sonst noch gesagt?'
'Irgendwas mit Feuerwerk', sagt er leise. 'Und noch andere Sachen. Weiß ich nicht. Ich habe auch Feuerwerksgedanken.'"

Mims Roadtrip ist ... skurril. Es ist keine Reise der gewöhnlichen Art, aber Mim ist auch kein gewöhnliches Mädchen. Sie ist anders, denkt anders und handelt aus dem Bauch heraus. Auch, wenn dieser ihr manchmal etwas falsches einflüstert und sie in Schwierigkeiten bringt, so wie damals, als sie in die Sonnenfinsternis geschaut hat und dadurch auf einem Auge erblindete. Mim ist für den Leser zum Teil ein Rätsel. Sie zu durchschauen fällt nicht leicht und doch möchte man sie gern auf ihrer Reise begleiten. Manchmal benötigt sie dringend einen Weggefährten, denn ihr Können sich in Schwierigkeiten zu bringen, ist ziemlich groß. Und doch muss sie ihre Erfahrungen allein sammeln, um zu der Erkenntnis zu gelangen, die am Ende des Romans wieder so sehr für die Geschichte spricht und in mir den Wunsch auslöst, Mim doch von Anfang an mehr Verständnis entgegen zu bringen.

"Hattest du schon mal das Gefühl, etwas Wichtiges verloren zu haben, und dann entdeckt, dass du es überhaupt nicht besessen hast?"

"Auf und davon" hat für mich ein bisschen was von Quentin Tarantino. Wir treffen auf sehr schräge Figuren, sehr fiese, aber auch besondere, liebenswerte Charaktere. Allen ist gemein, dass sie sich doch ziemlich von der breiten Masse abheben. Nicht jeder von ihnen ist leicht zu verstehen, verschanzt sich hinter einer Mauer aus schnöden Verkleidungen. Dahinter zu blicken macht die Schwierigkeit des Buches aus. Ich mag es gern, wenn ich mitdenken muss, wenn Menschen und Geschichten anders sind, als sie auf den ersten Blick scheinen, aber es ist eben nicht jedermanns Sache. Man muss bereit sein für eine Geschichte wie diese. Muss sich den Schockmomenten und verwirbelten Gedanken stellen können. Muss sich öffnen dafür, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, um ihr geduldig entgegen zu treten. Denn auch, wenn Arnold rein sprachlich, sowie mit seiner skurrilen, verschachtelten Denkweise einen Sog aufbaut, der dafür sorgt, dass der Leser das Buch verschlingen möchte, sollte man sich doch die Zeit nehmen, es nach und nach sacken zu lassen. Erst dadurch besteht die Möglichkeit so viel über Freundschaft, Familie, glücklich und unglücklich sein zu lernen wie Mim es tut, und eben nicht alles so hinzunehmen, was einem von Angst und Zweifel eingeredet wird, sondern gründlich zu hinterfragen, sich eine eigene Meinung zu bilden und sich auch zu trauen, diese auszuleben.

Buchinfo:


Heyne fliegt (August 2014)
384 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
ab 14 Jahre
Originaltitel: Mosquitoland
Übersetzung: Astrid Finke


Hier versandkostenfrei bestellen:


23.08.15

[Reiseproviant] #28

Ihr Lieben,


meine Woche:

Literarische Reise:


Gelesen habe ich ziemlich viel und zu den meisten der gelesenen Bücher sind sogar schon Rezensionen online. So langsam gewöhne ich mich daran, nicht zur Arbeit zu gehen und meinen Tag Zuhause zu verbringen, und bekomme ein bisschen Struktur. Ich wusste gar nicht wie schwierig das ist, denn wenn man sonst nur einen oder zwei Tage frei hat, dann ist an diesen Tagen so viel zu tun, dass man kaum darüber nachdenken kann, wie man den Tag am sinnvollsten gestaltet. Eine echte Herausforderung ;)
So lange es noch geht, verbringe ich viel Zeit bei den Pferden. Durch die Baustelle im Haus, gibt es auch dort immer einiges zu tun (ihr glaubt gar nicht wie viel Dreck deswegen durchs Haus getragen wird!!), aber mittlerweile bin ich nicht mehr so von Müdigkeit geplagt und kann mich ausgiebig meinem zweiten Lieblingshobby widmen: Lesen!
Den Anfang machte die Kurzgeschichtensammlung "Nacht in Vals" von Tim Krohn. Mein Problem bei Kurzgeschichtensammlungen ist immer in die einzelnen, in sich abgeschlossenen Erzählungen rein zu kommen. Dies war hier überhaupt kein Problem. Ich mochte den Roman nicht so gern wie den Vorgänger "Aus dem Leben einer Matratze bester Machart", habe mich aber trotzdem gut unterhalten gefühlt.
"Schizo. Traue niemandem. Nicht einmal dir selbst" ist ein Jugendroman über das Thema psychische Erkrankungen im Jugendalter. Sehr spannend, interessant und authentisch umgesetzt. Bekommt von mir eine Leseempfehlung.
Am Mittwoch habe ich seit langem Mal wieder an Frau Hauptsachebunts Literaturplausch teilgenommen? Kennt ihr die Aktion? Mir macht es immer sehr viel Freude dort neue Bücher zu entdecken. Außerdem postet Nina immer sehr schöne Zitate. Teilnehmen kann jeder, der möchte.
In dieser Woche sind im Fischerverlag zwei nette Kinder- bzw. Jugendbücher erschienen. Bei Fischer KJB "Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens", eine magische Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und Anders sein, und im Verlagsimprint Sauerländer "Klar ist es Liebe" eine sehr nette Liebesgeschichte, erzählt aus 14 Perspektiven.
Mein Highlight der Woche war "Nachts" von Mercedes Lauenstein. Ein sprachlich wie inhaltlich spannendes Debüt, in dem die namenlose Protagonistin nachts an den Häusern klingelt, in denen noch Licht brennt, um sich die Geschichten der Bewohner anzuhören. Sich zu ergötzen und zu nähren, an deren Schicksalen, um so die eigene Einsamkeit ein bisschen zu vertreiben.

Konnte ich eure Neugierde für eins der Bücher wecken?

Blogrundreise:


Ansteckend ist die momentane Aufregung um die Veröffentlichung der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Besonders gut gefallen mir dazu die Artikel von Literatourismus, Buzzaldrins Bücher und Kaffeehaussitzer.

Primeballerina's Books schreibt auch immer einen sonntäglichen Post. Ich lese ihren Sonntagstanz immer sehr gern.

Lottas Bücher hat "Klar ist es Liebe" auch gelesen. Und mochte es noch ein wenig mehr, als ich es getan habe ...

Ihr solltet ganz unbedingt Pinkfischs Text über Flüchtlingshilfe und Heimatlosigkeit lesen.


Lebensreise:


Gebacken: Leckeren Joghurt- Gries Kuchen mit Sommerfrüchten

Geknutscht: Mit Emma ♥

Gefreut: Waldtiere in der Stadt!! ;)

Gekauft: Ich habe am Mittwoch eine große Bestellung beim Buchladen am Freiheitsplatz aufgegeben und am Freitag war mein Päckchen schon da!!!
Bestellt habe ich: "Halbe Helden" / E. J. Lange,
"Baba Dunjas letzte Liebe" / A. Bronsky
"Der Weg des Künstlers" / Cameron
"Sungs Laden" / K. Kalisa (dicke Empfehlung meiner Freundin Sarah von Pinkfisch)
"Selection 03" / K. Cass
"Lockwood 02" / J. Stroud (nicht auf dem Foto)
Habt ihr schon eins der Bücher gelesen?

Ich wünsche euch noch einen entspannten Sonntag. Kommt gut in die neue Woche!




22.08.15

Klar ist es Liebe / Sandy Hall



Gabe und Lea sind ineinander verliebt. Das sieht JEDER!! Ihre Freunde, ihre Dozentin, sogar die Mitarbeiter von Starbucks. Nur Gabe und Lea, die bemerken es nicht. Nicht so richtig zumindest. Jeder für sich weiß, dass er den oder die andere mag, aber ob das bei ihrem Gegenüber auch so ist, darüber sind sie sich absolut nicht sicher.

Sie möchten so gern aufeinander zu gehen und sich kennen lernen. Aber wie? Und was ist, wenn sie einen Korb bekommen? Gabe ist zudem sehr schüchtern, trägt ein Päckchen mit sich herum, über das er nur ungern spricht. Amor allein schafft es wohl nicht den beiden zu ihrem Liebesglück zu verhelfen. Glücklicherweise hat er jede Menge wohlwollende Helfer an seiner Seite.

"Er verschränkt die Finger und schaut das Mädchen nicht an. Er schaut sie so offensichtlich nicht an, dass mir klar ist, dass es ihn große Mühe kostet. Als würde sie, wenn er sie doch anschaut, sehen, wie sehr er sie mag."

Sandy Hall hat in ihrem Debüt "Klar ist es Liebe" eine recht interessante Idee umgesetzt. Die Geschichte wird nicht nur aus der Perspektive eines oder beider Protagonisten erzählt. Ganze 14 Erzähler nutzt sie, um den Leser zu unterhalten. Dafür nutzt sie nicht nur Gabes und Leas engsten Freundeskreis. Die chemischen Reaktionen der beiden, sind sogar für ein weitläufiges Umfeld sichtbar. Slebst die Bank im Park (die ist mir dann auch einen Hauch too much) und das Eichhörnchen, das sich so gern von Lea füttern lässt, bemerken, dass zwischen den beiden eine ganz besondere Sympathie besteht.

Ganz fein und leicht nähern sie sich einander an, so gefühlvoll, dass man nicht anders kann als sie zu mögen. Sie dabei aus mehreren Perspektiven zu beobachten, finde ich ganz witzig und von der Autorin lässig umgesetzt. Ich mag, dass die Autorin sich nicht nur Mühe mit ihren Protagonisten gegeben hat, sondern Nebenfiguren entworfen hat, die eigene Bücher füllen könnten.

 Hier und da fehlt es mir ein wenig an Spannung. Ich habe mich zwar keine Minute gelangweilt, aber so ein richtiger Sog ist auch nicht entstanden. Der Roman ist wie sein Cover rosarot, fluffig leichte Unterhaltung. Einzig einen Nachmittag hat es gebraucht, um Gabe und Lea bei ihrem Paarungstanz beizustehen, der bei mir für eine nette Lesezeit gesorgt hat.

Buchinfo:


Sauerländer (Fischerverlage / August 2015)
272 Seiten
Klappenbroschur
ab 14 Jahren
14,99 €
Originaltitel: A Little Something Different
Übersetzung: Maren Illinger
Fischer Jugendbuch auf Facebook
Fischer Jugendbuch auf Twitter

Hier versandkostenfrei bestellen:



21.08.15

"Nachts" / Mercedes Lauenstein



"Nachts" ist ein Debüt, das im Schutz der Dunkelheit spielt, sich selbst aber keineswegs darin verstecken muss. Ins passende Licht gerückt, da gehört dieser Roman, der voll greifbarer Ehrlichkeit steckt, hin. Allein die Sprache der noch recht jungen Autorin Mercedes Lauenstein ist so fein und klar, dass ich sie einfach gerne lese. Ganz gleich in welcher Form zum Ausdruck gebracht.

Ruhig und leise, tiefgründig, aber auch ein bisschen luftig ist der Erzählton des Debüts, das - wie der Titel schon sagt - in der Nacht spielt und dem Leser eine Protagonistin vorsetzt, von der er im ganzen Buch nichts weiter erfahren wird, als dass sie in der Nacht durch die Straßen zieht und an den Wohnungstüren klingelt, an denen sie zuvor beleuchtete Fenster entdeckt hat. Sie selbst zieht den Tag zum schlafen vor und die Nacht zur Kontaktaufnahme.

"Für einen Moment kippt meine Wahrnehmung der Nacht. Die Nacht ist plötzlich kein Ende mehr, kein toter Punkt, sondern etwas Neues. Nichts Dunkles, sondern etwas Helles."

Warum? Für die junge Frau, die Nachtschwärmerin, die Geschichtensammlerin, die Menschenerkunderin, ist es wie eine Sucht. Es liegt ein gewisser Reiz darin, an fremden Türen zu klingeln. Menschen zu treffen, von denen wir nichts wissen. Ein Reiz, der sich auf den Leser überträgt, der eine Spannung aufbaut, die dazu anhält in fast voyeuristischer Vorfreude die nächste Tür zu öffnen, das Schicksal derjenigen kennen zu lernen, die anders als der Großteil der Bevölkerung die Nacht nicht zum schlafen nutzt. Nutzen kann? Welche Gründe gibt es für die Schlaflosigkeit?

Manch einer versteckt sich in der Ruhe der Nacht. Dem Schutz, den die Dunkelheit bieten kann. Manch einer ängstigt sich vor ihr. Vor dem, was passiert, wenn wir nicht wach sind. Nachts empfinden wir Gefühle anders. Stärker, tiefer, haben zugleich aber die Möglichkeit sie auszublenden. In der Dunkelheit zurückzulassen. Kommunikation ist leichter, wenn man dem anderen nicht in voller Helligkeit ausgeliefert ist. Die Wahrheit kommt einfacher von den Lippen. Sie zu verändern verläuft ebenso mühelos.

"Er wünschte zwar, seine Tage hätten eine klarere Struktur. Er wünschte, er würde öfter vormittags wach sein. Aber eigentlich mag er diese Momente allein am Fenster, wenn alles außenherum dunkel ist. Das stille, gemächliche Rauchen in die leere, kühle Nachtluft, das Schweifenlassen des Blicks und das Sich-erhaben-Fühlen. Über all die Menschen, die vom Schlaf ausgeschaltet sind."

Oftmals sind es Menschen die allein leben. Soziale Vereinsamung - ein sich immer mehr ausbreitender Trend? Der Protagonistin scheint dies in irgendeiner Form zu erfahren. Sie klinkt sich ein in die Geschichten anderer Menschen, sucht nach Schicksalen, nach Lebenswegen, an denen sie teilhaben kann. Es scheint, als seien ihre Streifzüge durch die Nacht die Befriedigung ihrer eigenen einsamen Gedanken. Ihre Besuche sind ein Geben und Nehmen zugleich. Manch einer ist froh, lässt sie gern in seine Wohnung, sein Leben. Es tut gut Trauer, Wut, Frust von der Seele zu reden oder einfach nur die Nacht mit jemandem zu teilen.

Aus ihrem eigenen Leben erfahren wir nichts. Ihre Geschichte hat sie so häufig verändert, dass sie nicht mehr weiß, welcher Teil der Wahrheit entspricht. Für sie bedeutet die Nacht Anonymität. Unabhängigkeit von Gefühlen und Emotionen. Dafür geht sie ein Risiko ein. Schließlich weiß sie nie, wer oder was sie hinter der nächsten Tür erwartet. Die meisten sind harmlos. Menschen, die genug mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben, um anderen welche zu bescheren. Mir scheint, als seien viele von ihnen müde. Erschöpft im Geiste. Zu viel erlebt, zu viel gewollt.

"Nachts, sagt er, fällt ihm das leichter, weil nachts alles weniger ernst ist, weil sich nachts sogar die braven Menschen mit ihren geregelten Tagsüberjobs in ungehemmten Träumen verlieren und nachts deshalb alles Raum hat, was am Tag keinen hat."

Die Autorin sagt von sich selbst, dass sie ja "nur über Alltagskram" schreibt. Und genau das ist es, was den Roman lesenswert macht. Geschichten, die einfach echt sein könnten. Ich hab all diesen, in wundervolle. leichte Sprache verpackten Alltagskram richtig gern gelesen und kann für "Nachts" nur meine Empfehlung aussprechen.

Buchinfo:

Aufbau (August 2015)
191 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
18,95 €
Aufbau auf Facebook
Aufbau auf Instagram
Aufbau auf Twitter
Mercedes Lauenstein auf Twitter


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20.08.15

Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens / Sarah Moore Fitzgerald



"Folgendes habe ich begriffen: Wenn jemand, den man kennt, verschwindet, dann darf man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Man sollte Fragen stellen und immer weitersuchen, bis man Gewissheit hat. Man darf den Verschwundenen nicht abschreiben, bis man alle Möglichkeiten ausgelotet hat. Und vor allem darf man die Hoffnung nie aufgeben, sondern muss sie immer im Herzen behalten."

Meg hat sich gerade an ihr neues Leben in Neuseeland gewöhnt, als die erschütternde Nachricht sie erreicht. Ihr bester Freund, Oscar Dunleavy, ist verschwunden. Einfach so. Wie vom Erdboden verschluckt. Eine Leiche hat man nicht gefunden, aber man ist sich sicher: Oscar ist tot! Meg denkt, dass das einfach nicht wahr sein kann. Sie fühlt es. Sie weiß es. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, kehrt zurück in ihre Heimatstadt und muss feststellen, dass sie Oscar in letzter Zeit leider keine allzu gute Freundin gewesen ist.

"Wenn man vor etwas so große Angst hat, dass man fast erstarrt, und wenn man andererseits positive und freundliche Gefühle haben soll, dann verstummt man. Man möchte mit keinem mehr reden. Am liebsten würde man alle anschreien, sie sollen verschwinden und einen in Ruhe lassen."

"Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens" ist für mich schon rein optisch eins der schönsten Bücher der Herbstneuerscheinungen. Es verspricht mir eine Wohlfühlgeschichte von besonderer Manier. Der Inhalt dieses kleinen Romans über Freundschaft, erste Liebe, darüber, dass Anders sein etwas großartiges ist, und Hoffnung, kann mit seinem schönen Schutzumschlag mühelos mithalten.

"Ich versuche mal wieder, die Sache mit dem Apfelkuchen zu erklären. Manche Leute spüren in den Knochen, wenn das Wetter umschlägt. Andere merken, wo unterirdische Wasseradern verlaufen. Ich kann Dinge in der Luft riechen. Quälende Dinge voller Sehnsucht. Diese Gerüche sind für mich ein Zeichen dafür, dass es Zeit ist zu backen."

Sarah Moore Fitzgeralds Schreibe ist voller Wärme und Herzlichkeit. Mit viel Liebe erzählt sie die Geschichte einer sehr engen Freundschaft aus der sich nach und nach eine zarte Liebe entwickelt. Missverständnisse und die Versuche einer neidischen Intrigantin, ihre eigene Wahrnehmung einer Niederlage wieder wett zu machen, sorgen dafür, dass ein Keil zwischen Meg und Oscar entsteht. Dabei sind sie von Kindesbeinen an Freunde. Oscar ist sowieso bei allen beliebt. Wirklich bei allen. Obwohl er selbst es nicht einfach hat, schon einiges mitmachen musste und immer noch muss, ist er immer fröhlich und gut gelaunt. Er hat für jeden ein offenes Ohr und wird deshalb auch von jedem gemocht. Und wenn es jemandem mal nicht so gut geht, dann backt Oscar ihm einen Apfelkuchen. Und der ist wirklich magisch.

"Ich gab mir große Mühe, mich und meine Stimme zu beherrschen, als ich sagte: 'Hoffnung ist nie destruktiv. Hoffnung ist das, was uns am Leben erhält.' Ich meinte das ganz ernst. Man muss hoffen, so wie man atmen und Wasser trinken muss."

Für mich hat "Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens" etwas märchenhaftes. Ein kleiner Hauch Magie und der Glaube an das Gute sind es, die mir dieses Gefühl vermitteln. Alles könnte so schön sein. Oscar und Meg könnten so leicht ihr Glück finden, auch wenn Meg vorüber gehend in Neuseeland lebt und Oscar daheim in Irland bleibt. Denn einer echte Freundschaft können auch so viele Kilometer nichts anhaben. Doch droht ihnen Gefahr, gewoben aus Neid und Missgunst, aus dem Willen der schönste und beliebteste Mensch zu sein. Ganz wie im Märchen ist das Böse nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Doch wie Oscar bereits gesagt hat, darf man die Hoffnung nie aufgeben. Wenn man ganz fest dran glaubt und der Hoffnung vertraut, dann wendet sich vielleicht doch noch alles zum Guten.

Buchinfo:


FISCHER KJB (August 2015)
256 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
14,99 €
Originaltitel: "The Apple Tart Of Hope"
Übersetzung: Adelheid Zöfel
Fischer KJB auf Facebook

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19.08.15

[Literaturplausch] #24

Hallo ihr Lieben,

da ich heute mal ein bisschen Rezi-schreib-faul bin und die Aktion von Frau Hauptsachebunt ganz toll ist, gibt's heute seit langem mal wieder einen [Literaturplausch] Beitrag.

#bookstagram


diese Woche ist die Woche der Neuerscheinungen. Ich habe "Nachts in Vals" von Tim Krohn gelesen (ET: 17.08.2015), "Das Apfelkuchenwunder oder die Logik des Verschwindens" von Sarah Moore Fitzgerald (ET: 20.08.2015), "Nachts" von Mercedes Lauenstein (ET: 21.08.2015), "Auf und davon" von David Arnold (ET: 24.08.2015) und werde gleich mit "Klar ist es Liebe" von Sandy Hall beginnen. Die Rezis zu den Büchern bekommt ihr fast alle zum entsprechenden Erscheinungsdatum. Nur Sandy Hall wird erst zwei Tage später online gehen.

Besonders gut gefallen hat mir "Nachts" von Mercedes Lauenstein. Warum könnt ihr dann am Freitag nachlesen.

Außerdem habe ich ein weiteres Buch gelesen, das schon seit Juni im Handel erhältlich ist und aufgrund des sehr realistisch und eindringlich umgesetzten Themas "psychische Erkrankung bei Jugendlichen" meiner Meinung nach noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat. "Schizo. Traue niemandem. Vor allem nicht dir selbst" von Nic Sheff, erschienen im Fischerverlag.

Habt ihr schon von einem der Bücher gehört und es deshalb auf eurer Wunschliste?



#newin


In dieser Woche hat mir die liebe Bibliophilin "Das primäre Gefühl von Schuldlosigkeit" von Dana Grigorcea (der Nachname bereitet mir üble Schwierigkeiten ...) zugeschickt. Ab und an bin ich für sie als Gastrezensentin tätig. Als sie mich fragte, ob ich Lust hätte diesen Roman, der von einer Bankangestellten handelt, die das Trauma eines Banküberfalls verarbeitet und dafür nach Bukarest, die Stadt ihrer Kindheit reist, zu lesen, habe ich mich sofort für das Buch entschieden. Ich verhoffe mir ein bisschen Psychologie und freue mich eine mir recht unbekannte Kultur kennenzulernen. 



Außerdem habe ich gestern beim Buchladen am Freiheitsplatz angerufen und ein üppige Bestellung aufgegeben. Das ist der Buchladen, den ich euch immer unter den Rezis verlinke. Dort zu bestellen ist easy peasy, denn man muss nur die 0800-B-O-O-K-O-R-D-E-R wählen und schon hat man eine der sympathischen Verkäuferinnen (oder Verkäufer) am Telefon und kann sich so auch noch sehr gut beraten lassen (natürlich ist auch online Bestellung möglich). Ich lasse mir immer meine liebe Sarah von Pinkfisch ans Telefon holen, so dass wir noch ein bisschen über Literatur, Leben, Familie, whatever, plaudern können. Ein Foto meines Buchstapels werdet ihr sicher am Sonntag im [Reiseproviant] zu sehen bekommen. Vorab bestimmt auch schon auf Facebook und Instagram.

#zitat


"Gleich war alle Erinnerung wieder da, die Sternchenwiese mit den tausend Stühlchen, auf denen die Sterne saßen, deren jedes die Aufgabe hatte, ein Menschenkind sein Leben lang zu schützen und ihm Glück zu schenken. [...] Vor allem aber die Kette winziger Sternenkinder, die noch kein Menschenkind beschützen durften und die doch schon heimlich zur Erde hinabschielten weil - wer weiß? - vielleicht gerade ein Kind geboren wurde, das eben doch ganz dringend einen Glücksstern brauchte."
"Nachts in Vals" / Tim Krohn / Galiani Berlin August 2015

Ein Zitat, das mich in meiner aktuellen privaten Situation besonders berührt hat.

#woanders


In meinem sonntäglichen Reiseproviant poste ich ja seit neustem immer 5 Links von Beiträgen auf anderen Blogs, die mir in der vergangenen Woche besonders gut gefallen haben oder besonders lesenswert erschienen. Deshalb nutze ich diesen Beitrag heute mal für Werbung in eigener Sache.
Ich bin jetzt auch bei Twitter! Und ich frage mich, warum ich so lange damit gewartet habe. Eine feine Sache. Ich bin noch etwas orientierungslos, aber ich probiere immer mal wieder rum und so langsam wird's - glaube ich. Twitter ist echt toll, denn die Kommunikation untereinander ist auf schnelle und einfache Art und Weise möglich. 
Falls wer von euch auf Twitter ist und noch nicht von mir verfolgt wird, unbedingt melden. Ich freue mich meinerseits auch über Verfolger und Literaturgeplauder mit euch. Ihr findet mich dort als @NanniFantasie

18.08.15

Schizo: Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst. / Nic Sheff



"Aber ich bin sicher, dass das Geräusch nicht echt ist. Es ist Teil meiner Krankheit - nichts anderes als kaputte Synapsen und fehlgezündete chemische Reaktionen."

Vor zwei Jahren hatte Miles seinen ersten schizophrenen Anfall. Währenddessen verschwand sein Bruder. Ein Ereignis, das sein Leben aufs drastischste veränderte. Seine Familie ist unglücklich und Miles noch viel mehr. Sein Alltag ist belastet von Krankheit und dem dringenden Wunsch alles zu tun, um seinen kleinen Bruder Teddy wiederzufinden.

"'Also, ähm,' sage ich, 'was machst du hier? Du wirkst nicht so verrückt wie die anderen.'
Er lächelt schüchtern. 'Ich f-f-funktioniere nicht in der e-e-echten Welt.'
'Tja. Ich auch nicht.'"

Miles bewegt sich zwischen Realität und Wahnvorstellungen, letztere werden für ihn zur Wirklichkeit. Typisch für die Krankheit der Schizophrenie, zu deren Krankheitsbild u.a. Störungen in Wahrnehmung und Denken gehören. Der Leser dringt so in Miles Geschichte ein, dass auch für ihn nicht wirklich differenzierbar ist, welches Erlebnis wo einzuordnen ist. Dadurch baut der Autor Nic Sheff, der eine Drogenvergangenheit hinter sich hat und selbst unter psychischen Erkrankungen im Teenageralter litt, eine extreme Spannung auf. Die wenigen Seiten des Romans habe ich geradezu verschlungen.

"Meine ganze Familie ist in einer Art Dauerspannung gefangen."

Mir hat am Roman besonders gut gefallen, dass Miles Schwierigkeiten mit der Krankheit im Alltag umzugehen, so eingängig dargestellt werden. Angst ist sein ständiger Begleiter. Angst davor, dass die Krankheit schlimmer wird, dass es zu akuten Ausbrüchen kommt, mit denen er sich vor seinen Alterskameraden blamiert, und die Sorge, dass die Krankheit die finanziellen Möglichkeiten der Familie zu sehr ausschöpft. Gerne möchte er sich wie ein normaler Teenager verhalten. Vor allem, seit Eliza, seine Freundin aus Kindertagen, seine Jugendliebe, zurückgekehrt ist. Doch das ist alles nicht so einfach, wenn man nicht einmal einschätzen kann, ob das, was man gerade erlebt, überhaupt real ist.

"'Mein Therapeut', platze ich heraus, 'redet immer davon, dass Sensibilität wie eine Gaußsche Verteilungskurve ist - du weißt schon, was wir in Mathe gelernt haben. Auf der einen Seite ist jemand so sensibel, dass er auf der Welt nicht funktionieren kann. Auf der anderen Seite ist ein totaler Soziopath, Mörder, was auch immer, der gar nichts fühlt. Die meisten Leute sind in der Mitte - oder irgendwo in der Nähe davon. Aber ich war immer näher an der So-verdammt-sensibel-dass-ich-kaum-funktioniere-Seite. Und du...du machst dir auch viele Gedanken.'"

"Nic Sheff möchte darlegen, was Schizophrenie im Teenageralter bedeutet, in dieser ohnehin schon fragilen Lebensphase." (Quelle: Fischer) Das ist ihm eindeutig gelungen. Ich denke, dass jeder Leser - egal, ob er schon mal in irgendeiner Form mit dem Thema psychische Erkrankungen konfrontiert wurde oder nicht - einen kleinen Einblick bekommt, was es bedeutet mit einer psychischen Krankheit zu leben. Verpackt in eine fesselnde Story, hat Nic Sheff einen Debütroman entworfen, der ganz viele eigene Erfahrung enthält und dem Leser damit auf teils brutal realistische Art und Weise eine bewegende Geschichte vor die Füße wirft, die definitiv zum Nachdenken anregt und im besten Falle für ein klein wenig mehr Verständnis sorgt.

Buchinfo:


272 Seiten
Taschenbuch
8,99 €
Originaltitel: Schizo
Übersetzung: Maren Illinger
Fischer FJB bei Facebook
Fischer FJB bei Twitter 

Hier versandkostenfrei bestellen:


17.08.15

Nachts in Vals / Tim Krohn



Tim Krohn, in der Schweiz lebender deutscher Autor, wurde bereits vielfach für seine Werke ausgezeichnet. Zuletzt nahm er mit seinem Roman "Aus dem Leben einer Matratze bester Machart", der eine Art Kurzgeschichtensammlung ist, in denen die Matratze als Bindeglied verschiedener historischer Stationen und familiären Situationen benutzt wird, am Wettlesen des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt teil.

"Nachts in Vals" ist eine Sammlung aus Erzählungen, die Tim Krohn im Rahmen von Zimmerlesungen im "Hotel Therme" in Vals anbot. Das Hotel dient hier als Mittelpunkt der Geschichten, als Dreh - und Angelpunkt für persönliche Entfaltung, Wendepunkte im Leben eines jeden Gastes.

"Gleich war alle Erinnerung wieder da, die Sternchenwiese mit den tausend Stühlchen, auf denen die Sterne saßen, deren jedes die Aufgabe hatte, ein Menschenkind sein Leben lang zu schützen und ihm Glück zu schenken. [...] Vor allem aber die Kette winziger Sternenkinder, die noch kein Menschenkind beschützen durften und die doch schon heimlich zur Erde hinabschielten weil - wer weiß? - vielleicht gerade ein Kind geboren wurde, das eben doch ganz dringend einen Glücksstern brauchte."

Die Nacht hat viele Facetten. Sie bringt Erkenntnis und Ernüchterung, ist aber in gleichem Maße in der Lage zu verschleiern und zu verzaubern. Nachts sieht alles anderes aus. Nachts verändert sich der Blickwinkel. Die Nacht kann verängstigen. Die Dunkelheit der Nacht bietet Schutz, um mutig genug zu sein, sich als wer anders zu fühlen. Stärker, schöner, Liebenswerter. All das mag die Nacht mit dem zu tun, der sich auf sie einlässt. Der sich nicht vor ihr verschließt.

"Er schämte sich nun für seine Angeberei, und vergeblich suchte er nach einer Sache, auf die er hätte stolz sein können. Dennoch fühlte er sich erbärmlich oder lächerlich neben ihr, er fühlte sich wie frisch geschlüpft, klein und nackt und etwas ungebärdig, und mochte sich so gut leiden."

Die Nacht als magisch zu empfinden, das löst Tim Krohn mit seinen Geschichten bei mir aus. Gleichwohl seine Schreibe sehr klar und unverschnörkelt ist. Es ist die Nähe zur Realität - manch ein Gast wird sich in den Geschichten ebenso wieder gefunden haben, wie der ein oder andere Leser - die Tim Krohns Erzählungen so leicht zugänglich machen und ihnen dennoch etwas ungewöhnliches anhaften. Ich denke, fast jeder hat in seinem Leben schon einmal eine ganz besondere Nacht erlebt ...

Die Nacht in Kombination mit dem Ambiente der Leichtigkeit eines Urlaubstages im Hotel, sorgen dafür, dass die Gedanken leichter fliegen. Das neue Gefühle aufkeimen und alte überdacht werden. Tim Krohn fängt diese Gedankengänge geschickt ein, verdichtet sie zu einer unterhaltsamen Sammlung lesenswerter Erzählungen.

Buchinfo:


Galiani Berlin (August 2015)
156 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
16,99 €
Galiani auf Facebook
Homepage von Tim Krohn

Im Buchladen am Freiheitsplatz versandkostenfrei bestellen.


16.08.15

[Reiseproviant] #27

Ihr Lieben,


Literarische Reise:

Am Montag habe ich den wundervollen Roman "Wie ein fernes Lied" von Micaela Jary beendet, der mir so gut gefallen hat, dass ich am liebsten nie das Ende erreicht hätte. Danach bin ich erst mal in ein Loch gefallen. Ich habe mit "Schizo" von Nic Sheff begonnen, konnte aber, obwohl auch dieser Jugendroman wirklich gut war, nicht so recht zum Buch greifen. Mein Herz war noch zu sehr in Margas Geschichte von Swing, Liebe und dem zweiten Weltkrieg gefangen. 
Heute habe ich dann rasant aufgeholt. Ich habe "Schizo" beendet und direkt "Nachts in Vals" von Tim Krohn, das morgen im Verlag Galiani Berlin erscheint, hinterher gelesen. 

Während ich das schreibe, fliegen meine Gedanken direkt wieder zu einer Diskussion, die ich in dieser Woche auf Facebook angelesen und direkt mal ignoriert habe. Es ging um Lesetempo und "Lesen als Wettbewerb". Muss man viele Bücher in kurzer Zeit lesen? Geht dabei der Spaß am Lesen verloren? Setzt man sich selbst zu sehr unter Druck?

Ich kann ja nur für mich selbst sprechen. Ich lese viel, weil ich gerne lese! Statt meine Zeit mit sinnlosen Diskussionen zu verbringen oder mir Gedanken über andere zu machen, lese ich lieber. 
Ich selbst bin mit Wettbewerben groß geworden und bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Ich stecke mir meine Ziele immer sehr hoch (s. Lovelybooks Lesesommer) und möchte diese dann auch erreichen. Dabei möchte ich mich keinesfalls mit anderen messen (ich vergleiche auch keine Leselisten), möchte aber eben meinem eigenen Anspruch gerecht werden. Wenn ich dadurch viel lese, weniger Zeit im Internet vertrödel und zudem keine Zeit habe, mir über andere Leute das Maul den Mund zu zerreißen, dann ist das ganz allein MEINE Sache. 
Mir macht mein Leseverhalten Spaß. Genau so wie es ist!

Blogrundreise:

Auf Buzzaldrins Bücher findet ihr lesenswerte Romane, die in nächster Zeit als Taschenbuch und damit in einer, durch Bibliophilie geschädigte Geldbörsen, erschwinglicheren Ausgabe erscheinen. 

Heute ist der letzte Tag zur Blogtour des Jugendromans "Das Juwel: Die Gabe". Auf der Seite der Bookwives könnt ihr ein spannendes Interview mit der Autorin Amy Ewing lesen. Zudem habt ihr die Möglichkeit eins von zwei Exemplaren des Buches zu gewinnen.

Im Bücherkaffee findet ihr wieder tolle Lesetipps zum Sonntag.

Die Bibliophilin hat momentan wenig Zeit auf ihrem Blog zu schreiben, veröffentlicht aber weiterhin sehr schöne Rezensionen, die von Gastrezensenten verfasst wurden. So wie die von Julia zum Roman "Der Horizont" aus der Feder des Nobelpreisträgers Patrick Modiano.

Lenaliest nimmt an der Aktion #wirbloggen teil.

Lebensreise:

gebacken: Sauerkraut Brötchen
klingt gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber seeeehr lecker :)
gefiebert: Zur Zeit findet die Europa Meisterschaft der Reiter statt.
Ich sitze natürlich am liebsten selbst auf dem Pferd, bin zur Zeit aber etwas erkältet, weshalb Sport machen weg fällt. Sport anschauen geht und macht auch Spaß!
Auf dem Foto seht ihr Kristina Bröring-Sprehe, die mit ihrem Pferd Desperados, der ein Verwandter von meinem Pferd Dark Pepper ist, gestern Silber in der Einzelwertung holte und einen ganz tollen Ritt hinlegte.
gemixt: seit ich schwanger bin, mag ich keine Smoothies mehr trinken.
Schon der Geruch löst bei mir Ekel aus, dabei habe ich mir vorher jeden Tag was Leckeres gemixt.
Jetzt scheint es so, als könne ich zumindest reine Obst Smoothies wieder genießen (grüne mag mein Magen noch nicht so gern...). Also habe ich mir direkt mal eine Super Sommer Variante zusammengemixt: frisch gepresster O-Saft, Banane und rote Johannisbeeren aus Mamas Garten. *yummy*
gekauft: eigentlich ein Kleid für die Hochzeit des Freundes des Herzensmannes. Da dieses nach dem Umnähen (eigentlich wurde es nur gekürzt...) nicht mehr so gut gepasst, da ich zur Zeit an allen Körperteilen unkontrolliert zunehme, war ich sehr frustriert und musste mit erst mal diese schönen Dinge aus den Verlagen arsedition und moses gönnen :)
geschaut: Ankas Interview Lesung mit Adriana Popescu und Anne Sonntag (oder Freytag). Alle drei sehr sympathisch, ich habe sehr viel gelacht und möchte nun ganz bald Adrianas sommerlichen Jugendroman "Ein Sommer und vier Tage" lesen.
Ihr könnt das ganze nachschauen auf "Litlounge.tv".
Es lohnt sich!!

Euch allen noch einen entspannten Sonntag und eine ruhige neue Woche!

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