19.01.16

Sterne über der Alster - Micaela Jary

ACHTUNG! DIES IST DIE FORTSETZUNG VON „DAS HAUS AM ALSTERUFER“ UND KANN SPOILER ZU DESSEN INHALT ENTHALTEN!!



Die Dornhain Mädchen gehen den unterschiedlichsten Aufgaben nach, als ihr Vater, der Reeder Victor Dornhain sich das Leben nimmt. Lavinia, die jüngste der Drei, dient als Telefonistin dem deutschen Reiche, Nele verbringt ihre Zeit mit Lavinias Ehemann Konrad in der Schweiz, damit dieser dort weiter genesen kann, und Ellinor bleibt als Erbin des Dornhain Vermögens in der elterlichen Villa in Hamburg zurück. Allein mit der Last, die der Vater ihr nicht nur mit seinem Tod, sondern auch der Enthüllung eines prekären Geheimnisses, auferlegt hat.

Während das private Umfeld der Dornhain Mädchen zusammen zustürzen droht, entwickelt sich ein politischer Umbruch, für den Nele einst gekämpft hat, dessen Auswirkungen sie aber in dieser Form nicht gewollt hat. Kaiser Wilhelm II. erklärt seinen Rückzug. Arbeiterproteste und Aufstände durch gewaltbereite Mitbürger, die sich davon ein freieres Leben und Unabhängigkeit von der oberen Bevölkerungsschicht versprechen, krempeln den Alltag der Familie völlig um und werden zur unübersehbaren Gefahr.



Romane, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielen, üben seit einer gewissen Zeit eine große Faszination auf mich aus. Obwohl ich froh bin, nicht zwischen zwei Weltkriegen, Arbeiterevolten und einem Zeitalter, in dem Frauen so wenige Rechte hatten, aufzuwachsen, finde ich es spannend auf literarischem Wege dorthin zu reisen. Eine Zeit, in der viele Menschen Not leiden mussten, in der das Land aber auch in großer Aufbruchsstimmung war, Hoffnungen geschürt wurden und Entwicklungen vonstatten gingen, die vielleicht nicht so schnelllebig waren wie heute und für uns nun zum Alltag gehören, damals aber als revolutionär galten. Um einen authentischen Roman darüber zu schreiben, ist eine ausführliche Recherche von Nöten. Eine aufwendige Arbeit, die von Micaela Jary sehr gewissenhaft betrieben wird und ihren Lesern den Genuss bereitet, einiges über die beschriebenen Gegebenheiten des Zeitalters zu lernen.

Und das ganz nebenbei. Ohne belehrend zu wirken. Viel mehr noch – sie bietet großartige Unterhaltung. Versteht ihr Handwerk in solchem Maße, dass sie mühelos das eine mit dem anderen verknüpft und Historie in eine Geschichte einbettet, die einen großen Sog entwickelt. Mit dem zweiten Band noch mehr, als mit Teil eins. Ich lese mich immer mehr hinein in die Geschichte, fühle mich schon als Teil der Dornhain Sippschaft und genieße die Zeit mit ihnen. Versuche mich Großmutter Charlottes mahnenden Blicken zu entziehen, runzle die Stirn über Livis Eigenschaft sich in jeden adretten, gut situierten Mann zu verlieben, hege große Sympathien für Nele und Klara und bin sehr gespannt, wie Ellinors Entwicklung weiter gehen wird. In wie weit wird man sie als Erbin der Reederei akzeptieren? Und wie werden sich die Dornhain Schwestern weiterhin in die historischen Ereignisse des Landes, die mir als Leser ja zum Teil bekannt sind, einfügen?



Micaela Jary hat eine wundervolle Familien Saga entworfen, in der die Bedeutung vier starker Frauen im Vordergrund steht. Vier Frauen, die trotz gleichen Blutes, sehr unterschiedlich sind und mit viel Liebe zum Detail entworfen wurden. Figuren, die sich authentisch in die Historie Deutschlands einfügen.

„Sterne über der Alster“ ist eine ausgesprochen gelungene Fortsetzung des Romans „Das Haus am Alsterufer“ und hat mir sogar noch ein bisschen besser gefallen, als der Vorgänger. Mit Begeisterung bin ich zwischen die Buchseiten getaucht und habe mich von der Atmosphäre der Kaiserzeit und den widrigen Umständen, denen Familie Dornhain ausgesetzt war, mitreißen lassen. Wer den ersten Teil mochte, der wird an der Fortsetzung seine wahre Freude haben. Wer noch keinen Band der Saga oder anderen Roman der Autorin gelesen hat, der sollte dringlichst damit beginnen.


Buchinfo:

PIPER(November 2015)
432 Seiten
Taschenbuch
9,99 €

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Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    ich muss leider sagen, dass ich von diesem Buch etwas enttäuscht war. Ich war begeistert von !Wie ein fernes Lied" und habe hier leider zuerst den 2. Band der Reihe rund um die Dornhains in einer Leserunde gelesen. Vilelciht hätte es mir besser gefallen, wenn ich schön brav zuerst Band 1 gelesen hätte. So aber war ich nach dem wirklich traumhaften "Wie ein fernes Lied" enttäuscht.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina,
      so ein klein wenig kann ich deine Meinung nachvollziehen ;)
      "Wie ein fernes Lied" ist mein absoluter Lieblingsroman von Micaela Jary und ich glaube, dass es alle Folgeromane schwer haben, wenn man eine Autorin neu entdeckt und das erste Buch, das man von ihr liest, einem direkt so gut gefällt.
      Ich glaube aber auch, dass man mehr Freude an "Sterne über der Alster" wenn man zuerst "Das Haus am Alsterufer" gelesen hat. Denn man ist ja ganz anders im Geschehen drin und fiebert eher mit, was wohl noch alles geschehen wird.
      Viele liebe Grüße
      Nanni

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Liebe Grüße,
Nanni

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