19.04.16

Minusgefühle - Jana Seelig



Jana Seelig hat ihre Depression öffentlich bekanntgegeben. Ein Post bei Twitter, aus einem Impuls heraus geschrieben und veröffentlicht, als Kriegswerkzeug im Kampf für mehr Verständnis. Eine Aufforderung an ihre Mitmenschen wenigstens zu versuchen zu verstehen und nicht nur Krankheit und Betroffene in eine Schublade zu stecken.

Diesem einen folgten viele weitere Beiträge. Wurden retweetet, zitiert und kommentiert. Unter dem Hashtag #notjustsad entsteht eine ganze Bewegung. Von Depression Betroffene fühlen sich angesprochen, fühlen sich verstanden.

Ich finde es nicht schlimm, depressiv zu sein. Also so ganz grundsätzlich, meine ich. Es gehört eben einfach zu mir, so wie meine Liebe zu Katzen und schlechter Popmusik und der Tatsache, dass ich keine Augenbrauen habe.“

In Janas Umfeld herrscht allerdings noch das gleiche Unverständnis wie seit Jahren. Es ist ein langer und harter Weg das zu ändern. Einige langjährige Beziehungen bleiben dabei auf der Strecke, doch irgendwie ist es auch befreiend, sich von den Menschen zu lösen, die sie bisher nur behindert und sich als falsche Freunde entpuppt haben. Einer von ihnen ist ihr Vater. Einer derjenigen, die sie „so festhalten und nicht von der Stelle kommen lassen.“

Den wichtigsten Schritt ist sie selbstständig und ganz allein gegangen – die Depression anzuerkennen.

Jana Seelig ist Bloggerin und freie Autorin, lebt in Berlin, hat sich mit ihrem Umzug befreit vom kleindörflichen Idyll ihres Geburtsortes, der nach außen friedlich scheint, im Inneren jedoch ganz genauso brodelt wie es vielerrorts der Fall ist.

Mit ihrem Roman „Minusgefühle“ hat sie sich den Frust um ihre Depression, die damit einhergehenden Schwierigkeiten, die der Alltag mit sich bringt und die Wut über Unverständnis von der Seele geschrieben. Klar, direkt, in eigenen Worten, die mir manchmal etwas zu derb sind, aber nun mal ganz echt Jana Seelig pur.

Ich fühle viel mehr mit dem Körper, als mit dem Kopf. Da, wo mein Kopf nämlich dicht macht, setzt mein Körper plötzlich ein, und manchmal ist mir das zu viel, und ich muss mich zurückziehen, weil ich mit alldem nicht klarkomme. Das sind die Momente, in denen ich fühlen kann, dass ich wirklich lebe, und nicht nur in dem Gefühl der Gefühllosigkeit versinke – und so beängstigend sie sein können, so schön sind sie auch.“

Ich hoffe, dass „Minusgefühle“ viele Leser findet, denn ich glaube, dass es ein realistisches Bild von Depressionen zeichnet. Wie schwer es ist den Alltag zu bewältigen. Die von der Gefühllosigkeit ausgelöste Starre. Die damit einhergehende Vereinsamung. Für viele Betroffene ist es ein Sprachrohr, das ganz bestimmt dabei hilft Verständnis zu wecken bei all denen, die bisher ein falsches Bild der Krankheit Depression hatten.

Buchinfo:


PIPER (Oktober 2015)
224 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €

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