29.04.16

Ponderosa - Michael Sieben



Der Einstieg in „Ponderosa“ gleicht einem Schuss. Laut, stark, mit Nachklang. Einem Schuss ähnlich dem, der aus der Waffe abgefeuert wurde, die sich in Kris Händen befindet. Schon nach den ersten wenigen Seiten ist der Leser mittendrin. Weiß nicht wie ihm geschieht, als er sich dem Jungen gegenübersieht. Das T-Shirt voller Blut, den Blick schuldbewusst gesenkt.

Dann ein Twist. Bevor wir erfahren, wie es nach dem Abend der Tat weitergeht, springen wir fix vom 4. Mai zum 13. April zurück. An den Tag, an dem die Freundschaft zwischen Kris, Juri und Josie ins Wanken gerät.

Befreundet sind die drei schon ziemlich lange. Täglich sehen sie sich. In der Schule und in ihrer Freizeit. In der Ponderosa, einer verlassenen Hütte am Rande der Siedlung. Ein Treffpunkt, der sie bisher auf dem Weg der Kindheit bis hin zum Jugendalter begleitet hat. Ein Ort, an den man sich immer zurückziehen kann, wenn die Eltern stressen oder die Lehrer oder wer auch immer. Doch plötzlich ist alles anders.

Nicht nur, dass Josies Nachbar verschwindet und sich als ein ganz anderer entpuppt, als er zuvor von den dreien eingeschätzt wurde. Auch zwischen den Freunden verändert sich plötzlich etwas. Die Schatten der Kindheit verschwinden, geben dem Sprung ins Erwachsenenleben freie Bahn. Jugend ist eine schwierige Zeit. Auch für Kris, der Gefühle für Josie entwickelt, einem Verbrechen auf der Spur ist und sich seit neustem mit dem uncoolsten Mächen der Klasse abgibt. Die Jugend ist die Zeit der Orientierung. Manch einem geht diese jedoch verloren.

Nach dem extrem kräftigen Einstieg, hatte ich einen kleinen Durchhänger. Die Freunde, ihr Umfeld, das Setting kennenlernen – das alles war mehr eine Notwendigkeit, als eine spannende Angelegenheit. So mein Gefühl, das mich jedoch auf eine falsche Fährte lockte. Von mir zunächst gänzlich unbemerkt, zieht Michael Sieben mit jedem Kapitel am Spannungsfaden, bis ich es letztendlich nicht mehr aushalten konnte und das letzte Drittel mitten in der Nacht beenden musste. Was sich anfühlte wie hinhalten, war das Spiel des Autors, in dem nicht mehr die Protagonisten im Focus stehen, sondern die Neugier des Lesers, die befriedigt werden will. Und das wird sie!

Zusätzlich zum permanent ansteigenden Spannungsbogen, kreiert Michael Sieben eine Atmosphäre, die sich wie eine Gewitterwolke zusammenbraut. Immer düsterer, immer unheilvoller. Als ob sich eine Schlinge um Kris zuzieht, von der er nichts bemerkt. Als Leser sitze ich daneben, sehe es, weiß nicht warum, will ihm helfen und kann es nicht. Schiere Verzweiflung ergreift mich. Einziger Ausweg: lesen, lesen, lesen.
Das habe ich getan. Das gebe ich als Ratschlag weiter, denn „Ponderosa“ ist ein wirklich starkes Debüt über Freundschaft, Mut, Familie und Erwachsen werden, und darüber wie schwer Toleranz ist.

Buchinfo:


Carlsen (2016)
224 Seiten
Hardcover
14,99 €
eBook
10,99 €
ab 13 Jahren


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1 Kommentar:

  1. Das klingt ja sehr spannend. Aber so, wie du das schilderst, ist das ein Buch, das ich auf jeden Fall nur dann anfangen sollte, wenn ich auch genug Zeit zum Lesen habe, sonst artet das bei mir wohl auch in schlaflose Nächte aus. ;-)

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