24.06.16

[7 auf einen Streich - ein literarisches Interview] Autorin Claudia Balzer



Mein Name ist Claudia Balzer und ich bin Autorin, Leserin und Fangirl mit Leib und Seele. Bücher spielen bereits mein ganzes Leben eine große Rolle. Meine Eltern haben mich immer mit Bücher versorgt und gute Noten wurden mit neuem Lesefutter belohnt. Mit vierzehn oder fünfzehn tauchte ich in die Welt der Fanfiction ein und kam darüber selbst zum Schreiben. Mein erstes Werk war eine Geschichte um Lily und James Potter, die ich heute niemanden mehr zumuten würde (und auch auf irgendeiner längst vergessenen Festplatte tummelt). Danach konzentrierte ich mich zunächst aufs Zeichnen, bis ich 2012 zu den Wörtern zurück fand, weil ich nichts Gutes mehr zu lesen finden konnte. Seitdem habe ich bei Forever by Ullstein drei Bücher veröffentlichen dürfen.

(Bildrechte: Claudia Balzer)


  1. Welche*r Autor*in deiner Kindheit hat dich am meisten beeinflusst?
Ich bekam mein erstes Harry Potter Buch mit etwa elf Jahren und mehr Worte bedarf es dazu fast gar nicht, oder?
Ich bin noch die Generation, die lange bis zur Veröffentlichung des nächsten Bandes warten musste. Jahre! Verflucht lange Jahre! Die Bücher erschienen immer um meinen Geburtstag herum und in den Jahren einer Veröffentlichung habe ich mein Älterwerden mit lesen gefeiert. (Nur um spätestens am nächsten Tag das jahrelange Warten neu zu starten.)
J K Rowling hat mich damals vielleicht nicht als Autorin geprägt, aber doch sicher als Mensch und hat ihren Fußabdruck in meinem Charakter hinterlassen.
Es gibt genug Studien, die belegen, dass die Harry Potter Fans die tolerantesten, friedlichsten und aufgeschlossensten Menschen sind.
Und ich hoffe, dass es sich genauso auf mich ausgewirkt hat. Ich versuche tagtäglich diesem Erbe gerecht zu werden.
  1. Welches Buch empfiehlst / verschenkst du am häufigsten??
Viele wissen, dass Colleen Hoover meine absolute Lieblingsautorin ist. Doch eigenartiger Weise empfehle ich am meisten Left Drowning von Jessica Park. Wäre das deutsche Cover von Amazon nicht so dermaßen unglücklich und unpassend gewählt, würde ich es definitiv auch mehr verschenken. So drücke ich es jedem in die Hand, der gerne englisch liest.
Die Geschichte um Blythe und Chris reibt genau an den richtigen und falschen Stellen.
Sabin, Chris´ Bruder ist mir dabei am meisten ans Herz gewachsen. Er hat inzwischen auch sein eigenes Buch bekommen. Es liegt auch ganz oben auf meinem Stapel, aber auch nach Jahren habe ich Left Drowning noch nicht genug verarbeitet, um mich auf die tiefen Abgründe in Sabins Seele einzulassen. Weil, wenn Jessica Park etwas kann, dann raue, schonungslose Gefühle.
  1. Was macht für dich den Reiz am Lesen aus?
Es gibt vieles, was das Lesen reizvoll macht und für jeden wird es sicherlich etwas anderes sein. Ich habe nicht mal ein festes Genre in dem ich mich bewege. Ich lese fast alles.
Aber wenn ich es auf ein Wort zusammenfassen müsste, wäre es folgendes:
Realitätsflucht.
Als Teenager war es vor allem die Realitätsflucht, die das Lesen für mich so unverzichtbar gemacht hat. Ich hatte eine tolle, liebevolle Kindheit, davor musste ich nicht flüchten, aber bin ich in einem Umfeld aufgewachsen, in denen Bücher, Geschichten und Fantasie nicht so einen Stellenwert haben, wie sie es für mich persönlich haben. In meiner unmittelbaren Umgebung war ich die Einzige, die gelesen hat. Ich habe das einfach nicht verstanden und kann es auch heute nicht wirklich. Sich richtig in einer Story zu verlieren, daraus zu lernen und seinen Emotionen freien Lauf lassen - gibt es etwas schöneres? Ich neige zur Überdramatik, sonst wäre ich kein Fangirl geworden, aber ohne das Lesen wäre ich heute nicht die Person, die ich jetzt bin und das fände ich furchtbar.
  1. Was erwartest du von einem „guten“ Buch?
Ein wirklich gutes Buch muss mich emotional brechen. Es mag im ersten Moment hart klingen, aber für mich gibt es kaum etwas Schöneres. Nur wenn es mich so mitnimmt, dass mein Herz rast, dass ich weine und mitfiebere, dass ich mich in den Charakter hineinversetzen kann, obwohl wir vielleicht nicht die gleiche Anschauungen teilen, dann ist es ein gutes Buch für mich.
So geschehen bei Left Drowning von Jessica Park, Ugly Love von Colleen Hoover und F*ck Love von Tarryn Fisher und noch so vielen mehr.
Aber ich muss auch gestehen, ich bin von Haus aus ein sehr emotionsgeladener Mensch. Ich kann mich viel zu leicht und viel zu schnell in so ziemlich jeden hineinversetzen, selbst in die Bösewichte und Sympathie entwickeln.
  1. Gedöns, Dingsbums, Trallafitti – welche Worte nerven dich in Rezensionen am meisten?
Als Autorin habe ich ehrlich gesagt eine Hassliebe zu Rezensionen und mich nerven nicht wirklich bestimmte Worte. Mich nervt keine Rezension, weil ich mich über jede freue, ob nun gut oder weniger gut. Es gibt jedoch eine Sache, die mich sehr verwundert. 80 % meiner Rezensionen beginnen mit:
Ich hatte keine großen Erwartungen in das Buch, aber…“
Ich hatte keine Lust das Buch zu lesen, aber…“
Ich war auf den typischen NA-Einheitsbrei vorbereitet, aber…“

Es freut mich, dass diese 80 % auch meistens in einer vier bis fünf Sterne Rezension enden und das Buch sie überzeugen konnte, aber es lässt mich immer wieder aufs Neue wundern. Ich weiß nicht wirklich, woher diese Erscheinung kommt, aber es lässt mich schmunzeln.
Und es ruft die alte Bücherweisheit „Don´t judge a book by it´s cover“ immer wieder aufs neue in mein Gedächtnis.


  1. Welche deiner Lesegewohnheiten würdest du gerne ändern, schaffst es aber nicht.
Wenn ich selbst an einem Buch schreibe, komme ich kaum bis gar nicht zum Lesen. Ich hätte in erster Linie gern erst einmal eine Lesegewohnheit.
Das wäre schön… hach, ich vermisse das Lesen. Das ist wirklich das Einzige, dass mich am Schreiben stört. Die Zeit, in der man Wörter aneinander reiht fehlt beim Lesen.
  1. Literaturszene, Lesegewohnheiten und Buchtrends sind dynamische Komponenten. Welche Entwicklung empfindest du in diesen Bereichen (einem dieser Bereiche) als besonders positiv?
Ganz klar Gay-Romance.
Ich komme wie gesagt im Ursprung aus dem Fanfiction-Milieu und dort sind Gay-Charaktere das natürlichste auf der Welt und an der Tagesordnung. Es freut mich, dass dieses Genre immer mehr Fuß in den Bücherregalen fasst. Ich habe nie verstanden, warum dieses Thema immer totgeschwiegen, gar nicht erst registriert oder wenn, dann mit einem Mary Sue Charakter besetzt wird und noch seltener ein Happy End findet. Schrecklich.

Als ich mein erstes Buch plante (kein veröffentlichtes, einfach das erste Buch, dass ich je beendet habe), habe ich als erstes ein Gay-Pärchen geschaffen, das in einer glücklichen Beziehung steckt, erfolgreich ist und auch bleibt und nicht nur als Lückenfüller gehandelt hat. Dieses Buch lud ich auf Wattpad hoch und nicht eine einzige Person hatte etwas gegen sie zu sagen. Im Gegenteil. Sie wurden zu einen der Lieblingscharaktere. Für mich ist es daher unverständlich, dass diese Bücher erst jetzt so ins Rollen kommen und plane auch bereits ein eigenes Buch in diesem Genre und ich freue mich so verdammt darauf es zu schreiben, dass es schon weh tut.

Vielen Dank, liebe Claudia, für deine spannenden Antworten.


Bücher der Autorin:


Kommentare:

  1. Wieder ein schönes Interview. Zwei Dinge haben mir besonders gefallen: Zum einen, dass die Autorin sagt, ein Buch müsse sie emotional brechen. Ein tolles Bild. Und zum anderen, dass sie es besonders gut findet, dass Gay Romance einen höheren Stellenwert in der Literatur findet. Yeah dafür!

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  2. Hach ja, dieses jahrelange Warten auf den jeweils nächsten Harry Potter-Band kenne ich auch sehr gut. War damals sehr zermürbend, aber im Nachhinein hat das auch irgendwie was: diese hibbelnde Spannung nach jedem Band, das Spekulieren und Rätseln. Da werd ich jetzt direkt nostalgisch.

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