07.07.16

Der Trick - Emanuel Bergmann



Der zehnjährige Max Cohn ist verzweifelt. Seine Eltern werden sich scheiden lassen. Er selbst gibt sich die Schuld daran, hinterfragt die Gründe und sein eigenes Handeln, kommt jedoch auf keinen grünen Zweig. Einzige Rettung scheint „Der Zauber der ewigen Liebe“ zu sein. Ein Zauber, den nur der Magier Zabbatini wirken kann. Nur er weiß, wie die verlorene Liebe der Cohns wieder aufflammen kann. Max bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mann zu machen.

73 Jahre zuvor hofft ebenfalls ein Junge auf einen Zauber, denn seine Mutter liegt im Sterben. Mosche Goldenhirsch spürt eine ähnliche Verzweiflung wie Max, denn die Mutter ist der einzige Mensch, der ihn wirklich versteht. Nach ihrem Tod kommt es zum Bruch mit dem Vater und Mosche geht dorthin wo er zum ersten Mal Magie erlebt: in den Zirkus. Sein Wunsch sich dem legendären wie fantastischen Halbmondmann anzuschließen und gleichzeitig das Herz dessen wunderschöner Assistentin zu erobern ist so groß, dass er alles dafür tut, um ein Teil der Faszination Zirkus zu werden.

Er wusste, dass sie log, er konnte es spüren. Nichts war in Ordnung. Die Welt hatte Risse, es gab Dinge, die sich dem Blick entzogen, und Wahrheiten, die nicht ausgesprochen wurden.“

Es scheint die Magie zu sein, die die Wege der Beiden zueinander führt. Doch tief im Lebensweg des alten Mannes ist ein Erlebnis verwurzelt, das als Schicksal zu bezeichnen ist. Mit einem weniger magischen, als vielmehr heldenhaft Trick, hat er ein Wunder bewirkt, das prägend für die Lebensgeschichte des kleinen Max Cohn ist und diesem den Glauben an Wunder wieder zurück gibt.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich „Der Trick“ gelesen habe. Lange fehlten mir die richtigen Worte, um einen Roman von dieser Ausstrahlung zu rezensieren. Ich bin mir noch nicht wirklich sicher, ob ich sie nun gefunden habe, aber dass der Wunsch, nochmal in dieses kraftvolle Buch mit all seiner Herzlichkeit, seinen magischen Momenten und seiner Größe einzutauchen, mit jedem darüber gesagten Satz wächst, spricht wohl für sich.



„Der Trick“ ist das Debüt des Saarbrücker Autors Emanuel Bergmann, der damit beweist welche Kraft er in einen Text stecken kann. Sprachlich ausdrucksstark, voll Anmut und einem ausgewogenen Gleichgewicht an Tragik und feinsinnigem Humor.

Schier magisch ist die Geschichte, die sich zwischen mehreren Generationen, Ländern und Zeiten abspielt und sogar in einen Krieg verwickelt wird, der die Leben der beiden Protagonisten – wenn auch auf unterschiedliche Weise – beeinflusst. Gekonnt verbindet Bergmann die Charaktere Max und Mosche, die zunächst eher unterschiedlich wirken, sich im Herz aber doch sehr ähneln. Denn beide erhoffen sich Magie, magische Momente, die ihr Leben zu den Zeitpunkten verändern, in denen sie keinen direkten Einfluss auf dessen Verlauf nehmen können.

Er verstand, dass alte Menschen Wunden hatten, die man nicht sah.“

Zwei Jungenherzen, die sich nichts mehr wünschen, als ihren Glauben an Wunder wirklich werden zu lassen, um festzustellen, dass dies tatsächlich möglich ist. Auch, wenn es sich anders äußert, als erwartet und auch, wenn man das Wunder manchmal selbst in die Hand nehmen muss.

„Der Trick“ ist für mich einer der magischen Romane, die in ihrem Gesamtpaket einen Zauber ausüben, dem sich kein Leser entziehen kann. Die Ausstrahlung dieses Erstlingswerkes, das von der durch Einfachheit der Charaktere geprägten Authentizität lebt, ist so enorm groß, dass schon die ersten Seiten über ungeahnte Anziehungskräfte verfügen und das Buch trotz seiner tragischen Augenblicke zu einem herzerwärmenden Roman voller Hoffnung werden lassen.

Buchinfo:


Diogenes (März 2016)
400 Seiten
Hardcover
22,00 €

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