29.04.16

Ponderosa - Michael Sieben



Der Einstieg in „Ponderosa“ gleicht einem Schuss. Laut, stark, mit Nachklang. Einem Schuss ähnlich dem, der aus der Waffe abgefeuert wurde, die sich in Kris Händen befindet. Schon nach den ersten wenigen Seiten ist der Leser mittendrin. Weiß nicht wie ihm geschieht, als er sich dem Jungen gegenübersieht. Das T-Shirt voller Blut, den Blick schuldbewusst gesenkt.

Dann ein Twist. Bevor wir erfahren, wie es nach dem Abend der Tat weitergeht, springen wir fix vom 4. Mai zum 13. April zurück. An den Tag, an dem die Freundschaft zwischen Kris, Juri und Josie ins Wanken gerät.

Befreundet sind die drei schon ziemlich lange. Täglich sehen sie sich. In der Schule und in ihrer Freizeit. In der Ponderosa, einer verlassenen Hütte am Rande der Siedlung. Ein Treffpunkt, der sie bisher auf dem Weg der Kindheit bis hin zum Jugendalter begleitet hat. Ein Ort, an den man sich immer zurückziehen kann, wenn die Eltern stressen oder die Lehrer oder wer auch immer. Doch plötzlich ist alles anders.

Nicht nur, dass Josies Nachbar verschwindet und sich als ein ganz anderer entpuppt, als er zuvor von den dreien eingeschätzt wurde. Auch zwischen den Freunden verändert sich plötzlich etwas. Die Schatten der Kindheit verschwinden, geben dem Sprung ins Erwachsenenleben freie Bahn. Jugend ist eine schwierige Zeit. Auch für Kris, der Gefühle für Josie entwickelt, einem Verbrechen auf der Spur ist und sich seit neustem mit dem uncoolsten Mächen der Klasse abgibt. Die Jugend ist die Zeit der Orientierung. Manch einem geht diese jedoch verloren.

Nach dem extrem kräftigen Einstieg, hatte ich einen kleinen Durchhänger. Die Freunde, ihr Umfeld, das Setting kennenlernen – das alles war mehr eine Notwendigkeit, als eine spannende Angelegenheit. So mein Gefühl, das mich jedoch auf eine falsche Fährte lockte. Von mir zunächst gänzlich unbemerkt, zieht Michael Sieben mit jedem Kapitel am Spannungsfaden, bis ich es letztendlich nicht mehr aushalten konnte und das letzte Drittel mitten in der Nacht beenden musste. Was sich anfühlte wie hinhalten, war das Spiel des Autors, in dem nicht mehr die Protagonisten im Focus stehen, sondern die Neugier des Lesers, die befriedigt werden will. Und das wird sie!

Zusätzlich zum permanent ansteigenden Spannungsbogen, kreiert Michael Sieben eine Atmosphäre, die sich wie eine Gewitterwolke zusammenbraut. Immer düsterer, immer unheilvoller. Als ob sich eine Schlinge um Kris zuzieht, von der er nichts bemerkt. Als Leser sitze ich daneben, sehe es, weiß nicht warum, will ihm helfen und kann es nicht. Schiere Verzweiflung ergreift mich. Einziger Ausweg: lesen, lesen, lesen.
Das habe ich getan. Das gebe ich als Ratschlag weiter, denn „Ponderosa“ ist ein wirklich starkes Debüt über Freundschaft, Mut, Familie und Erwachsen werden, und darüber wie schwer Toleranz ist.

Buchinfo:


Carlsen (2016)
224 Seiten
Hardcover
14,99 €
eBook
10,99 €
ab 13 Jahren


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28.04.16

[Hörbuch] Düsterbusch City Lights - Alexander Kühne / Sprecher: Jonas Mues



Anton Kummer ist jung, hat Visionen und die Energie zur Rebellion. Er fühlt sich eingeengt von den Zwängen und Konventionen seines Heimatortes, der in den Mauern der DDR gelegen ist. Er interessiert sich für West-Filme, West-Musik und die weite Welt und wünscht sich, dass auch Düsterbusch ein bisschen mehr wie New York, London oder zumindest West-Berlin wäre.

Er versucht alles ihm mögliche um Düsterbusch zu revolutionieren, doch immer wieder macht ihm die Parteidiktatur einen Strich durch die Rechnung. Versuche einen Club zu eröffnen bringen ihm die Kündigung, der Bowie Haarschnitt eine Verwarnung und der Wunsch nach Coolness Sackratten.

Anton ist ein Antiheld. Aber das aus vollen Kräften. Immer wieder fällt er beim Versuch, auf das Ross der Veränderung zu steigen, von eben diesem herunter. Bewundernswert wie viel Energie er trotzdem in seine eigene Rebellion steckt, wie oft er wieder aus der Asche aufsteht, um kurz darauf wieder volle Breitseite darin zu landen.



Begleitet vom heldenhaften Wunsch dies nicht nur für sich, sondern auch für seine Freunde zu tun. Die wichtigste Person in seinem Umfeld, seine Freundin Marion, vergisst er. Stetig geht er seinen Weg nach unten, weg von Karriere, weg von Familie, weg von geregeltem Leben. Doch sein Ziel immer fest vor Augen.

„Düsterbusch City Lights“ ist die Skizze einer Jugend in der DDR. West-Produkte finden ihren Weg über die Grenze, verdeutlichen was nur wenige Kilometer weiter erlaubt ist. Die unbegrenzten Möglichkeiten vor Augen und doch nicht greifbar, führen zu Frustration, zu Anspannung und Unzufriedenheit. Sowohl bei Anton, als auch bei den anderen Jugendlichen.

Die Romanvorlage ist trotz all der Aufregung, die Anton verursacht, herrlich unaufgeregt. Der Erzählton verdeutlicht wie schwierig es war sich gegen die politischen Grenzen – mitunter willkürlich gesetzt – aufzulehnen und für Fortschritt und Umdenken zu sorgen. Aus Frust wird Lethargie.

Herrlich vorgelesen von Jonas Mues, der sowohl Tonlage als auch Dialekte der einzelnen Personen perfekt hinbekommt. Er gibt den Figuren Charakter, stellt sie plastisch dar und lässt „Düsterbusch City Lights“ zu einem unterhaltsamen Roman werden.

Hörbuchinfo:


1 MP3
ungekürzte Lesung
10 Std. 15 Min.
19,99 €
Romanvorlage: Heyne

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Willkommen in Night Vale - Joseph Fink / Jeffrey Cranor



Willkommen in Night Vale. Der Stadt in der das Unmögliche möglich und nichts unmöglich ist. Oder auch genau umgekehrt. Wie auch immer.

Wer sich nun über die verwirrte Wortwahl wundert, der sollte wissen, ich bin infiziert. Möglicherweise unheilbar, obwohl ich denke, dass eine Chance auf Besserung möglich ist. Angesteckt habe ich mich bei Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die den Virus in ihrem Roman „Willkommen in Night Vale“ ausgesetzt haben. Symptome: Verwirrung, Halluzinationen, Glaubenskrisen, Gefühlschaos.

Noch nie ist es mir so schwer gefallen die passenden Worte zu einem Roman zu finden bzw. Inhalt, eigene Reaktionen und handwerkliches Können der Autoren in eine Rezension zu packen. Grund dafür ist die Besonderheit von „Willkommen in Night Vale“. Einem Buch wie diesem bin ich zuvor noch nicht begegnet.

Jede Information war eine wichtige Information, selbst wenn die Gründe dafür nicht sofort ersichtlich waren. Der Grund für irgendetwas war selten sofort oder auch nur irgendwann ersichtlich, aber es gab ihn, irgendwo, so wie einen Mond war, sondern ein Stück Irgendwas, das im Nichts trudelte.“

Ganz kurz zum Inhalt (so weit möglich): Pfandhausbetreiberin Jackie bekommt einen Zettel zugesteckt auf dem das Wort „King City“ steht. Kurz nachdem der Kunde den Laden verlässt, ist er auch schon wieder aus Jackies Gedächtnis verschwunden. Nur „King City“ bleibt in ihrem Kopf, ohne, dass sie weiß, was es bedeutet und in welchem Zusammenhang es dort gelandet ist.

Auch Kellnerin Diane und der Gestaltwandler-Teenager Josh fühlen sich von King City angezogen. Und so kommt es, dass sich die Wege der drei genannten Protagonisten immer und immer wieder kreuzen auf der Suche nach dem geheimnisvollen King City.

„Willkommen in Night Vale“ zu lesen ist wie eine Seefahrt bei starkem Sturm. Ein Wellengang mit etlichen Auf's und Ab's. Kein Roman hat bei mir bisher mit nur wenigen Sätzen so viele unterschiedliche Meinungen und Gefühle dazu ausgelöst.

Es war schwer in die Welt von Night Vale hineinzukommen. Am Anfang bin ich fast verzweifelt, habe das Buch deshalb in Etappen gelesen und immer wieder zur Seite gelegt. Jedes Mal, wenn ich schon kurz davor stand aufzugeben, erfasste mich plötzlich der Sog, der die Gegenseite des schwierigen Zurechtfindens bildet. Fink und Cranor gelingt es immer wieder den Leser zu packen und mit kleinen Appetithäppchen neugierig zu machen. Nutzen die Faszination des Unerklärlichen, des Unbegreiflichen, dem Wunsch danach einer Auflösung der Geheimnisse näher zu kommen.

An „Willkommen in Night Vale“ mochte ich besonders dieses Spiel mit Wahrnehmung, Illusion, Realität und Täuschung. Fink und Cranor zeigen, was Literatur, was fantastische Literatur kann. Alles ist erlaubt. Ein Autor kann machen, was er will, kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. In der Fantasy dürfen Engel mit vier Beinen, die Erika heißen oder Kellnerinnen, denen Zweige mit Früchten aus dem Körper wachsen, kreiert werden. In der fantastischen Literatur gibt es (fast) keine Grenzen und das nutzen Fink und Cranor aus.

Damals war alles einfacher. Weil ich nicht so viele Erinnerungen hatte und die Welt deshalb nicht so überlagert war. Alles war klarer, und außerdem war ich jünger. Also, die Welt war einfacher.“

Dass sie sich schon lange in der Welt von „Willkommen in Night Vale“ bewegen, ist deutlich zu spüren. Die Beschreibungen ihrer eigens kreierten Welt und deren abgefahrenen, skurrilen Bewohner sind detailliert und genau. Seit einigen Jahren schon arbeiten die Autoren zusammen und veröffentlichen Podcasts mit Geschichten aus der Welt von Night Vale.

Die Schreibe der beiden Autoren ist mir zum Teil etwas abgedreht, verdeutlicht aber dieses von mir angesprochene Spiel mit Illusionen und der Realität, in das nicht nur die Protagonisten verstrickt werden, sondern auch die Leser. Im Roman gibt es etliche versteckte Anspielungen zu verschiedensten Themen, die ich definitiv nicht alle ausfindig gemacht habe.

Anspielungen, mit denen die Autoren vielleicht auch ein bisschen provozieren wollen. „Willkommen in Night Vale“ ist ein Buch, das polarisiert. Das viele Fans finden wird, aber auch einige Leser, denen es einfach zu drüber ist. Mir hat es trotz Höhen und Tiefen als Gesamtpaket gefallen, denn ich finde es gut, dass die Autoren aus den Vollen ihrer Fantasie geschöpft und einen Roman geschrieben haben, wie er mir zuvor noch nicht begegnet ist.

Buchinfo:

378 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
19,95 €
Übersetzung: Wieland Freund / Andrea Wandel

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Lesungstermine:

24.05.2016 Stuttgart
25.05.2016 Köln
26.05.2016 Berlin

26.04.16

Die andere Hälfte der Hoffnung - Mechtild Borrmann



Als auf dem Hof von Matthias Lessmann das Mädchen auftaucht, weiß er nicht, was er tun soll. Gesellschaft hatte er seit dem Tod seiner Frau nicht mehr. Die Männer, die nach ihr fragen, sehen bedrohlich aus. Es ist eine Kurzschlussreaktion, die ihn dazu veranlasst, das frierende Mädchen, das aussieht, als habe es schon länger nichts mehr zu essen bekommen, in seinem Wohnhaus zu verstecken. Er ahnt, dass sie in Not ist, dass die Männer ihr nichts Gutes wollen. Was er nicht ahnt – sie ist Opfer eines Menschenhändlerringes, der junge Osteuropäerinnen zur Prostitution zwingt.

Zeitgleich sehnt sich in der Ukraine Walentyna nach der Rückkehr ihrer Tochter, die nach Deutschland gegangen ist, um dort Geld zu verdienen. Seitdem hat Walentyna nichts mehr von ihr gehört. Die Wartezeit ist für sie unerträglich, denn sie merkt, dass etwas in ihrem Körper wächst, dass sie von innen heraus zerfressen wird. Nachwirkungen der großen Katastrophe. Damals, als in Tschernobyl der Reaktor explodierte und sie nur wenige Kilometer entfernt lebte.

Mechtild Borrmann war mir bisher namentlich ein Begriff, eins ihrer Bücher hatte ich aber noch nicht gelesen. Auf Empfehlung einer Bloggerkollegin, die mir erklärte, dass Borrmann die Autorin sei, die sie aus einem Lesetief holen könne, griff ich zu „Die andere Hälfte der Hoffnung“, dessen Inhalt mich schon nach Lesen des Klappentextes angesprochen hat. Trotz der Empfehlung war ich überrascht, welchen Sog der Roman, der als Kriminalliteratur deklariert wird, auf mich ausüben konnte. Es fiel mir schwer ihn aus der Hand zu legen, weil ich so gefesselt war von der Schreibe der Autorin und der Geschichte und doch musste ich immer wieder pausieren, denn der Inhalt ist von bedrückender Schwere.

Mit feiner Feder zeichnet sie Lessmanns Gefühle und Walentynas Geschichte, die schon vor ihrer Geburt dramatisch verlief. Ihre Mutter war Opfer des zweiten Weltkriegs, verschleppt von Soldaten, nach ihrer Heimkehr verachtet, als eine, die mit dem Feind kooperiert. Von dem, was sie damals erlebte, spricht sie nicht. Doch der Ausdruck ihres Gesichtes, wenn das Thema auf den Tisch kommt, spricht Bände. Umso dramatischer, dass sich solche Erlebnisse Generationen übergreifend wiederholen. In anderer Form, aber mindestens genauso schrecklich, wenn nicht noch schlimmer.

Jede Figur des Romans wurde mit Präzision herausgearbeitet. Wurde mit psychischen Strukturen versehen, die handeln und denken der Charaktere näher bringen und nachvollziehbar machen, und auch dafür sorgen, dass diese tief unter die Haut gehen. Nicht nur einmal hatte ich einen dicken Kloß im Hals, musste schluckend das Buch zur Seite legen, tief durchatmen, um dann weiterzulesen, damit ich endlich mehr erfahre. Mehr über die verschleppten Mädchen, mit denen ich bis zuletzt gebangt habe, und mehr über Walentyna, die trotz all der Hoffnungslosigkeit und Dramatik in ihrem Leben die Hoffnung nicht aufgibt.

Es ist nicht nur die faszinierend eindringliche Schreibe der Autorin, die dafür sorgt, dass der Roman so bedrückend ist, sondern auch der Bezug zur Realität. Menschenhandel wird nach wie vor praktiziert, seit der Flüchtlingsschwemme vielleicht sogar noch mehr. Außerdem das Reaktorunglück, das nachhaltig Opfer fordert und eigentlich schon viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist.

„Die andere Hälfte der Hoffnung“ war mein erster, aber nicht letzter Roman der Autorin Mechtild Borrmann. Sie hat mich nicht nur mit ihrer feinen Sprache und gut recherchierten Geschichte beeindruckt, sondern vor allem damit, dass sie mich tief drinnen sehr berührt hat.

Buchinfo:


Droemer (November 2015)
320 Seiten
Taschenbuch
9,99 €

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25.04.16

Cocktails - Pamela Moore



Courtney ist fünfzehn Jahre alt, als sie die behütenden Mauern des Internats verlässt und zu ihrer Mutter, einer Schauspielerin, in eine Hotelsuite zieht. Die Mutter begründet ihre Entscheidung damit, dass Courtney im Internat keinen Anschluss zu Gleichaltrigen findet und somit wohl sehr unglücklich sein muss. Ihre täglich gleichbleibende Müdigkeit und die daraufhin geäußerten Bedenken eines Arztes bestätigen die Mutter in der Richtigkeit ihres Beschlusses.

Courtney – tatsächlich ungeübt im Umgang mit Gleichaltrigen – findet sich recht schnell in das neue Leben, bestehend aus spätem aufstehen, Cocktails, bis in die Nacht reichende Abendessen, ein. Sie verliebt sich in einen jungen Darsteller, für den sie nur ein amüsantes Zwischenspiel ist und da die erste Erfahrung mit Männern fast ebenso prägend für zukünftige Beziehungen ist, wie das Verhalten der Eltern, fällt es der hübschen Courtney nur sehr schwer eine ehrliche und ernsthafte Beziehung einzugehen.

Aber sie wollte auch nicht, dass Al sich schlecht fühlte, schließlich musste man als Frau mit Zudringlichkeiten er und konnte nicht alle Schuld dem Mann zuschieben.“

Courtneys Leben wird bestimmt von Oberflächlichkeiten und einem durch die Mutter vorgelebten Rollenbild der Frau, das nicht gerade dazu beiträgt, dass Courtney Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit aufbaut. Vorgetäuschte Tatsachen, falsche Freundschaften und das Wahren eines falschen Scheins, der nicht durchsickern lässt, dass Courtneys Leben bzw. das ihrer Mutter längst nicht so golden und glitzernd ist, wie die Schauspielerin es sich wünscht, sorgen dafür, dass Courtney nie in der Realität ankommt.

Schon im Internat zeigt sie depressive Züge. Von jeher Spielball der Mutter, als eigenständige Persönlichkeit nicht wahrgenommen, sondern nur schönes Beigepäck, sorgen dafür, dass Courtney sich zunächst mehr und mehr zurückzieht und später ebenfalls hinter der Mauer der eigenen Scheinwelt versteckt.

Noch am selben Abend hatte er beim Abendessen zu seiner Frau gesagt: 'Warum soll das Kind nicht schlafen, wenn es doch nichts hat, wofür sich das Wachsein lohnt.'“

Autorin Pamela Moore hat „Coktails“ im Alter von achtzehn Jahren geschrieben und damit bahnbrechenden Erfolg gehabt. In den Fünfzigern bekam der Roman Kultstatus. Doch all der Ruhm und Erfolg konnten Pamela nicht davon abhalten im Alter von 26 Suizid zu begehen.

Die Vermutung, dass Pamela Moore mit ihren Protagonistinnen Courtney und deren Freundin Janet verschwimmt, liegt Nahe. Ihrem Suizid sind ebenfalls Depressionen vorangegangen und so ist „Cocktails“ sicher auch ein wenig biografisch.

Dergleichen bekam Courtney schon seit frühester Kindheit immer wieder zu hören. Man hatte ihr die Verantwortung übertragen, wie sie ein Kind niemals haben dürfte, sie war mit Wahrheiten konfrontiert worden, von denen ein Kind nichts wissen sollte, bis es sich von selbst entschließt, aus dem Elfenbeinturm der Phantasie in die Tiefebene Babylons hinabzusteigen.“

Dass „Cocktails“ Kultstatus erreicht hat, liegt sicher nicht nur daran, dass viele von Depression Betroffene sich im Roman wiedergefunden haben, sondern vor allem auch daran, dass sie einer ganzen Generation aus der Seele spricht. Courtney sieht viele Dinge mit der Unbekümmertheit, die in der Jugend an der Tagesordnung ist. Die den kindlichen Teil der Denkweise widerspiegelt, die sich gerade auf dem Weg zum Erwachsen werden befindet. Auf der anderen Seite ist die Schwermut, die Melancholie, die Jugendliche auf diesem Lebensabschnitt begleitet, deutlich spürbar. Eine Melancholie, für die es häufig keine Erklärung gibt, die aber immer wieder auftritt und den Sog nach unten einleitet.

„Cocktails“ ist ein zeitloser Coming-of-Age Roman, der die Stimmung einer Generation wiedergibt, die damit fertig werden muss, sich selbst zu finden. Zwischen Glanz und Gloria, zwischen himmelhochjauchzend und der Vorstellung, dass es unendliche Möglichkeiten gibt, treten Weltschmerz, Frust, die Sehnsucht nach Liebe und Ängste, die schier unbezwingbar scheinen. Im ersten Augenblick wirkt die Schreibe der Autorin leicht und süffig wie ein Cocktail. Macht der Leser sich die Mühe genau hinzuschauen, entdeckt er die ernste wie dramatische Geschichte eines jungen Mädchens.

Buchinfo:


PIPER (August 2015)
304 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
20,00 €
Originaltitel: Chocolates For Breakfast
Übersetzung: Tanja Handels

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Herzpotenzial

24.04.16

[Reiseproviant] #13|16


Lesereise:


Diese Woche habe ich trotz vieler Termine ein wirklich gutes Zeitmanagement.
Neben etlichen gelesenen Seiten, habe ich es sogar geschafft drei Rezis zu schreiben. Yeah!
Die Stapel ungelesener, sowie gelesener, auf Rezension wartender Bücher, sind allerdings trotzdem noch Turmhoch.

Die Bücher der vergangenen Woche waren durch die Bank weg richtig toll.

Begonnen habe ich mit „Cocktails“, dem Debüt der Amerikanerin Pamela Moore, die diesen Roman im Alter von unfassbaren 18 Jahren schrieb, damit in den Fünfzigerjahren ein Kultbuch schuf und mit 26 Jahren Suizid begann. Ich glaube, dass sie ihre eigene Geschichte in das Buch einfließen lässt, denn Protagonistin Courtney ist depressiv und der Druck der Gesellschaft in der sie sich bewegt, lastet schwer auf ihr und ihrer einzigen Freundin Janet.

Meine Woche ging spannend und sehr bedrückend weiter. „Die andere Hälfte der Hoffnung“ ist ein Kriminalroman der Autorin Mechtild Borrmann, die mir von Die Liebe zu den Büchern empfohlen wurde. Diesen Roman, der von feiner Schreibweise und tief unter die Haut gehender Handlung ist, habe ich regelrecht verschlungen. Ich habe sogar auf meinen kostbaren Schlaf verzichtet, nur damit ich das Buch abends noch zu Ende lesen konnte. Und trotz all der Spannung habe ich es immer wieder aus der Hand gelegt, einfach um zwischendurch Luft zu holen, um durchzuatmen, denn das Thema Menschenhandel, das darin verarbeitet wird, ist nun wirklich keine leichte Kost und leider durch die Flüchtlingssituation sehr aktuell.

Den Wochenabschluss bildet ein traurig-romantisch-schöner Jugendroman, der schon massenweise guter Kritiken bekommen hat, denen ich mich (bisher) anschließen kann. Ich habe noch etwa 100 Seiten in „Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag zu lesen. Das Buch ist so schön geschrieben. So herzlich, so traurig, so romantisch, so nett, so dramatisch. Zudem sind die Protagonisten Tessa und Oskar zwei aus der Kategorie „die wünsche ich mir im Freundeskreis“.

Den Nachmittag möchte ich gerne lesend verbringen. „Mein bester letzter Sommer“ werde ich heute sicher noch beenden und dann stehe ich vor der schönen, aber auch schwierigen Frage „welches Buch lese ich als nächstes?“

Welches Buch begleitet euch am heutigen Sonntag?

Blogrundreise:


Tolle Kinderbuchtipps findet ihr auf Lesenslust.

Pinkfisch hat den witzigsten Verriss geschrieben, den ich je gelesen habe.

Die Buchbloggerin stellt die Bücher vor, die im 5. Literarischen Quartett am 29.April besprochen werden.

Lebensreise:


gehört: Die Playlist zu "Mein bester letzter Sommer",
auf der mit "The Funeral" einer meiner absoluten Herzenssongs steht.

gefreut: Lesen im Garten

gemixt: Schmusie Massenproduktion

geliebt: Das kleine Büchermädchen greift nun schon nach allem, was sie in die Finger kriegen kann.
Schlafen möchte sie nur noch, wenn sie irgendwas halten kann. Vorzugsweise Mama, ein
Kuscheltier ist aber auch ok ;)



Ich wünsche euch einen dreifach fabulösen Sonntag. Macht es euch fein.

21.04.16

Die Zeitenspringer-Saga 02: Die Farbe der Zukunft - Meredith McCardle

Dies ist der zweite Teil der „Zeitenspringer-Saga“ und kann Spoiler zu Band 1 „Die achte Wächterin“ enthalten.



Amanda, Codename Iris, ist Mitglied der geheimen Organisation Annum Guard. Sie reist durch die Zeit, um Verbesserungen am Weltgeschehen vorzunehmen und so für die Menschheit gefährdende Ereignisse abzuwenden. Bisher hat das recht gut geklappt, aber seit die neue Chefin da ist, bekommt Amanda besonders viel Aufmerksamkeit. Leider in negativer Form. Alles was sie macht, stößt bei Bonner auf Missfallen.

Diese verkennt jedoch Amandas eigensinnigen Kopf. Vor allem dann, als Mitglieder des Annum Guards spurlos verschwinden und Amanda in Aufzeichnungen – die sie verbotenerweise angeschaut hat – auf den Vermerk einer Person namens „XP“ stößt. Wer ist dieser geheimnisvolle Fremde? Was hat er mit den Entführungen zu tun? Gemeinsam mit den anderen Agenten begibt sie sich auf die Suche. Verbotene Ermittlungen und voller Einsatz. Darunter leidet nicht nur ihre offizielle Arbeit, sondern auch ihre Beziehung zu Abe, ihrer großen Liebe und Enkel des Gründers von Annum Guard.

Den ersten Band der Zeitreise-Saga „Die achte Wächterin“ habe ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Spannend vom ersten bis zum letzten Satz. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Autorin Meredith McCardle dies im Folgeband wiederholen kann, denn eine ganze Serie durchweg spannend zu halten, ist nicht gerade einfach. Brillant hat sie diese Schwierigkeit gemeistert, mich wieder Seite für Seite ans Buch gefesselt und den ganzen Roman mit einem Ende abgerundet, das als mieser, fieser Cliffhanger bezeichnet werden kann. Ich war so geschockt, geflasht, in Panik versetzt und entrüstet, dass ausgerechnet das passiert, dass ich den letzten Abschnitt direkt mehrmals lesen musste und sofort wissen wollte, wie es weitergeht. Da nun ein wenig Wartezeit angesagt ist, habe ich mich erstmal wieder beruhigt und hoffe einfach, dass die Autorin im nächsten Band für ein Happy End sorgen wird.

Auch im zweiten Band habe ich den lockere Erzählton der Autorin als angenehm empfunden. Er ist eingängig und flüssig, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Neben Spannung und der lässigen Schreibe, gefällt mir vor allem Protagonistin Amanda ziemlich gut. Sie ist dickköpfig, zielstrebig - in einer etwas eigenen Kombination aus Faulheit, aber dem unbedingten Drang ihre Ideen durchzusetzen- und trotz dieser, in einer Gemeinschaft durchaus zu Reibereien führenden Charaktereigenschaften, sehr liebenswert und hilfsbereit. Sie ist risikofreudig und handelt manchmal unüberlegt, was ihre Mitmenschen auf die Palme, dem Leser aber jede Menge flotte und meist unvorhersehbare Handlungsstränge bringt.

Buchinfo:


PIPER ivi (November 2015)
384 Seiten
Klappenbroschur
16,99 €
Originaltitel: Blackout
Übersetzung: Diana Bürgel

Reiheninfo:


2. Die Zeitenspringer Saga 02: Die Farbe der Zukunft

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Weitere Rezensionen zu „Die Farbe der Zukunft“:


19.04.16

Minusgefühle - Jana Seelig



Jana Seelig hat ihre Depression öffentlich bekanntgegeben. Ein Post bei Twitter, aus einem Impuls heraus geschrieben und veröffentlicht, als Kriegswerkzeug im Kampf für mehr Verständnis. Eine Aufforderung an ihre Mitmenschen wenigstens zu versuchen zu verstehen und nicht nur Krankheit und Betroffene in eine Schublade zu stecken.

Diesem einen folgten viele weitere Beiträge. Wurden retweetet, zitiert und kommentiert. Unter dem Hashtag #notjustsad entsteht eine ganze Bewegung. Von Depression Betroffene fühlen sich angesprochen, fühlen sich verstanden.

Ich finde es nicht schlimm, depressiv zu sein. Also so ganz grundsätzlich, meine ich. Es gehört eben einfach zu mir, so wie meine Liebe zu Katzen und schlechter Popmusik und der Tatsache, dass ich keine Augenbrauen habe.“

In Janas Umfeld herrscht allerdings noch das gleiche Unverständnis wie seit Jahren. Es ist ein langer und harter Weg das zu ändern. Einige langjährige Beziehungen bleiben dabei auf der Strecke, doch irgendwie ist es auch befreiend, sich von den Menschen zu lösen, die sie bisher nur behindert und sich als falsche Freunde entpuppt haben. Einer von ihnen ist ihr Vater. Einer derjenigen, die sie „so festhalten und nicht von der Stelle kommen lassen.“

Den wichtigsten Schritt ist sie selbstständig und ganz allein gegangen – die Depression anzuerkennen.

Jana Seelig ist Bloggerin und freie Autorin, lebt in Berlin, hat sich mit ihrem Umzug befreit vom kleindörflichen Idyll ihres Geburtsortes, der nach außen friedlich scheint, im Inneren jedoch ganz genauso brodelt wie es vielerrorts der Fall ist.

Mit ihrem Roman „Minusgefühle“ hat sie sich den Frust um ihre Depression, die damit einhergehenden Schwierigkeiten, die der Alltag mit sich bringt und die Wut über Unverständnis von der Seele geschrieben. Klar, direkt, in eigenen Worten, die mir manchmal etwas zu derb sind, aber nun mal ganz echt Jana Seelig pur.

Ich fühle viel mehr mit dem Körper, als mit dem Kopf. Da, wo mein Kopf nämlich dicht macht, setzt mein Körper plötzlich ein, und manchmal ist mir das zu viel, und ich muss mich zurückziehen, weil ich mit alldem nicht klarkomme. Das sind die Momente, in denen ich fühlen kann, dass ich wirklich lebe, und nicht nur in dem Gefühl der Gefühllosigkeit versinke – und so beängstigend sie sein können, so schön sind sie auch.“

Ich hoffe, dass „Minusgefühle“ viele Leser findet, denn ich glaube, dass es ein realistisches Bild von Depressionen zeichnet. Wie schwer es ist den Alltag zu bewältigen. Die von der Gefühllosigkeit ausgelöste Starre. Die damit einhergehende Vereinsamung. Für viele Betroffene ist es ein Sprachrohr, das ganz bestimmt dabei hilft Verständnis zu wecken bei all denen, die bisher ein falsches Bild der Krankheit Depression hatten.

Buchinfo:


PIPER (Oktober 2015)
224 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €

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18.04.16

Drachengift - Markus Heitz

Dies ist der dritte Band der Drachenbücher von Markus Heitz und enthält Spoiler zu vorangegangenen Teilen der Reihe.



Je mehr Bände eine Reihe enthält, desto schwieriger wird es, eine Rezension dazu zu schreiben, hat man doch meist das Gefühl, dass man sich wiederholt. Ähnlich schwer ist es sicher häufig für die Autoren, weshalb nicht immer alle Serien gelingen und in manchen Fällen mit jedem weiteren Band schlechter werden. Mit Markus Heitz' Drachenbüchern stimmt letztere Aussage nicht überein.

Der Einstieg in die Reihe beginnt mit dem Roman „Die Mächte des Feuers“. Ein Werk, das mich schon vor etlichen Jahren begeistern konnte, denn die Kombination aus meinen Lieblingsfantasyfiguren, den Drachen, und dem Flair der Zwanziger Jahre ist für mich nach wie vor eine großartige und lesenswerte Idee. Die Umsetzung ist Heitz, einem der großen Autoren der deutschen Fantasyliteratur, sehr gut gelungen. Trotz der Folgebände könnte man die Romane auch als in sich abgeschlossen lesen, möchte man aber nicht.

Silena lebt nun mit Grigorij, dem russischen Zaren und Hellseher, in Russland. Gemeinsam regieren sie das Land. Silena mit ihrer Menschlichkeit, Grigorij mit List und Tücke. Seit Kurzem sind die beiden Eltern geworden. Was nach dem perfekten Glück klingt, entpuppt sich als Schwierigkeit. Silena kommt mit ihrer Mutterrolle nicht zurecht – im Herzen ist sie nach wie vor eine Drachenjägerin – und Grigorij benimmt sich seit einiger Zeit sehr merkwürdig. Fast so, als werde sein handeln von Drachen bestimmt.

Im Kampf gegen die Drachen gibt es neue Verbündete. So zumindest der erste Eindruck, als der ehemalige kaiserliche Hauptmann von Auen ein sprühbares Gift gegen Drachen vorstellt. So ganz astrein ist dieses Sprühmittel jedoch nicht. Wie steht es tatsächlich mit den toten Drachen in Verbindung und was hat Physiker Nikola Tesla damit zu tun?

Nach einem minimal schwächeren mittleren Teil der Drachenreihe, ist „Drachengift“ nun wieder eine richtig starke Erzählung.

Als Erzähltechnik nutzt er, - wie in den Vorgängern auch - , verschiedene Ebenen, die von Kapitel zu Kapitel wechseln. Damit zieht er den Spannungsbogen immer wieder in die Höhe. Da sowohl etliche Menschen, als auch diverse Drachen zu den wichtigen Figuren der Romane zählen, hilft eine Dramatis personae dem Leser bei der Orientierung.

Ich mag an den Drachenromanen, dass sie nicht nur unterhaltsam und spannend sind, sondern regelrecht Denksport für den Leser. Nicht nur wegen der komplexen Schreibweise, sondern auch wegen all der offenen wie versteckten Hinweise zur reellen Geschichte des 20. Jahrhunderts und der politischen Machtspielchen, von denen ein Großteil der menschlichen Figuren genauso getrieben wird, wie die Drachencharaktere.



Für mich eine der stärksten Fantasyreihen, die gerne um weitere Bände ergänzt werden darf.

Um ein einheitliches Bild im Bücherregal zu schaffen, wurden „Die Mächte des Feuers“ und „Drachenkaiser“ vom Verlag in entsprechender Optik neu aufgelegt. Außerdem stehen hier die Cover zum Download bereit, um die älteren Exemplare damit anzupassen.

Buchinfo:


PIPER (Januar 2016)
560 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
19,99 €

Reiheninfo:


1. Die Mächte des Feuers
2. Drachenkaiser
3. Drachengift

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Weitere Rezensionen zu „Drachengift“:




16.04.16

[Statistik] Leseliebe im März

März

Der März ist in rasender Geschwindigkeit an mir vorbei geflogen. Ey Leute, wo bleibt denn nur die Zeit?? Gerade erst gestern ist mein Baby geboren und jetzt ist sie schon 10 Wochen alt!!

An Details, an Einzelheiten des Monats März, kann ich mich gar nicht mehr wirklich erinnern. Ich habe viel Zeit mit meiner Kleinen verbracht (der Papa hatte leider weniger Zeit, weil er fleißig arbeitet und renoviert), habe doch stolze 9 Bücher gelesen, bin einmal abends ausgegangen (ok, es war ein 60. Geburtstag und nicht so die flotte Party … aber ohne Kind und mit Nagellack auf den Fingern ;)) und habe wieder auf einem meiner Pferde geritten. Dann noch festzustellen, dass wir Leistungsmäßig noch auf unserem alten Niveau sind (nur mit etwas weniger Kondition) hat mich total glücklich gemacht.

Dann war Ostern (es gab den besten Zitronenkuchen ever, weil er ein Frischkäse-Buttercreme-Topping hatte) und dann stand auch schon der April vor der Tür. Auf welche Neuerscheinungen ich mich im April freue, zeige ich euch jetzt mal nicht, denn das macht immer so viel Arbeit, für die mir gerade echt ein bisschen die Zeit fehlt. Ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis.


Wem ist denn aufgefallen, dass ich heimlich, still und leise mein Bloglayout verändert habe?




28) "Anima" - K. Kestner (Rezi)
29) "Durchs Feuer" - J. Valentine (Rezi)
30) "Drei mal wir" - L. Barnett (Rezi)
31) "Wie mein Sommer in Flammen aufging" - J. Salvato Doktorski (Rezi)
32) "Als Hemingway mich liebte" - N. Wood (Rezi)
33) "Flying Hearts" - C. Balzer (Rezi)
34) "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance" - E. Laure
35) "Drachenkaiser" - M. Heitz
36) "Brooklyn" - C. Tóibín (Rezi)

[Hörbücher]
  • "The Choice - Bis zum letzten Tag" / N. Sparks (Sprecher: S. Wussow)
  • "Die kleine Hummel Bommel" / B. Sabbag und M. Kelly (Sprecher: B. Sabbag / M. Kelly) (Rezi)
Lesetechnisch war es der Monat der Überraschungen. Bücher, von denen ich mir viel versprochen habe („AnimA“, „Durchs Feuer“, „Drei mal wir“), waren eher so naja. Bücher, an die ich keine Erwartungen hatte, haben mir richtig gut gefallen. Regelrecht süchtig war ich nach „Wie mein Sommer in Flammen aufging“ und „Flying Hearts“. Grund dafür waren die Charaktere beider Romane, die alle unterschiedlich, aber einfach sehr sympathisch und liebenswert kreiert wurden.

Zum Herzensbuch des Monats habe ich „Als Hemingway mich liebte“ gewählt, da ich die Atmosphäre sehr gern mochte und einen super interessanten Einblick in das Leben des Autors bekommen habe. Auch, wenn die einzelnen Szenen fiktiver Art waren, ist sicher ganz viel Realität mit eingeflossen und hat mich so neugierig auf den Autor gemacht, dass ich mir direkt seinen Roman „Paris – Ein Fest fürs Leben“ gekauft habe.


Welches Buch hat euch im letzten Monat besonders verzaubert?
Seid ihr auch überrascht worden? (positiv oder negativ)


Das Hörbuch „Die kleine Hummel Bommel“ hat mir sehr gut gefallen. Britta Sabbag und Maite Kelly haben spürbar viel Liebe rein gesteckt und ich freue mich schon sehr darauf meiner Kleinen die Geschichte vorspielen zu können. „The Choice – Bis zum letzten Tag“ war ein typischer Nicholas Sparks. Am Ende habe ich ordentlich geweint – was nicht anders zu erwarten war.


Da ich abseits der Rezensionen nicht mehr so viel Zeit am Laptop verbringen kann, habe ich im letzten Monat auch nicht viele Themen verbloggen können. Ich hoffe, dass sich das bald wieder ändert und ich einige Rezis und Posts weit im Vorfeld vorbereiten kann. Mir ist allerdings aufgefallen, dass der Kopf wenig Raum für Gedanken abseits der Familie bietet, wenn sich den ganzen Tag alles um das kleine Würmchen dreht. Denken ist dann gar nicht mehr so einfach (vermutlich machen Mütter deshalb auch diese „tutsie, tutsie“ Geräusche, wenn sie mit ihren Babys sprechen).

Dabei würde ich so gerne noch einen zweiten Blog ins Leben rufen, auf dem ich Familienleben verblogge. Nicht so sehr private Geschichten, als viel mehr Themen, die mich nun beschäftigen und auf die man schwierig Antworten findet, sowie Tipps, Tricks und Rezepte. Es ist nämlich so, dass mein Baby ganz viele Lebensmittel, die sie über die Muttermilch aufnimmt, nicht verträgt. Allen voran Milcheiweiß, weil ich auch eine Unverträglichkeit habe. Dann ist man erst mal ratlos. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass ich fast nichts mehr essen kann und habe deshalb sogar einige Mahlzeiten ausgelassen, aber mittlerweile habe ich schon ein ordentliches Repertoire an Alternativrezepten gesammelt, dass ich eigentlich gern teilen würde.

Aber ich schweife ab …

Weil ich nicht zur Leipziger Buchmesse fahren konnte, habe ich an der von Die Liebe zu den Büchern und Primeballerina's Books veranstalteten Leseparty teilgenommen.

Da mir aktuell sehr die Menschlichkeit in der Welt fehlt, musste ich einfach mal darüber bloggen. Schweigen ist wie mitmachen!

Ganz artig habe ich meinen Buchkauf zum Jahr des Taschenbuchs getätigt. Wie weiter oben im Text schon erwähnt, habe ich mich für meinen ersten Hemingway Roman entschieden.

Es gab eine neue Ausgabe des literarischen Interviews „7 auf einenStreich“ zu dem ich die liebe Bloggerkollegin Petzi von Die Liebe zu den Büchern befragen durfte.

Wie viele von euch wissen, ist das Fantasy Genre eine meiner Leidenschaften und da dieses auf vielen Blogs etwas stiefmütterlich behandelt wird (wir reden hier von echter Fantasy mit viel Blut, Schwertern und Kämpfen, ohne Vampire, Werwölfe und verliebte Teenis – okay, ein paar Jugendromane sind auch dabei), stelle ich euch die Fantasy Neuerscheinungen des zweiten Quartals 2016 vor, die mich am meisten interessieren.

Jetzt seid ihr dran!
Wie war euer März? Was habt ihr tolles erlebt?
Welche neue Erkenntnis habt ihr gewonnen?
Welches neue Lieblingsessen gekocht? Lieblingsmusik entdeckt? Etc.


Und vor allem:
Genießt den April mit all seinen bunten Facetten!

14.04.16

Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance - Estelle Laure



Die Schwestern Lucille und Wrenny sind familiär auf sich allein gestellt. Ihre Mutter ist weggegangen. Wohin wissen sie nicht. Wann sie wieder kommt, wissen sie auch nicht. Die Familie ist einfach nicht mehr, was sie mal war, seit die Sache mit ihrem Vater geschehen ist.

Lucille weiß, dass sie sich nicht über Wasser halten können, wenn sie nicht schnellst möglich einen Job findet. Warum nicht in einer Bar, in der sie knapp bekleidet servieren muss? Nachts arbeiten, auf die kleine Schwester aufpassen und zur Schule gehen – Lucille steht vor einer Aufgabe, die sie wenn überhaupt nur mit Hilfe von Freunden schafft.

Vertrauen. Was heißt das überhaupt? Wenn du einem Menschen vertraust, drückst du ihm ein Messer in die Hand, das er dir in den Bauch rammen kann. So viel weiß ich.“

Einer dieser Freunde ist Digby. Sie kennen sich schon von Kindesbeinen an, doch seit kurzem haben sich diese Gefühle verändert. Lucille versucht dieses flaue Gefühl zu verscheuchen, dass sie bei seinem Anblick überkommt. Versucht die wohlige Wärme, die jede seiner Berührungen bei ihr auslöst, zu ignorieren, denn Digby ist schon lange in einer Beziehung. Und noch mehr Unruhe kann sie in ihrem Leben gerade nicht gebrauchen.

Lucilles Leben ist also gerade so turbulent, wie das farbenfrohe Cover. Gemessen an den Farben durchläuft sie familiär eher schwarz- und brauntöne. Einziger Farbklecks ist ihre kleine Schwester Wrenny, die ein echtes Herzchen und wirklich sehr liebenswert ist. Sie sollte diese Erfahrung nicht machen müssen, weder Mutter noch Vater greifbar zu haben. Viel zu sehr versucht sie erwachsen zu sein und ihrer Schwester nicht zur Last zu fallen. Daneben bleibt viel zu wenig Raum um ein Grundschulkind zu sein, dass seine Nachmittage mit spielen und die Abende umrahmt von Elternliebe verbringt.

Ich spüre ihn mehr, als ich ihn sehe, als er näher kommt.
Ich spüre ihn mehr, als ich ihn sehe, als er die Hand neben meine legt.
Ich spüre ihn, dann sehe ich ihn, als er seine Hand in meine flicht, einen Finger zwischen jeden Finger.“

Eine rot-orange Aura umgibt die Beziehung zwischen Lucille und Digby, zwischen denen es vor Spannung nur so knistert. Estelle Laure baut hier eine Liebesgeschichte ein, die süchtig macht. Das Spiel mit dem Feuer, die dem entgegen gesetzte Vertrautheit, Gefahr und Geborgenheit.

„Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance“ ist genau das, was Cover und Titel versprechen. Ein Roman, der vom Glück der Freundschaft erzählt, der zeigt, wie wichtig es in der Not ist, Menschen zu haben, die unterstützen. Trotz des bitteren Beigeschmacks, den die Geschichte der beiden Schwestern hat, weil sie von den Eltern nun mal keinen Rückhalt erwarten können und viel zu jung auf sich allein gestellt sind, überwiegen die freudigen Elemente des Romans. Wärme, Herzlichkeit und erste Liebe. Lucille und Wrenny sind allein, aber glücklicherweise nicht einsam.

Buchinfo:


FischerKJB (März 2016)
256 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
14,99 €
Originaltitel: This Raging Light
Übersetzung: Sohie Zeitz

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