Mein bester letzter Sommer - Anne Freytag



„Mein bester letzter Sommer“ liegt schon sehr lange auf dem Stapel der zu rezensierenden Bücher. Warum? Weil es einfach besonders schwer ist die richtigen Worte für ein Buch zu finden, dass sich mit einem Thema beschäftigt, das sehr zu Herzen geht, das emotional einschlägt und das trotz all der Dramatik und Schwere wunderschön ist.

So ein Buch zu rezensieren ist nicht einfach. So ein Buch zu schreiben sicher noch weniger, aber Anne Freytag ist es so gut gelungen, dass „Teskar“ mühelos das Herz der Leser erobern.

Tessa ist 17 und hat ein Loch im Herzen. Sie weiß, dass sie bald sterben wird. Kann nichts dagegen tun. Die verbleibende Zeit sollte sie mit Freunden verbringen, Spaß haben, ungewöhnliche Dinge erleben, verrückt sein und gegen die Regeln spielen. Doch all das macht sie nicht. Sie verkriecht sich, wartet darauf, dass der Tod sie abholt.



Dann lernt sie Oskar kennen. Der mutige, charmante und fröhliche Oskar. Sie will sich nicht verlieben, denn welche Chance hat so eine Liebe schon? Doch ihr Herz geht mal wieder seinen eigenen Weg. Und Tessa bleibt nichts anderes übrig als ihm zu folgen. Ihm und Oskar, der sie mit nimmt auf einen Roadtrip nach Italien. Physisch gibt es keine Chance das Loch in ihrem Herz zu heilen, aber Oskar und die Zeit mit ihm füllt es Stück für Stück mit Leben und Liebe.

Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein vorhersehbarer und kitschiger Jugendroman klingt, ist es überhaupt nicht. „Mein bester letzter Sommer“ ist ein Roman, der mit viel Gefühl geschrieben ist. Voller Emotionen, die mich mal zum Lachen, mal zum Weinen bringen.

"Der Verstand hat keine Chance, wenn das Herz einmal entschieden hat, was es will."

Er ist eine Hommage ans Leben. Daran jeden Moment voll auszukosten, zu genießen, die Zeit mit Menschen zu bringen, die man liebt, Neues auszuprobieren und sich nicht zu verkriechen, egal wie düster und dick die Wolken am Himmel hängen.

Anne Freytag hat mich mit ihrem Roman sehr berührt, denn neben all der Leichtigkeit, die ein Roadtrip, eine erste Liebe, die Zeit der Jugend mit sich bringt, hat sie mich – wie sicher viele andere Leser auch – sehr nachdenklich gestimmt. Wer „Mein bester letzter Sommer“ liest, wird immer wieder Momente erleben, in denen er ergriffen lächelnd an Tessa und Oskar denken wird und daran wie schön das Leben doch sein kann, wenn man es zulässt, und wie wichtig die Menschen sind, die uns am Herzen liegen.

Buchinfo:


Heyne fliegt (März 2016)
368 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
14,99 €

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Weitere Rezensionen zu „Mein bester letzter Sommer“:




Dieser eine Sommer - C.J. Hauser



Quinn und Leah sind aus unterschiedlichen Gründen im eigensinnigen Küstenstädtchen Menamon in Maine gelandet. Da dort jeder jeden kennt und man weiß, was welcher Nachbar wann macht, ist es nur eine Frage der Zeit bis sich der Weg der beiden jungen Journalistinnen kreuzt.

Doch icht die Arbeit ist es, die sie beide in das kleine Örtchen verschlagen hat, sondern die Konfrontation mit der Vergangenheit.

Quinn möchte ihren Vater, einen bekannten Musiker, kennenlernen. Ihn mit der Frage konfrontieren, warum sie und ihre Mutter ohne ihn an ihrer Seite durchs Leben gehen mussten. Sehen sie sich ähnlich? Gibt es Eigenschaften, die sie beide haben, obwohl sie keine Zeit miteinander verbracht haben? Fragen, die Quinn auf der Suche nach ihrer eigenen Identität über den Weg laufen und für eine gewisse Unruhe in ihrem Leben sorgen.

Leah weiß, wo ihre Wurzeln, wer ihre Eltern sind. Doch nun möchte sie auch die ihres Mannes kennenlernen. Menamon ist Henrys Heimatort und Leah durch zahlreiche Erzählungen aus seinem Mund bekannt. Nicht immer stimmen die Darstellungen seiner Erinnerung mit dem gegenwärtigen Menamon überein und so zeigt sich der wahre Henry erst dann, als er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Der Inselverlag ist für mich ein verlässlicher Ansprechpartner, wenn ich Romane suche, die leichtfüßig erzählt werden und trotzdem ihre eigene Tiefgründigkeit mit sich tragen. So auch „Dieser eine Sommer“, ein Roman, der – wie das Cover schon vermuten lässt – von zwei Protagonistinnen erzählt, die eine gute Zeit miteinander verbringen und Momente erleben, die ausschlaggebend für ihr weiteres Leben sind.



Während sowohl Leah, als auch Quinn mit ihren privaten Problemen zu kämpfen haben, bewegen sie sich im Zuge ihrer Arbeit als Journalistinnen auf eine Entdeckung zu, die wie so vieles in Menamon, totgeschwiegen wird. Sowohl die privaten, als auch beruflichen Erfahrungen tragen dazu bei, dass aus der zunächst kühlen Beziehung der beiden Frauen eine Freundschaft entsteht.

Die Atmosphäre des Romans hat mir sehr gut gefallen und entsteht vordergründig durch die Eigenarten des kleinen Örtchens Menamon und seine Bewohner. Ein bisschen stur, eigenbrödlerisch, verschlossen und skeptisch gegenüber Fremden - ein Küstenstädtchen mit Charakter.

Leah und Quinn sind ein Farbklecks zwischen all den alteingesessenen Familien und deren Geschichten und doch passen sie auf ihre eigene Art gut ins Bild. Zwei Protagonistinnen, die beide schon nach den ersten Seiten meine Sympathien gewinnen konnten, obwohl sie eher unterschiedlicher Natur sind.

„Dieser eine Sommer“ besticht nicht durch außerordentliche Spannung, ist aber dennoch ein sehr lesenswerter kleiner Roman, der den Blick auf die Dinge des Lebens richtet, die wichtig sind – Freundschaft, Familie, Liebe und Heimat.

Buchinfo:

Insel (Juni 2015)
406 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
Übersetzung: Katja Bendels

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Weitere Rezensionen zu „Dieser eine Sommer“:



[Kinder Traumstube] 10 kleine Miesepeter - Markus Reyhani / Constanze von Kitzing



„10 kleine Miesepeter“ sind eine tierische Rasselbande bestehend aus Nilpferd, Schwein, Ziege, Maus, Fuchs, Bär, Affe, Eule, Katze und Esel. Jedem von ihnen ist eine Laus über die Leber gelaufen. Mit ihrer miesen Stimmung verpesten sie die Luft.

Doch dann ändert einer von ihnen seine Laune und bringt somit ein Rad ins Rollen. Nach und nach verlässt eins der Tiere die Gruppe, weil es seinen Gefühlszustand verändert und am Ende ist aus der Gruppe kleiner Miesepeter eine fröhliche, bunte Truppe geworden, die jeder mag.

Autor Markus Reyhani ist normalerweise in der Musikbranche unterwegs, schreibt unter anderem Kinderlieder und musikalische Bühnenstücke. Kein Wunder, dass der in Reimform geschriebene Text, der auf einem altbekannten Reimschema aufgebaut wurde, dessen Basis daraus besteht, dass ein Ereignis mit einer Gruppe von zehn beginnt und mit jedem neuen Reim einer verschwindet, so locker über die Lippen geht.

Eingängige Reime, inhaltlich logisch aufgebaut und so klangvoll, dass meine kleine Tochter, die den Inhalt noch nicht versteht, jedes Mal laut auflacht, wenn sie einen der Reime hört. So macht auch das Vorlesen großen Spaß. Ältere Kinder lernen die Reime sicher schnell auswendig (so wie die Vorleser auch).




Die von Constanze von Kitzing gezeichneten Tiere sind perfekt auf die jeweilige Situation abgestimmt. Auch jüngere Kinder können die Stimmung der individuellen Figuren anhand deren Mimik schnell erfassen.

Wer sich beim Vorlesen Zeit nimmt, kann zwischen den Reimen und bunten Bildern weitere Geschichten entdecken und mit den kleinen Zuhörern Themen wie Streit und Zank ebenso besprechen wie Gründe für schlechte Laune und den Umgang damit.

„10 kleine Miesepeter“ ist ein buntes Büchlein, das dank seiner festen Pappseiten auch mal zwischen Kinderfinger und -zähne geraten kann ohne gleich in Einzelteile zu zerfallen und das bei uns Zuhause immer für gute Laune sorgt.

Buchinfo:


Sauerländer (2016)
24 Seiten
Pappebuch
Leseempfehlung vom Verlag: ab 24 Monate
9,99 €

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Auch das wird vergehen - Milena Busquets



„Auch das wird vergehen“ wird aus der Perspektive von Blanca erzählt. Ihre Mutter ist verstorben. Obwohl sie täglich bei ihr gesessen und ihre Hand festgehalten hat, war dies nicht genug, um ihr den nötigen Halt im Diesseits zu verschaffen.

Nun fühlt sich Blanca allein. Versucht Liebe zu sammeln, wo es nur geht. Schläft mit fremden und bekannten Männern, um festzustellen, dass egal wie sehr sie sich in körperlicher Liebe verliert, ihre Seele kalt bleibt.

Das Loch, das ihre Mutter hinterlassen hat, kann keiner der Männer füllen. Denn egal wie nahe andere Menschen auch stehen, wie sehr sie ihr Innerstes entblößen, kein Mensch liebt so wie eine Mutter.

Letztlich lieben wir so, wie wir in der Kindheit geliebt worden sind, und die späteren Lieben pflegen nur ein Abklatsch der ersten zu sein.“

Das weiß Blanca und doch möchte sie es nicht wahrhaben. Wie soll sie weiterleben mit dem Schmerz im Herzen? Wie soll sie fröhlich sein, wenn sie es nicht wirklich kann? Wie, wenn alle von ihr erwarten, dass sie zwar keine Freude zeigt, aber auch nicht so traurig ist, dass es zur Last fällt.

Sie rettet sich in Zynismus. Ihr Erzählton wird ironisch, hier und da muss sie über sich selbst schmunzeln. Wie tolpatschig sie sich dabei anstellt, ihre Trauer zu überwinden. Illusionen aufzubauen, die ihre Beziehung zur Mutter anders darstellen, als sie wirklich war. Fehlersuche im Mutter-Tochter-System.

Wäre die Liebe nur nicht so schwer herzustellen und zu heucheln, so aufwendig und langwierig und unterirdisch. So verheerend auch.“

Es ist Blancas eigener Weg zur Trauer, aber auch zur Hoffnung zu finden. Damit zurecht zu kommen, dass die Welt sich weiter dreht, auch wenn sie selbst aus einem dunklen Loch dabei zusieht. Es ist Blancas Weg damit umzugehen, dass nun der Mensch fehlt, der ihr immer Halt gegeben hat und dessen Verlust für sie neben all der Trauer eine neue Herausforderung darstellt – die Suche nach sich selbst.

Wäre die Liebe nur nicht so schwer herzustellen und zu heucheln, so aufwendig und langwierig und unterirdisch. So verheerend auch.“

„Auch das wird vergehen“ ist trotz aller Melancholie von leicht humorvollem Tonfall. Eine Schreibe, die dadurch perfekt zu dem passt, was die Protagonistin durchmacht. Wieder ins Glück zurückzufinden, obwohl sie das Gefühl einer allumfassenden andauernden Trauer durchlebt. Ein kleines, sehr feines Buch, das sich leicht lesen lässt und mit einem klugen Blick auf die Welt des Verlusts besticht.

Buchinfo:


Suhrkamp (Februar 2016)
170 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
19,95 €
Übersetzung: Svenja Becker

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Weitere Rezensionen zu "Auch das wird vergehen":


George - Alex Gino



George ist im Körper eines Jungen geboren. Doch als Junge fühlt sie sich nun mal nicht. Gerne wäre sie ein Mädchen. Würde sich ihr seidiges Haar kämmen, schöne Kleider tragen und Pyjamapartys mit ihren Freundinnen feiern.

Niemand sieht was in ihr vorgeht. Dass sich der Körper falsch anfühlt und der Geist keine Möglichkeit hat sich frei zu entfalten. Wie soll sie ihren Mitmenschen, ihrer Familie, erklären, dass es tief in ihr drin brodelt und dass dieser Vulkan sie verbrennen wird, wenn es nicht bald zum Ausbruch kommt? Einem Ausbruch, der Mut erfordert. Der sie in ein anderes Licht stellen würde. Der auf sehr viel Gegenwehr treffen würde. Der sie ein ganz Stück glücklicher machen würde.

Aber George hatte kein normales Problem. Sie hatte keine Angst vor Schlangen; sie hatte keinen Mathe-Test verhauen. Die war ein Mädchen, aber das wusste keiner.“

Mit großer Begeisterung habe ich „George“, dieses kleine feine Büchlein, das gerade mal etwas mehr als 200 Seiten hat, gelesen. Es ist so klug, so aufrüttelnd, so emotional. Autor Alex Gino setzt das Thema Transgender so um, dass jeder, der dieses Buch liest, ganz sicher niemanden der sich im falschen Körper fühlt, schief ansehen wird.

Ich weiß nicht mehr genau wie alt George ist, aber sie ist noch näher am Kind sein, als auf dem steinigen Weg in die Pubertät des Jugendalters. Klug gewählt von Gino, denn so verleiht er Georges Wunsch sie selbst sein zu können, durch den naiven Erzählton ihres Alters mehr Nachdruck. Ohne, dass der Leser Gefahr läuft Transgender auf Sexualität zu reduzieren.

Es fällt leicht George ernst zu nehmen. Denn es fällt leicht sie zu verstehen. Bewusst nutze ich die weibliche Form der dritten Person, denn das macht der Autor auch, weil George nun mal ein Mädchen ist und kein Junge, ganz gleich welchen Namen ihre Eltern ihr gegeben haben. Ganz egal, wie ihr Äußeres wirkt. Ihr Körper ist für sie derzeit nur eine Hülle. Eine lästige Hülle, die sie nicht dafür nutzen kann, um sich auszudrücken.

Und das ist genau das, was Alex Gino so perfekt hinbekommt. Er zeigt, dass Transgender sein so viel mehr bedeutet, als Jungs- oder Mädchenkleidung zu tragen. Als allererstes bedeutet es eine schwere Last zu tragen, denn von den Allerwenigsten ist Verständnis zu erwarten. In der Regel nicht mal von der eigenen Familie, denn es entspricht nun mal nicht der Norm sich in ein anderes Geschlecht zu wünschen und alles was nicht der Norm entspricht, ruft Ängste hervor.

Ein kleines bisschen nachvollziehbar, denn ich wünsche meinem eigenen Kind, das es im richtigen Körper geboren ist. Ich stelle es mir unheimlich schwierig vor Körper und Geist in Einklang zu bringen, wenn sie gegeneinander arbeiten. Das vermittelt uns auch George, die – wie bereits angesprochen, sich eben nicht wie alle anderen über Kleidung und Frisur ausdrücken kann. Das tägliche Gefühl verkleidet zu sein, in eine Rolle schlüpfen zu müssen, finde ich extrem anstrengend.

Bücher wie „George“ sollten reichlich gekauft, gelesen und verschenkt werden. Es bringt Licht in ein noch sehr wenig beleuchtetes Thema, das sicherlich in vielen Familien unter den Tisch gekehrt wird. Ich glaube, dass es tatsächlich leider so ist, dass in der Realität die wenigsten Schicksale so eine positive Richtung einschlagen, wie das von George. Und warum? Weil Transgender auf zu wenig Toleranz treffen. Alex Gino arbeitet dagegen. Er betreibt Aufklärung, sorgt für Verständnis, macht Hoffnung und Mut. Ein toller Roman. Einfühlsam und eindringlich. Ein Roman, der für ein besseres Miteinander sorgen kann.

Buchinfo:


Fischer (August 2016)
208 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
14,99 €
Übersetzung: Alexander Ernst

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Die Mutter meiner Mutter - Sabine Rennefanz



„Ich habe etwas über deinen Großvater herausgefunden, flüstert meine Mutter.“ Ein Satz, der viele Fragen beantwortet, vieles erklärt, was zuvor undurchsichtig war, was Anna Stein, ihren Töchtern und ihrer Enkelin – der Protagonistin und Ich Erzählerin des Romans – ein Leben lang Rätsel aufgegeben hat. Etwas, das sie verfolgt und ihnen unbewusste Handlungsmuster auferlegt hat.

Anna Stein ist eine schwierige Frau. Unnahbar für ihre Töchter und Enkel, oftmals entrückt, verbittert und fehl am Platz. Was keinem so richtig klar ist – sie ist ein Kriegsflüchtling. Hat die Heimat in Zeiten der Not verlassen, um überleben zu können. Doch im Krieg war es überall schwierig. Hier, wie da.

Gewalt und Hass haben sich ausgebreitet, haben genommen, was sie kriegen konnten und sind auch Jahre später nicht abgezogen. Belasten die breite Masse, aber auch viele Einzelschicksale. Autorin Sabine Rennefanz verdeutlicht, wie diese untergehen im Schrecken, den die Vernichtung einer Glaubensrichtung, das Abschlachten von Menschen anderer Einstellung, Aussehen und Denkweise, mit sich bringt.

Erst jetzt verstehe ich, dass es ein Erbstück unserer Familie ist, diese Angst, die von einer Tochter zur nächsten vererbt wird.“

Ängste werden häufig von Generation zu Generation weiter getragen. Vor allem dann, wenn sie so tief sitzen, wie bei Anna Stein, die nicht nur den Krieg, sondern eine Person im besonderen fürchtet. Sie verändern Charakter, Verhalten und den Umgang mit anderen Menschen. Je enger die Verbindung desto stärker sind sie von den Handlungen ihrer Nahestehenden betroffen.

Verlustängste und Bindungsschwierigkeiten gehen Hand in Hand. Verliert eine Generation ihre Wurzeln, hängen auch die folgenden Generationen in der Luft. Wie will man sich verankern, wenn es keinen Anker gibt, der einem die Hand reicht? Wie begegnet man der Scham, die sich seit Generationen manifestiert?

Dahinter steckt auch ein Abwehrmechanismus: Im Vergleich zum Holocaust erscheint die Brutalität in den Beziehungen zwischen Männern und Frauen nach dem Krieg harmlos.“

Sabine Rennefanz verdeutlicht auf anschauliche, sowie eindringliche Art, über wie viele Generationen hinweg der zweite Weltkrieg nachhallt. Das Schicksal von Anna Stein ist kein Einzelfall. Wie viele andere Frauen auch, ist sie Opfer von Gewalt geworden, hat versucht diese zu verharmlosen und die Schuld bei sich selbst gesucht. Hat versucht bei ihrer Tochter etwas gut zu machen, woran diese überhaupt keinen Anteil hat, und sie somit nur tiefer hineingezogen. Hat ihr Trauma zu dem der nachfolgenden Generationen gemacht.

„Die Mutter meiner Mutter“ hat mich sehr bewegt, denn es zeigt, wie lange Gewalt nachwirkt. Wie viele noch heute an den Gräueltaten des zweiten Weltkriegs leiden, egal ob direkt oder indirekt betroffen. Aus meiner Arbeit weiß ich wie langwierig Traumata und Ängste bestehen, werde dort immer wieder damit konfrontiert, dass sich negative Erlebnisse wie Gewalt, Missbrauch, Alkoholkonsum über Generationen durchziehen, dass Verhaltensmuster von einer Generation zur Nächsten weiter gegeben werden. Sabine Rennefanz stellt diese Problematik in ihrem Roman so dar, dass sie auch für Psychologie Laien leicht verständlich ist. Verpackt sie zudem in einer Geschichte, die sich gut und gern lesen lässt, auch wenn sie teilweise bedrückend ist. Interessant geschrieben, ohne zu sehr in einen Sachbuchcharakter zu fallen. Lesenswert!

Buchinfo:


Luchterhand (September 2015)
256 Seiten
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
19,99 €

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Weitere Rezensionen zu "Die Mutter meiner Mutter":





[Reiseproviant] #17 | 16





Nachdem ich einfach heimlich, still und leise meine Blogpause von zwei auf drei Wochen verlängert habe, bin ich nun gut erholt zurück. Frisch gestärkt mit neuen Ideen und jeder Menge Rezensionen im Gepäck, freue ich mich darauf wie gewohnt mit euch über die Themen zu plaudern, die uns am Herzen liegen.

Wie war das denn so, ohne bloggen?

Ich muss gestehen – es war ziemlich entspannt. Trotz all der Freuden, die das Bloggen mit sich bringt, ist es nun mal viel, viel Arbeit und oftmals auch (selbstgemachter) Stress. Zeitdruck, weil schnell noch eine Rezi zum Erscheinungstermin eines Buches raus muss, der wöchentlich erscheinende Beitrag nicht rechtzeitig fertig zu werden droht usw und so fort.

Zudem ist es mit wirklich gut gelungen meine Social Media Zeit einzuschränken und trotzdem meine Kanäle auf Twitter und Instagram zu füttern und Accounts zu besuchen die ich mag. Das Handy hat ziemlich häufig in der Ecke gelegen, was ein echt gutes Gefühl war. Morgens habe ich es sogar geschafft meinen Bloglovin' Feed durchzusehen und interessante Blogbeiträge zu besuchen und zu kommentieren. Nur auf meinem eigenen Blog habe ich keinen einzigen Tag vorbei geschaut. Ich habe dort keine Kommentare gelesen (beantwortet werden sie aber noch) und auch keine Statistiken angeschaut.

Gewonnen habe ich jede Menge Lesezeit! Ganze 8 (!!) Bücher habe ich gelesen, drei weitere sind bereits begonnen und werden im Wechsel gelesen (eBook, gedrucktes Jugendbuch, gedrucktes Sachbuch). Es war so schön, den Fokus mal wieder auf das zu legen, was mir in meiner Freizeit am meisten Spaß macht. Lesen, lesen, lesen!

Der jährliche Blogurlaub für 2017 ist bereits gebucht.




Wenn ich nun alle Bücher vorstelle, die ich im August bzw. während der Zeit vom letzten Reiseproviant bis heute gelesen habe, dann kann ich mir am Ende des Monats den Statistik Beitrag sparen. Also berichte ich euch lediglich von den Leseerlebnissen der vergangenen Woche.

Begonnen hat meine Reise im schönen Paris, auf das ich durch einen wundervollen Jugendroman, einem nahezu perfekten Sommerbuch, richtig viel Lust bekommen habe. „Paris, du und ich“ von Adriana Popescu ist mindestens so toll wie die anderen Bücher der Autorin und dank eines Jungen namens Vincent noch viel besser. Noch bevor meine Rezi online geht und ihr euch ein eingängiges Bild über das Buch machen könnt, rate ich euch: lest es!!!

Sehr, sehr emotional ist der Roman „Wir beide wussten, es war etwas passiert“. Autor Steven Herrick wählt Worte voller Poesie, die vom Thienemann Verlag auch in dementsprechender Optik abgedruckt wurden. Tränenreiches Lesen mit dickem Kloß im Hals und eine große Leseempfehlung.

Bei einem Gewinnspiel des Blogs Die Liebe zu den Büchern, habe ich das Sachbuch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ von A. Reinwarth gewonnen. Schon die ersten Seiten des Ratgebers mit dem Untertitel „Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich locker machst“ haben mich zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht.

„Wir sind Helden“ / C. Bukowski isr mein aktuelles eBook. Ich habe noch zu wenige Seiten gelesen , um ein Urteil über den Inhalt fällen zu können, weiß aber schon jetzt – die Schreibe der Autorin ist ganz große Klasse!

Da ich gedruckte Bücher einfach über alles liebe, kann ich nicht nur auf dem Reader lesen. Also habe ich gestern noch „Der Geruch von Häusern anderer Leute“ von B-S. Hitchcock begonnen. Die Autorin ist echt hart mit ihren Protagonistinnen. Ihr Umfeld ist nichts für schwache Nerven und das, was ihnen geschieht ist bedrückend und stimmt mich sehr nachdenklich. Ich hoffe sehr, dass alle Protagonistinnen zu einem glücklichen Ende finden. Aber sicher ist nichts.




Alle, die so gerne kochen und essen wie ich, finden auf Die Liebe zu den Büchern einen passenden Beitrag. „5 x 9 Kochbuchhighlights für die Wunschliste

Weiter geht es mit Wunschlistenfutter auf Literatourismus. „Zehn Bücher für Eilige“ ist eine Liste kleiner, aber feiner Romane mit geringer Seitenzahl.

Kennt ihr schon den Buchpreisblog? Dort bloggen 7 tolle Bloggerinnen und Blogger über Themen und Bücher rund um den Deutschen Buchpreis. Z.B „10 interessante Fakten zum Deutschen Buchpreis“.



gelesen: Sonne, Wald, Baby, "Paris, du und ich"

gebacken: Blaubeer Pfannkuchen

getrunken: Im Frühtau Kaffee an der Pferdekoppel mit selbstgebastelteten Kaffeetassen

geordnet: Das Regal der Next Reads (Bücher, die ich unbedingt ganz, ganz bald lesen möchte)


Wie immer freue ich mich über eure Kommantare und nette Plaudereien.
Habt eine wundervolle neue Woche!






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