08.02.17

Wildrosensommer - Gabriella Engelmann




Im Licht der glitzernden Nachmittagssonne sieht es beinahe aus wie ein Schlösschen. Ein verwunschenes Schlösschen mitten auf der Elbe. Tatsächlich aber ist es ein Hausboot, das der allein erziehenden Mutter Aurelia in einem Bildband ins Auge fällt. Nun lässt die Sehnsucht nach einem idyllischen Zuhause wie diesem sie nicht mehr los. Denn seit dem plötzlichen Verschwinden ihres Mannes Nic fühlt Aurelia sich einsam und entwurzelt. Als sich wenig später die Gelegenheit ergibt, dieses Hausboot zu kaufen, sieht sie darin einen Wink des Schicksals – und zieht schon wenige Wochen später mit ihren widerstrebenden Töchtern, Katze Molly und vielen Träumen im Gepäck von München vor die Tore Hamburgs. Für die gelernte Floristin sind die Vier- und Marschlande mit ihren Rosenhöfen, alten Bauernkaten, Deichen und zahllosen Gärten ein Paradies. Doch auch Rosen im Paradies haben ihre Dornen …
(Text: (c) Droemer Knaur, Foto: (c) N. Eppner)

Bücher dienen nicht nur der Unterhaltung. Sie bieten eine Heimat. Protagonisten, die wie Freunde wirken. Geschichten, die Geborgenheit geben. Die helfen, verstehen, heilen. 

Ohne es zu ahnen bin ich einem Buch begegnet, das sehr gut zu meiner Lebenssituation passt. Mit der Erwartung einfach nett unterhalten zu werden, griff ich zu "Wildrosensommer" und fand ein Buch, das ganz viel in mir auslöste. Nein, mein Mann ist nicht verschwunden, aber dieses Loch, das entsteht, wenn ein ganz wichtiger Mensch fehlt, das kenne ich leider viel zu gut.

In Protagonistin Aurelia traf ich einen Menschen, der nicht nur das gleiche Gefühl durchmacht wie ich, sondern auch eine Art Seelenverwandte, jemanden, der mir aus der Seele spricht. Eine Frau mit bewundernswertem Charakter. Sie kämpft gegen den Schmerz, lässt sich vom Schicksal nicht unterbuttern und wagt den Schritt in eine neue Zukunft. Sie ist sehr sensibel für die Empfindungen ihrer Mitmenschen und brennt für den Zauber und die Möglichkeiten ihrer Lieblingsblume der Rose.

Durch Aurelias Art bekommt "Wildrosensommer" eine leicht esoterische Note. Nicht im Sinne von esoterisch kitschig, sondern vielmehr in die Richtung offen zu sein für Emotionen und Nöte unserer Mitmenschen und den Zauber der Natur. Dies rundet den Roman, dessen Themen unter anderem Depression und Trauerbewältigung sind, sehr gut ab und macht ihn für mich zu einem kleinen Schatz in seinem Genre. 

Neben Aurelia mochte ich ganz besonders ihre Freundin Coco. Eine robuste ältere Dame, die viel Freude am Leben hat und sich nicht vom Alter unterkriegen lässt. Sie ist Aurelias Vorbild, ihre Stütze und ein Mensch, den man gerne im Bekanntenkreis hätte.

In Gabriella Engelmanns Erzählton in "Wildrosensommer" (man sagte mir, der Roman unterscheidet sich von ihren anderen) schwingt anfangs eine leichte Melancholie mit. Geschuldet dem harten Schicksalsschlag, dem Aurelia ausgesetzt ist und der sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Von Anfang an wird die Schreibe von Hoffnung begleitet, die sich mehr und mehr durchsetzt und den Roman letztendlich zu einer lebensbejahenden Geschichte werden lässt, die aufzeigt, dass es in jedem Dunkel einen Lichtblick gibt. Nicht auf der Trauer sitzen bleiben, lautet die Devise, sondern für das eigene Glück einstehen, notfalls kämpfen.

Das Setting der Vierlande, einem Gebiet von Hamburg, hat mir so gut gefallen, dass ich nun gerne einmal dorthin reisen würde, obwohl mich die Gegend bisher gar nicht interessiert hat. Überhaupt ist der Roman unheimlich inspirierend. Urlaub auf dem Hausboot, Rosenlikör und Rosenmarmelade, all das geistert nach wie vor in meinem Kopf herum. Überlegungen wie man all das im Sommer umsetzen könnte, sind noch nicht abgeschlossen.

"Wildrosensommer" stand schon eine ganze Weile in meinem Regal. Ich habe es genau zum richtigen Zeitpunkt herausgezogen. Es war, als hätte mich das Buch gefunden, als wäre ich mit solch einer wundervollen Geschichte, mit Protagonisten, die Mut machen und dem Leben ein "Ja" entgegen schleudern, beschenkt worden. "Wildrosensommer" ist für mich ein Herzensbuch, für das ich sehr dankbar bin.



Knaur (Mai 2016)
400 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
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Kommentare:

  1. Hey,

    das klingt richtig schön! Ich habe von der Autorin bisher nur Wintersonnenglanz gelesen, aber auch das mochte ich sehr. :)

    Und dieses Gefühl, wenn ein Buch nach einem ruft, kenne ich zu gut und dem muss man immer nachgehen und meist entdeckt man dann kleine Schätzchen inmitten des SuBs. :)

    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Hey,

      "Wintersonnenglanz" möchte ich auch gerne lesen. Das klingt auch ganz toll. Allerdings befürchte ich, dass die anderen Bücher der Autorin es nun ein bisschen schwer haben werden, denn ich habe ja schon mein Lieblingsbuch von ihr gefunden ;)

      Verrückt oder? Und irgendwie auch toll. Wir sind halt eng mit unseren Büchern verbunden ;)

      Liebe Grüße
      Nanni

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  2. Hallo Nanni,

    jedes Buch braucht einfach seine eigene Zeit, das zeigt sich ja irgendwie immer wieder.

    Ich habe noch gar nichts von der Autorin gelesen, wollte das aber immer mal ändern. Deine Rezension klingt so toll, dass ich das Buch am liebsten gleich lesen würde. Erst einmal ist es aber auf der Wunschliste gelandet :-)

    Liebe Grüße
    Julia

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