26.03.17

[Books & Music] Bücher und Musik einer Melodie



Ich mag Geschichten, die etwas in mir bewegen. Egal in welcher Form. Ob ich lachen oder weinen muss, ob sie mich erschüttern oder erfreuen. Ein Roman, der etwas in mir in Gang bringt, bleibt mir im Gedächtnis.

Ebenso geht es mir mit Musik. Songs, die mich bewegen, kann ich mir in Dauerschleife anhören. Noch wichtiger sind die Lieder, die ich mit einem bestimmten Moment verbinde. Eine schöne Zeit mit Freunden, ein erster Kuss, ein besonderer Moment oder eine traurige Situation - all das prägt sich mir noch tiefer ein, wenn es von Musik begleitet wird.

Für mich sind Geschichten und Musik untrennbar miteinander verbunden. Ich lese gerne mit Musik im Hintergrund. Manchmal ist es auch so, dass ein Buch erst mit passender Begleitmusik richtig wirkt. Manchmal habe ich sofort bestimmte Töne eine Songs im Ohr, wenn ich eine Textstelle lese und manchmal lösen Worte aus einem Buch etwas in mir aus, dass ich eng mit einem Lied verbinde.

Deshalb möchte ich euch heute 3 Bücher und die CDs vorstellen, die für mich miteinander klingen, die eine gemeinsame Melodie.



"Ich würde dich so gerne küssen" / Patrycja Spychalski und "Amore" / Wanda





Jedes Mal, wenn "Bologna", der erste Song des 2014 erschienen Debütalbum der österreichischen Indiepop Band erklingt, habe ich Jeffer, den Protagonisten aus Patty Spychalskis Debütroman "Ich würde dich so gerne küssen" vor Augen.

Jeffer, der gemeinsam mit Frieda, die gerade ziellos durch ihr von ihren Eltern bestimmtes Leben irrt, in der Küche sitzt, im Flur auf dem Fußboden, im Bett, eine Zigarette in der Hand, einen Schluck Alkohol im Magen, der die Zunge lockert, während die beiden über Gott und die Welt und vor allem das Leben reden. Im Hintergrund Musik. Immer. Johnny Cash, The Kinks, The Doors.

Während Jeffer genau weiß, dass für ihn ein Leben ohne Musik nicht in Frage kommt, weiß Frieda weder, was sie möchte, noch was sie nicht möchte. Jeffer hält für sie ein Stück die Zeit an. Momente, in denen sie sich keine Gedanken machen muss und doch ständig welche macht, weil diese Momente so intensiv sind, dass sie nicht anders kann, als sich von ihnen in Bewegung bringen zu lassen.

Wanda singen in bestem Wiener Dialekt, begleitet von einer gewissen Arroganz, die ich auch Jeffer nicht absprechen kann. Ihre Texte klingen bedeutungslos und tiefgründig zugleich, strahlen nichts so sehr aus wie die Zeit der Jugend, in der wir machen was wir wollen, im Hinterkopf, blass, aber nicht verdrängt, die Angst, was aus uns werden wird, wohin wir gehen möchten.

Buch: cbt | 2012 | Taschenbuch | 272 Seiten | 7,99 €
CD: Vertigo Berlin | 2015 | 11,98 € (Amazon)

"River" / Donna Milner und "The Very Best Of Johnny Cash" / Johnny Cash




Nicht viele Bücher bleiben einem über viele Jahre im Gedächtnis. "River" ist eines derjenigen, die ich nicht vergessen kann. Ich habe das Gefühl, dass ich Staub und Hitze, das Setting des Romans noch genau so intensiv verspüre, wie 2011, als ich das Buch gelesen habe. Eine zeitlose Geschichte, die ich eng mit der ebenso zeitlosen Musik von Johnny Cash verknüpfe.

"The Very Best Of Johnny Cash" passt von all den Alben der Country Legende am besten zu "River". Sowohl Buch, als auch CD sind gespickt von den unterschiedlichsten Gefühlen. "River" beginnt mit Freude, einem Gefühl von Aufregung, als der junge River auf den Hof der Familie kommt. Schnell wird klar - unterschwellig grummelt es. Die Gefühle spitzen sich mehr und mehr zu, bis es zur Tragödie kommt. Geschickt erzählt, fesselnd und intensiv.

"You're the nearest thing to heaven", das eine Art Liebeslied ist, oder Duette mit June Carter, passen ebenso gut wie "The folsom prison blues" oder "cry, cry, cry". Jede Gefühlslage kommt auf ihre Kosten.

Die von Donna Milner unterschwellig mitschwingende, schier unerträgliche Hitze, die Anspannung im Haus der Familie, verbotene Gefühle, klingen harmonisch mit der Johnny Cash Melancholie, die mit einigen seiner Songs mitschwingt, begleitet von der Schwermut, die ihn einige Zeit seines Lebens getragen hat.

Buch: PIPER | 2010 | Taschenbuch | 400 Seiten | 9,99 €
CD: notnow | 2013 | 9,99 € (Amazon)

"Der Prinz der Dunkelheit" / Mark Lawrence und "Bloody Kisses" / Type O Negative




Prinz Jorg ist einer der düstersten Protagonisten, die mir jemals begegnet sind. Seine Seele ist so vernarbt wie sein Gesicht, düster, geschwärzt vom Blut der Leichen, die seinen Weg pflastern. Und trotzdem ist er für mich einer der best konzipierten Protagonisten, denn er ist keiner dieser Hau-drauf-Charaktere, sondern mit Sinn und Verstand entwickelt, (mehr oder weniger) logischen Denkweisen folgend, handelt er ganz nach dem, wie er es gelernt hat. Wie er es am eigenen Leib erfahren hat.

Die Handlung ist spannend und sehr düster. Nichts passt hier besser, als eine finnische Rockband. In keinem anderen Land gibt es Männer mit tieferen Bässen (fachkundige Vermutung meinerseits) und Melodien, die düster, aber so mitreißend sind, dass man sich dazu bewegen möchte, auch wenn man weiß, dass diese Form der Bewegung nichts mit tanzen im eigentlichen Sinne zu tun hat.

Type O Negatives Album "Bloody Kisses" passt wie die Faust aufs Auge. Der Titel des in den 90erJahren erschienen Albums, das zu den Klassikern der Gothic Metal Szene gehört, verspricht, was Mark Lawrence in seinem Debütroman umsetzt.

Texte, die von abstrusen Gedankengängen gezeichnet sind ("Machine Screw" ist ein Song über eine Frau, die sich Sex mit Jesus wünscht) harmonieren mit Jorgs undurchdringlichen Gedanken, die Wut, die er fühlt, vermögen die Jungs um den in 2016 verstorbenen Frontman Peter Steele, ebenso in Szene zu setzen wie Melancholie und Düsternis.

Buch: Heyne | 2011 | Paperback | 384 Seiten | 13,00 €
CD: Roadrunner Records | 2007 | 16,74 € (Amazon)

Wie ergeht es euch?
Könnt ihr während des Lesens Musik hören?
Gibt es in eurem Regal Bücher, die für euch unwiederbringlich mit Musik verknüpft sind?



Kommentare:

  1. Toller Beitrag! Ich kenne zwar keins der Bücher (und zu meiner Schande auch keins der Lieder), aber die Idee find ich gut :D
    Ich gehöre allerdings zu den Leuten, die gar keine Musik beim Lesen hören können. Ich liebe Bücher. Und ich liebe Musik. Ich könnte ohne beides nicht sein. Aber zusammen wird es mir dann zuviel, da kann ich mich nicht ausreichend nur auf eins konzentrieren, und das tut mir dann auch wieder leid, weil ich dann immer das Gefühl hätte, ich würde das nicht richtig wertschätzen. Wenn ich lese, können durchaus Geräusche drumherum sein, normaler Lärm draußen, Vögelzwitschern etc. Aber Musik hören? Nee, das klappt nicht. Da lasse ich mich zu leicht ablenken. Dann lieber beides getrennt voneinander :D

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    1. Gerade "Ich würde dich so gerne küssen" dürfte was für dich sein.
      Du hast ja auch einen sehr guten Musikgeschmack (das beurteile ich mal so anhand dessen, was ich bisher von Konzerten etc. von dir gelesen habe ;)).
      Auch, wenn du beim Lesen keine Musik hören kannst, würde ich von dir auch gerne so einen Post lesen :D Ich bin mir sehr sicher, dass ich dann einige gute Tipps finden würde.
      Prinzipiell würde ich gerne einen festen Beitrag daraus machen, aber ich bin einfach nicht mehr so in der Musikwelt drin, wie früher, als ich noch monatlich Musikzeitschriften gekauft und alle möglichen Musiksendungen angeschaut habe.
      Ich höre noch nicht mal ein aktuelles Radio. Nur zwei Sender in denen Grunge und Classic Rock gespielt werden :D Da läuft den ganzen Tag Pearl Jam, Bush, Nirvana etc. Das kennt ja auch schon jeder ;)

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  2. Mich berühren Bücher und Musik jedes auf ihre Weise, aber ich kann beides nicht miteinander verbinden. Ich höre nur selten Musik beim Lesen und wenn, dann muss es ganz unauffällige Musik sein, die in den Hintergrund tritt. Und ich kann nur bei reiner Instrumentalmusik lesen. Aus dem Grund verknüpfe ich Romane auch nicht mit Musik. Aber dafür habe ich zu meinen eigenen Geschichten oft einen "Soundtrack" und auch Charaktersongs für meine Figuren.

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    1. So einen Soundtrack zu Geschichten erstelle ich auch oft in meinem Kopf. Meistens kann man ein Buch ja nicht komplett auf nur einen Künstler festlegen, da die Emotionen und Handlungen ja vielfältiger sind, als ein Musikstil.
      Ich freue mich auch immer sehr, wenn ich in einem Roman eine Playlist entdecke.

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