14.03.17

Im Schatten des Himmels - Guy Gavriel Kay



»250 sardianische Pferde, Geschöpfe von unvergleichlicher Schönheit und Seltenheit!« Als der Kriegermönch und Gelehrte Shen Tai für seine Heldentaten von der Jadeprinzessin des Nachbarreiches belohnt wird, macht ihn das überaus großzügige und gefährliche Geschenk auf einen Schlag zu einem der mächtigsten Männer im Reich der Mitte.

Die Herrschenden von Kitai – eine Fantasy-Version des Chinas der Tang-Dynastie – wollen jedoch keinen neuen Konkurrenten neben sich dulden und senden Mörder aus, um Shen Tai aus dem Weg zu räumen. Nach einem ersten Attentatsversuch beschließt Shen Tai, in die Hauptstadt zu reisen, um die Pferde dem Kaiser zum Geschenk zu machen. Begleitet wird er von der jungen Kriegerin Wen Song, die geschworen hat, ihn mit ihrem Leben zu beschützen, und dem berühmten Dichter und Trunkenbold Sima Zian, der seinem jungen Freund mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Gefährten erwartet eine abenteuerliche und gefährliche Reise, auf der sich das Schicksal des Reiches entscheiden wird. (Text & Cover: S. Fischer Verlage, Foto: N. Eppner)

Schon vor langer Zeit hat mir eine liebe Bloggerkollegin nahe gelegt, ein Buch des erfolgreichen kanadischen Autors Guy Gavriel Kay zu lesen. Bis zum Erscheinen von "Im Schatten des Himmels" habe ich diese Empfehlung immer wieder zur Seite geschoben. Nun frage ich mich wie ich so lange auf Fantasy von dieser Qualität verzichten konnte.

"Im Schatten des Himmels" reiht sich mühelos in meine persönliche Liste der besten Fantasyromane ein. Und das, obwohl der Einstieg wirklich mühselig war. Ganze 200 Seiten hat es gedauert, bis ich so richtig drin war und trotzdem war ich von Anfang an begeistert von Kays Schreibe und seiner Art seine Geschichte zu konzipieren. Würde ich noch einmal von vorn beginnen, würde ich mir Zettel und Stift in die Hand nehmen und mir alle Namen notieren, denn die klingen für mein westliches Ohr alle sehr ähnlich und haben immer wieder zu Verwirrung gesorgt.

Die ersten rund 200 Seiten nutzt der Autor tatsächlich als Einführung. In das Leben von Protagonist Shen Tai und die politischen Machtverhältnisse von Kitai, das wie bereits in der Inhaltsbeschreibung erwähnt, eine Version Chinas während der Tang-Dynastie ist. Kitais Herrscher ist ein Kaiser, doch die wahren Drahtzieher der Macht sind diejenigen, die hinter ihm sitzen. Raue, selbstgefällige Männer, die den Hals nicht voll genug kriegen können und sich durch Shen Tais neu gewonnene Macht, die er durch den Besitz der sardianischen Pferde, Himmelsgleichen Geschöpfen, erlangt, bedroht fühlen oder einfach Neid verspüren.

Nach dem bereits erwähnten ersten Teil, der mit großer Sorgfalt zu lesen ist, um einen Überblick über Situation und Strukturen zu bekommen, überrascht Kay mit einer sehr unerwarteten Handlung, die etwas mehr Geschwindigkeit in die Geschichte bringt. So ändert sich auch der zuvor bedächtige Erzählton zu der Schreibe, die man von einem Roman wie diesem erwartet. Passend zu Mythen, Legenden und Aberglauben wird diese von einem leicht poetischen Unterton begleitet.

Neben dem faszinierenden Setting, besticht Kay mit der Ausarbeitung seiner Protagonisten. Shen Tai, der jahrelang in der Gegenwart von Geistern verbracht hat und daher unsicher ist im Umgang mit Menschen, aber über ein sehr sensibles Gespür dafür verfügt, was zwischen Worten, zwischen dem Wind und der Atmosphäre geflüstert wird, ist eine Romanfigur, die ich sehr gerne begleitet habe. Mit Widerwillen musste ich mit ansehen, wie er zwischen die Fronten der Politik geriet, ohne ihn warnen oder unterstützen zu können, was ich gefühlt gekonnt hätte, da ich so drin war in seiner Geschichte. Eine meiner Lieblingsfiguren ist eine Kanlin. Eine Kriegerin aus einem Tempel, zu deren Rolle im Roman ich nicht mehr verraten möchte.

"Im Schatten des Himmels" ist ein bildgewaltiger, starker Fantasyepos, der mich trotz anfänglicher Orientierungsschwierigkeiten mit einer spannenden und fein durchdachten, in komplexen Erzählsträngen verfassten, mysthisch atmosphärischen Geschichte sehr beeindrucken konnte. Guy Gavriel Kay steht für mich nun auf der Liste der Fantasyautoren, deren Bücher man unbedingt lesen sollte.

BUCHINFO:

Fischer TOR (2016)
720 Seiten
Paperback
16,99 €
Übersetzung: Birgit Maria Pfaffinger / Ulrike Brauns
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2 Kommentare:

  1. Ich freue mich, dass sich die Entdeckung von Guy Gavriel Kay für dich gelohnt hat! Obwohl ich den Mittelteil von "Im Schatten des Himmels" sehr mochte, hat der Roman für mich zum Ende hin ziemlich nachgelassen. Mich haben auch einige der typischen Eigenheiten von Kay, die ich sonst sehr mag, hier etwas genervt.

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    1. Vielleicht war es für mich dann ganz gut, dass ich meine Guy Gavriel Kay Leselaufbahn mit diesem Roman begonnen habe. So ist eine Steigerung möglich ;)

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