23.04.18

Iron Flowers 01: Die Rebellinnen | Tracy Banghart




ERSCHEINUNGSTERMIN: 25. April 2018

Sie haben keine Rechte.Sie mussten ihre Träume aufgeben.Doch sie kämpfen eisern für Freiheit
und Liebe. 
Sie sind Schwestern, könnten unterschiedlicher nicht sein und sind dennoch unzertrennlich. Nomi ist wild und unerschrocken, Serina schön und anmutig. Und sie ist fest entschlossen, vom Thronfolger zu seiner Grace auserwählt zu werden, und ihr von Armut und Unterdrückung geprägtes Leben gegen eines im prunkvollen Regentenpalast einzutauschen. Doch am Tag der Auswahl kommt alles anders: Die Schwestern werden auseinandergerissen – und ein grauenhaftes Schicksal erwartet sie, auf das sie niemand vorbereitet hat.(Text & Cover: © Fischer Sauerländer; Foto: © N. Eppner)

Eigentlich habe ich das Gefühl romantischer (Jugend)Fantasy entwachsen zu sein. Als uns bei einem Bloggertreffen "Iron Flowers" von einer Pressemitarbeiterin des Verlags eindringlich empfohlen wurde, konnte ich dann doch nicht nein sagen. Manchmal muss man auf sein Bauchgefühl vertrauen und natürlich auch auf die Meinung derjenigen, die Bücher mit großer Leidenschaft begleiten.

Ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Ich habe "Iron Flowers" verschlungen. Fast an einem Nachmittag weggelesen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, dann hätte ich es nicht mehr aus der Hand gelegt. Was inhaltlich klingt, als sei es ein Abklatsch von bereits bekannten Jugendfantasy Geschichten mit Bachelor Effekt, ist fast so individuell wie seine Autorin Tracy Banghart, die mit ihrem Äußeren auffällt und sympathisch ihre Kanäle in den Sozialen Netzwerken füttert.

Eben nur fast so individuell, da es einen wichtigen Punkt gibt, den ich vorausgeahnt habe. Der mir leider sogar aus einem anderen Jugendroman dieser Art bekannt vorkam. Banghart hat aber doch noch einmal die Kurve gekriegt und diesen Teil des Plots durch eine extrem gut aufgebaute Spannung gerettet. Ich war mir ziemlich sicher zu wissen, was die große Überraschung sein würde, aber der Weg dorthin war sehr spannend und ich habe mich ständig gefragt, wie die Autorin dieses gewisse Geheimnis wohl auflösen würde.

"Die Gesetze dieses Landes, die Methoden, mit denen Frauen unwissend und ohnmächtig gehalten wurden ... alles, weil die neuen Machthaber nicht wollten, dass die Geschichte sich wiederholte." (S. 180)

So sympathisch wie Banghart sind auch ihre Protagonistinnen. Der Verlag stellte die Frage welche der beiden Schwestern wohl mehr Gefallen bei den LeserInnen findet. Die schöne Serina, die jahrelang so erzogen wurde, dass sie eine der Graces des Thronfolgers werden kann, oder Nomi, die schon immer ein bisschen aufmüpfig und anders ist, als ihre Schwester. Für mich gibt es keine eindeutige Antwort, da die beiden Mädchen so vielschichtig und stark kreiert wurden, dass sie mich beide in ihren Bann ziehen konnten.

Ich möchte eigentlich gar nicht zu viel zum Inhalt verraten, denn "Iron Flowers" lebt davon, dass wir LeserInnen uns ein eigenes Bild verschaffen. Banghart spielt mit uns. Führt uns vor Augen wie viel Macht Manipulation ausüben kann, wie sehr wir uns beeinflussen lassen, wie blind wir manchen Vorgaben, politischen Strukturen und Aussagen hinterherlaufen ohne sie zu hinterfragen und uns ein eigenes Bild zu verschaffen. 

Sie fordert zu eigenem Denken auf. Zu hinterfragen und sich zu bilden. Zu gezielter durchdachtem Handeln und Vertrauen in die eigene Stärke. All dies hat sie wirklich sehr gut verpackt in eine Geschichte, die mich ziemlich doll fesseln konnte und die so spannend und unerwartet endet, dass ich am liebsten sofort weiterlesen würde. 


Buchinfo:

384 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
16,99 €
ÜBERSETZUNG: Julia Strüh

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Rezension: © 2018, Nanni Eppner

21.04.18

3 Buchtipps für ein sonniges Frühlingswochenende





Der Frühling zeigt sich von seiner besten Seite. Sonnenschein wohin man schaut. Ideales Draußen-Lesewetter. 

Um dies auch zu nutzen, stelle ich dir hier drei Bücher vor, die du an einem Wochenende verschlingen kannst. 




"Die Herzen der Männer" | Nickolas Butler

In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.
(Text & Cover: © Klett Cotta; Foto: © N. Eppner)

"Die Herzen der Männer" hat sich schon nach wenigen Seiten in mein Herz gefressen. Der barsche Ausdruck "fressen" ist hier tatsächlich angebracht, denn trotz all der positiven Eigenschaften, die dieser Roman mitbringt, ist er keine leichte Kost und hat mich emotional ganz schön aufgewirbelt. 

Trotz des Titels sind es nicht nur die männlichen Charaktere, denen ich sowohl Sympathien, als auch Hass entgegen bringe, sondern auch starke Frauen, die mich begeistern können. Menschen, die vom Schicksal gebeutelt werden, die dem Leben die Stirn zeigen, das Beste aus ihrer Situation machen, kämpfen. Manchmal gegen die Dunkelheit im eigenen Herzen, manchmal gegen Missgunst und Wut der anderen. 

Gefühle, die sich über Jahre, manchmal über Generationen angesammelt haben. Gefühle, die durch das ineinandergreifen verschiedener Handlungen entstanden sind.

Nickolas Butler schreibt sich tief in mein Herz. Er zerkratzt es, er fügt ihm Schmerz zu, weil es Tage gibt, an denen er seine Figuren durch die Hölle gehen lässt. Aber vor allem schreibt er über Kraft, Stärke und Mut und macht damit alles wieder wett. Sorgt dafür, dass die von ihm verursachten Wunden wieder heilen und schafft sogar noch ein bisschen Puffer für das, was kommen mag. "Die Herzen der Männer" ist ein Buch das gibt und an das ich immer wieder gerne zurück denke.

Klett Cotta | Übersetzung: Dorothee Merkel | Hardcover mit Schutzumschlag | 477 Seiten | 22,00 € 







"Zwischen DIR und MIR die Sterne" | Darcy Woods

Wil hat genau 22 Tage, um den Richtigen zu finden. 22 Tage, in denen die Sterne für sie günstig stehen, bevor ihr Liebesglück sich für die nächsten zehn Jahre zu verabschieden droht. Der Countdown läuft: Hals über Kopf und sehr beherzt stürzt Wil sich in das Abenteuer ihres Lebens. Doch dann stehen plötzlich gleich zwei Richtige vor ihr: Seth legt ihr sein Herz zu Füßen. Grant bringt ihres zum Leuchten. Seth ist der Richtige, sagen die Sterne. Grant fühlt sich aber richtiger an, sagt Wils Herz. Und jetzt …  (Text & Cover: © Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)

Es ist, wie es ist - Darcy Woods hat das Liebesroman Rad nicht neu erfunden. Aber sie hat eine Liebesgeschichte geschrieben, die ich mit viel Freude gelesen habe.

Kurzweilig erzählt die Autorin, die sich wie Protagonistin Wil mit Astrologie beschäftigt hat, die Geschichte eines Mädchens, das einem Versprechen hinterherrennt und dabei die Realität und ihre Gefühle völlig aus den Augen verliert.

"Zwischen DIR und MIR die Sterne" lebt von seinen Figuren, die allesamt ausgefallene Charaktere sind. Ihre Handlungen sind zwar manchmal vorhersehbar und auch nicht immer gänzlich neu, aber sie sind sehr sympathisch und so konzipiert, dass ich als Leserin gerne meine Zeit mit ihnen verbringe. Das spiegelt sich auch in den Dialogen, die spritzig, amüsant und mitreissend sind. Etwas mehr Überraschung und Unbekanntes und "Zwischen DIR und MIR die Sterne" wäre ein perfekter Liebesroman.


Fischerverlage Sauerländer | Übersetzung: Astrid Becker | Hardcover m. Schutzumschlag | 384 Seiten | 16,99 €







"Mr. Griswolds Bücherjagd: Das Spiel beginnt" | Jennifer Chambliss Bertmann

Das Beste am Umzug ihrer Familie nach San Francisco ist für Emily die Tatsache, dass ihr großes Idol dort wohnt: Garrison Griswold, Verleger und Gründer der erfolgreichen Internet-Plattform »Mr Griswolds Bücherjagd«, ein Spiel, bei dem Bücher versteckt und durch Lösen von Rätseln gefunden werden können. Am Tag der Ankunft soll ein sensationelles neues Spiel starten, doch schon bald findet Emily heraus, dass Mr Griswold von Unbekannten angegriffen wurde und nun im Koma liegt. Emily und ihr neuer Freund James entdecken ein seltsames Buch, das Griswold gehört und vermutlich der einzige Schlüssel zu seinem neuen Abenteuer ist. Die Kinder wollen das Rätsel unbedingt lösen. Denn irgendjemand hat es nicht nur auf Griswold, sondern auch auf das Buch abgesehen …
(Text & Cover: © Mixtvision; Foto: © N. Eppner)

Ein Abenteuer, das ich gerne selbst erleben würde? Et voilà - hier ist es! Die im Buch beschriebene Bücherjagd ist ein Spiel, das jedes Büchernerd Herz höher schlagen lässt. 

"Mr. Griswolds Bücherjagd" ist für Kinder geschrieben, spricht aber absolut Bücherliebhaber und Abenteurer jeden Alters an. Die Geschichte ist so kurzweilig und spannend, dass ich nur so hindurchgeflogen bin. Das Rätsel um das geheimnisvolle Buch ist mysteriös und steckt voller Überraschungen. Nichts ist vorhersehbar.

So ein Geheimnis zu lösen ist nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man eine Einzelkämpferin ist. Mit einem guten Freund an der Seite ist alles schöner und einfacher. Diese Erfahrung macht auch Protagonistin Emily, die keinerlei Erfahrung hat im Freundin sein und deshalb auch mal ins Fettnäpfchen tritt. Aber eine echte Freundschaft macht eben auch aus, dass man sich verzeiht und trotz aller Fehler gern hat. 

"Mr. Griswolds Bücherjagd" ist ein Buch, das man jedem schenken kann, der / die Bücher mag. Ein Buch voller Bücherliebe und mit ganz viel Herz geschrieben. Und zum Glück nicht Emilys letztes Abenteuer.

Mixtvision | Übersetzung: Elisa Martins | Hardcover | 361 Seiten | 14,90 €



Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner

19.04.18

Ein fauler Gott | Stephan Lohse




Sommer 1972. Benjamin ist gerade elf geworden. Nächstes Jahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Die Mutter weint nachts. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause und spielt ihr auf der C-Flöte vor. An Jonas denkt er immer seltener – denn Ben hat mit dem Leben zu tun.
(Text & Cover: © Suhrkamp; Foto: © N. Eppner)



Wie lebt man das eigene Leben weiter, wenn ein geliebter Mensch stirbt? Ich wage es mich so weit aus dem Fenster zu lehnen, dass keine Lücke so weit auseinander klafft, wie der Verlust des eigenen Kindes. Unvorstellbar. Unbegreiflich. Für Eltern, aber auch für Geschwister, vor allem dann, wenn sie noch sehr jung sind. Dem Tod noch nie vorher begegnet sind und überhaupt keine Ahnung davon haben, was Tod wirklich bedeutet. Was bedeutet er denn überhaupt?

Für Benjamin bedeutet der Tod in erster Linie, dass sein Bruder Jonas nicht mehr da ist. Dass sein Zimmer leer ist, dass er Zuhause nun alleine spielen muss, aber auch, dass er nun noch mehr auf Mama aufpassen muss, als vorher schon. Den Papa spielt er ja schon länger. Seit der echte Papa ausgezogen ist. Aus einem Quartett wurde ein Trio, ein Duo. Was tun mit der Lücke, die Jonas hinterlassen hat? Darf man seinen Platz am Tisch besetzen? Darf man sein Zimmer betreten? Darf man weiterhin mit ihm reden? Wie oft muss man an ihn denken? Darf man seinen Namen an ein Tier vergeben? Und wie geht das überhaupt mit dem Traurig sein?

Stephan Lohse hat ein Buch geschrieben über Trauer, Verlust und Einsamkeit. Unabdingbar verbunden mit dem Weg zurück in den Alltag. Der schwer ist. Ganz klar. Für Ruth noch mehr, als für Ben. Das Leben zieht ihn mit. Dreht sich weiter. Er muss zur Schule, hat Freunde, denen der Tod völlig unbekannt ist und daher wenig Aufmerksamkeit bekommt, er wächst körperlich wie geistig und das ungewollt und unaufhaltsam. 

Lohses Schreibe ist poetisch und nachdenklich. Aber auch stark und von einem gewissen Humor gekennzeichnet, der sich oftmals in der Situation oder zwischen den Zeilen finden lässt. Geschickt wählt er Bens Perspektive als Hauptfokus auf die Geschichte. Dadurch wird sie von einer gewissen Naivität, aber auch einer Kindern ganz eigenen Schläue geprägt. Deutlich wird wie anders der Blickwinkel von Kindern auf viele Dinge ist. So haben Jonas und Ben zum Beispiel über Themen gesprochen, die sie im Gespräch mit den Eltern nicht relevant fanden oder sich einfach nicht getraut haben anzusprechen. 

Der Verlust von Jonas hat mich an einigen Stellen sehr traurig gemacht. Ich konnte viele Reaktionen der Mutter nachvollziehen, ihr schwanken zwischen Wut und Hoffnungslosigkeit, zwischen Trauer und Schuld. Bens Verhalten, seinen Blickwinkel auf Jonas' Tod und sein eigenes Fortsbestehen hingegen hat etwas sehr Tröstliches, dass aus einem Roman über einen tragischen Todesfall eine Geschichte über Hoffnung macht.


Buchinfo:

Suhrkamp (2017)
336 Seiten
Hardcover
22,00 €
(ET Taschenbuch: Mai 2018)

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Rezension: © 2018, Nanni Eppner

18.04.18

Vierzehn | Tamara Bach




Der erste Schultag. Zwei Wochen vor den Sommerferien ist Beh krank geworden und konnte nicht mit den anderen in den Urlaub fahren. Als das neue Schuljahr anfängt, hat sie alle acht Wochen lang nicht gesehen. Viel ist passiert, ihre Freundinnen haben neue Leute kennengelernt und Geschichten zu erzählen. Beh dagegen war nur zu Hause. Aber eigentlich war da mehr, von dem ihre Freundinnen nichts wissen. Zu Hause liegt eine Postkarte für sie im Briefkasten, in der Stadt gibt es ein Zimmer mit blauen Wänden, da ist ein Hund, ein Mädchen mit Schwimmflügeln und lauter Orte, die Beh bis zum Abend noch fotografieren wird, weil ihnen etwas fehlt. Und als Beh am Ende des Tages ihre Zimmertür schließt, hat sie auch jemand bei ihrem vollen Namen genannt.(Text & Cover: © Carlsen; Foto: © N. Eppner)

Bei "Vierzehn" fiel es mir besonders schwer in die Schreibe der Autorin hineinzufinden. Tamara Bach nutzt als Erzählperspektive die Du-Form und obwohl ich schon ein paar Bücher gelesen und gemocht habe, für die dieser Stil gewählt wurde, bereitet er mir bei "Vierzehn" anfangs Probleme. Das mag vielleicht auch an der Länge - oder besser gesagt Kürze - der Sätze liegen, die bei mir das Gefühl auslösen, dass ich einen Schritt nach vorne gehe und dann stolpere, statt mich flüssig durch die Sätze zu bewegen.

Gleichzeitig bekomme ich dadurch aber auch eine erste Verbindung zu Protagonistin Beh, die durch eine längere Erkrankung nicht an den Sommeraktivitäten teilnehmen konnte, an denen ihre Freundinnen und Klassenkameradinnen teilnahmen. Sowohl Beh, als auch ich finden nur schwer einen Rhythmus.

Was mir gefällt ist, dass Bach dadurch auf ziemlich hohem Niveau Spannung aufbauen kann. 

Bald findet Beh wieder mehr in das Miteinander rein. In das Zusammenspiel der Freundschaften, in den Unterricht, in das soziale Miteinander. Auch die Sätze, die manchmal wahllos aneinander gereiht scheinen, stehen mehr und mehr in Verbindung miteinander.

"Du denkst kurz über freien Willen nach, dann über Schokolade."(S.40)

Behs Fehlen ist deshalb schwierig, weil sie und ihre Freundinnen sich in einem Alter befinden, in denen Wochen manchmal Jahre ausmachen. Während die einen noch Kinder sind, entwickeln sich die anderen zu Teenagern. Interessen verlagern sich, Perspektiven verändern sich, Freundschaften entwickeln sich auseinander.

Was für mich wie harte Arbeit begann, entwickelte sich zu einem zarten Roman über den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Toll aufgebaut, sprachlich anspruchsvoll und mit viel Gefühl niedergeschrieben. Wieder einmal eine Leseempfehlung für ein Buch von Tamara Bach.



Buchinfo:

Carlsen (2017)
112 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
13,99 €

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Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner

15.04.18

[Reiseproviant] 3 | 18




Familienreise:


Im März bin ich gar nicht dazu gekommen einen Reiseproviant Beitrag zu schreiben und auch meine Rezensionen sind etwas zu kurz gekommen. Warum weiß ich gar nicht so genau. Oftmals fehlt mir der Drang mich an den Laptop zu setzen. Vielleicht waren es aber auch die Ausläufer eines Winterschreibtiefs. 

Ansonsten waren die letzten Wochen eher entspannt, als spannend. Der Babybauch wächst, die Räubertochter auch (plötzlich hat sie total lange Beine!!) und die Vorfreude auf den Familienzuwachs sowieso. Ich bin eine echt ungeduldige Schwangere und würde mir wünschen, ich wäre schon weiter. Aber ein bisschen was habe ich noch vor mir (noch etwa 15 Wochen). 

Wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass der Frühling nun endlich Einzug hält. Grillen, draußen spielen, an der Sonne erfreuen - läuft! Jetzt wird es Zeit den Garten wieder fein zu machen, aber leider hält mich eine fiese Erkältung davon ab mich mehr als 3 Schritte zu bewegen. Pläne für die Gestaltung der Beete gibt es auf jeden Fall schon reichlich.





Literarische Reise:


Dank der Erkältung musste ich mich ganz viel ausruhen und hatte reichlich Zeit zu lesen. Die habe ich auch wirklich genutzt. Zur Zeit lese ich Buch Nr. 7 für diesen Monat. 

Mit "Zwischen DIR und MIR die Sterne" (aktuelle Lektüre) und "Die Phantasie der Schildkröte" habe ich beide Monatsaufgaben der Fischerchallenge erledigt. Zusätzliche Punkte habe ich durch "Shikanoko 02" und "Iron Flowers" (ET: 25. April) gesammelt. Über letzteres darf ich leider noch nicht viel sagen, aber es spricht nichts dagegen zu erzählen, dass ich es fast innerhalb eines Tages durchgelesen habe. 

Mit Damaris habe ich vor einiger Zeit einen Buddy Read gestartet. Das bedeutet, dass man gemeinsam ein Buch liest (nicht unbedingt genau Zeitgleich), um sich dann darüber austauschen zu können. Wir haben uns für die Printbücher von Autorin Tamara Bach entschieden, die zur Sorte besondere Bücher zählen, die dadurch aber auch nicht nach jedermanns Geschmack sind. Wir wollen, dass diese Bücher mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bisher gelesen und rezensiert habe ich "Was vom Sommer übrig ist" und "Marienbilder". Im April ist dann noch "Vierzehn" dazu gekommen, aber das habe ich noch nicht besprochen. Nun fehlt mir noch "Mausmeer", der aktuelle Roman der sympathischen Autorin. Kennst du Bachs Bücher? Liest du gerne Romane, die von solch komplexem Schreibtstil sind?





Mein bisheriges Highlight ist "The First Empire: Rebellion" von Michael J. Sullivan. Ein extrem spannender und unterhaltsamer Fantasyroman, der voller Überraschungen steckt. Sullivan wird allerdings starke Konkurrenz um den Monatsthron bekommen, denn auf meinem Leseplan steht für die nächste Woche "Das Leuchten der Magie" aus der Dämonenreihe von Peter V. Brett. Eine meiner absoluten Lieblingsfantasyreihen ever!

Kulinarische Reise:


Endlich ist Spargelzeit. Während ich früher davon überzeugt war keinen weißen Spargel zu mögen, weil der schon so danach aussieht, dass er mir nicht schmeckt (ziemlich blöde Einstellung ...), liebe ich ihn heute in den verschiedensten Variationen. Grünen Spargel mag ich gerne vom Grill, kurz angebraten oder im Salat. In der ZDF Küschenschlacht (ja, so was kann man anschauen, wenn man krank ist) wurde ein fruchtiger Spargel Quinoa Salat vorgestellt. Ich habe die Feigen weggelassen, Nektarinen durch Ananas (Unverträglichkeit beim Mann) und Ziegenkäse durch Lachs ersetzt und uns alle damit ziemlich glücklich gemacht. Beim nächsten Mal werde ich noch Feta hinzugeben.

Magst du Spargel? Welches ist dein Lieblingsspargelrezept?





Ich wünsche dir ein wundervolles, sonniges Wochenende.


13.04.18

The First Empire 01: Rebellion | Michael J. Sullivan




Seit Anbeginn der Zeit leben die Menschen im Schatten ihrer Götter, der Fhrey: Während diese in kunstvoll angelegten Städten wohnen, über Magie verfügen und niemals altern, hausen die Menschen in armseligen Dörfern, geplagt von Hunger und Krankheiten. 
Als der junge Raithe von einem Fhrey angegriffen wird, tut er das Undenkbare: Er wehrt sich. Niemand könnte überraschter sein als Raithe, als der unsterbliche Gott plötzlich tot zu seinen Füßen liegt. Von da ab eilt sein Ruf ihm voraus - und ehe er es sich versieht, wird Raithe zum Anführer eines Aufstands, der die Welt für immer verändern soll.(Text & Cover: © Knaur Fantasy; Foto: © N. Eppner)


Was für eine rasante Geschichte! Obwohl ich schon vorher wusste, dass Sullivan gut schreiben kann, wurde ich mit "Rebellion" nochmals von ihm überrascht und so gut unterhalten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Wie werden Helden gemacht? Ganz einfach. Man nehme einen starken Kerl, der in einem Anflug von Mut -oder auch Dummheit-, und mit einem kleinen Quäntchen Glück, einem allseits gehassten Mensch, das Leben nimmt. Dann bedarf es nur noch eines guten Kameraden, der, mit Hilfe kleiner Lügen, eine gute Geschichte spinnt und diese dann vielerorts weitererzählt. Besonders dort, wo sie aufgrund von Hass und Ablehnung auf offene Ohren trifft. Manipulation, wie sie im Lehrbuch steht. Aus der deutschen Historie wissen wir, dass dies nach hinten losgehen kann. Sullivan nutzt diese Art der Machtausübung jedoch, um seinen Helden Raithe groß werden zu lassen. Ein Sympathieträger vom ersten Moment an.

Neben heldenhaften Männern gibt es aber vor allem sehr mutige und starke Frauen, die ihren Weg gehen, für das einstehen, woran sie glauben. Gerecht und weltoffen. 

Es gibt allerdings auch entsprechende Gegenstücke. Menschen, die so verbohrt sind in ihrer Denkweise, dass ich manchmal am liebsten ins Buch hineingesprungen wäre und sie geschüttelt hätte. Einige von ihnen haben in ihrer Intoleranz und Verbohrtheit regelrechte Aggressionen in mir aufgewühlt. Es war, als stünde ich Mitgliedern einer Partei gegenüber, deren Parolen völlig Sinnfrei sind und einzig zur Hetze dienen, die aber bei einem Teil des Volkes ankommen. 

Ja, es war tatsächlich so, dass ich ständig das Gefühl hatte den Figuren des Romans persönlich gegenüberzustehen. So sehr hat mich Sullivan in den ersten Band des First Empire hineingezogen. Für ausgesprochen starke Authentizität und Lebendigkeit sorgt die Art wie der Autor, dessen Romane bereits in 14 Sprachen übersetzt wurden, seine Figuren konzipiert. Ausgeklügelte Details und ein Netz aus vielfältigen Charakterzügen, sorgen für einen entsprechenden Sog.

Dieser wird komplettiert von einer überaus hohen Spannung und unvorhersehbaren Ereignissen. Im letzten Fünftel gibt es einen Showdown vom Allerfeinsten, der dafür sorgte, dass ich bis spät in die Nacht hinein las. Und als ich endlich dachte, dass es nun ruhiger würde, kam auf den letzten Seiten nochmal eine Szene, die ganz viele Fragen aufwarf. Mit ganz großer Vorfreude sehe ich Band 2 "Zeitenfeuer" entgegen, der glücklicherweise schon im April 2018 erscheinen wird.


Buchinfo:

528 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
ÜBERSETZUNG: Marcel Aubron-Bülles

Weitere Rezensionen:


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11.04.18

Mädchen in Scherben | Kathleen Glasgow




Charlotte ist zerbrochen. Mit nur siebzehn Jahren hat sie mehr verloren, als die meisten Menschen im Leben. Mehr als ein Mensch ertragen kann. Aber sie hat gelernt, wie man vergisst. Wie man seinen Körper gefühllos gegen Schmerz macht. Jede neue Narbe macht Charlottes Herz ein wenig härter, doch irgendwann begreift sie, dass sie mehr ist, als die Summe ihrer Verluste – und beginnt zu kämpfen! 
Die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die stärker als ihr Schicksal ist.(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Der Einstieg in "Mädchen in Scherben" ist heftig. Protagonistin Charlotte hat einen Suizidversuch hinter sich und ist deshalb in einer psychiatrischen Klinik. Sie spricht nicht. Ist gekennzeichnet von Narben und Verletzungen. Offensichtlichen, die sie auf der Haut trägt, und jenen, die nicht zu sehen sind, die ihre Seele tief beschädigt haben. Charlotte lebt mit Selbstverletzendem Verhalten. Ihrem Weg dem Schmerz im Inneren zu entkommen.

Der erste Abschnitt des Romans widmet sich Charlottes Aufenthalt in der Klinik. Ich bekomme einige Hintergrundinformationen zu ihrer Vorgeschichte, zu ihren aktuellen Gefühlen, zu ihrem Charakter und ihrer Schwierigkeit mit Mitmenschen in Kontakt zu treten. Alles sehr stimmig. Sehr authentisch. Ich frage mich, ob Glasgow berufliche oder private Erfahrungen mit Selbstverletzendem Verhalten gemacht hat, denn vor allem die Gefühlswelt der Patientinnen wird sehr glaubhaft und realistisch dargestellt. Die Schreibe ist dem Inhalt perfekt angepasst. Vorsichtig, von einer eigenen Poesie, zurückhaltend und verletzlich. Sie trägt dazu bei, dass Charlottes Geschichte so richtig tief unter die Haut geht.

Dann beginnt ein neuer Abschnitt im Buch und damit die einzige, aber doch größere Kritik, die ich an der Geschichte habe. Ich wünschte, die Autorin hätte das ein wenig anders gelöst. Es gibt Alternativen, aber sie hat diesen Weg gewählt und damit leider ein wenig Glaubwürdigkeit verloren.

Der Rest des Romans dreht sich darum wie Charlotte zurück ins Leben findet. Wie sie ums Überleben kämpfen muss, weil sie nur wenig Geld zur Verfügung ist. Sie muss lernen mit Alltagsroutine klarzukommen. Oftmals schwierig für Menschen, die im festen Rahmen einer Einrichtung gelebt haben, die Sicherheit geboten hat. 

Vor allem muss Charlotte wieder lernen mit Menschen umzugehen. Herauszufiltern auf wen sie sich verlassen kann und von wem sie sich besser fernhält, weil sie sonst direkt wieder in alte Handlungsmuster verfällt. Sie muss lernen der Dunkelheit zu widerstehen und Hürden zu überwinden, ohne sich zu verletzen. Damit einher geht eine neue Sichtweise auf sich selbst. Eine Verschiebung von Schuldgefühlen und Verantwortung. 

Kathleen Glasgow verändert für diesen Abschnitt ihre Schreibe. Wählt eine schnellere, vielleicht auch etwas härtere Sprache. Der Teil des Romans ist nicht weniger dramatisch. Diesmal ist es aber nicht die Sprache, die uns tief treffen soll, sondern die Handlungen der Protagonisten, die verletzen, verstören und gleichzeitig für Hoffnung sorgen.

Ich würde gerne so viel mehr über diesen Teil der Geschichte sagen, aber es gibt darin so viel, dass man selbst entdecken sollte. Zu schnell ist zu viel zum Inhalt verraten. Viele Überraschungen warten dort. Und obwohl dieser Abschnitt so ganz anders ist, als der sehr emotionale erste Teil des Romans, ist er richtig, richtig gut. Die Autorin traut sich was. Entwickelt Figuren, die so gar nicht rund laufen und die mich selbst in Konflikte stürzen. 

"Mädchen in Scherben" bekommt trotz dieses dicken Kritikpunkts, den es bei mir verursacht, eine ganz klare Leseempfehlung. Das Buch bietet Identifikationspotential für Mädchen, die in einer ähnlichen Situation sind und zeigt, dass es möglich ist, aus dieser Spirale herauszugelangen. Dass es möglich ist, sich abzugrenzen, und eigene Wege einzuschlagen. Dass manchmal die Menschen Freunde sind, von denen man es nicht vermutet hätte und dass es sich lohnt die eigenen Träume im Blick zu behalten, auch wenn die derzeitige Lage noch so aussichtslos erscheint. Ein Buch, das Mut macht. Modern und ergreifend erzählt.



Buchinfo:

S. Fischer (2018)
448 Seiten 
Klappenbroschur
14,00 €
ÜBERSETZUNG: 

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Rezension: © 2018, Nanni Eppner

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