30.11.18

Die Dämonenkriege | Michael Hammant




Als der Dämonenjäger Ryk bei einem Einsatz seine beiden Gefährten an einen Dämon verliert, den es seit Hunderten von Jahren eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, schwört er Rache. Währenddessen gelingt es der Gestaltwandlerin Catara, den wegen Mordes an seinem Vater angeklagten Thronprinzen Ishan aus dem Kerker zu befreien. Doch damit beginnen die Probleme für die beiden erst, denn all die dunklen Vorkommnisse sind nur die Vorboten eines drohenden Kriegs, der die Welt der Schwebenden Reiche in ihren Grundfesten erschüttern wird ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Mit gemischten Gefühlen klappe ich "Die Dämonenkriege" zu. Der Grundriss des Inhalts ist recht klassisch. Krieg zwischen verschiedenen Völkern, die alle nach Macht streben. In der Phantastik schon vielmals erzählt, doch immer wieder individuell. Bei Michael Hammants Roman habe ich nicht das Gefühl etwas zu lesen, was schon da war, obwohl ein Vergleich mit einem anderen bekannten Fantasyroman über Dämonen nahe liegen würde. Aber nein, Hammant hat mehr Neues erschaffen, als ich es erwartet hätte.

Punkten kann er definitiv auch mit seinen Protagonisten. Starke Figuren mit gut ausgearbeiteten Charaktereigenschaften, die sie sehr echt wirken lassen. Besonders Catara, die Gestaltwandlerin, ist eine spannende Figur, die immer wieder in schwierige Situationen gerät und mich damit ganz schön in Atem gehalten hat.

Grundsätzlich ist die Spannung leider ein Problem des Romans. Es ist wie eine Berg- und Talfahrt. Hammant kann mich immer mal fesseln und kurz drauf habe ich wieder das Gefühl dahin zu trudeln. Es fühlt sich an, als müssten Lücken mit belanglosem Geplänkel gefüllt werden. Den Dialogen fehlt es teilweise an Schwung und ich wünscht man hätte das Buch an diesen Stellen gekürzt. Ob das in der Realität wirklich machbar ist, weiß ich natürlich nicht.

"Die Dämonenkriege" ist ganz nette Unterhaltung mit ausdrucksstarken Charakteren, aber es fehlt mir ein wenig Rasanz, um mich wirklich restlos zu fesseln.


Buchinfo:

Heyne (2018)
752 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €



Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner

26.11.18

Meine beste Bitch | Nataly Elisabeth Savina (Herausgeber: Tilmann Spreckelsen)




Faina hat das Abi hinter sich. Endlich weg aus der miefigen Kleinstadt, fort von der analytischen Psychiaterin-Mutter, die alles zu durchschauen scheint. Endlich nach Berlin, wo alles so flatterhaft, kirschsaft-flirty und funky-glitzernd ist. Das Studium an der Kunsthochschule kann warten. Faina stürzt sich in die Großstadt: Freiheit, Nachtleben, Kultur und hemmungslose Liebe. Denn da ist Julian. Der angehende Performancekünstler, der so aufregend anders ist, mit dem alles so intensiv ist, dem Faina verfällt. Sie ist wie in Trance. Und dann der Schock: Julian verliebt sich in ihre beste Freundin Nike und verrät ihre Verbindung. Rasend vor Wut und Enttäuschung verwüstet Faina Julians Wohnung und tilgt die beiden wichtigsten Menschen aus ihrem Leben. Doch dann geschieht ein Unfall, der ihre Beziehung unter neue Vorzeichen stellt.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Der Titel "Meine beste Bitch" gefällt mir nicht so gut. Der Inhalt des Romans dafür umso mehr. Es ist Fainas Geschichte des Erwachsen werdens. Diese spannende Suche nach der eigenen Persönlichkeit, das Ausleben von verrückten Ideen, der Weg an Grenzen und darüber hinaus. Der Wunsch nach Zugehörigkeit und zeitgleicher Abspaltung von den Eltern und dem "Normalen" Individuell sein, ins Auge stechen, aber nicht auffällig sein. Ein schwieriges Entwicklungsstadium an das ich mich noch gut erinnern kann. 

Eine Zeit, die wir alle früher oder später mehr oder weniger intensiv durchleben und die deshalb ganz häufig Thema in Jugendromanen ist. Wie gelingt es Nataly Elisabeth Savina ihren Roman herauszuheben? 

Der Erzählton ist nicht besonders auffällig, wenngleich sie auch so gut ist, dass ich den Roman in Kürze verschlungen habe. Eingängig, lässig, aber mit Niveau. Nicht banal, nicht künstlich, spricht Savina nicht nur die Altersstufe ihrer Protagonisten an, sondern auch mich, die ich schon einige Jahre älter bin, als Faina, Nike und Julian.

" 'Geist, Seele, Gehirn, hinter jedem einzelnen Wort verbirgt sich ein komplexe Welt - jeder Begriff ist an sich schon ein Gedicht. Die Normalität ist kein Zustand, sie ist nur eine Behauptung. [...]' " (S. 90)

Womit Savina mich fesseln konnte, sind die Möglichkeiten, die sie in den Raum wirft. Entsprechend Fainas Wunsch nicht zur Norm zu gehören und sich damit von ihrem Umfeld, Eltern, Lehrer etc. zu distanzieren, entspricht auch der Verlauf der Geschichte nicht der Norm. Savina beschreibt Handlungen und lässt trotzdem ganz viel Raum für eigene Gedanken. Es schwingt immer ein "aber es könnte auch" oder "was wäre wenn" mit. Ganz bewusst spricht sie nicht alles an, was möglich wäre, sondern überlässt es meinen eigenen Gedanken, was ich im Roman sehen möchte. Manchmal kommt es auch einfach darauf an, wessen Perspektive ich einnehme. Mit wem ich gerade sympathisiere 

Faina z.B hat das Gefühl, dass sie einzig mit Nike glücklich sein kann. Dass Nike ihre beste Freundin ist, weil sie mit ihr sein kann, wie sie wirklich ist. Aber ist diese "wirkliche" Identität auch die, die gut für Faina ist? Und besteht lediglich eine Freundschaft oder ist es Liebe, die zu Handlungen treibt, die eine Gradlinigkeit des Lebens durcheinanderwirbeln. Und ist dieses Durcheinanderwirbeln positiv oder negativ?

" 'Wir suchen uns aus, was wir glauben wollen. Und leben das, was wir glauben wollen. Das macht uns aus. Deshalb darfst du nie etwas Schlimmes über dich denken. Jeder kann sein eigenes Leben verhexen oder verzaubern. Nur mit der Kraft der eigenen Psyche." (S. 234)

Ich mag es sehr, dass mir so viele Möglichkeiten eröffnet werden. Dass ich verschiedene Wege einschlagen kann. Dass meine Gedanken gefordert und bespielt werden. Dass Savina gegen Eintönigkeit arbeitet. Damit setzt sie stilistisch das um, was uns Jugend, was uns genau diese Zeit, in der wir auf der Schwelle zum Erwachsen werden stehen, bietet: eine Vielzahl an Pfaden, die alle zu einem Ziel führen. Dazu, dass Erfahrungen und Erlebnisse uns prägen und unsere Persönlichkeit bilden.

Leseempfehlung für "Meine beste Bitch".


Buchinfo:
288 Seiten
Hardcover
16,- €


Rezension: © 2018, Nanni Eppner

20.11.18

Die Stimmen des Abgrunds | Peter V. Brett




Nach Das Leuchten der Magie ist Die Stimmen des Abgrunds der packende zweite Teil des fünften Bandes von Peter V. Bretts Dämonensaga, der im Original unter dem Titel The Coreerschienen ist. Der letzte Krieg zwischen Menschen und Dämonen steht unmittelbar bevor, und die einzige Hoffnung der Menschheit ruht nun auf Arlen, seiner Frau Renna und seinem Rivalen Jardir. Denn nur, wenn es ihnen gelingt, den Willen eines der mächtigen Dämonenprinzen zu brechen und ihn zu zwingen, sie in den Abgrund zu führen, werden sie die dort herangezüchtete Dämonenarmee aufhalten können. Aber noch ist der Sieg gegen die Dämonen nur ein Traum …
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Das ist es nun also. Das Finale einer meiner allerliebsten Lieblingsreihen der Phantastik. Jahrelang habe ich Arlen beim Kampf gegen die Dämonen begleitet und nun ist alles vorbei. Ich bin ein bisschen traurig, denn jede Begegnung mit dem tätowierten Mann war für mich ein Fest. 

In all den vielen Bänden, die Bretts Dämonenreihe ausmachen, ist der Autor so viele Wege gegangen, dass sich verschiedene Möglichkeiten eröffneten, um die Reihe abzuschließen und natürlich habe ich mir im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht wie er die Serie wohl abschließen, wie er das Dämonenproblem wohl lösen wird. Werden die Dämonen gänzlich ausgelöscht? Wird der Horc verschlossen? Oder wird die Menschheit weiterhin nach Anbruch der Dunkelheit in Angst und Schrecken leben müssen?

Es ist schwierig etwas über das Buch zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Was ich sagen kann: es war wieder eine große Freude mir Arlen und Jardir in den Kampf gegen die Dämonen zu ziehen, Renna zu begegnen und mit Leesha für Gerechtigkeit zu sorgen. Obwohl ich nicht zu 100 % mit Brett mitgehen kann, was die Entwicklung einiger Handlungen und Figuren angeht, hat mich der Autor auch mit diesem Band gut unterhalten und einen runden Abschluss geschaffen.


Buchinfo:

Heyne (2018)
560 Seiten
Klappenbroschur
14,99 €
ÜBERSETZUNG: Ingrid Herrmann-Nytko

Reiheninfo:

1. Das Lied der Dunkelheit (The Painted Man)
2. Das Flüstern der Nacht (The Desert Spear)
3. Die Flammen der Dämmerung (The Daylight War)
4. Der Thron der Finsternis (The Skull Throne)
5. Das Leuchten der Magie (The Core)
6. Die Stimmen des Abgrunds (The Core Part II)


Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner

16.11.18

Barbarentage | William Finnegan




Vor fünfzig Jahren verfällt William Finnegan dem Surfen. Damals verschafft es ihm Respekt, dann jagt es ihn raus in die Welt – Samoa, Indonesien, Australien, Südafrika –, als Familienvater mit Job beim New Yorker dient es der Flucht vor dem Alltag … Barbarentage erzählt die Geschichte dieser lebenslangen Leidenschaft, sie handelt vom Fernweh, von wahren Abenteuern und den Versuchen, trotz allem ein Träumer zu bleiben. Ein Buch wie das Meer, atemberaubend schön.
(Text & Cover: © Suhrkamp; Foto: © N. Eppner)


Ein Buch übers Surfen lesen, obwohl ich ein Kind des Waldes und der Berge bin und mit dem Meer gar keine Verträge habe? Das nennt man wohl einen Blick über den Tellerrand. Einer, der sich gelohnt hat.

Auch Finnegan kommt eher zufällig zum Surfen. Es ergibt sich eben so. Und dann kommt er nicht mehr davon los. Die Frauen, die er liebt, die Menschen, denen er seine Freundschaft schenkt, wechseln, aber das Surfen bleibt. Klingt nach kitschig-romantischen Vorstellungen eines Traums, der ein lockeres Leben beinhaltet, geprägt von keine Lust auf Arbeit und nur Vergnügen im Sinn. Ist es aber nicht.

Es ist eine Leidenschaft, eine Sucht, die Finnegan überkam und ihn seitdem nicht mehr loslässt. Egal wohin er geht. Es ist das was ihn am Boden hält. In die Realität zieht und gleichzeitig dabei hilft zu entfliehen, wenn die eigenen Probleme zu schwer auf den Schultern lasten. Wenn Ignoranz verblendet und Ereignisse der Welt schneller mitreissen, als Finnegan in der Lage ist ein eigenes Urteil zu bilden.

Schon lange, bevor er Berichterstatter in Kriegsgebieten wird, ist er mit Krisen konfrontiert. Rassismus auf Hawaii, Apartheit in Südafrika, der Stimmung des Vietnamkriegs etc. Er muss hart für seinen Lebensunterhalt arbeiten und genauso hart für die Ausbildung der eigenen Identität inmitten all dieser belastenden Szenen.

Die Idole seiner Jugend sterben - Hendrix, Morrisson, Joplin - und hinterlassen ein Loch, dass er wie viele andere auch, mit dem Verlust und der Suche nach einer eigenen Identität füllen muss. Es ist das Surfen, das ihm eine Orientierung bietet. Das ihn fast umbringt, aber auch am Leben hält. Dafür sorgt, dass er immer wieder aufsteht.

Maria aus dem Ocelot Berlin hat auf Instagram über das Buch geschrieben, dass es eine Art Entschleunigung ist, "Barbarentage" zu lesen. Ja genau - so ist es! Finnegans Sprache ist nichts besonderes. Ist einfach, klar, ruhig. Bindet mich an ein Thema, das mich bisher gar nicht interessierte und nimmt mich mit in Zeiten für deren Ereignisse, für deren Gefühle, ich noch zu jung bin. Ich fühle mich informiert und unterhalten. Lasse mich anstecken von Finnegans Leidenschaft für seine Leidenschaft. Nur Surfen möchte ich nach wie vor nicht.


Buchinfo:

566 Seiten
Taschenbuch
18,00 €
ÜBERSETZUNG: Tanja Handels


Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner

13.11.18

Guter Hoffnung - Hebammenwissen für Mama und Baby | Kareen Dannhauer



Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit Baby - für viele Frauen sind das die intensivsten Monate ihres Lebens. Die Gefühle spielen verrückt, der Körper benimmt sich höchst eigenwillig, der Alltag steht immer wieder Kopf. In dieser Zeit ist eine gute Hebamme unersetzbar! Kareen Dannhauer beantwortet in diesem Buch die Fragen, die sie von zahllosen Hausbesuchen kennt. Ihre Antworten sind warmherzig, fundiert und mitten aus dem Leben. Sie verrät, was wirklich hilft, wenn es bei Mama oder Baby nicht rund läuft. Ob Naturheilkunde, Aromatherapie, Homöopathie oder Hausmittel – für jedes Problem in Schwangerschaft oder Wochenbett gibt es eine gute Lösung. Ein immenser Erfahrungsschatz, modern und bildschön gestaltet.
  • Alte und neue Hausmittel für Schwangerschaft und Babyzeit
  • Zeitgemäß aufbereitet - mit wunderschönen Illustrationen
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Fakt ist: dieses Buch hätte ich mir schon als Begleitung meiner ersten Schwangerschaft gewünscht. Und das, obwohl ich eine Hebamme hatte, die sehr kompetent war. Doch wer ruft schon die Hebamme wegen kleiner Wehwehchen an oder wegen Fragen, die banal klingen, sich aber ganz wichtig anfühlen? Bester Freund ist dann meist Google, was weder zu kompetenter Aufklärung führt, noch zu Beruhigung. Ganz im Gegenteil. Dannhauers Buch deckt so viele Bereiche ab, beantwortet Fragen und hält viele Tipps und Tricks bereit. Der Untertitel "ganzheitliche Begleitung" hat sich für mich genau so angefühlt.

Gegliedert ist der Inhalt in die Bereiche

  • Vorwort | Einleitung & Gebrauchsanweisung für das Buch
  • Frühe Schwangerschaft | Das erste Drittel
  • Mittendrin in der Schwangerschaft | Das zweite Drittel
  • Am Ende der Schwangerschaft | Das letzte Drittel
  • Essen für Zwei | Ernährung
  • Zeit der Vorbereitung | Kurz vor der Geburt
  • Der Weg zum Baby | Die Geburt
  • Die allerersten Wochen | Das frühe Wochenbett
  • Rückkehr zum Alltag | Das späte Wochenbett
  • AnhangKösel
Zu jedem Bereich gibt es entsprechende Unterthemen, die zu Beginn des Buches in einem Inhaltsverzeichnis aufgeführt sind. Am Ende des Buches gibt es noch ein alphabetisch geordnetes Stichwortregister, so dass man das Buch nicht nur in einem Durch lesen kann, sondern immer wieder ruck zuck Themen, die einen beschäftigen nachschlagen kann. Der Aufbau des Buches ist nicht nur übersichtlich, sondern auch sehr stilvoll und einladend.

Ich habe das Buch während meiner zweiten Schwangerschaft bekommen, in der ich einige gesundheitliche Probleme hatte und in der viele Fragen aufgeworfen wurden, mit denen ich in der ersten Schwangerschaft nicht konfrontiert wurde. Ich hatte eigentlich so gut wie immer das Gefühl in "Guter Hoffnung" eine umsetzbare Antwort zu finden.

Besonders gut gefällt mir, dass Dannhauer sehr unaufgeregt mit den Themen umgeht und ich mich gleichzeitig sehr ernst genommen fühle. Das beruhigt ungemein in einer sehr aufregenden Zeit. Sie zeigt, dass es nicht DEN einen Weg geht, sondern verschiedene Möglichkeiten zu denen Frau Vertrauen haben kann, egal welche Vorerfahrungen sie gemacht haben. 

Für mich ist "Guter Hoffnung - Hebammenwissen für Mama und Baby" DAS Begleitbuch für die Schwangerschaft. Lektüre, die beruhigt und Ängste nimmt und gut versorgt. Natürlich ersetzt es keine Hebamme, aber ich glaube, dass es sich sehr gut mit dem Wissen praktizierender Hebammen deckt. Es gibt Sicherheit durch Aufklärung. Je mehr ich als Mutter weiß, desto mehr kann ich für mich, für meine Wünsche während Schwangerschaft und Geburt einstehen. Ein Buch wie ich es mir auch als Begleitung für das erste Lebensjahr meines Kindes wünschen würde.




Buchinfo:

Kösel (2017)
448 Seiten
Paperback, Klappenbroschur
25,00 €


Rezension: © 2018, Nanni Eppner

11.11.18

#Herbstliebe | Ideen für einen gemütlichen Herbsttag

Für mich ist der Herbst eine der schönsten Jahreszeiten. Die Natur verändert sich, stellt sich darauf ein, dass der Winter kommt und alle Wachsen und Arbeiten eine Pause bringt. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen, kleine Auszeiten schaffen und die Rasanz des Sommers etwas herunterfahren, um Energie und Kraft zu sammeln.




Achtsamkeit praktiziert die Natur schon seit Tausenden von Jahren. Daran möchte ich mir gerne ein Beispiel nehmen. Es sind die kleinen Dinge, die Freude bereiten und immer wieder für Glücksmomente sorgen.





Ein gutes Buch, eine besonders hübsche Kastanie. Hach, ich liebe diese Jahreszeiten. Auch dann, wenn die Tage grau und verregnet sind.




Im folgenden Beitrag findest du Ideen, wie du einen gemütlichen Herbsttag gestalten kannst.



Lesen


Ich bemerke an mir, dass ich im Herbst wieder viel Lust zu lesen habe. Allein der Gedanke an ein gutes Buch, eine kuschelige Decke und eine Tasse Tee, erfreuen mich.


"Der Weltenexpress" | Anca Sturm | Carlsen


Flinns Bruder ist auf mysteriöse Weise verschwunden. Nur Flinn glaubt daran, dass er mit dem Weltenexpress, dem geheimnisvollen Internat auf Schienen, durch die Welt reist. Eine Karte, die er ihr hinterlassen hat, gibt ihr Recht in ihrer Meinung.

Und als sie mal wieder am Bahnhof steht und sich nach ihrem Bruder sehnt, dem einzigen Menschen in ihrer Familie, dem sie sich verbunden fühlte, hält ein Zug. Kurzentschlossen steigt Flinn ein und findet sich in einer völlig anderen Welt wieder. 

"Der Weltenexpress" zu lesen hat mir so viel Freude bereitet. Autorin Anca Sturm hat ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und eine magische Szenerie entwickelt, die vielleicht ein kleines bisschen an Harry Potter erinnert, aber so viel eigenes hat. Mit ganz viel Liebe zum Detail hat sie Figuren kreiert, die mich immer wieder zum Schmunzeln und mitfühlen bringen. "Der Weltenexpress" ist farbenfroh, spannend und einfach nur fantastisch. Meine absolute Leseempfehlung für alle, die im Herzen jung geblieben sind.






"Phileasson 01: Nordwärts" | Bernhard Hennen & Robert Corvus | Heyne


Der Herbst ist für mich die perfekte Jahreszeit für Phantastik. Ich liebe es an regnerischen Tagen in eine Decke eingekuschelt in eine andere Welt entführt zu werden. Autor meiner Wahl ist Bernhard Hennen, der, egal in welchem ​​Setting, immer wieder spannende Geschichten schreibt, die mich überraschen und mitreissen. Schwarz-weiß denken ist ihm fern und - wie er selbst sagt - lässt er gerne seine Figuren sterben und beschert so unerwartete Wendungen.

"Nordwärts" ist der Auftakt einer Saga, die Hennen gemeinsam mit Robert Corvus schrieb, der ebenfalls schon seit vielen Jahren in der phantastischen Literatur unterwegs ist. Das Buch beginnt mit einem 70 seitigen Prolog, der mich teilweise vor Ekel geschüttelt, und der gleichzeitig so viele wichtige Weichen gestellt hat. 

"Nordwärts" ist der Aufbruch in die Düsternis. Ein Wettlauf zwischen zwei großen Kämpfern und ihren Mannschaften, die das Schicksal herausfordern und den Sieg nach Hause bringen möchten. Koste es was es es wolle.







"Das rote Adressbuch" | Sofia Lundberg | Goldmann


Doris lebt in ärmlichen Verhältnissen in den 20er Jahren und bekommt von ihrem Vater zum zehnten Geburtstag ein rotes Adressbuch geschenkt. Heute lebt sie in einer Wohnung und ist aufgrund ihres Alters auf einen Pflegedienst angewiesen. Mit Hilfe ihres Adressbuchs blickt sie auf ihr Leben zurück.

Dieses Buch ist mir schon so oft in den Sozialen Netzwerken begegnet und das immer mit positiven Rückmeldungen zur Geschichte. Ich habe mir das Hörbuch runtergeladen und muss gestehen, dass ich die allgemeinen Begeisterung teile. Doris durch ihr Leben, durch die verschiedenen Zeitepochen zu begleiten ist sehr spannend und wird von Beate Himmelstoß und Susanne Schröder mit sanfter Stimme gefühlvoll vorgelesen. 

Im Herbst brauche ich Wohlfühlbücher mit ganz viel Herz und Emotionen. Ohne Kitsch. Genau das ist "Das rote Adressbuch" und deshalb meine Herbstleseempfehlung für alle, die nach Gemütlichkeit, Dramatik und Wärme suchen.






"Wieso? Weshalb? Warum? Was machen wir im Herbst?" | Susanne Szesny & Andrea Erne | Ravensburger


Der Räubertochter fällt die Umstellung von Sommer auf Herbst nicht leicht. Besonders nicht was das Anziehen betrifft. So gerne möchte sie weiterhin Barfuß laufen und Jacken mag sie auch nicht. Dafür liebt sie es allerlei Schätze aus dem Wald mit nach Hause zu nehmen. In unserer Küche sammeln sich Kistenweise Kastanien, Eicheln, Tannenzapfen, Steine ​​mit Glitzer, und, und, und. Außerdem singt sie schon das ganze Jahr "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne".

Wie erkläre ich ihr den Herbst? Gar nicht so einfach und deshalb habe ich bei Instagram eine Umfrage mit Herbstbuch Empfehlungen für Kinder gestartet. "Wieso? Weshalb? Warum? Was machen wir im Herbst" war der Gewinner und ist deshalb in unserem Kinderbuchregal eingezogen.

Die Autorinnen greifen verschiedene Themen auf wie zB was machen Tiere im Herbst? Den St. Martins Umzug, Halloween und sogar mein Wunschthema "warm anziehen". Kindgerecht erklärt und illustriert mit allerlei Klappen zum Öffnen und entdecken. Ich habe mich dazu entschieden, den ganzen Jahreszeitenschuber zu kaufen, denn der ist mit 29,90 € wirklich ein Schnäppchen und wie sagt meine Buchhändlerin? "Jahreszeiten sind ja immer."







Tee


Zum gemütlichen Lesenachmittag / -abend gehört der passende Tee. Diese drei Teesorten sind bei uns am Abend oder zur Nachmittagszeit gerade sehr beliebt.





Ankerkraut Gebrannte Mandeln

Zutaten: Apfelstücke, gehackte Mandeln (10%), gehobelte Mandeln (10%), Zimtstücke, Rote Beete, Aroma.

Goldmännchen Hygge

Zutaten: 25% Zimtrinde, Melissenblätter, Brombeerblätter, Erdbeerblätter, Himbeerblätter, Kamillen, Vanillearoma, Gewürznelkenblüten und -stiele, Heidekraut, Lavendelblüten, Orangenblüten, Rosenblüten, Süßholzwurzeln.




Lebensbaum Würziger Winterapfel

Zutaten: Apfel, Hagebutte, Zimt Ceylon, Süssholz, Zichorienwurzel, Zimt Cassia, Kardamom, Ingwer, Gewürznelke, Vanille, Honigblatt




Achtsamkeit



Um wieder mehr Bewusstsein für sich  selbst, ein besseres Körpergefühl zu bekommen oder sich zu bewegen, ist Yoga eine gute Alternative zum Spaziergang im Herbstwald. Nach einigen Kursen mit einer Yoga Lehrerin, nutze ich nun schon seit längerem den YouTube Kanal Yoga mit Adriene





Hier finden sich jede Menge verschiedene Asanas und sogar kleinere Kurse, die über einen Monat lang laufen. 




Outdoor


Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Dicke Wollsocken, Kapuzenpulli und Regenjacke, feste Schuhe und Mütze anziehen und raus an die frische Luft. Das hilft gegen jeden Herbstblues, fühlt sich gut an und lässt den wärmenden Tee auf dem Sofa noch besser schmecken.




In der Natur kannst du deine Gedanken fliegen lassen und von der Hetze des Arbeitstages abschalten. Schau dich um, was du alles entdecken kannst. Kastanien, hübsch gezeichnete Blätter, Eicheln und Bucheckern. Waldschätze sind im Herbst schier unerschöpflich. Zurück im Haus kannst du wunderbar damit basteln. Getrocknete Blätter lassen sich um ein Glas binden und ergeben mit einem Teelicht eine wohlige Atmosphäre. Mit Kindern kann man Tiere aus getrockneten Blättern oder Kastanien basteln. Und alles in einer hübschen Kiste oder Dose gesammelt, ergibt ein schönes Jahreszeitentagebuch. Tolle Tipps findest du auch bei Rock my Day.





Welche Dinge brauchst du für einen perfekten Herbsttag? Welche Bücher sind deine Herbstfavourites?


31.10.18

Bannwald | Julie Heiland




Ich hasse den Wald. Ich hasse ihn aus tiefstem Herzen. Er tut so, als wäre er mein Zuhause. Aber das ist er nicht. Er ist mein Gefängnis.
Sie können nicht töten – als Anhänger der weißen Magie erschaffen sie nur. Seit Generationen lebt der friedliche Stamm der Leonen gefangen im Wald, gewaltsam unterdrückt vom Stamm der mörderischen Tauren.
Als die 17-jährige Robin auf den jungen Tauren Emilian trifft, ist sie sich sicher, dass er sie töten wird. Doch Robin gelingt es zu fliehen – scheinbar. Erst später wird ihr bewusst: er hat sie laufen lassen. Warum?
Als Robin dann ein Reh mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken tötet, ist sie zutiefst erschüttert. Was ist mit ihr?
Robin trägt ein Geheimnis in sich, und es gibt nur einen, der davon weiß – ihr größter Feind.
Wie es dazu gekommen ist? Wie es immer zu so etwas kommt. Die Starken wittern die Macht und bezwingen die Schwachen. Wir, der Stamm der Leonen, sind Anhänger der weißen Magie. Die Magie der Natur. Wir heilen, wir erschaffen, wir tun Gutes.
Die anderen, der Stamm der Tauren, haben sich der schwarzen Magie verschworen. Sie herrschen kaltblütig, sie vernichten, sie töten. Auch uns. Aber das werde ich nicht länger zulassen.
(Text & Cover: © Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Vor einiger Zeit habe ich "Pearl" von Julie Heiland zu lesen begonnen und es nach wenigen Seiten abgebrochen. Zu kitschig, zu vorhersehbar. Daher war meine Skepsis, ob sie mich mit "Bannwald" ihrem Debüt überhaupt begeistern kann, ziemlich groß. 

Anders als "Pearl" konnte mich "Bannwald" relativ schnell fesseln und bis zum Ende gut unterhalten, obwohl mir zwischendurch der Sog, der dazu führte, dass ich die ersten 100 Seiten inhalierte, wieder verloren ging. Am Ende gibt es jedoch einige offene Fragen, mit denen Julie Heiland ihre LeserInnen neugierig macht auf die beiden Bände, die noch folgen. "Bannwald" ist rein handwerklich der perfekt als Auftakt einer Trilogie.

Da hat Julie Heiland, die schon kreatives Schreiben unterrichtete, bevor sie selbst überhaupt einen Roman veröffentlichte, einiges richtig gemacht. 

Der Bau ihrer Welt hat mich allerdings etwas irritiert bzw. hat mich das Setting nicht so sehr eingenommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Anfangs hatte ich häufig das Gefühl, dass ich einem Logikfehler aufgesessen bin, aber Heiland gibt erst nach und nach Informationen zur Welt der Sternenvölker preis und fühlt damit die Lücken, die ich vermutete. Warum ich damit nicht so warm wurde, kann ich gar nicht so richtig sagen. Ist vielleicht einfach Geschmackssache.

Die Figuren sind okay, aber nichts außergewöhnliches. Es gibt welche, die man mag, und welche, die unsympathisch sind. Besonders gut gelungen ist die Art wie wir sie kennenlernen. Häppchenweise, immer mal auf einer falschen Fährte wandelnd. 

Heiland kann spannend schreiben - keine Frage - dennoch ist "Bannwald" kein volle Sternezahl - Buch für mich, sondern einfach nette Unterhaltung.


Buchinfo: 

352 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
16,99 €




Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner

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