02.08.18

[Monatsstatistik] Leseliebe im Juli '18




Geplauder:


Heiß, heißer, Juli 2018. Und es nimmt kein Ende.
Prinzipiell habe ich nichts gegen schönes Wetter. Ganz im Gegenteil. Ich bin beim ersten Sonnenstrahl draußen, aber das sind mir eindeutig zu viele Sonnenstrahlen. Gestern Abend um 23:00 Uhr waren es noch 24°. Nachts kühlt es nicht ab, Erde und Pflanzen lechzen nach Wasser und das Futter für alle Grasfresser wird knapp. Mit einer Form von Klimawandel hat es natürlich nichts zu tun (Achtung! Ironie!). Dazu in diesem Beitrag nun nicht mehr, aber hier gibt es ein paar tolle Worte dazu.

Ansonsten ist mein Juli eher unspektakulär gewesen, weil mir Hitze und Rückenschmerzen einfach einen Strich durch das Thema Aktivitäten machen. Aber beim nächsten Monatsrückblick ist unser Baby schon geboren, ich hoffentlich auch körperlich wieder fit und die Räubertochter wieder glücklich, weil wir die Tierparks in der Umgebung unsicher machen können.





Leseliste:


JULI:

53) "Wer fürchtet den Tod" | Nnedi Okorofar |Cross Cult
54) "Nur einen Horizont entfernt" | Lori Nelson Spielman | S. Fischer 
55) "Schiffbruch mit Tiger" | Yann Martel | S. Fischer
56) "Das Lied der Krähen" | Leigh Bardugo | Droemer Knaur
57) "Imkern. Das Geheimnis glücklicher Honigbienen" | Orren Fox | Hoffmann & Campe Tempo
58) "Koala" | Lukas Bärfuss | Wagenbach
59) "Du wolltest es doch" | Louise O' Neill | Carlsen
60) "Das achte Leben (Für Brilka)" | Nino Haratischwili | Ullstein

[Hörbücher]

  • "Und nebenan warten die Sterne" | Lori Nelson Spielman | Sprecherin: Eva Gosciejewicz
  • "Tod im Dünengras" | Gisa Pauly | Sprecherin: Christiane Blumhoff | Audio Media



Mein Lesemonat Juli. War bis auf eine Ausnahme toll. Nicht so richtig erreicht hat mich "Koala", umso mehr konnte mich wieder einmal Lori Nelson Spielman begeistern, obwohl ich immer wieder versuche mich gegen ihre Bücher zu wehren. Warum? Weil ich eigentlich erwarte, dass es sich um Schnulzen handelt, aber dann sind es doch Geschichten voller Tiefgang, die mich berühren. 

Sehr berührend und schockierend ist "Du wolltest es doch". Einem Jugendroman, in dem es um sexuellen Missbrauch und seine Folgen geht. Oftmals ist es so, dass sich Opfer nicht als solche empfinden, dass unsere Gesellschaft Tätern mehr zubilligt, als den Opfern und es zu einer verdrehten Wahrnehmung und Darstellung kommt.

"Das Lied der Krähen" ist wirklich großartige Fantasy, die alles hat, was ein spannender Roman braucht. Eine eingängige Sprache, Protagonisten, die sofort die Sympathien ihrer Leser gewinnen und jede Menge überraschender Handlungen. 

Sehr besonders ist "Wer fürchtet den Tod", dass in einem afrikanischen Setting in einer Mixtur aus Fantasywelt und realen Gedanken spielt. Immer im Hinterkopf Rassenungleichheit, Menschenverachtende Handlungen und Kriege um Banalitäten. Ein Buch wie viele kleine Nadelstiche, aber sicher nicht Jedermanns Sache.

"Das achte Leben (Für Brilka)" habe ich einfach mal mit aufs Foto gepackt, denn eigentlich sage ich immer, dass Bücher, die ich bis zur Hälfte bzw. etwas darüber gelesen habe, in dem Monat auf der Leseliste landen. Bei diesem Roman bedeutet das aber, dass ich fast 700 Seiten gelesen und noch etwa 600 vor mir habe, denn dieser Schinken umfasst 1275 (!) Seiten. Und ich genieße jede einzelne davon. Die Sprache der Autorin ist großartig. Sie ist eine Erzählerin vom Feinsten. Verknüpft eine Familiengeschichte mit dem Weltgeschehen eines ganzen Jahrhunderts. Sachlich, aber trotzdem bewegend, unterhaltsam, nicht banal, fesselnd und beeindruckend. Ich freue mich, dass ich noch einige Seiten vor mir habe.

Im Hörbuchbereich habe ich gerade die Mamma Carlotta Krimis von Gisa Pauly für mich entdeckt. Ich mag Krimis mit ein bisschen Lokalkolorit und wenig Blut und Aufregung. Gisa Pauly erzählt trotzdem sehr niveauvoll, mit einer guten Portion Witz, aber auch mehr Spannung, als man es von manch anderem Regional (oder in dem Fall auch international) Krimi kennt.

Wie war dein Lesemonat Juli? Welches Buch war dein Highlight und wie sieht es bei dir mit Regionalkrimis aus? Ja oder nein?






Weitere Beiträge:


Im Juli sind einige Beiträge online gegangen, die mir sehr am Herzen liegen. 

Jüngst unsere Thementage zu "Du wolltest es doch auch". In meinem Post schreibe ich etwas zu Achtung und Selbstliebe und ich möchte mich auf diesem Wege für eure positive Resonanz dazu bedanken.

Ein weiterer Beitrag, der mir sehr wichtig ist: Die Biene. Vom Aussterben bedroht. Literaturtipps für Groß und Klein. 







Einen weiteren Ausflug vom Hobby Buchbloggen in mein berufliches Umfeld Pädagogik bietet der Beitrag "Ich bin mutig. Ich bin stark. Ich kann alles schaffen"

Kinder, Babys und Geburt sind natürlich gerade ein Thema bei uns Zuhause. Nicht nur wegen unseres eigenen Babys, sondern auch weil im Bekanntenkreis gerade eine Babyflut angeschwommen kommt. Da ich es immer schwierig finde ein passendes Geschenk zu finden (Kleidung schenken meistens schon alle Ü50-Verwandten und Nachbarn), habe ich hier ein paar schöne Dinge zusammengestellt über die sich die frisch gebackenen Eltern freuen könnten.

Um dicke Bücher und Leselisten geht es in diesem Beitrag.
#dickebüchercamp





Ich wünsche dir einen spannenden, nicht allzu heißen, August voll mit tollen Leseabenteuern.



28.07.18

[Thementage] Du wolltest es doch | Louise O'Neill: Von Achtung und Selbstliebe






Freitag, 27. Juli 2018


Samstag, 28. Juli 2018


Sonntag, 29. Juli 2018 


Bücher können unterhalten oder auch aufrütteln. Aufklären. Sensibilisieren für Themen, die wichtig sind, von denen wir aber keine Ahnung haben oder mit denen wir glücklicherweise noch nicht konfrontiert worden sind.

Als Ina mich gefragt hat, ob ich an einer Aktion zu "Du wolltest es doch", einem Buch über sexuellen Missbrauch teilnehmen würde, war mir sofort klar: Ja, ich bin dabei.




Sexueller Missbrauch ist ein Thema, über das wir reden müssen. Das viel zu viel tot geschwiegen wird. In dem es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Und das in der Öffentlichkeit oftmals falsch wahrgenommen wird.

"Sie ist ja selbst Schuld, dass ihr das passiert ist. Sie war ja schon immer so eine, die viel zu kurze Röcke trägt. Und betrunken war sie auch. Selbst Schuld, wenn sie so viel trinkt."

Das ist nur eine der vielen Aussagen mit denen Emma, Protagonistin des Romans "Du wolltest es doch" konfrontiert wird. Das schlimme daran: Emma glaubt diese Aussagen. Sie glaubt selbst Schuld zu sein. Glaubt, dass sie sich anstellt, dass die Jungs (ja, Mehrzahl!), die ihr das angetan haben, das Recht dazu hatten, denn eigentlich sind sie ja ganz okay und sie, Emma, ist die Schlampe, das Mädchen, das zu nichts anderem zu gebrauchen ist, als schön auszusehen, als das zu tun, was andere von ihr erwarten. Weil sie wertlos ist.

Emmas Gefühl von Wertlosigkeit, von mangelndem Selbstbewusstsein und einem Selbstbild, das sich über Jahre völlig falsch aufgebaut hat, hat mich so sehr mitgenommen, dass ich die Protagonistin gerne bei den Schultern gepackt und geschüttelt hätte.

"Wach auf, Mädchen!" hätte ich ihr gerne zugerufen. "Du bist nicht wertlos. Kein Mensch ist wertlos. Jede(r) ist es wert geliebt zu werden."




Woher rührt Emmas verquere Selbsteinschätzung?

"Du wolltest es doch auch" ist nur ein kleiner Einblick in Emmas Leben. Wir wissen nicht wie ihre Kindheit verlief, wie die ihrer Eltern ablief und kennen ihren Alltag nur aus ihrer Perspektive. Aber eins ist klar: es werden Anforderungen an sie gestellt, die sie nicht erfüllen kann und auch nicht erfüllen sollte. Sie wird reduziert. Auf ihre Schönheit. Weil sie schön ist, erwartet ihre Mutter von ihr, dass sie diese "Fähigkeit" auch einsetzt. Um gute Noten zu schreiben, um Freunde zu finden, um zu gefallen. Sie muss nicht schlau sein, nicht nett und nicht liebevoll, Hauptsache es gelingt ihr mit ihrer Schönheit dort hinzukommen, wo die Mutter nicht sein konnte: in einem Umfeld, in dem Geld keine Rolle spielt. Denn Geld macht glücklich. REALLY??

Als Mutter packt mich das Grauen, wenn ich so was lese. Dass meine Tochter Opfer eines sexuellen Übergriffs wird, ist eine meiner größten Ängste. Weil ich weiß, wie schnell das passieren kann. Weil ich einige Mädchen kenne, denen das passiert ist. Weil ich weiß, dass es dort passiert, wo wir nicht damit rechnen. Weil ich weiß, dass es jedem Mädchen / Jungen passieren kann. Unabhängig von Aussehen, Familienstand oder whatever. Weil ich nicht die Augen davor verschließe.

Was ich jedoch verhindern kann ist, dass sie sich nachher als Täter fühlt.





Klingt seltsam für dich, weil es doch eine klare Sache ist, dass ein Mädchen / Junge Opfer ist, wenn es einen sexuellen Übergriff gab? Nein, das ist es leider nicht. Zum einen, weil es in der Gesellschaft Druck gibt, weil es ein Bild von Täter - Opfer - Beziehungen gibt, das nicht der Realität entspricht, zum anderen aber auch, weil es viele Opfer gibt, die sich selbst die Schuld geben. So wie Emma, der es an Achtung gegenüber sich selbst fehlt. Die sich als wertlos fühlte, schon bevor der Übergriff passierte.



  • Ich kann meinem Kind immer wieder sagen wie wertvoll es ist. 
  • Wie sehr ich es liebe. Genau so, wie es ist. 
  • Ich kann es in Dingen bestärken, die Mut und Kraft fordern. Und das nicht nur während es ein Kleinkind ist, sondern ein ganzes Leben lang. 
  • Ich kann es immer wieder dazu auffordern sich neuen Herausforderungen zu stellen. 
  • Ich kann es trösten, wenn es verletzt wurde und ihm sagen, dass es nicht seine Schuld ist und dass nach schlechten auch wieder gute Zeiten kommen. 
  • Ich kann ihm lehren empathisch mit Mitmenschen umzugehen.
  • Ich kann es unterstützen, wenn es angebracht ist sich selbst zu reflektieren, weil ein Verhalten unangemessen ist. 
  • Ich kann ihm Geborgenheit geben und für es da sein, wenn es mich braucht. Ich kann es aber auch dann loslassen, wenn es angebracht ist. 
  • Und ich kann ihm beibringen, dass jeder Mensch von Wert ist und auch so behandelt werden sollte.


Alles schön und gut. In der Praxis nicht immer ganz leicht umsetzbar und vor allem mit ganz viel Arbeit verbunden. Reflektieren, an sich selbst arbeiten, evtl. Hilfe dazu holen, sich selbst weiterbilden (z.B in Form von Büchern). Immer wieder versuchen das eigene Kind zu bestärken und stärken. Du schaffst das! Dein Kind schafft es zu einem selbstbewussten jungen Menschen heranzureifen!




Und was mache ich, wenn ich schon erwachsen bin? Wenn ich keine Eltern hatte, die so mit mir umgegangen sind? Wenn ich das Gefühl habe nichts wert zu sein? Nur geliebt zu werden, wenn ich bestimmte Dinge tue?

STOP! 
1. Bist du (ich weiß, ich wiederhole mich) es IMMER und sowieso und überhaupt wert geliebt zu werden. 
2. Sollte das nicht von bestimmten Dingen abhängig gemacht werden. Weder von bestimmten Taten, noch von materiellen Gegenständen (wenn du natürlich ein alter Griesgram und zu allen böse bist, dann bist du es tatsächlich selbst Schuld...)
3. Kannst du dein Selbstbild, dein Selbstbewusstsein jeder Zeit ändern. Du kannst lernen dich zu lieben.

Selbstliebe ist harte Arbeit. Auch für diejenigen, die all die idealen Voraussetzungen durch eine glückliche Kindheit etc mitbringen. 

Dazu gibt es verschiedene Techniken, von denen ich nur einige vorstelle:

  • reflektiere immer wieder deine Unsicherheiten. Warum bist du in der Situation unsicher geworden? Gab es wirklich Gründe dafür? Wirkliche Gründe?
  • Sage dir immer wieder, dass du es wert bist geliebt zu werden. IMMER. WIEDER.
  • Schreibe dir eine Liste mit Dingen, die du an dir magst. Hänge diese Liste so auf, dass du sie täglich siehst / immer griffbereit hast. Lese sie jeden Tag durch.
  • Versuche Dinge zu tun für die du Mut brauchst. Das können große Erlebnisse sein wie ein Fallschirmsprung, Klettern oder einen neuen Job suchen, aber auch kleine Schritte erzielen eine große Wirkung. Mach der Kassiererin im Supermarkt ein Kompliment, streichel den Nachbarshund (am besten mit Erlaubnis) oder mach eine Fortbildung, von der du schon lange träumst.
  • Gehe wertvoll mit anderen um. Dann fühlst du dich selbst viel besser.
  • Es gibt sehr gute Literatur zu den Themen Selbstliebe, Selbstbewusstsein etc (für Tipps schreib mich gerne an)
  • Übe nein zu sagen. 
  • Übe ja zu denken und auszuführen.
  • Such dir Menschen, die dir gut tun und distanziere dich von denen, die dich runterziehen. (Achtung: Helfersyndrom! Du bist nicht dafür verantwortlich andere zu retten!)
  • Falls du das Gefühl hast es nicht allein zu schaffen, hol dir bitte Hilfe. Es gibt sehr viele gute Coachs und Psychologen / Psychotherapeuten, die dir behilflich sein können. Nicht verzagen, wenn es nicht gleich gut läuft. Evtl. musst du zwei, drei kennenlernen bis die Chemie stimmt.
  • Denk daran, dass es manchmal ein sehr mühsamer Weg ist, dass es diesen Weg aber gibt. Dass du nicht allein bist und dass es Hilfe gibt. Dass du nichts aushalten und nichts aussitzen musst.





Natürlich haben wir alle gute und schlechte Tage. Mal mehr, mal weniger Mut. Trotzdem dürfen wir uns nicht von anderen in die Rolle des Opfers drängen lassen. Egal in welcher Beziehung.

Was Emma passiert ist schrecklich. Es ist etwas, das sie nie vergessen wird. Aber hat sie nicht verschiedene Möglichkeiten dies zu verarbeiten?

Ihr die Schuld zu geben ist keine Möglichkeit! Niemand ist Schuld, wenn er / sie missbraucht wird. Es gibt keine Gründe für sexuellen Missbrauch.

Du bist wertvoll!!!


"Jeder Mensch ist dazu bestimmt zu leuchten! [...] Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. [...]Wir sind alle bestimmt zu leuchten, wie Kinder es tun."(Nelson Mandela)

Lies dazu auch die Texte von Ina's little Bakery und Vair vetzt.







Im Rahmen unserer Thementage habt ihr die Gelegenheit 

3x je ein Printexemplar des Romans zu gewinnen. 


Und die Gewinnerin ist:

ALEXANDRA

(sende bitte deine Adresse an inaslittlebakery@yahoo.de.
Von dort wird sie an den Verlag weitergeleitet)




Teilnahmebedingungen:

  • Du bist 18 Jahre alt oder hast die Teilnahmeerlaubnis deiner Erziehungs-/Sorgeberechtigten.
  • Du erklärst dich damit einverstanden, das dein Name im Gewinnfall öffentlich auf unseren Blogs/Social Media Seiten genannt wird und wir deine Adresse zum Zwecke des Gewinnversands an den Carlsen Verlag übermitteln
  • Die Gewinner werden am 01. August 2018 bekanntgegeben und melden sich bitte innerhalb von 24 Stunden mit ihrer Postadresse unter inaslittlebakery@yahoo.de
  • Teilnehmen kann jeder mit einem Wohnsitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich, eine Haftung für den Postversand wird nicht übernommen und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.




26.07.18

Nur einen Horizont entfernt | Lori Nelson Spielman




Mit zittrigen Fingern öffnet die TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief. Der Absender ist eine ehemalige Schulfreundin, die sie jahrelang gemobbt hat. Die Frau bittet sie nun um Vergebung. Dem Brief beigelegt sind zwei kleine runde Steine und eine Anleitung. Einen Stein soll sie als Zeichen dafür zurücksenden, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah weiß sofort, wer das sein könnte: ihre Mutter. Aber soll sie wirklich zurück zu den schmerzhaften Ereignissen von damals und die Auseinandersetzung mit dem Menschen suchen, der sie am besten kennt? Denn Hannah hat etwas getan, das das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat …
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Dies war der zweite Roman der Autorin Lori Nelson Spielman, den ich mit kritischen Augen zur Hand genommen und dann innerhalb kürzester Zeit weggelesen habe. Wie vor dem Lesen von "Morgen kommt ein neuer Himmel", hatte ich auch hier das Gefühl, dass ich einer Geschichte begegnen werde, die mir eigentlich gar nicht gefallen kann, weil sie sicher zu seicht, zu kitschig, zu banal sein und sowieso nur als leichte Sommerunterhaltung dienen wird. Und wieder wurde ich von Spielman eines besseren belehrt.

"Nur einen Horizont entfernt" ist großartig. Es ist gefühlvoll. Es stimmt nachdenklich und das auf eine Art, die ich beste Unterhaltung nennen würde. Die Charaktere sind sympathisch und unsympathisch. Sie haben Macken, Ecken und Kanten und dürfen Fehler machen. Sie sind authentisch, liebenswert und ganz nah an uns Lesern dran.

Lori Nelson Spielman nimmt sich in diesem Roman dem Thema Vergebung an. TV-Moderatorin Hannah wird von einer ehemaligen Schulkameradin darum gebeten ihr zu vergeben, dass sie Hannah früher gemobbt hat. Und auch wenn wir alle so leicht Sätze wie "Schwamm drüber" oder "ist längst Geschichte" von uns geben, ist es sicher keine einfache Sache zu vergeben. So richtig zu vergeben und nicht nur oberflächlich zu tun als ob. Denn zu vergeben bedeutet nicht nur sich mit den Taten des Gegenüber auseinanderzusetzen, sondern auch mit sich selbst.

Das passiert auch Hannah, denn plötzlich ändert sich ihre Position. Sie ist nicht mehr länger diejenige, die um Vergebung gebeten wird, sondern diejenige, die um Vergebung bittet. Ihre Mutter, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Von der sie sich in ihrer Jugendzeit so schmerzlich enttäuscht fühlte und deren Lebensgefährten sie etwas angehängt hat, dass vielleicht gar nicht der Wahrheit entspricht.

Spielman hat das Thema Vergebung mit all seinen Tücken und Härten so gefühlvoll und realistisch aufgezeichnet, dass es mir noch lange nachhängt. Ich bin mir sicher, dass ich in der Lage bin zu vergeben, ich weiß aber auch, dass ich sehr nachtragend bin und mich sehr schnell von Leuten distanziere, die meiner Meinung nach für mich falsch handeln. Spielman spiegelt unsere eigene Realität und ich bin mir sicher, dass jeder von uns beim Lesen an irgendeinen Menschen aus dem privaten Umfeld denken muss, den man gerne um Vergebung bitten würde, sich aber nicht traut. Oder von dem man sich wünschen würde, um Vergebung gebeten zu werden. Spielman schreibt vom Mut zu verzeihen, vom Mut auf Menschen zuzugehen und vom Mut sich mit den eigenen Wünschen und Träumen auseinanderzusetzen. Und das auf so wundervolle Art und Weise, dass ich ihren Roman "Und nebenan warten die Sterne" direkt hinterher inhaliert habe. In Form eines Hörbuchs, das ich dank Inhalt und Sprecherin ebenfalls empfehlen kann.


Buchinfo:
384 Seiten 
Taschenbuch
9,99 €
ÜBERSETZUNG: Andrea Fischer


24.07.18

[Kurz gesagt] Schiffbruch mit Tiger | Yann Martel




Schiffbruch mit Tiger? Diese Geschichte würden Sie nicht glauben? Kein Wunder. Fantastisch. Verwegen. Atemberaubend. Wahnsinnig komisch. Eine Geschichte, die Sie an Gott glauben lässt.
Pi Patel, der Sohn eines indischen Zoobesitzers und praktizierender Hindu, Christ und Muslim erleidet mit einer Hyäne, einem Orang-Utan, einem verletzten Zebra und einem 450 Pfund schweren bengalischen Tiger namens Richard Parker Schiffbruch. Bald hat der Tiger alle erledigt – alle, außer Pi. Alleine treiben sie in einem Rettungsboot auf dem Ozean.
Eine wundersame, abenteuerliche Odyssee beginnt.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


"Schiffbruch mit Tiger" ist eins dieser Bücher, in denen so viel drin steckt, dass mir die Worte fehlen, es zu beschreiben. Worum es geht? Steht doch im Klappentext. Oder eben auch nicht. Denn das, was der Klappentext erzählt, ist nur ein ganz kleiner Kratzer an der Oberfläche. Ist das, was man sehen könnte, wenn man einfach die Worte herunterliest, die Pi Patel zum Besten gibt.

Schaut man einmal näher hin, dann ist es gar nicht die Reise eines Schiffbrüchigen in Gesellschaft eines Tigers, sondern die eines Mannes, der versucht seine Umwelt, sein Umfeld zu begreifen und dafür Vergleiche nutzt, die in die Irre führen oder auch bereichern.

"Schiffbruch mit Tiger" ist eines dieser Bücher, die du entweder liebst oder an dir vorbeiziehen lässt. Philosophisch, klug, irgendwo zwischen Fiktion und Realität. Du als LeserIn weißt nie, ob näher an dem einen oder näher an dem anderen. Ein Buch, das sprachlich sehr hochwertig ist, das unterhält und nachdenklich stimmt. Das davon erzählt, was sein könnte, wenn man wollte. Das Lust macht auf Abenteuer und den Wunsch weckt, der Fantasie freien Lauf zu lassen.


Buchinfo:

384 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
ÜBERSETZUNG: Manfred Allié & Gabriele Kempf-Allié


Rezensionen © 2018, Nanni Eppner

22.07.18

Geschenktipps zur Geburt

WERBUNG*



Was man zur Geburt eines Kindes häufig geschenkt bekommt: Kleidung in 68 / 74, Kuscheltiere, Kinderbesteck. 
Was man zur Geburt eines zweiten / dritten / vierten usw. Kindes schon ziemlich viel hat: Kleidung, Kuscheltiere, Spielzeug.
Was man immer gebrauchen kann: Gutscheine (z.B. von DM, Rossmann, etc.), Windeltorten (lieber eine Nr. größer. Die Kleinen wachsen sehr schnell) und in der Regel auch (Kapuzen-) Badetücher.

Wem das zu unpersönlich oder unoriginell ist, dem empfehle ich den folgenden Beitrag aufmerksam durchzulesen. Ich stelle einige Bücher und Non-Book Artikel vor, über die man sich sowohl beim ersten, als auch bei weiteren Kindern freuen kann.




"Papperlapapp. Deine ersten Wörter" | Coppenrath




Ein liebevoll gestaltetes Eintragalbum, das Raum für eigene Ideen bietet, aber auch vorgefertigte Listen zum reinschreiben bietet. 

So kann man hier z.B. eintragen welche Wörter das Kind von welchem Elternteil übernommen hat, welche Wortschöpfungen es seit neustem vor sich hinplappert, wie es das Leben aus seinen Augen sieht oder welche Flüche es irgendwo gehört und übernommen hat.



Eigentlich ein Must Have für alle Eltern, da es möglich ist schnell und unkompliziert einige Notizen zu machen, die ein wahrer Schatz an Erinnerungen sind, für die man sich aber meistens keine Zeit nimmt.




"Stoffwürfel + 6 Bücher" | Coppenrath



Dieses Set besteht aus einem Stoffwürfel und 6 kleinen Pappbilderbüchern. 

In jedem Bilderbuch ist die kleine Schlafgeschichte eines Tieres. Z.B. die der Eule, die nachts wach ist und erst am Tage schläft. Oder die des Huhns, das abends schnell auf seiner Stange verschwindet, und einschläft, sobald das Tageslicht schwindet.

Zu jedem Büchlein findet man das entsprechende Tier auf dem Würfel. Das Kind kann dann auswürfeln welches Bilderbuch am Abend zum Einschlafen gelesen wird.

Eine schöne Möglichkeit ein abendliches Ritual einzuführen. Rituale helfen Kindern eine Regelmäßigkeit ins Leben zu kommen und verbessern oftmals das Einschlafen. 




"Briefe an dich! Tagebuch für mein Kind" | Coppenrath



Ein Buch, das mich persönlich sehr berührt ist "Briefe an dich! Tagebuch an mein Kind".

12 datierbare Kuverts mit liebevoll gestalteten DIN-A4 Briefbögen zum Herausnehmen sind Bestandteil dieses kleinen Büchleins. 

Statt eines Absenders stehen Themen auf der Rückseite des Briefumschlags, die zum Inhalt des entsprechenden Briefes werden können. 



Viel zu selten sagen wir unseren Kindern wie gern wir sie haben und was sie für uns einzigartig macht. Hiermit bekommen Eltern die Gelegenheit diese Worte zu verschriftlichen und Kinder die Möglichkeit immer wieder nachzulesen wie sehr sie von ihren Eltern geschätzt werden, aber auch welche Abenteuer sie erlebt haben oder wie z.B. der erste Geburtstag oder die Taufe war.




"Der kleine Himmelsbote. Meine erste große Kinderbibel" | Coppenrath




Man kann religiös sein oder auch nicht, aber ich bin der Meinung, dass es in der Religion einige Geschichten gibt, die zur Allgemeinbildung gehören. Wer z.B. Weihnachten feiert, der sollte auch wissen warum es dieses Fest überhaupt gibt.

Und so ist eine Kinderbibel ein gutes Geschenk zur Geburt.

Wichtig ist, dass die Geschichten darin kurz und bündig und gut illustriert sind, damit die Kleinen auch schon etwas damit anfangen können. 

"Meine erste große Kinderbibel" bringt all diese Kriterien mit. Sie ist sehr ansprechend illustriert, dank Pappseiten Kinderfreundlich gestaltet und beinhaltet biblische Geschichten aus dem neuen und alten Testament, die maximal eine Seite lang sind.





"Weißt du eigentlich wie lieb ich dich hab?", die Geschichte von Papa und Kind Hase, die darüber sprechen wer wen mehr lieb hat, ist einer der Kinderbuchklassiker und so liebevoll und herzlich, dass er eigentlich in keinem Kinderzimmer fehlen darf. 

Im Verlag Sauerländer ist ein Geschenkset erschienen, das neben einem kleinen Pappbilderbuch, das auf Grund seiner Robustheit auch schon für die ganz kleinen geeignet ist, Meilensteinkarten enthält.

Diese Karten sind ebenfalls mit dem beliebten Kinderbuchmotiv illustriert und werden beim Fotografieren integriert.

Klingt erstmal umständlich, aber alle die Erfahrung damit gemacht haben, Kinderfotos zu einem späteren Zeitpunkt durchzusehen, wissen wie oft man sich fragt zu welchem Zeitpunkt das Bild gemacht wurde, wie alt das Kind auf dem Foto war, etc.



Diese Karten bieten Hilfestellung indem sie bspw. das Alter (3 Monate, 4 Monate...) angeben oder eben Meilensteine des kindlichen Lebens wie das erste Lächeln, der erste Zahn oder die Fähigkeit zu krabbeln. So ist es später einfach zu wissen welcher entscheidende Momente des kindlichen Lebens fotografisch festgehalten wurde.




"Meine Taufe" | Coppenrath



Ein weiteres wichtiges Erlebnis im Leben des Kindes, dessen Einzelheiten aber gerne in Vergesseneheit geraten, ist die Taufe.

Hierfür bietet der Coppenrath Verlag Abhilfe in Form eines hochwertigen Reinschreibalbums. 

Der Leineneinband des Erinnerungsalbums fasst sich so feierlich an wie das Ereignis selbst.

Neben vorgefertigten Seiten, auf denen nicht nur das Kind, sondern auch die Eltern beschrieben werden, auf denen die Namen der Gäste eingetragen werden können oder die Geschenke, bietet das Buch viel Platz für eigene Notizen, für Gedanken und Wünsche der Gäste und / oder Fotos.



Eine kleine Tasche im hinteren Klappendeckel des Buches bietet Raum für Taufkarten, so dass diese nicht verloren gehen und alle Erinnerungen an die Taufe an einem Platz sind.






* Werbung, da mir die meisten Produkte zum Testen zur Verfügung gestellt wurden. Hier wird aber nichts empfohlen wovon ich nicht selbst überzeugt bin.

Text & Fotos: © 2018, Nanni Eppner

20.07.18

Die Biene: vom Aussterben bedroht. Literatur für Groß und Klein

Gedankenlos und genervt verjagen wir Insekten, die im Sommer, wenn wir auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garen sitzen, um uns herum fliegen. Vielleicht schlagen wir sogar drauf. Vielleicht aus Angst, vielleicht aus Unwissenheit, vielleicht aus Überlegenheit.

Wer ein bisschen aufpasst wird feststellen, dass es gar nicht mehr so viele Insekten gibt. Ja, ein paar wenige Insektengruppen (die besonders nervigen) machen sich weiterhin breit, aber sehr viele sind vom Aussterben bedroht. Wir sprechen aktuell sogar vom Artensterben der Insekten. Eine Tiergruppe, die für unsere Ökosysteme wichtiger ist, als wir denken.

Ganz besonders stark betroffen ist die Biene. Nicht nur eine, sondern sehr viele Bienenarten. Welche genau und warum kannst du hier nachlesen.

Ohne die Biene kann keine für uns lebensnotwendige Landwirtschaft stattfinden. Bäume können sich nicht weitervermehren und Früchte tragen und auch der Anblick von Blumen ist dann Geschichte.

Wer nun sagt, dass er / sie damit ja nichts zu tun hat, der hat es nicht kapiert (sorry, für die harte Ausdrucksweise). Denn Essen und Atmen muss schließlich jeder, oder? (Falls du jetzt immer noch nicht verstanden hast, warum es auch dich betrifft, kannst du sehr gerne bei mir nachfragen.)

Im folgenden Beitrag stelle ich 3 Bücher vor, die sich mit dem Thema Bienen beschäftigen.

"Die Geschichte der Bienen" | Maja Lunde | btb



England im Jahr 1852: Der Biologe und Samenhändler William kann seit Wochen das Bett nicht verlassen. Als Forscher sieht er sich gescheitert, sein Mentor Rahm hat sich abgewendet, und das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock.
Ohio, USA im Jahr 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden.
China, im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Als der jedoch einen mysteriösen Unfall hat, steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.(Text & Cover: btb)

"Die Geschichte der Bienen" ist ein sehr eindringliches Buch, das uns aufzeigt was Wirklichkeit werden wird, wenn die Bienen aussterben. Wie sehr unser eigenes Leben am Überleben der fleißigen Insekten hängt. Dramatisch, kein bisschen überspitzt und zudem fesselnd und unterhaltsam geschrieben.

Verknüpft wird das Schicksal der Bienen mit dem einzelner Familien. So gibt es gewisse Generationenkonflikte, die zu Missverständnissen führen und einen ganzen Schweif an (Fehl-) Entscheidungen mit sich ziehen. 




1852 ist es die Leidenschaft zu den Bienen, die William zurück ins Leben zieht, die seinen Sohn aber gleichzeitig demotiviert. Eine seiner Töchter interessiert sich sehr für das Imkern, für die fast schon politischen Strukturen, in denen Bienen leben. Doch was ist ein Mädchen in dieser Zeit schon wert? Ihre Interessen, ihr Wunsch nach Lernen und Sturdium. Nicht nur Williams Tochter wird zum Opfer der Politik, sondern auch die Bienen, denn genau so eine Kämpferin hätte ihnen gefehlt, um einen anderen Stellenwert im Leben der Menschen zu bekommen.

2007 ist es die neue Generation, die sich von den Bienen abwendet. George ist leidenschaftlicher Imker, sein Sohn Tom hegt eher Leidenschaften für das geschriebene Wort. Er möchte den elterlichen Betrieb nicht übernehmen. Möchte seinen eigenen Weg gehen. Er mag Bienen, aber er möchte keine Zeit in sie investieren. Und auf einmal verschwinden sie auf mysteriöse Art und Weise.

Im Jahr 2098 gibt es keine Bienen mehr. Ihre Arbeit wird von Menschenhand übernommen. Ist aufwendig und anstrengend. Bäume bestäuben ist ja noch irgendwie machbar, aber mit den Bienen ist so viel mehr verschwunden, als nur eine ertragreiche Ernte. Es gibt keinen Pollenflug mehr, Menschen sind nur noch künstlichen und keinen natürlichen Stoffen mehr ausgesetzt, werden empfindlicher, sind nicht mehr so resistent und werden schneller krank. Frische Luft wird zum Luxusgut und zur Gefahr. Was klingt wie ein dystopisches Setting ist die böse Realität, auf die wir zusteuern.




Bienen, egal ob kultiviert oder wildlebend, sind schon immer unserer Willkür ausgesetzt. Sei es auf politischer  - Einsatz von Spritzmitteln wie Glyphosat und ähnlichem -, oder auf ganz persönlicher Ebene. Schicke Gärten nehmen ihnen Lebensraum, bieten zu wenig Nahrung und sind meist sogar tödlich. Gefühlt verliert der Mensch das Interesse an "ehrlicher" Natur und ihren Bewohnern. Maja Lunde versucht aufzurütteln und ich wünsche mir sehr, dass es ihr mit diesem Buch und den folgenden Romanen des Klimaquartetts (aktuell erschienen "Die Geschichte des Wassers") gelingt.





"Do. Imkern - Das Geheimnis glücklicher Bienen" | Orren Fox | Tempo Sachbuch




Orren Fox war 2012 ins Weiße Haus eingeladen. Er war gerade mal 15 Jahre alt, aber hatte fast sein Leben lang Bienenstöcke. Daraus resultierte unglaubliches Wissen über diese Tiere, Landwirtschaft und Zusammenhänge in der Natur. Die Leidenschaft und Begeisterung für Honigbienen, die Orren ins Weiße Haus gebracht hat, findet man in seinem ersten Buch »Imkern« wieder und es zeigt, dass der Weg zum eigenen Honig leichter ist als man denkt. Hier erfährt man, wie und wo man Bienenstöcke aufstellt, welche Werkzeuge man anfangs braucht, wie häufig man nach seinen Bienen schauen muss und wie man Honig erntet. Einige der besten Köche haben ihre besten Honigrezepte beigesteuert, u.a. Honigsenf, Blumenkohl mit Honig und Trauben, Honigkäsekuchen.(Text & Cover: © Hoffmann und Campe Tempo)

Wer Interesse am Imkern oder einfach am Leben und der Arbeit von Bienen hat, der ist mit diesem Buch bestens bedient. Es ist das perfekte Einsteiger Buch.

Orren Fox begleitet ein erstes Kennenlernen der Struktur vom sehr systematischen Leben der Bienen über den Aufbau des Bienenstocks bis hin zu Gefahren, die den Bienen lauern.




Wer in die Arbeit des Hobbyimkers einsteigen möchte, lernt welche Ausrüstung dafür benötigt wird und wie ein erstes rangehen an diese Arbeit ablaufen kann. Mit welchen Rückschlägen der Imker konfrontiert werden kann und welche Freude es ist, den ersten eigenen Honig zu haben.

Die Kapitel sind kurz und präzise erläutert. Es ist sicher kein umfassendes Werk für jemanden, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigen möchte, bietet aber einen soliden und ansprechenden Einblick in die Arbeit mit Bienen, so dass ich mir ein Urteil bilden kann, inwieweit die Imkerei etwas für mich ist bzw. ob ich ihr gerecht werden kann. Es ist aber auch für diejenigen spannend, die zwar nicht imkern, aber sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen wollen.




Das Buch ist handlich, passt in jede Tasche, ist ausreichend und ansprechend illustriert und bietet mit einem Anhang aus Honigrezepten ein tolles Extra.





"Bienen" | Piotr Socha | Gerstenberg




Willkommen im Reich der Bienen! Hier können wir die fleißigen Insekten aus der Nähe betrachten, in einen Bienenstock schauen und alles über das Imkern erfahren. Wer bei Bienen nur an den leckeren Honig denkt, wird staunen! Denn wer hätte gewusst, dass es Bienen schon seit den Dinosauriern gibt? Was es mit dem Bienentanz auf sich hat? Oder warum es ohne die Bienen weniger Äpfel gäbe? Ein wunderbar witziges Buch für große und kleine Bienenfreunde, das mit seinen fröhlich bunten, großformatigen Bildtafeln und vielen erstaunlichen Informationen die Geschichte von Mensch und Honigbiene erzählt.(Text & Cover: © Gerstenberg)

"Bienen" hat 2017 den Deutschen Jugendlitertaurpreis der Kategorie Sachbuch gewonnen und das völlig zurecht. Es ist so wundervoll gestaltet, so witzig illustriert und gleichzeitig so lehrreich. Eine Bereicherung für jedes Kinderzimmer oder eigentlich für jedes Bücherregal. Ich habe es nicht nur für meine Tochter gekauft, sondern auch für mich.

Socha beginnt mit der Geschichte der Bienen. Seit wann gibt es Bienen? Wie haben sie früher gelebt? Wann und wie wurden sie kultiviert und vom Menschen als das erkannt, was sie heute sind: Lieferanten eines hochwertigen Lebensmittels und wertvolle Gehilfen, die unsere Natur in Schwung halten. 




Mit Bildern auf denen es viel zu entdecken gibt, bringt Comiczeichner Socha das Leben der fleißigen Insekten perfekt aufs Blatt. Er hat seinen eigenen Stil, der sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht und der klar erkennbar und doch nicht zu kühl ist. 

Lehrreich sind auch die Passagen über den Aufbau des Bienenstocks, über die Arbeit der Bienen und warum sie für uns so wichtig sind. 




Socha führt mit seinem Bilderbuch "Bienen" schon die Jüngsten mit einer sehr liebevollen Art an das Thema heran und sorgt damit für spielerische Aufklärung. Ein absolutes Herzensbuch.
 

 

Fotos & Rezensionen: © 2018, Nanni Eppner
 

15.07.18

"Ich bin mutig. Ich bin stark. Ich kann alles schaffen."

Worte, die wir uns laut Lars Amend immer wieder vorsagen sollten, um unser Selbstbewusstsein zu stärken.
Im Podcast Die Glücksritter stellen er und Daniel Aminati die Frage, wie es wohl wäre, einem Kind jeden Tag diese Sätze vorzusagen.





Eine Frage, die mich sehr beschäftigt hat. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie es ist Eltern zu haben, die stolz auf ihre Kinder sind, die ihnen zutrauen Hürden zu meistern und sie mit so viel unerschütterlichem Vertrauen lieben, dass mangelnde Selbstliebe, mangelndes Selbstvertrauen kein Thema war.

Aber ich kenne auch das Gegenstück. Kinder, die gedemütigt wurden, die Mittel zum Zweck sind und die ihren Eltern nicht so wichtig sind wie Alkohol, Drogen, Nikotin etc.




Es sind nicht nur die materiellen Dinge, eine gute Grundversorgung, Lebensmittel und Kleidung, die für das Leben unserer Kinder von Wert sind. Es ist unser Umgang mit ihnen. Unsere Wertschätzung. Unser Vertrauen. All das benötigen sie, um ein Mensch zu werden, der/die sich selbst liebt, der/die Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen entwickelt. Nicht nur im geheimen, sondern laut ausgesprochen.

Ich freue mich jeden Abend über das Leuchten in den Augen der Räubertochter, wenn sie sich diese drei Sätze vorsagt. Sie weiß noch nicht was Mut ist, aber sie versteht, dass es etwas großartiges ist. Und vor allem ist sie es. Ein mutiges Mädchen, das sich darüber freut, dass wir auch noch den Satz "wir haben uns alle ganz doll lieb" angehängt haben. Denn zu wissen, dass wir geliebt werden, das hören wir doch alle gern.



Das Foto zeigt die Räubertochter beim Erklimmen der Burgmauer der Ehrenburg in Brodenbach


Text & Fotos: © 2018, Nanni Eppner

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