15.10.19

Sieben Heere 03. Befreiung | Tobias O. Meißner




Für die Sieben Heere Nafarroas war die Eroberung des friedfertigen Landes Akitanien nicht mehr als ein einfach auszuführender Auftrag. Aber ihr Hochmut kam die Elitekrieger teuer zu stehen: Mithilfe akitanischer Zauberer gelang es einer Gruppe aufständischer Dörfler, eines der Heere auszuschalten und eine Revolution anzuzetteln, die mehr und mehr im Land um sich greift. Ein finaler Vernichtungsschlag soll die Widerstandskämpfer nun ein für alle Mal ausmerzen, und diesmal nimmt Nafarroa ihren unberechenbaren Gegner ernst: Achtzehntausend Soldaten ziehen in eine alles entscheidende Schlacht gegen die tausend Mann starken Aufrührer. Doch sie kämpfen gegen einen Gegner, für den es kein Zurück mehr gibt. Denn je mehr Blut die Akitanier für ihr Land vergießen, umso grimmiger und verzweifelter verteidigen sie ihre Ideale.
(Text & Cover: Piper; Foto: N. Eppner)

"Befreiung" ist das Finale der "Sieben Heere" Trilogie, die auf spannende und - ja man könnte es unterhaltsam nennen - Art mit dem Aufbau eines Kriegs- bzw. Gewaltkonstrukts beschäftigt. 

Die Trilogie beginnt mit "Sieben Heere". Ein kleiner Ort wird von Soldaten eingenommen. Friedlich. Sie teilen lediglich mit, dass sie nun die neuen Gesetzesgeber sind. Von der Königin ihres Landes ausgesendet. Ein besonders mutiger Bursche des Ortes denkt nicht weiter nach und zettelt eine Revolution an. Einige andere aus dem Ort schließen sich an und siehe da: auch wenige können etwas bewirken, wenn sie sich nur trauen. Der Funke der Auflehnung ist gesät.

Es folgt "Sieben Heere. Revolution", der Band, in dem die Bewohner des kleinen Orts an Stärke gewinnen und damit beginnen auch andere eingenommene Dörfer zu befreien. Doch zu welchem Preis? Der Gegener wird in die Flucht geschlagen, doch erstmals fallen auch Menschen aus den eigenen Reihen. Mord und Totschlag werden zum Alltag. Die Gesichter der Toten verfolgen die einstmals friedlichen Bürger bis in den Schlaf.


"'[...] Es ist schließlich die Zukunft der Kinder, um die es in diesem Krieg vor allem geht. Und die zu Grabe getragen wird, wenn alles so weiterläuft wie bisher.'" (S. 76)

Etliche Menschen sind der Revolution zum Opfer gefallen. Auf gegnerischer und auf heimischer Seite und man fragt sich, ob das alles wirklich Sinn macht. Wofür? Hat man eigentlich noch ein ehrbares Ziel vor Augen? Und kann man überhaupt noch von ehrbar sprechen, wenn so viele Wohnräume zerstört, so viele Menschen getötet wurden? Ab wann steht man mit der ausführenden Macht auf einer Stufe?

Wie eigentlich die ganze Trilogie, ist auch der Finalband geschickt aufgebaut. Der Wunsch nach Frieden keimt vermehrt in den Bürgern und man stellt fest, dass der Feind ja auch nur ein Mensch ist. Dass es in beiden Reihen sowohl nette, als auch fiese Persönlichkeiten gibt und hinterfragt nun auch den Grund für die Besatzung. Neben dem eigentlichen Trupp der Revolution haben sich nun eigenständige Gruppierungen gebildet, die nur auf Rache und Profit aus sind. Die Gewalt hat sich verselbstständigt. Wird immer aggressiver. Die Revolutionäre immer müder des Kampfes. Doch wie entkommt man solch einer Situation? Wie geht man in solch gewaltvollen Zeiten, in einer scheinbar festgefahrenen Situation aufeinander zu? Eine Frage, die nicht nur im Großen zutreffend ist, sondern auch auf einzelne Personen zugeschnitten ist. Wenn nicht wir als Einzelperson unsere Streitigkeiten beilegen, aufeinander zugehen, für ein besseres Miteinander sorgen, erst denken und hinterfragen, bevor wir handeln, dann wird sich auch im Großen nichts ändern.


"Diese Aufsplitterung der Dinge in verschiedene Sichtweisen machte Varlie ihre Entscheidung aber letztlich einfacher anstatt schwieriger. Denn wenn alles nur eine Frage des eigenen Standpunkts war - welchen Standpunkt sollte sie dann einnehmen, als ihren eigenen? Es wäre Vermessenheit gewesen, etwas anderes, Höheres anzustreben." (S. 324)

Wie immer bin ich sehr begeistert von Meißners Schreibe. Seiner Art Kritik zu üben. So klar, so einfach ausgedrückt, dass man sich fragt, warum nicht alle Menschen auf der Welt auf den Trichter kommen, dass Gewalt Sch***e ist? Ganz besonders mag ich den leicht sarkastischen Unterton, der mit seiner Schreibe einhergeht und den Fokus seiner Kritik noch verstärkt. 

Die "Sieben Heere" - Trilogie ist ein richtig gutes Gesamtkonzept. Lesenswert.


Buchinfo:

Piper (2018)
416 Seiten
Paperback
17,00 €

Reiheninfo:

3. Sieben Heere. Befreiung


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

13.10.19

Hyggeliger Herbst | 7 Tipps für eine gemütliche Herbstzeit




Der Herbst.
Zeit für Gemütlichkeit.
Für warme Getränke an Regentagen und farbenfrohe Spaziergänge bei Sonnenschein.
Ich liebe den Herbst und mag es im Herbst mit den Kindern Zeit draußen zu verbringen. Ich mag es aber auch gemütlich eingekuschelt auf dem Sofa zu sitzen und zu lesen.

Hier findest du 7 gute Laune Tipps für eine gemütliche Herbstzeit.

1. Pumpkin Spice


Bis vor kurzem dachte ich ja, dass Pumpkin Spice Latte auch nach Kürbis schmeckt. Aber Pustekuchen. Das Gewürz heißt so, weil es in den für den Herbst üblichen Kürbischeesecake hineinkommt. Tatsächlich ist es eine Mischung aus wärmenden Gewürzen und kann entweder als Gewürzmischung oder als Sirup eingekocht werden.



3 TL Zimt
2 TL Ingwer
2 TL Muskat
1 1/2 TL Piment
1/2 - 1 TL Nelken

Ich mag das Gewürz gerne, um meinem Tee das besondere Etwas zu verleihen. Dafür gebe ich etwa 1/2 TL der Gewürzmischung mit in den Teebeutel. Wenn du lieber einen Pumpkin Spice Latte trinkst oder dich die Gewürzkrümel im Getränk stören, kannst du diese Mischung auch einfach mit einem Liter schwarzen Tee (wahlweise auch Wasser) und 500 gr braunen Zucker aufkochen, durch einen Teefilter gießen, um die Gewürze herauszufiltern und in eine Flasche füllen. Ein kleiner Schluck des Sirups reicht, um dein Getränk zu aromatisieren. Für die Gewürzmischung verwendest du die Gewürze in gemahlener Form, für den Sirup kannst du auch Zimtstangen, frischen Ingwer, Piment und Nelken aufkochen.


2. Zeitreise


Die Tage werden kürzer, die Abende länger und doch fehlt noch die Ruhe, die mit dem Winter einhergeht und damit vielleicht auch die Konzentration, um ein Buch zu lesen. Ideal, um mal wieder Serien zu schauen. Wie wäre es mal eine Serie zu schauen, die du als Kind gerne mochtest? Eine, die du als Jugendliche*r nicht verpassen durftest? Oder, falls du noch jünger bist, eine, die du nicht mehr kennst, weil du sie früher noch nicht schauen konntest / durftest? 

Der Herzensmann und ich schauen derzeit "Der Prinz von Bel Air" und können uns darüber genau so schlapp lachen wie vor 20 Jahren. 

Wie wäre es mit damit? Oder mit "Full House", "Alle unter einem Dach" oder der "Bill Cosby Show"?





3. Briefe schreiben


Wann hast du zuletzt einen Brief geschrieben? So richtig. Mit der Hand. Keine Glückwunschkarte, sondern einen richtigen Brief? 
Ich schreibe sehr gerne, aber der Laptop hat den klassischen Füller schon längst abgelöst. Obwohl ich auch noch gerne manuelle Texte verfasse, lande ich letztendlich doch immer wieder an der Tastatur. Das ist so schade. Mit der Hand schreiben ist ein ganz anderes schreiben. Viel intimer, viel intensiver, du bist deinem Text irgendwie näher.

Um fürs Schreiben - fürs Briefe schreiben - zu sensibilisieren, hat der Edel Verlag ein kleines, feines Buch veröffentlicht. "Briefe schreiben" von Jodi Ann Bickley beginnt mit einem persönlichen Vorwort der Autorin, in dem sie erklärt wie wunderbar es ist Briefe zu schreiben. Wie befreiend es sein kann und wie verbindend. 




Auf 200 Seiten gibt sie etliche Tipps, wem du Briefe schreiben könntest. Nicht alle sind dafür gedacht, abgeschickt zu werden, denn in manchen geht es um sehr persönliche Dinge. 

"Briefe schreiben" hat etwas von einem Tagebuch. Beim Briefe schreiben trittst du dir selbst gegenüber, beschäftigst dich mit dir selbst. Vielleicht mit Situationen aus deiner Vergangenheit, die dir schon viel zu lange um die Beine hängen, die du nicht aussprechen oder mit jemandem besprechen kannst, die aber raus müssen, um verarbeitet werden zu können. Jodi Ann Bickley rät dir z.B. einen Brief an deine Mutter zu schreiben, an einen Veränderer, an jemanden, der dich schlimm verletzt hat. Diese Briefe können etwas heilsames haben. 

Einige der Briefe sind zum Absenden gedacht. Ich bin mir sicher, dass sich die Menschen, die einen Brief von dir erhalten, sehr darüber freuen werden, dass du dir die Zeit genommen hast, persönliche Worte an sie zu verfassen.

Als Kind hatte ich zwei, drei Brieffreundinnen mit denen ich mich regelmäßig austauschte. Wie schön war das Warten auf die Post. Wie glücklich hat es mich gemacht die Briefe zu lesen und wie sehr habe ich das Antworten zelebriert. Von meinem Taschengeld kaufte ich hübsches Briefpapier, Aufkleber und schöne Stifte. Heute besitze ich gar kein Briefpapier mehr. Schade. Im Buch gibt es Seiten zum Raustrennen, die als Briefpapier genutzt werden können. Liniert und hübsch bedruckt. 

edel books | 200 Seiten | Broschur | 14,99 €


4. Rock my Day


Im letzten Herbst habe ich das Instagram Profil von Rock my Day entdeckt. Dort stellt Ann kleine naturnahe Bastelideen vor. Kleine Accessoires für Kinder, hübsche Deko fürs Wohnzimmer, Musikinstrumente aus Naturmaterialien und vieles mehr.

Diese Ideen findest du auch auf ihrer Internetseite, der direkt ein Shop angeschlossen ist, in dem du einige der benötigten Materialen kaufen kannst. Andere findest du bei einem Spaziergang in der freien Natur.

Ich mag ihre kleinen, einfachen Anregungen. Sie haben uns manchen Regentag versüßt. Wir erfreuen uns sehr an unseren kleinen handgemachten Schätzen, wie diesen kleinen Vögelchen.




5. Bunte Blätter sammeln


Klingt nach einer Beschäftigung für Kinder. Ja, auch. Aber nicht nur.



Gehe durch den Wald und sammle Blätter auf. Sieh nur wie unterschiedlich sie alle sind. Welche hübschen Farben die Natur zaubert. Wie individuell selbst die Blätter von ein und demselben Baum gezeichnet sind. 

Nimm dir die Zeit stehen zu bleiben, zu schauen von welchem Baum sie herunter gefallen sind. Sammle sie zu einem kleinen Strauss, den du fröhlich pfeifend nach Hause trägst.

Dort kannst du sie trocknen. Auf Papier kleben oder mit Klarsichtfolie an dein Fenster. Bewahre dir etwas vom Herbst, von seinen bunten Farben. Denke an Vergänglichkeit, aber auch an den Neuanfang. Wie wunderschön unsere Natur ist. Was ein Baum alles leistet und wie sehr wir auf ihn angewiesen sind.




Atme tief durch und erfreue dich daran, dass du dich an so kleinen Dingen wie bunten Blättern erfreuen kannst.


6. Bilderbuch "Mein kunterbuntes Soundbuch Tiere"


Ein Buchtipp für Kinder ist "Mein kunterbuntes Soundbuch Tiere" aus dem Verlag arsEdition. Mit über 50 Tiergeräuschen und herzigen Zeichnungen reisen wir gemeinsam mit unseren Kleinen durch die Welt. 




Ob Bauernhof, Regenwald oder das Haus in der Stadt - dort überall gibt es Tiere und du kannst sie kennenlernen. Kleine Texte geben Informationen zum Lebensraum und / oder den entsprechenden Tieren. Kinder ab 3 Jahre können diese schon ganz gut aufnehmen.

Die freundlichen Zeichnungen bieten die Möglichkeiten durch drücken eines bestimmten Punktes auch die Stimme des entsprechenden Tieres anzuhören. So bietet das Buch die Verknüpfung von optischem und auditivem Wissen, sowie die Möglichkeit dies durch taktiles Vorgehen zu begreifen. In dieser Verbindung lassen sich Informationen einfacher abspeichern.

Das Repertoire an Tierstimmen ist wirklich vielfältig. Wir haben uns z.B. schon seit einiger Zeit gefragt, wie wohl ein Zebra macht, das ja Artverwandt mit unseren geliebten Pferden ist. Jetzt wissen wir es. 




"Mein kunterbuntes Soundbuch Tiere" ist eine schöne Beschäftigung für kuschelige Herbsttage.

arsEdition | Hardcover | 16 Seiten | Sound an-/ausschaltbar | Batterien können gewechselt werden | 18,00 €

7. Vegane Kürbis Muffins


Das Pumpkin Spice kommt in seinem Ursprung ja beim Backen zum Einsatz und lässt sich - wie der Name schon sagt ;) - hervorragend mit Kürbis kombinieren. Ein leckeres Schmankerl sind diese Kürbismuffins, die ganz ohne raffinierten Zucker auskommen und mit leckerem Crunch abgerundet werden.



Zutaten:
  • Ca. 1/2 kleiner Hokkaido (sollte 200 gr Püree ergeben)
  • 230 g (Vollkorn-) Mehl
  • 70 g gehackte Mandeln
  • 90 g Süße (ich habe 30g Kokosblütenzucker und 60g Reissirup verwendet. Wer sonst sehr süß ist, benötigt evtl. mehr)
  • Mark einer halben Vanilleschote oder etwas Vanillearoma
  • 1-2 TL Pumpkin Spice
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 60 ml Öl
  • 200 ml Pflanzendrink 

Für den Crunch:
  • 2 EL Kokosöl (mir schmeckt es ja am besten mit Butter ;))
  • 2 EL Honig
  • ca. 60-70 g grob gemahlene Mandeln oder Mandelblättchen

Zubereitung:

Den Kürbis in Spalten schneiden und ca. 15-20 Minuten bei 200° im Ofen rösten, dann pürieren. Etwas abkühlen lassen.

Mehl, Mandeln, Backpulver, Vanille und Gewürz vermischen, mit Kürbispüree verrühren, Süße, Öl und Pflanzendrink dazu. Alles vermengen und dann in Muffinförmchen füllen.

Währenddessen Kokosöl in einem Topf schmelzen, Honig und Mandeln dazugeben und verrühren.

Muffins im auf 180° vorgeheizten Backofen für 25 Minuten backen, nach 15 Minuten den Crunch draufgeben und für die restlichen 10 Minuten mitbacken. Sollte der Crunch zu dunkel werden, einfach ein Backpapier darüber legen.

Solltest du kein Vollkornmehl, aber flüssige Süße verwenden, musst du evtl. die Flüssigkeit (Pflanzendrink) reduzieren, denn Vollkornmehl bindet Flüssigkeit mehr, als Weißmehl.

Guten Appetit!




Ich wünsche dir eine wunderschöne und entspannte Herbstzeit








11.10.19

Der Tote am Gletscher | Lenz Koppelstätter




Nachts auf dem Gletscher, da gehört der Mensch nicht hin. Da sind nur die Geister der Toten und der Sturm und der Schnee. Trotzdem entdeckt Skipisten-Toni im Dezember hoch oben ein seltsames Licht – und wenig später die Leiche eines Einsiedlers. Mit einer Pfeilspitze in der Schulter. Fast am selben Ort, an dem viele Jahre zuvor Ötzi, die weltberühmte Steinzeitmumie, gefunden wurde, die mittlerweile im Bozener Museum liegt. Ebenfalls von einer Pfeilspitze durchbohrt. Commissario Grauner, der an manchen Tagen lieber nur »Viechbauer« wäre, macht sich im tief verschneiten Schnalstal an die Ermittlungen. Unterstützt wird er von Saltapepe, seinem jungen Ispettore aus Neapel, der noch immer nicht versteht, was die Einheimischen an den Bergen finden. Zwischen Dorfintrigen, wortkargen Bewohnern, glühweinseligen Touristen, den kriminellen Machenschaften eines Skiliftunternehmers und kuriosen Ötzi-Spuren entwickelt sich ein hochspannender Fall, der weit in die Vergangenheit führt und die Ermittler vor immer neue Rätsel stellt.
(Text & Cover: Kiepenheuer&Witsch; Foto: N. Eppner)


Ich mag es mich mit entsprechender Lektüre auf bestimmte Lebenwege, Situationen oder den Urlaub einzustimmen. Auf Empfehlung habe ich mir den ersten Band der Krimireihe von Lenz Koppelstätter aus der Bibliothek geholt und war nicht nur begeistert vom Südtirol Flair, dass der Roman durch gekonnt eingesetzten Lokalkolorit, herüberbringt, sondern auch vom spannenden Kriminalfall, der ganz ohne Brutalität, aber mit viel Charme und gut durchdachten Wendungen, daherkommt.

Ein Mordfall, der dem des Ötzis ähnelt. Ein Einsiedler liegt tot im Schnee. Das Todeswerkzeug ein Pfeil, der ganz danach aussieht, als sei er vom Ötzi selbst zum Toten befördert worden. Wer steckt dahinter? Etwa der herrische Bürgermeister, vor dem alle kuschen? Oder dessen ehemals bester Freund, heute Gegner? Oder etwa der Holzunternehmer, der geradewegs in eine Insolvenz hineinschlittert? Doch warum ausgerechnet der Peppi, der doch schon so lange allein im Wald lebt?

Der Mord spielt im Schnalstal, einem Tal, das wir interessanterweise ausgerechnet in diesem Urlaub besuchen wollten. Und so bin ich tatsächlich dem ein oder anderen Ort, der im Buch vorkommt, begegnet. Autor Lenz Koppelstätter ist gebürtiger Südtiroler und die Atmosphäre im Buch ist so authentisch, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn mir der Bürgermeister oder der Kommissar Grauner selbst über den weg gelaufen wären, während ich mit meiner Familie durch die Berge wanderte.

Der Grauner, das ist genau so ein Ermittler, wie ich sie mag. Mit intaktem Familienleben, das allerdings hinter der Arbeit zurückstehen muss, mit einer starken Frau an seiner Seite und pubertierender Tochter, die er nicht so Recht versteht. Ein Einheimischer mit Leib und Seele, ein bisschen grummelig, aber im Herzen gutmütig. Ihm zur Seite steht der junge Ispettore aus Neapel. Ungebunden, charmant, temperamentvoll. Zwei völlig unterschiedliche Kulturen treffen ebenso aufeinander wie zwei gänzlich verschiedene Charaktere. 

Geschickt bindet Koppelstätter seine Leserinnen und Leser an das sympathische Ermittlerduo. Beide tragen ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das in "Der Tote am Gletscher", Band 1 der Reihe aber nur Ansatzweise aufgeklärt wird. Es bleibt also auch um die beiden Kommissare spannend.


Buchinfo:

Kiepenheuer & Witsch (2015)
320 Seiten
Taschenbuch
9,99 €

Reiheninfo:

1. Der Tote am Gletscher
2. Die Stille der Lärchen
3. Nachts am Brenner
4. Das Tal im Nebel


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

08.10.19

Gut Greifenau 02. Nachtfeuer | Hanna Caspian

Achtung!! Da es sich bei "Nachtfeuer" um den zweiten Teil der "Gut Greifenau" Trilogie handelt, kann es in der Rezension Spoiler zu Teil 1 "Abendglanz" geben.





August 1914: Der Erste Weltkrieg beginnt, und Konstantin muss an die Front. Sein Vater ist unfähig, das Gut zu führen, das bald hochverschuldet ist. Die Verbindung von Katharina mit dem Kaiserneffen Ludwig von Preußen wird nun zur Überlebensfrage. Doch Ludwig tritt nicht nur seiner Verlobten Katharina zu nahe … Es droht ein Skandal! Katharina setzt ihre ganze Hoffnung auf eine Rettung durch den Industriellensohn Julius. Doch soll eine Ehe mit ihr ihm nur den Eintritt in den Adelsstand ermöglichen? Und dann ist da noch der Kutscher Albert, der sein Geheimnis nur im Dorf Greifenau klären kann.
(Text & Cover: Droemer Knaur; Foto: N. Eppner)

Was eine spannende, perfekte Fortsetzung der "Gut Greifenau" - Trilogie!!

Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mitten drin im Geschehen. Mitten im Ersten Weltkrieg und allen damit verbundenen Ängsten und Nöten. Konstantin und Nikolaus, die beiden Söhne des Guts kämpfen fürs Vaterland, Anastasia, die ältere der beiden Töchter hat gerade erst ihr zweites Kind zur Welt gebracht, und Katharina, das Nesthäkchen, darf sich auch weiterhin nur unter den Argusaugen ihrer Mutter bewegen.

Nach wie vor ist die Gräfin der Meinung, dass Katharina den Neffen des Kaisers heiraten soll. Das stärkt das Ansehen und auch die Schatztruhe des Guts, die dank der Misswirtschaft des Vaters immer leerer wird. Katharina verweigert sich, sucht nach Auswegen aus diesem Heiratsversprechen, denn der ihr Versprochene ist ein widerwärtiger Kerl, der seine Macht missbraucht, um Frauen Gewalt anzutun. Katharinas Mutter verschließt davor die Augen. 

Katharina selbst wird mehr und mehr zu einer Persönlichkeit wie ich sie mag. Eine starke, junge Frau, die versucht den Einschränkungen ihrer Zeit zu trotzen. War sie in "Abendglanz" noch ein naiver Trotzkopf - typisch für die Zeit, in der sie lebt, wird sie vermehrt zu einem Mädchen mit Charakter. Sie bildet sich ihr eigenes Urteil und erfährt, dank Dorflehrerin Rebecca, was es bedeutet auf eigenen Beinen zu stehen, aber auch wie es in der Welt außerhalb des Dorfes Greifenau tatsächlich aussieht.

Rebecca ist tief gekränkt davon, dass Konstantin sie belogen hat, und auch die Tatsache, dass er sich in tödlicher Gefahr befindet, kann ihr Herz nicht erweichen. Auch ihr macht der Krieg zu schaffen. Immer weniger Schüler*innen können zur Schule gehen. Immer mehr Frauen müssen zusätzlich die Arbeiten der Männer übernehmen.

Hanna Caspian schafft wieder einmal ein ausgezeichnetes Bild über das Leben in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts. Immer wieder lässt sie kleine Details einfließen, die eine gute Recherche voraussetzen und ein mehr als lebendiges Bild der Zeit zeichnen.

"Nachtfeuer" hat mich noch mehr gefesselt, als der Vorgänger "Abendglanz". Die Spannung nimmt in diesem Buch stark zu. Scheinbar Jede*r hat ein Geheimnis, scheinbar Jede*r weiß ein Geheimnis über wen anderes und so ist manche Figur der Willkür oder auch Freundlichkeit einer anderen ausgesetzt. Ich möchte nicht zu viel verraten, kann aber sagen, dass ich 350 Seiten am Stück gelesen habe, weil ich es nicht weglegen konnte. Es gibt drei Tote, die eine wichtige Rolle spielen für den Verlauf des Romans und am Ende einen so üblen Cliffhanger, der ein Lesen des dritten Bandes "Morgenröte" unabdingbar machen. 


Buchinfo:

560 Seiten
Taschenbuch
9,99 €

Reiheninfo:

2. Nachtfeuer
3. Morgenröte


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

28.09.19

Die Spiegelreisende 01: Die Verlobten des Winters | Christelle Dabos




Am liebsten versteckt sie sich hinter ihrer dicken Brille und einem Schal, der ihr bis zu den Füßen reicht. Dabei ist Ophelia eine ganz besondere junge Frau: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie und kümmert sich hingebungsvoll um das Erbe der Ahnen. Bis ihr eines Tages Unheilvolles verkündet wird: Ophelia soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen namens Thorn heiraten. Was hat es mit der Verlobung auf sich? Wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Und warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia ahnt nicht, welche tödlichen Intrigen sie auf ihrer Reise erwarten, und macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.
(Text & Cover: © Insel; Foto: © N. Eppner)


In der Phantastik gibt es etliche ähnliche Geschichten, viele Romane, in denen der Plot sehr gleich klingt, die Figuren ähnlich, der Erzählstil wie nach Norm. Aber zum Glück gibt es auch noch die Geschichten, die so ganz anders sind. Die mich herausfordern, die überraschen und so lebendig erzählt werden, als sei es völlig normal durch einen Spiegel zu reisen oder die Vergangenheit von Gegenständen lesen zu können.

Genau das sind die Fähigkeiten von Ophelia, der unscheinbaren jungen Frau, die ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek verbringt und bis dato jegliche Verehrer abgewiegelt hat und allen bisherigen Heiratsanträgen entgehen konnte. Doch nun ist es soweit. Sie muss den Adligen Thorn heiraten und mit ihm auf die Arche Pol ziehen. Aus ihren Büchern weiß sie, dass dies eine vertrackte Situation ist, denn der Pol ist kalt und die Männer dort gleichen gefräßigen Raubtieren. Ob die Begleitung einer Tante als Anstandsdame das wohl ausbügeln kann, sei ebenfalls dahingestellt. Fakt ist: auf der Arche Pol ist alles anders, als auf Ophelias Heimatarche Anima. Und der größte Unterschied ist, dass man sich auf Anima mag und auf Pol scheinbar alle miteinander verfeindet sind.

Der Roman beginnt mit einem ungewöhnlichen Epilog, der Fragment betitelt wurde und als Erklärung der im Buch dargestellten Welt gilt. Angelehnt an die christliche Entstehungsgeschichte der Welt gab es auch in Dabos' dargestellter Welt ein von (einem. welchem?) Gott erschaffene Welt, in der alle Menschen nett zueinander waren und sich als Eins sahen. Dann zerbrach diese Welt. Mehr erfahren wir im Epilog nicht, aber es scheint mir so, dass der Bruch der im Roman dargestellten Welt etwa vergleichbar ist mit Evas Biss in den von der Schlange dargereichten Apfel. Wer nun Sorge hat, dass "Die Spiegelreisende" religiös daherkommt, den kann ich beruhigen, aber ich wage zu behaupten, dass Dabos die ein oder andere Idee an den ein oder anderen Gedanken aus der christlichen Geschichte anlehnt.

"Die Spiegelreisende" ist farbenprächtig und fantasievoll. Es gibt viel zu entdecken und obwohl die Schreibe so locker und flüssig ist, dass ich nur so durch die Seiten fliege, lohnt es sich hier und da näher hinzuschauen. Dabos versteckt ganz viel zwischen den Zeilen, einige Anpsielungen zu altbekannten Geschichten, aber auch kleine Heimlichkeiten, die im späteren Verlauf der Geschichte an Wichtigkeit gewinnen. Ich muss gestehen, dass es für mich noch zwei, drei Unklarheiten gibt, von denen ich aber hoffe, dass sie in den Folgebänden aufgeklärt werden.

"Die Spiegelreisende" steckt so voller Überraschungen wie ein Buch nur vollstecken kann. Es ist nichts (wirklich nichts!) vorhersehbar. Ich bin begeistert von ihrer Fantasie und den Figuren, die sie so konzipiert hat, dass es genügend Personen zum Lieben oder Hassen gibt. Eher Hassen, denn eins ist wirklich sicher: traue niemandem!

Ich freue mich auf die Folgebände der Reihe und kann diesen Auftakt guten Gewissens empfehlen.


Buchinfo:

Insel (2019)
535 Seiten
Hardcover
18,00 €
ÜBERSETZUNG: Amelie Thoma


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

25.09.19

Wege, die sich kreuzen | Tommi Kinnunen




1996, im Norden Finnlands. Als Lahja im Sterben liegt, blickt sie auf ein langes Leben zurück, in dem sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat: das Fotografieren. Ihr treu sorgender Ehemann Onni jedoch konnte ihr nicht geben, nach was sie sich sehnte – bis sie sich nach Jahren der unterdrückten Gefühle zu einer grausamen Tat hinreißen ließ. Erst nach ihrem Tod findet ihre Schwiegertochter Kaarina einen Brief, der die entsetzliche Wahrheit ans Licht bringt. Er erzählt von einer Familientragödie, die schon fast hundert Jahre zuvor mit Lahjas Mutter ihren Anfang genommen hat …
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


"Wege, die sich kreuzen" ist ein eindringlicher Roman. Vier Personen verschiedener Generationen, alle einer Familie zugehörig, werden dargestellt, spiegeln die Probleme ihrer jeweiligen Zeit, des zweiten Weltkriegs und seiner Folgen. Erzählt wird auf vier Ebenen, in sich überschneidenden Jahrzehnten.

Jede Handlung zieht einen Schweif an ungeahnten Folgen hinter sich her. Folgen, die sich manchmal über Generationen hinziehen, deren Last von mehreren Generationen getragen wird. Hin und wieder kommt es auch vor, dass etwas von einer Generation als Glück, von der anderen aber als schwere Bürde empfunden wird. 

Maria ist Hebamme, alleinerziehend, weil sie es so wollte. Ein Kind, das war ihr Wunsch, nicht aber der Mann dazu. Sie muss sich durchboxen, kommt aber zurecht, in den Anfängen des 20. Jahrhunderts, in der ihre größten Gegner Kälte und Unwissenheit sind. Lebt nach ihren Vorstellungen, so gut wie möglich, getrieben von Wünschen und Hoffnung. 

Ihre Tochter Lahja empfindet den Lebensstil der Mutter nicht als unangenehm. Zumindest nicht für die Mutter. Sie selbst möchte aber nicht so leben. Sie möchte einen Mann, der ihr unter die Arme greift, der ein guter Vater ist, der ihr zur Seite steht. Diesen Mann findet sie in Onni, der ihr all diese Wünsche erfüllt. Und doch gibt es eine tiefe Kluft zwischen ihnen. Eine Dunkelheit, die weder Lahja, noch sie beide als Paar füllen können. 

Es ist diese Dunkelheit, die Lahja mehr und mehr einhüllt und mit ihr alle Beziehungsgeflechte zu kommenden Personen. Ihrer Schwiegertochter Kaarina, die ebenfalls eine der Erzählebenen einnimmt, wird nie richtig warm mit Lahja, die sich mehr und mehr in Starrsinn und negativen Gedanken verkriecht.

Onnis Erzählebene sorgt für erkennen, begreifen, verstehen. Kinnunen rundet damit, dass er ihn zuletzt zu Wort kommen lässt, das Buch perfekt ab. Hat bis dahin die Spannung hochgezogen und wirft dann den Leserinnen und Lesern die Geheimnisse von Onnis Seele vor die Füße. Die Dunkelheit, die ihn seit dem Krieg begleitet, die Schreie, das Blut, die ihn verfolgen und der Wunsch davon wegzukommen, ein Leben zu führen, das mit seinem nichts mehr zu tun hat.

Obwohl der Erzählstil während des kompletten Romans gleichbleibend klar ist, mit kurzen Sätzen, hinter denen viel steckt, gelingt es Kinnunen jeder der Personen eine eigene Sprache zu verleihen, jede Erzählebene mit einer eigenen Atmosphäre zu versehen. Mal kühl und düster, mal kraftvoll, mal verständnisvoll, mal hoffnungslos. 

"Wege, die sich kreuzen" ist eine lesenswerte Annäherung an das was Krieg und Gewalt mit Menschen machen. Wie Schicksalsschläge Familien hinterlassen, wie sie Generationen beeinflussen. "Wege, die sich kreuzen" erzählt aber auch von der Kraft, die in einer Persönlichkeit steckt, und der Kraft von Wünschen, deren Erfüllung nicht immer zu einem positiven Verlauf führt, auch wenn der Gedanke dahinter noch so rein ist.


Buchinfo:

Penguin (2019)
352 Seiten
Taschenbuch
10,00 €
ÜBERSETZUNG: Angela Plöger



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

17.09.19

Wir von der anderen Seite | Anika Decker




Als Rahel Wald aus einem heftigen Fiebertraum erwacht, versteht sie erst mal gar nichts. Wo ist sie, warum ist es so laut hier, was sind das für Schläuche überall. Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie ist im Krankenhaus, sie lag im Koma. Doch richtig krank sein, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt: feierlicher, ja, heiliger. Als Komödienautorin kennt sich Rahel durchaus mit schrägen Figuren und absurden Situationen aus, aber so eine Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist dann doch noch mal eine eigene Nummer. Vor allem, wenn der Medikamentenentzug Albträume und winkende Eichhörnchen hervorruft. Zum Glück kann sie sich auf die bedingungslose Unterstützung ihrer verrückten Familie verlassen, die immer für sie da ist. Und noch etwas wird Rahel immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Von jetzt an nimmt sie es selbst in die Hand.
(Text & Cover: © Ullstein; Foto: © N. Eppner)


Wir von der anderen Seite - diejenigen, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind, aber auch diejenigen, die mit ihrer Krankheit so viel Lebenszeit verbringen, dass sie in einem eigenen kleinen Organismus leben. So wie Anika Decker, die wie ihre Protagonistin Rahel, für einige Tage im künstlichen Koma lag. "Wir von der anderen Seite" ist kein autobiografischer Roman, aber Anika Decker weiß, was es bedeutet, wenn die andere Seite viel Raum einnimmt und das eigentliche Leben in der Warteschleife hängt.

Der Roman beginnt mit Rahels Erwachen aus dem Koma. Ihre Erinnerung an die Zeit davor ist blass und schemenhaft, ihre Eltern, die täglich an ihrem Bett saßen, über sie wachten, Rahels Lebenswillen einzäunten, damit er an ihr Haften blieb und sich nicht plötzlich davon schlich, können ihr nicht so Recht Auskunft geben. Rahel selbst kann ihren aktuellen Gesundheitszustand gar nicht so recht einordnen. Ist verblüfft, dass ihre Muskeln nicht mehr funktionieren, ihr Körper so schwach und auf technische, sowie menschliche Hilfe angewiesen ist. Nicht mal einen Löffel kann sie mehr heben. Das Koma hat all ihre Kraft aufgefressen, ihre Muskeln abgenagt, aber ihr Wille ist noch da und den versucht sie nach und nach wieder aufzubauen.

Nach wenigen Seiten des Romans habe ich einen Kloß im Hals. "So schnell kann's gehen" ist keine leere Phrase. Es kann tatsächlich so schnell gehen und von einem Moment auf den anderen steht dein Leben Kopf. Ist nicht mehr so wie es einmal war. Du bist nicht mehr der Mensch, der du einmal warst. Bist entkräftet, aber irgendwie auch gestärkt. 

Anika Decker ist Drehbuchautorin und bekannt für heitere Filme wie "Keinohrhasen". Ihr Humor ist ihr zum Glück auch während ihrer Erkrankung nicht abhanden gekommen und so gibt es in "Wir von der anderen Seite" einiges zu lachen. Viel Ironie und Situationskomik. "Wir von der anderen Seite" ist aber keine Komödie. Das Buch dreht sich um ein sehr ernstes Thema. Ist tiefgründig und vermittelt einen sehr guten Einblick in den Alltag eines Menschen, der/die täglich mit einer schweren Krankheit oder mit Reha konfrontiert wird. Es macht mich nachdenklich, manchmal traurig und holt mich aus jedem Gedankentief, in das es mich stürzt, auch wieder heraus. Decker gelingt es in höchstem Maße Angst mit Humor zu begegnen. 

"Wir von der anderen Seite" ist ein tolles Buch, das für Verständnis sorgt, das mich aber auch sehr berührt und toll unterhalten hat. Es ist ein Roman über die Höhen und Tiefen des Lebens, zeigt, dass wir eben jenes nicht vergeuden sollten, macht Mut und schürt Hoffnung, ohne zu ernst oder zu belehrend zu sein. Eine klare Leseempfehlung für Rahel Wald und ihren weg zurück ins Leben.


Buchinfo:

Ullstein (2019)
384 Seiten
Hardcover
20,00 €


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

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