08.03.18

Die Abschaffung der Mutter | Alina Bronsky & Denise Wilk




Eine Schwangerschaftsvorsorge, die in Entmündigung gipfelt. Geburten, bei denen es vor allem um eines geht: (Kosten-)Effizienz. Ein Wochenbett, das seinen Namen nicht mehr verdient. Stillen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit und keinesfalls zu lange. Väter, die versuchen, die bessere Mutter zu sein. Eine Politik, die alles dafür tut, Kinder so schnell wie möglich in die Krippe zu stecken. Die Verunsicherung von Müttern als Geschäftsmodell. Wertschätzung? Unterstützung? Fehlanzeige.

Wer sich heute als Frau für ein Kind entscheidet, der muss verrückt sein, so könnte man meinen. Denn Mütter werden in unserer Gesellschaft zunehmend bevormundet, kleingehalten und überwacht. Jegliche Kompetenz mit dem eigenen Kind wird ihnen abgesprochen. Wer im Beruf ernstgenommen und von seinem Umfeld anerkannt werden möchte, der lässt seine Bedürfnisse als Mutter unter den Tisch fallen. Denn eines will man auf gar keinen Fall sein: eine Glucke. Schritt für Schritt vollzieht sich so die Abschaffung der Mutter. In ihrem Buch liefern Alina Bronsky und Denise Wilk eine schonungslose Analyse der Entwicklungen. Pointiert und zugespitzt schildern sie, wer die Nutznießer sind, und fragen, was sich ändern muss, damit Mütter wieder den Rückhalt bekommen, den sie verdienen.(Text & Cover: © Randomhouse)


Mutter und Karrierefrau gleichzeitig zu sein, scheint heute nicht mehr zur Debatte zu stehen. Eine Mutter möchte nicht mehr nur Zuhause sein und sich ausgiebig um ihre Familie kümmern. Nein, sie will auf jeden Fall auch arbeiten gehen und trotzdem das Kind perfekt erziehen. Ein Spagat, der sich nicht immer als einfach erweist. Und ist das wirklich der Wunsch ALLER Mütter?

Alina Bronsky und Denise Wilk kreiden an, dass Mütter in der heutigen Zeit von mehreren Instanzen - Gesellschaft sowie Staat (finanzielle Gründe) - quasi dazu genötigt werden arbeiten zu gehen und sehen sich selbst als wichtigsten Bezugspunkt ihrer Kinder. 

Aussagen, die ich nachvollziehen kann, denn ich sehe als Mutter und als Pädagogin wie wichtig das familiäre Umfeld für die kindliche Entwicklung ist. Das ersetzt nun mal keine Kindergartengruppe. Ob die Schäden so drastisch sind, wie Wilk und Bronsky sie darstellen sei mal dahin gestellt, denn es gibt durchaus auch Kinder, die im Hort besser aufgehoben sind, als bei den eigenen Eltern.

Und genau das ist das Problem. Wilk und Bronsky sehen eine Seite der Elternschaft - ihre eigene - und vertreten diese mit nicht repräsentativen Studien (hauptsächlich eigenen Erfahrungen und Empfindungen), statt die Toleranz auszuspielen, die sie anprangern. 

Die Frage ist, ob man das Thema überhaupt objektiv sehen und niederschreiben kann oder ob es immer eine Verlagerung in eine Sparte der Mutterschaft gibt. Es gibt kein richtig und kein falsch in der Erziehung. Diese sollte individuell und auf die Bedürfnisse von Kind und Eltern abgestimmt sein. Schwarz-weiß denken sorgt weder für Aufklärung, noch für Akzeptanz. Trotzdem wünsche auch ich mir mehr Verständnis, Anerkennung und Unterstützung für uns Mütter, die wir gerne die ersten Jahre unseres Kindes Zuhause verbringen. Auch wenn das oftmals Verzicht bedeutet. Unsere Kinder sind die Gesellschaft von morgen. Dass diese Tatsache noch nicht in allen Köpfen angekommen ist, ist das größte Manko von allen.


Buchinfo:

DVA (2016)
256 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
17,99 €



Kommentare:

  1. Hallo Nanni,

    deine Rezension gefällt mir sehr! Auch ich finde, dass heutzutage einiges schief läuft aber Pauschalisierungen helfen nicht Probleme zu lösen. Jeder Mensch ist anders, jede Mutter und auch jedes Kind ist anders und hat unterschiedliche Anforderungen. Jeder Alltag ist anders und somit benötigt auch jede Familie und jedes Kind ein speziell auf sie angepasstes Angebot. Viel helfen würde schonmal, wenn auf den Müttern nicht immer rumgehackt werden würde. Kriegt sie ein Kind, ist es zu wenig, kriegt sie mehr, schon wieder asozial. Geht sie arbeiten, ist sie karrieregeil, geht sie nicht ist sie faul und macht sich nen schönen Lenz. Bringt sie das Kind in die Kita oder zur Tagesmutter ist sie egoistisch, bringt sie es nicht, schottet sie es von sozialen Kontakten ab. Stillt sie, verzieht sie das Kind, gibt sie ihm das Fläschchen, gibt sie ihm nicht genug Nähe und die wichtigsten Nährstoffe. Würde man mal mehr auf den Instinkt jeder einzelnen Mutter vertrauen, wären wir schon viele Schritte weiter.

    GlG vom monerl

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    1. Hallo,

      vielen Dank für deinen Kommentar :)

      Das ist ja prinzipiell ein Problem unserer Gesellschaft. An Allem und Jedem wird herum kritisiert, vernünftige Lösungsvorschläge hat aber auch keiner.
      Individualität wird groß rausgeschrien, aber dann ist man doch zu engstirnig, um tolerant zu sein und bleibt in seiner Schublade stecken.
      Ich finde so was unfassbar nervig. So lange es nicht zu lasten anderer geht, Kinder vernünftig betreut und versorgt werden, sollten wir leben und leben lassen :)

      Ich bin auch echt ein bisschen enttäuscht vom Buch, da ich mir erhofft hatte, dass die beiden Autorinnen vernünftig für eine Situation einstehen, die mich ebenfalls betrifft. Ich bin gerne Mutter, bin gerne Zuhause bei meinem Kind und gehe nun mal darin auf, wenn ich für meine Familie lecker kochen und backen kann, mit meiner Tochter bastel oder male, vorlese oder ihr die Welt erkläre. Es wäre einfach schön, wenn der Status Mutter mehr Anerkennung bekommen würde. Das würde es auch für die Mütter einfacher machen, die nicht Zuhause bleiben, sondern früh wieder arbeiten gehen. Oftmals sind Chefs und Kollegen nämlich genervt, weil Mütter eben doch hin und wieder bei kranken Kind Zuhause bleiben müssen, Urlaub zu Ferienzeiten brauchen und, und, und. Würde man den Posten Mutter als wichtige Position der Gesellschaft sehen, würde das einiges verändern. Mutter als Mutter und nicht Mutter als Frau in Erziehungsurlaub, als Frau mit Kind und Job oder wie auch immer :)

      Liebe Grüße,
      Nanni

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Nanni

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