13.05.18

Buchtipps zum Muttertag (nicht nur für Mütter / Frauen)




Heute stelle ich dir vier lesenswerte Bücher vor. Vier starke Romane, geschrieben von vier starken Frauen. Natürlich können (sollten) sie auch von Männern gelesen werden.







Ein Roman mit Charisma:

"Töchter" | Lucy Fricke

Marthas Vater beschließt zu sterben. Der Krebs wird ihn auffressen - so viel ist klar, doch er möchte ihm zuvor kommen und bittet seine Tochter ihn in die Schweiz zu begleiten, wo er in einer Klinik den Tod nach eigener Entscheidung wählen wird. Ein schwerer Weg, den Martha keinesfalls allein schaffen kann. Ihre Freundin Betty ist die Retterin in der Not. Doch statt in der Schweiz landen sie ganz woanders. In der eigenen Vergangenheit, in der eigenen Persönlichkeit, in Gegenwart und Zukunft des eigenen Handelns und der Frage warum sie denn eigentlich so sind, wie sie sind.

Lucy Frickes neuster Roman wurde in den Kritiken viel gelobt. Das zu Recht, denn das Buch hat einen ganz eigenen Charakter, eine ganz eigensinnige Ausstrahlung, bietet Unterhaltung, Drama und Geborgenheit. Wiedererkennungswert in Situationen, in denen wir selbst eine falsche Abzweigung des Lebenswegs gewählt oder zumindest nicht so richtig über Alternativen nachgedacht haben.

Ich mag sehr gerne Bücher, die sich damit auseinandersetzen was wir sind und wie wir dazu geworden sind. Wie viel Einfluss haben unsere Eltern, deren Lebensstil, wie viel wird uns seit Generationen übergeben, ohne dass wir uns dagegen können. Dagegen wehren wollen. Ab wann haben wir die Möglichkeit, ab wann sollten wir unser Leben selbst in die Hand nehmen? Selbst bestimmen, wer wir sind.

Tiefgründige Fragen über unser eigenes Ich. Mit Humor niedergeschrieben. Nicht mit dem klassischen Witz, der flach und banal Floskeln wiederkäut, sondern mit viel Raffinesse und Schläue. Ein Humor, der mich an der richtigen Stelle packt, mich nicht nur vor Fröhlichkeit lachen lässt, sondern auch vor Trauer und Verzweiflung. Vor Sehnsucht und Erkennen.

"Töchter" ist ein Roman über zwei Freundinnen, die wissen, was sie aneinander haben. Die eine Freundschaft pflegen, wie es nur beste Freundinnen können. Wie das abläuft, muss ich hoffentlich niemandem erzählen, denn solch eine Freundschaft sollte einfach jede (r) haben.

Rowohlt | 2018 | 20,00 €









Starke Frau über starke Frauen:

"Das Marillenmädchen" | Beate Teresa Hanika

Ich mag die Bücher der sympathischen Autorin Beate Teresa Hanika sehr. Ihre Schreibe gleicht einem Seelenstreicheln. Tiefgründig, kraftvoll und fein, poetisch zugleich. Völlig gleich, in welchem Genre sie sich bewegt oder für welches Zielpublikum sie schreibt - mich berührt sie immer.

Mit Elisabetta und Pola hat Hanika zwei sehr eigenwillige Protagonistinnen konzipiert. Beide tragen eine schwere Last. Die eine die des Überlebens, die andere die des anders seins.

Beide sind Opfer des Kriegs, der lange nachhallt. Schuld und Wut verbleiben über mehrere Generationen in den Familien. Alle sind auf der Suche nach Vergebung, nach der Möglichkeit der Verarbeitung, die gar nicht so einfach ist, denn zunächst einmal muss man sie erkennen und verstehen, dass sie auferlegt wurde, ohne, dass man sie verdient hat.

Der Lebensweg von Pola ist eng mit dem Elisabettas verknüpft. Ist es Schicksal oder sind es die Geister der Vergangenheit, die dafür gesorgt haben, dass sich diese beiden Frauen über den Weg laufen. In ihrem Miteinander finden sie Heilung von all den Schmerzen, die ihnen in ihrem bisherigen Leben zugefügt wurden. Sie verstehen. Einander. Sich selbst. Die Träume, die sie quälen.

"Das Marillenmädchen" ist ein wunderbares Buch, bewegend und mit diesem gewissen Unterton, der zeigt, dass eine starke Frau über starke Frauen schreibt. 


BTB | 2016 | 19,99 €







Achtsamkeit, Geborgenheit und Inspiration:

"Wildrosensommer" | Gabriella Engelmann

In Gabriella Engelmanns Erzählton in "Wildrosensommer" (man sagte mir, der Roman unterscheidet sich von ihren anderen) schwingt anfangs eine leichte Melancholie mit. Geschuldet dem harten Schicksalsschlag, dem Aurelia ausgesetzt ist und der sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Von Anfang an wird die Schreibe von Hoffnung begleitet, die sich mehr und mehr durchsetzt und den Roman letztendlich zu einer lebensbejahenden Geschichte werden lässt, die aufzeigt, dass es in jedem Dunkel einen Lichtblick gibt. Nicht auf der Trauer sitzen bleiben, lautet die Devise, sondern für das eigene Glück einstehen, notfalls kämpfen.

Das Setting der Vierlande, einem Gebiet von Hamburg, hat mir so gut gefallen, dass ich nun gerne einmal dorthin reisen würde, obwohl mich die Gegend bisher gar nicht interessiert hat. Überhaupt ist der Roman unheimlich inspirierend. Urlaub auf dem Hausboot, Rosenlikör und Rosenmarmelade, all das geistert nach wie vor in meinem Kopf herum. Überlegungen wie man all das im Sommer umsetzen könnte, sind noch nicht abgeschlossen.

"Wildrosensommer" stand schon eine ganze Weile in meinem Regal. Ich habe es genau zum richtigen Zeitpunkt herausgezogen. Es war, als hätte mich das Buch gefunden, als wäre ich mit solch einer wundervollen Geschichte, mit Protagonisten, die Mut machen und dem Leben ein "Ja" entgegen schleudern, beschenkt worden. "Wildrosensommer" ist für mich ein Herzensbuch, für das ich sehr dankbar bin.


Knaur TB | 2016 | 9,99 €







Die liebe Familie:

"Das Nest" | Cynthia D'Aprix Sweeney

„Das Nest“ ist das Erbe des Plumb Vaters. Ein solcher Batzen Geld, dass es den vier Plumb - Geschwistern schon beim Gedanken daran die Sinne vernebelt. Das Nest bietet ihnen nicht nur materielle Sicherheit, sondern steht für sie tatsächlich für das was der Begriff „Nest“ inhaltlich bedeutet – Geborgenheit, Schutz, Rückzugsort. Grundbedürfnisse, die weder vom zu früh verstorbenen Vater, noch von der kühlen, egoistischen Mutter erfüllt wurden und mehr und mehr durch Ansehen, Wohlstand und ausufernde Lebensweise ersetzt wurden.

Dennoch bleibt das Nest eben etwas materielles, ersetzt nicht das, was die Plumbs sich tief in ihrem Herzen wünschen. Dennoch fahren sie all die Jahre auf der Schiene des Reichtums, den sie aber nur theoretisch besitzen. Ihr Leben gleicht einer Fantasiereise, jeder lebt in einer eigenen Welt, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit und verlässt sich auf die Plumbsche Fähigkeit andere zu blenden und sich selbst zu belügen.

Mit Verlust des Geldes sackt ihnen der Boden unter den Füßen weg. Der Himmel bricht auf und sie müssen sich der Realität stellen. Ein steiniger Weg, den Autorin Cynthia D'Aprix Sweeney mit unfassbar starkem Sog darstellt. „Das Nest“ aus der Hand zu legen ist schwierig. Den Plumbs zu wiederstehen ebenfalls. Es ist ein wenig eine Mischung aus Tratsch, Voyeurismus und dem Wunsch, dass es liebgewonnenen Charakteren gut geht, die dafür sorgen, dass D'Aprix Sweeneys Debüt so mitreissend ist.

In lockerem Tonfall plaudert sie über eine Familie, wie wir sie allerorts finden. Nicht mit so viel Geld im Rücken, aber mit ähnlich vielen Geheimnissen. Wer macht sich wirklich vor seiner Familie nackig? Möchten wir nicht alle lieber im Schein des Glanzes verweilen, den wir uns mühevoll aufgebaut haben? Und sehnen wir uns gleichzeitig nicht trotzdem danach, dass uns jemand sieht, wie wir wirklich sind?

Es bedarf Vertrauen und Freiheit, um sich zu einem zufriedenen und glücklichen Menschen zu entwickeln. Eine Fähigkeit, die nur im Rahmen von funktionierenden zwischenmenschlichen Konstrukten möglich ist und die ganz sicher nicht durch materielle Stützen ersetzt werden kann. Ein faszinierender Roman, an dem keiner vorbeikommt.


Klett Cotta | 2016 | 19,95 €

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