16.07.19

Die Königin der Schatten | Erika Johansen




Ein Königreich, das seit vielen Jahren von mächtigen Feinden bedroht wird. Eine junge Herrscherin, die von einem Tag auf den anderen die Verantwortung für Tausende von Menschen übernehmen muss. Und eine uralte Magie, die das Potenzial in sich birgt, ganze Welten zu retten oder zu zerstören ... Für Kelsea Raleigh ist nichts so, wie es sein sollte: Sie hat nie darum gebeten, mit neunzehn Jahren die Königin eines bettelarmen Landes zu werden. Niemand hat sie auf den Hass, der ihr am eigenen Hof entgegenschlägt, vorbereitet. Und nie hätte sie gedacht, dass zwei grundverschiedene Männer die Zukunft ihrer Regentschaft mitbestimmen werden. Hin zum Licht oder hin zum Dunkel ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Ich muss gestehen: nach den ersten Seiten habe ich mich gefragt warum alle so begeistert von "Die Königin der Schatten" sind? Die Schreibe ist direkt, liest sich schnell, ist aber eher einfach, fast banal. Mir fehlt es an Komplexität, meiner Meinung nach gibt es einige Widersprüche in der Beschreibung der Protagonisten, besonders was die Hauptfigur betrifft bin ich unsicher, ob ich sie eher mutig oder eher unbeholfen dargestellt werden soll. Zum Glück werde ich überredet weiterzulesen.

Im Buch gibt es einen optischen Wechsel. Das "Zweites Buch" beginnt. Die Handlung nimmt rasant an Spannung zu und birgt Geheimnisse, die mich überraschen und mit Wucht treffen. Johansen ist nicht zimperlich. Es fließt Blut, die Stimmung wird düsterer, fast bedrückend. Das Königreich Tearling wird beherrscht von Gewalt. Vor allem von Gewalt, die sich gegen Frauen und Kinder richtet. Hier findet die direkte Sprache ihre Heimat und verhilft zu schockierenden Momenten und bringt die Fantasie übel in Gang.

Obwohl Johansen eher nicht komplex schreibt, stößt sie viele Gedanken und Ideen an. Beginnend beim Setting, das eher ungewöhnlich ist, eigentlich historisch anmutet, aber in einer Zukunft spielt, in der alle Technik aus der Welt verbannt wurde. In der Erfindungen verschleppt und zerstört wurden. Das löst bei mir so ein "Was wäre wenn..."-Gefühl aus und ich frage mich, ob die Historie des Landes Tearling wohl noch eine tragende Rolle spielen wird.

Die Rollen der Frauen im Buch sind auf verschiedene gesellschaftliche Ebenen verteilt. Es gibt besonders starke, aber auch solche, die ganz klar aufzeigen, dass auch unter einer weiblichen Führungskraft ein Patriarchat herrschen kann. Mit Kelsea startet die Autorin in ein eher feministisches Gedankengut, das sie auch gut vermitteln kann, ohne den Zeigefinger zu erheben.

Die Autorin wurde von einer Rede Obamas über Freiheit zu ihrem Buch inspiriert und das dies eins ihrer zentralen Themen ist, wird ganz klar deutlich. Verschiedene Stufen von Freiheit, verschiedene Arten von Freiheit finden hier Raum. Einige werden sehr direkt dargestellt, andere sind schon eher versteckt und können von Leserinnen und Lesern als Gedankenanstoss aufgenommen werden.

Mit der Sprache der Autorin hadere ich leider bis zum Ende. Trotzdem konnte sie mich mit dem Auftakt ihrer Trilogie fesseln. Da sie einige Ideen angestoßen hat, sind meine Erwartungen an Band 2 und 3 allerdings sehr hoch. Mal schauen, ob diese erfüllt werden können.


Buchinfo:

Heyne (2018)
544 Seiten
Taschenbuch
9,99 €
ÜBERSETZUNG: Katrin Wolf

Reiheninfo:

1. Die Königin der Schatten


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

12.07.19

Weltenwanderer 02: Die Verzauberung der Schatten | V. E. Schwab




»Die Verzauberung der Schatten« ist der zweite Band der Weltenwanderer-Trilogie von V. E. Schwab rund um den Antari Kell und Trickbetrügerin Delilah Bard. Eine Geschichte voller Magie, Abenteuer – und Piraten.
Die Stadt London gibt es vier Mal – im grauen wohnt die Langeweile, im weißen der Hass und im schwarzen das Nichts. Doch im Roten London, da wohnt die Magie …
Vier Monate ist es her, dass Kell gegen die dunkelste Form der Magie gekämpft hat. Noch immer leidet der Antari unter Albträumen, und die gewiefte Taschendiebin Delilah Bard, kurz Lila, geht ihm einfach nicht aus dem Kopf. Sie hat sich inzwischen jedoch einen Traum erfüllt: Sie segelt mit dem Nachtfalken über die Meere der Welt.
Das Rote London steht ganz im Taumel des Spiels der Elemente, einem Turnier, bei dem Magier aus aller Welt ihre Kräfte messen. Auch Kell will antreten. Während zahlreiche Gäste, darunter der berüchtigte Pirat Alucard Emery, in die Stadt kommen, bemerkt jedoch niemand, wie ein anderes London aus seinem düsteren Schlaf erwacht und diejenigen wiederkehren, die als für immer verloren galten.
Ein Abenteuer mit liebenswerten Figuren, düsteren Überraschungen und jeder Menge Wortwitz in der atemberaubenden Welt der vier London.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Was für ein zweiter Band!! Ich bin schwer begeistert. Und völlig gefangen von Schwabs magischer Trilogie, ihrer Fähigkeit Figuren zu konzipieren und eine Welt, die komplex und vielschichtig ist, düster und bunt zugleich.

Mit dem Hörbuch zu "Vier Farben der Magie" habe ich vorm Lesen nochmal mein Gedächtnis aufgefrischt. Band 1 hat es mir anfangs etwas schwer gemacht. Ich konnte die Ausführung nicht direkt in Bilder umzusetzen und fühlte mich daher zunächst etwas Orientierungslos. Da es aber auch schon eine Weile her ist, dass ich "Vier Farben der Magie" las, war das Hörbuch eine gute Option, um eine Brücke zwischen den beiden Büchern zu schlagen. 

In "Die Verzauberung der Schatten" bin ich sofort mit ganzer Kraft der schriftstellerischen Fähigkeiten Schwabs hineingezogen worden. Von der ersten Seite an entsteht eine große Spannung, hervorgerufen durch Delilah Bart, die einfach eine richtig gute Figur ist und die ich in all ihrer Verrücktheit mag. Sie ist etwas Größenwahnsinnig, aber auch rastlos. Angetrieben vom Wunsch zu wissen wer sie ist, hat sie auf einem Piratenschiff angeheuert und segelt damit von einem Abenteuer zum Nächsten. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch sie ins Rote London gelangt, während sich dort alles um das Turnier der Magier dreht. 

Was auf den ersten Blick wie ein Kräftemessen der mit Magie begünstigten wirkt, ist tatsächlich aber auch ein Spielball der Politik, weshalb es von Nöten ist, gewisse Regeln einzuhalten. Von Regeln hält jedoch weder Delilah viel, noch Prinz Rhy. Möglicherweise beschwören sie damit - ohne es zu wollen - etwas hinauf, das in Band 3 "Die Beschwörung des Lichts" seinen Lauf nimmt.

Während mich Band 1 mit einem holprigen Einstieg empfing, ließ mich "Die Verzauberung der Schatten" kaum gehen. Ich war so gefesselt vom Verlauf der Geschichte, so fasziniert von Schwabs Fähigkeit Wege zu bauen, die erkennbar und gleichzeitig überraschend sind, dass ich nach beenden des Romans fast in ein Lesetief fiel. Ich kann es kaum erwarten Band 3 zu lesen, habe aber gleichzeitig Angst davor. Ich möchte so gerne noch einmal in die Magie von Schwabs Geschichte eintauchen, aber eigentlich will ich es auch immer und immer wieder erleben. Ganz große Fantasy, die ich wirklich von Herzen empfehlen möchte.


Buchinfo:

640 Seiten
Taschenbuch
12,00 €
ÜBERSETZUNG: Petra Huber


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

07.07.19

Meine Zeit mit Eleanor | Amy Bloom




Washington, 1932: Die junge Reporterin Lorena Hickok reist in die Hauptstadt, um in der heißen Phase des Wahlkampfs um das Präsidentenamt regelmäßig Einblicke ins Leben des Kandidaten Franklin D. Roosevelt und seiner Frau Eleanor zu liefern. Als Roosevelt wenige Monate später das Rennen für sich entscheidet, zieht „Hick“ ebenfalls ins Weiße Haus ein – und wird zur Geliebten der First Lady.
Eine wahre Geschichte über zwei besondere Frauen mitten im Machtzentrum der USA.
(Text & Cover: © Hoffmann & Campe; Foto: © N. Eppner)


Dies ist die mögliche Liebesgeschichte der Reporterin Lorena Hickock und Eleanor Roosevelt, der Frau von Präsident Franklin D. Roosevelt. Die Geschichte entstammt der Fantasie von Autorin Amy Bloom, ist aber historisch korrekt was Chronologie und einige der darin vorkommenden Figuren angeht. Den Protagonistinnen wurde schon zu Lebzeiten eine Affäre nachgesagt, die aber nie bestätigt wurde. 

Ich ging völlig blauäugig an den Roman "Meine Zeit mit Eleanor", ohne irgendwelches Vorwissen über die Familie von Franklin D. Roosevelt oder seine Person, geschweige denn seine Frau zu haben. Das war einerseits von Vorteil, weil ich vorurteilsfrei an die Erzählung rangehen konnte, andererseits habe ich mich aber oft gefragt, was davon fiktiver und was realer Natur ist. Die Frage stellte ich mir vor allem in Bezug auf die Charaktereigenschaften der Autorin. Am Ende des Romans geht Bloom kurz darauf ein, dass alles, was sie geschrieben hat fiktiv ist. Das versöhnt mich nicht so richtig mit der Frage, ob z.B. Eleanor Roosevelt die großzügige Frau mit unbegrenzter Herzensgüte war, als die sie hier dargestellt wurde. Das hat während des Lesens immer wieder an meinem Lesevergnügen gekratzt, das ansonsten sehr hoch war. "Meine Zeit mit Eleanor" hat mir noch besser gefallen, als Blooms Roman "Wir Glücklichen".

Wenn ich davon ausgehe, dass alle Charaktereigenschaften fiktiv sind, hat Bloom zwei Frauen erschaffen, die von unterschiedlicher Struktur sind. Hick ist rau, abweisend und direkt, geprägt durch ihre karge Vergangenheit, die durchzogen ist von Gewalt und Entbehrungen, von Demütigungen und Ablehnung. In Eleanor findet sie ihren Ruhepol, ihr quiet place, den Menschen, der ihre Wunden heilt, obwohl Eleanor selbst mit Demütigung und Verletzung zu kämpfen hat. Ihr Mann ist ein Schürzenjäger. Geht Affären ein. Langfristig, wenn sie von Nutzen sind, kurzfristig, wenn ihm danach ist. Eleanor - ganz die First Lady - steht weiterhin hinter ihm. Sie repräsentieren die Ehe als Institution, als wichtiges Bindeglied zwischen Volk und Regierung.

Die Liebesgeschichte zwischen Hick und Eleanor ist wunderschön. Frei von Kitsch, aber gezeichnet von der Sehnsucht jemanden zu haben, der die Hand reicht, ohne, dass man darum bitten muss, und berührt, ohne zu berühren. Obwohl Hick ihrer Eleanor nicht ihre gesamte Vergangenheit und damit auch nicht alle Narben ihrer Seele offenbart - zu Eleanors Schutz? 

Es ist die Verbundenheit zweier Frauen in einer Zeit, in der viele Dinge hinter vorgehaltener Hand geschehen, in der man die Augen vor der Wahrheit verschließt und drohendes Unheil wegfeiert. Die Atmosphäre der 20er und 30er Jahre wird von Amy Bloom anhand der Erlebnisse, des Alltags der beiden Frauen lebendig dargestellt. 

Eine festliche Zeitreise, die sich durch Atmosphäre und Emotionen, versteckte Andeutungen auszeichnet und die ich sehr genossen habe.


Buchinfo:

Atlantik (2019)
272 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
20,00 €
ÜBERSETZUNG: Kathrin Razum


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

05.07.19

#fünffragenamfünften | Juli




Heute nehme ich zum allerersten Mal an der #fünffragenamfünften Aktion von Luzia Pimpinella teil, die ich bei Frau Glitzerdings entdeckt habe und die angelehnt ist an das Flow Magazin Büchlein "1000 Fragen an dich selbst". Ein kleiner Selbstfindungstrip mit willkürlichen Fragen zu verschiedenen Themen.


1. Bestellst du im Restaurant immer das Gleiche?

Nö. Zumindest nicht bewusst. Beim Essen probiere ich gerne aus. Probiere gerne neue Gerichte und versuche Ideen zu sammeln für meine eigene Küche. Früher war das ganz anders. Ich mochte nur wenige Sorten Gemüse und habe am liebsten nur das gegessen, was meine Mama gekocht hat. 
An alle verzweifelten Mütter: es gibt Hoffnung.








2. Genierst du dich dafür, dass du bestimmte TV-Formate schaust?

Wieder nö. Ich schaue kaum Fernsehen, sondern lese lieber. Ab und an schaue ich beim Mann mit, wenn er abends mal rechtzeitig Feierabend macht. Das sind dann meistens Serien wie King of Queens oder Pastewka. Über beides kann ich gut lachen. Wenn wir bewusst etwas gemeinsam schauen, dann sind das meist Dokus. Ich versuche keine Serien zu beginnen, weil ich sonst schnell in eine Sucht verfalle (kennste?) und dann nicht mehr zum Lesen komme. In stressigen Zeiten schaue ich gerne mal Gossip Girl, weil ich dabei nicht mitdenken muss. Früher habe ich auch Bauer sucht Frau angeschaut, weil ich ja vom Bauernhof komme und hier und da auch schon mal Landwirte aus der Umgebung teilgenommen haben. Mittlerweile kann ich es aber nicht mehr sehen. Geschämt habe ich mich dafür aber nie.


3. Wann hast du zuletzt deine Frisur geändert?


Kurz vor Weihnachten. 
Ich habe drei mal in meinem Leben meine Haare kürzer als Schulterlang schneiden lassen.
Zuletzt 2018, weil ich durch die Hormonumstellung nach der Schwangerschaft extremen Haarausfall hatte. Aktuell lasse ich sie erstmal wieder wachsen. Mal schauen bis auf welche Länge. 
Farbe habe ich zuletzt vor der Schwangerschaft mit der Räubertochter benutzt. Ich hatte früher so ein Straßenköterblond und mochte es eigentlich mir die Haare dunkel färben/tönen zu lassen. Jetzt trage ich aber wieder meine Naturfarbe, die immer so aussieht, als hätte ich Strähnchen. Außerdem sind schon reichlich graue Haare dazu gekommen. Farbe mag ich eigentlich keine mehr auftragen, wenn ich daran denke was für ein Gift das sein muss, wenn man Sorge haben muss, dass sie ein ungeborenes Baby schädigt. Das muss ich mir nicht unbedingt antun und sollte ich mal zwei Stunden für mich haben (so lang dauert es meine dicken Haare einzufärben), verbringe ich sie lieber woanders, als beim Friseur.





4. Wann hast du zum letzten Mal einen Sonnenaufgang beobachtet?


Das mache ich recht häufig. Ich liebe es früh aufzustehen und genieße die Zeit für mich allein. Am liebsten draußen. Vor den Kindern bin ich im Sommer meistens schon um 5 Uhr aufs Pferd gestiegen und habe dann während des Trainings dem Tag beim Aufwachen zugeschaut. Das habe ich sehr geliebt und deshalb war es für mich absolut klar im Urlaub früh aufzustehen, um in der Ruhe des morgens Energie für den Tag zu tanken (z.B. mit Yoga, bloggen oder lesen).








5. Welches Kunstwerk hat dich stark beeindruckt?


Ich hab in der 11. oder 12. Klasse eine Kunst Facharbeit über Salvador Dalì geschrieben. Ich frage mich heute warum eigentlich, denn ein Pferdethema in Bio wäre ja viel einfacher gewesen. Es einfach zu haben war nämlich der Grund warum ich ausgerechnet Kunst als Facharbeitsfach ausgewählt habe. Ich mochte aber auch Dalìs Werke. Einige mag ich heute noch, andere sind mir zu psychotisch.
Wirklich beeindruckend finde ich einige Bilder, die bei uns Zuhause hängen. Sie zeigen meinen Bruder, das Pferd meiner Mama, meinen Großvater und mich. Gemalt wurden sie von einem Freund meines Opas, einem damals hier relativ bekannten Maler, der Persönlichkeit von Mensch und Tier hervorragend einfangen konnte. Ich liebe diese Bilder.





Das hat Spaß gemacht. Ich werde sicherlich wieder an der Aktion teilnehmen. Wer Lust hat auch mitzumachen, findet alle nötigen Informationen auf dem Blog von Luzia Pimpinella.

03.07.19

Dry | Neal Shusterman & Jarrod Shusterman




Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.Niemand glaubte, dass es so weit kommen würde. Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts. Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben.(Text & Cover: S.Fischerverlage; Foto: N. Eppner)


Im Umgang mit den Ressourcen der Natur müssen wir alle umdenken. Umsichtiger werden. Weniger egoistisch sein. Genau dies macht Neal Shusterman zum Thema der Dystopie "Dry", die er gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat.

Was wäre, wenn wir kein Wasser mehr hätten? Wenn Wasser rationiert wäre und gleichmäßig zwischen Menschen verteilt werden müsste?

In Süd-Kalifornien ist ein Tap-Out ausgesetzt worden. Es kommt kein einziger Tropfen Wasser mehr aus den Leitungen. Wer schnell genug reagiert, kann letzte Trinkwasserreserven aus dem Supermarkt holen. Doch dort ist die Hölle ausgebrochen. Jeder hat Angst nicht schnell genug zu sein. Jeder hat Angst vorm Verdursten. Schnell herrscht gähnende Leere in den Regalen und erste Kämpfe, um das kostbare Gut beginnen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

"Dry" ist beängstigend. Deshalb, weil es nicht so dystopisch ist, wie wir es uns vielleicht wünschen. Weil es verdeutlicht wie wichtig Wasser für uns ist. Und wie verschwenderisch wir damit umgehen. 

Anhand von mehreren Jugendlichen, die als Protagonistinnen und Protagonisten begleitet werden, anhand von verschiedenen Erzählperspektiven, skizzieren die Autoren wie stark der Wassermangel Leben im Einzelnen, aber auch in Systemen wie z.B. Dorfgemeinschaften, beeinflusst. Wie sehr alles in unserem Leben von Wasser abhängig ist. Begonnen bei Trinkwasser über Körperhygiene bis hin zu Landwirtschaft und der Produktion von Alltagsgegenständen.

Es ist erschrecken, was alles passieren könnte. 

Neben dem subtilen Tod durch verdursten, würden Epidemien und Kriege ausbrechen. Kriege, in denen jeder einzelne ums Überleben kämpft, aber auch Kriege, die auf anderen Ebenen ausgetragen werden. In denen soziale Ungleichheit eine maßgebliche Rolle spielen würde. Es ist erschreckend wie schnell Menschen verwahrlosen, wie schnell aus Gewalt angewandt wird, wenn das eigene Überleben auf der Waagschale liegt und wie schnell Macht ausgenutzt wird, ohne auch nur ansatzweise an Gerechtigkeit zu denken.

Neal und Jarrod Shusterman haben ein sehr reales Setting geschaffen, das bedrückend und beängstigend ist. Dass uns warnen möchte und hoffentlich einige von uns zum Überdenken des Wasserkonsums bewegen kann. 

Ich finde es extrem gut, dass Vater und Sohn sich dieses Themas angenommen haben, und hoffe, dass die aufrüttelnde Dystopie viele Leserinnen und Leser findet. Ich persönlich habe allerdings so meine Schwierigkeiten mit Shustermans Idee von Spannung. Wie auch schon die "Vollendet" - Reihe, konnte "Dry" mich zwar durch den konstruktiven Inhalt begeistern, jedoch nicht mit ausgefeilter Spannung.


Buchinfo:

448 Seiten
Paperback
15,00 €
ÜBERSETZUNG: Kristian Lutze, Pauline Kurbasik


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

02.07.19

Das Böse, es bleibt | Luca D'Andrea





Südtirol, im Winter. Marlene ist auf der Flucht, panisch steuert sie ihr Auto durch den Schneesturm. Im Gepäck: ein Beutel mit Saphiren, den sie ihrem skrupellosen Ehemann aus dem Safe entwendet hat. Wegener ist der Kopf einer mafiösen Erpresserbande, und Marlene weiß, dass er seine Killer auf sie hetzen wird. Da stürzt ihr Wagen in eine Schlucht. Marlene erwacht in einer abgelegenen Berghütte, gerettet von einem wortkargen Alten. Bei ihm und seinen Schweinen glaubt sie sich in Sicherheit vor ihrem Mann. Bald jedoch stellt sie mit Entsetzen fest, dass von dem Einsiedler eine noch größere Gefahr ausgeht …(Text & Cover: Randomhouse; Foto: N. Eppner)


Das Böse, es bleibt - egal wie sehr du dagegen ankämpfst. Hat es erst einmal Blut geleckt, kommt es auch wieder zurück. Auch dann, wenn es sich lange Zeit versteckt hat oder verdrängt werden konnte. Du kannst versuchen dir das Böse zu Nutze zu machen. Doch du bist auf sein Wohlgefallen angewiesen. Es lässt sich nicht zwingen, nicht versklaven. Und irgendwann kehrt es sich um und richtet sich gegen dich.

D'Andrea kreiert verschiedene Figuren, deren Wege sich kreuzen. Sie alle haben bereits eine Begegnung mit dem Bösen hinter sich. Mal mehr, mal weniger intensiv. Mal mehr, mal weniger aktiv. Aber man begegnet sich immer zweimal im Leben und so ist es auch mit dem Bösen.

D'Andrea hat eine Atmosphäre erschaffen, die mir unter die Haut kroch. Bedrückend, beängstigend, spannend durch geschickte Handhabung von Andeutungen und dem Spiel mit der Fantasie. Ich hätte das Buch am liebsten in einem Rutsch gelesen, weil es D'Andrea mit Hilfe dieser Stilmittel so sehr gelungen ist, mich zu fesseln. Die bedrückende Atmosphäre des Romans hat mich noch tagelang verfolgt. 

Außerdem ist mir die Protagonistin trotz ihrer Makel in dem Maß ans Herz gewachsen, wie ich andere Figuren des Romans verabscheue oder fürchte.

Die Figuren sind es allerdings auch, die ich als größten Kritikpunkt sehe. Sie sind auf Konstrukten aufgebaut, die Klassiker aus dem Psychologielehrbuch sein könnten. Sie handeln zwar nicht immer vorhersehbar, aber ihre Handlungen werden dann, wenn man die Lebensgeschichten dazu erfährt, so einleuchtend, dass sie schon fast banal und künstlich wirken.

Dennoch habe ich es nicht bereut das Buch zu lesen. Oder vielleicht doch. Ich werde nie mehr einen Südtiroler Erbhof in der Dunkelheit betreten können...


Buchinfo:

DVA (2018)
432 Seiten
Paperback
 15,00 €
ÜBERSETZUNG: Susanne van Volxem, Olaf Matthias Roth


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

30.06.19

[Monatsrückblick] Juni 2019

Heute zählt der Juni seinen letzten Tag. Ich schreibe seit langem mal wieder einen Monatsrückblick. Ganz ohne festen Rahmen und mit der Gewissheit, dass es ungewiss ist, ob ich im nächsten Monat wieder dazu komme. 

Jetzt gerade habe ich mal ein paar Minuten Zeit, drücke mich im abgedunkelten Büro herum, um dem Backofen draußen zu entgehen. Es ist zu heiß für uns Frühlings- und Winterkinder. Das Sommermädchen ist noch zu klein, um auszutesten, ob es seiner Geburtsjahreszeit gerecht wird. Wir versuchen uns abzukühlen mit viel Eis und Leckereien wie Kokosmilchreis mit Fruchtpüree, aber eigentlich schmilzt in der Sonne auch der Appetit.



Milchreis nach Packungsanleitung mit Kokosdrink (hier von Alpro), etwas Vanillemark und ggf. etwas Zucker kochen, Erdbeeren und Mango pürieren, Kokosraspeln und Mandeln als Topping. Schmeckt warm und kalt.


In den letzten Jahren war der Juni immer mein Leseschwächster Monat, in diesem Jahr spielt mir der Urlaub zu, in dem ich mir ausgiebig Lesezeit eingeräumt habe. Und jetzt, back home, sind wir bewegungsunfähig. Bei diesen Temperaturen verbringen wir viel Zeit im sitzen. Im Idealfall mit Buch oder im Pool.


JUNI:
34) "Kurt" | Sarah Kuttner | S. Fischerverlage
35) "Hurentochter. Die Distel von Glasgow" | Tabea König | Piper
36) "Das Böse, es bleibt" | Luca D'Andrea | DVA
37) "Die Liebe im Ernstfall" | Daniela Krien | Diogenes
38) "Ganymed erwacht" | Joshua Tree | Belle Èpoque
39) "Meine Zeit mit Eleanor" | Amy Bloom | Atlantik
40) "Die Pferde von Eldenau. Mähnen im Wind" | Theresa Czerny | Magellan
41) "Das Handelshaus" | Axel S. Meyer | Rowohlt
42) "Selige Witwen" | Ingrid Noll | Diogenes
43) "Das Mädchen aus Brooklyn" | Guillaume Musso | Piper

HÖRBÜCHER:



  • "Drei Schritte zu dir" | Rachael Lippincott (Sprecher: Maximiliane Häcke, Dirk Petrick) | Der Audio Verlag
  • "Vier Farben der Magie" | V. E. Schwab (Sprecher: Peter Lontzek) | Argon Hörbuch

(es fehlt "Meine Zeit mit Eleanor")


Mir hat tatsächlich jedes meiner gelesenen Bücher richtig gut gefallen. Einige noch ein bisschen mehr, als andere, aber durchweg konnten mich alle auf ihre Art begeistern.

Kuttner und Krien mit ganz, ganz viel echtem Leben, das sich an manchen Stellen so sehr nach meinem eigenen anfühlte und an anderen den Wunsch entfachte so etwas nie erleben zu wollen. 
König, Bloom und Meyer entführten mich auf ein, zwei, drei Reisen durch die Zeit, in andere Länder und andere Lebensweisen. Jede einzelne war spannend, lehrreich, empfehlenswert.
D'Andrea und Musso haben gemordet und meine Seele durchkämmt, so dass ich schlaflos immer wieder zu ihnen zurückkehrte. Brutalität und Atmosphäre waren es, die mir unter die Haut gingen.
Tree war ein interessanter Ausflug in die SciFi, ins Weltall und geprägt von schneller Action á la Bruce Willis.
Czerny hat mich zurückkatapultiert in meine Jugend, in der ich Pferdebücher verschlungen habe. Trotz kleiner Kritik, die von der Autorin gut aufgegriffen und erklärt wurde, werde ich das Buch in der kommenden Rezi weiterempfehlen. Für zwei starke Protagonisten ist ja immer Platz im Regal.
Und Ingrid Noll ist ja einfach meine Entdeckung des Jahres. In "Selige Witwen" gab's ein Wiedersehen mit alten Bekannten und altbekannten, feinen schwarzen Humor.




Zwei Hörbücher habe ich gehört. 
Schwab zur Wiederauffrischung um mit Band 2 der Weltenwanderer Trilogie in den Juli zu starten und Lippincott, die mich seit langem mal wieder dazu gekriegt hat einen Jugendroman des Untergenres Sick Lit zu hören und auch zu mögen. Sehr zu mögen. 


Wie war dein Lesejuni? 
Welches Buch war dein Highlight?


Im Juni gab es auf dem Blog noch einen weiteren Rückblick bzw. einen Zwischenbericht zu meinem Beitrag über Konsumruhe und eine Vorschau auf meinen Lesejuli. Ich hab mir mal wieder eine Liste zusammengestellt. Eine ganz besondere ... (stell dir beim letzten Satz bitte vor wie ich verschwörerisch die Stimme senke)






Mit ein paar Bildern aus unserer Ferienzeit in Südtirol, die sicher nicht nur meine Sehnsucht nach einem weiteren Urlaub in den Bergen entfachen, verabschiede ich mich vom Juni und wünsche dir, mir, uns allen, einen spannenden, entspannten, Seitenreichen und sommerlichen Juli.

Südtirol erobern



Dieser Ausblick...



Einer unserer Lieblingsplätze. Vigiljoch



Highlight der Ferienwohnung: Katzenbabys



Ich fahre so gerne Sessellift.



Perfect Place



Brotzeit. Die Kinder fanden es richtig super. Die kleine Raupe hat ihren ersten Kaminwurz (Mettwürstchen) genuckelt.


Auf diesem Foto ist es 9.30 Uhr. Zu dem Zeitpunkt bin ich bereits 1,5 Stunden gewandert (allein) und habe etwa 400 Höhenmeter hinter mich gebracht. Bevor ich weiterlaufe, um Mann und Kinder zu treffen, gönne ich mir einen Kaffe, ein paar Seiten in "Die Liebe im Ernstfall" und den Ausblick auf die Berge.



Wir sind viel gewandert. Die Kinder haben wir auf dem Rücken getragen (Räubertochter in der Kids Comfort III von Deuter, kleine Raupe in der Emai Trage), aber die Räubertochter ist auch schon ordentlich viel selbst gelaufen und hatte besonders viel Freude beim Klettern.


Die kleine Raupe war auch reichlich in Bewegung. Meistens auf allen Vieren (deshalb war sie auch IMMER dreckig :D ), aber oft auch schon laufend an unseren Händen.



Kaffee, Buch, Spielplatz.
So haben wir den Urlaub in höchstem Maße genossen.


Regionale Gerichte sind im Urlaub ein Muss.
Bestes: Apfelstrudel!



Ich mag es so sehr in dieses Tal zu schauen und mir vorzustellen wie vor Milliarden von Jahren Wasser durch die Berge floss und den Stein so aushöhlte, dass eben diese Geografie entstand.


27.06.19

Ganymed erwacht | Joshua Tree




Im Jahr 2042 entdecken Astronomen einen lange postulierten neunten Planeten in unserem Sonnensystem. Ein beispielloses Weltraumrennen zwischen zwei mächtigen Megakonzernen beginnt, die als erste ihre Sonden zu dem Himmelskörper in der Dunkelheit jenseits Neptuns bringen wollen. Als die Robotersonden nach vielen Jahren mit Bodenproben aus dem äußeren System zurückkehren, stürzt eine davon auf Ganymed ab und zerstört dabei eine Forschungsstation. Nachdem der Kontakt zu dem Jupitermond abbricht, erreicht eine zweite Probe die Erde, auf der schon bald Konflikte um die Herrschaft eines Materials ausbrechen, das sämtliche Forscher vor Rätsel stellt.
Inmitten des ausbrechenden Chaos begibt sich die Astronautin Rachel Ferreira an Bord eines Raumschiffes mit führenden Wissenschaftlern, um das mysteriöse Schweigen Ganymeds zu untersuchen. Auf der Erde wird derweil ein Söldnerteam in den Konflikt um die Kontrolle einer möglicherweise außerirdischen Technologie gezogen und deckt nach und nach eine Verschwörung auf, die an den Fundamenten der Zukunft rütteln könnte.
(Text & Cover: © Joshua Tree; Foto: N. Eppner)


Vorm Lesen hatte ich ein wenig Bedenken, ob mir "Ganymed erwacht" nicht vielleicht ein wenig zu wissenschaftlich oder zu technisch angehaucht sein könnte. Aber die Leseprobe hatte mir schon verraten, dass die Schreibe des Autors Grund genug ist die persönliche Lesekomfortzone zu verlassen.

"Ganymed erwacht" spielt in einem spannenden politischen Setting. Es gibt keine Regierung mehr, wie wir sie kennen. Große Konzerne haben sich zusammengeschlossen und nun gibt es vier große Konzernmachten, die eigentlich alles Wirtschaftliche steuern. Diesen Gedankengang finde ich richtig interessant. Schon jetzt sind wir von vielen Konzernen abhängiger, als wir glauben. Konzerne geben Studien in Auftrag, die sich mit Gesundheit beschäftigen und manipulieren uns damit so, dass wir uns in die von ihnen gewünschte Richtung bewegen. Und wenn ich daran denke, welche Macht ein Konzern wie Nestlé in Hinblick auf die Wasserversorgung eines ganzen Landes ausübt, wird mir ganz übel. Der Background der Geschichte ist also nicht von ungefähr hergeholt, sondern eher ein "Was wäre wenn in der Zukunft...?"

Ja, was wäre wenn in der Zukunft Konzerne all ihre Macht und ihr Geld ausspielen? Dann könnten diese einfach mal eine Astronautin hin- und herschieben wie sie möchten, untereinander mit deren Leben handeln und ihr einen Auftrag erteilen, den sie nicht ablehnen kann. 

Neben Astronautin Rachel Ferreira gibt es eine weitere Gruppe an Charakteren, die im Mittelpunkt stehen. Das Söldnerteam rund um Theodore, der vom Autor so entwickelt wurde, dass er in einer Verfilmung perfekt von einem jüngeren Bruce Willis dargestellt werden könnte. Theodore ist hart, lässig und hat Herz.

Joshua Tree erzählt auf zwei Ebenen. Im Mittelpunkt der einen Ebene steht Rachel Ferreira, die als einzige Überlebende einer Expedition gezeichnet ist vom monatelangen Aufenthalt im Weltall und eine sehr sympathische Protagonistin ist. Die andere Ebene begleitet Theodore und ist vom Spannungsfeld deutlich höher. Ein bisschen so geschrieben, wie ich es mir von guten Actionfilmen wünsche, ohne dabei flach zu werden.

Das Ende von "Ganymed erwacht" lässt erahnen, dass der zweite Band "Ganymeds flüstern" auf keinen Fall weniger spannend ist.


Buchinfo:

Taschenbuch
384 Seiten
12,99 €


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

25.06.19

Das Handelshaus. Ein Roman aus der Hanse-Zeit | Axel S. Meyer




Liebe, Gier, Verrat – und ein mächtiges Handelshaus vor dem Untergang
Stettin, 1566. Das Handelshaus der Familie Loytz ist eines der reichsten in Nordeuropa. Doch nach dem Tod des Patriarchen entzweien sich die Söhne Michael und Stephan. Beide ringen um die Führung des Unternehmens. Auch in der Liebe sind die Brüder Rivalen. Sie werben um die schöne Leni. Als Leni sich in Stephan verliebt, wird sie jedoch von ihrem Vater mit Michael verheiratet. In dieser Zeit, geprägt vom Dreikronenkrieg und dem Niedergang der einst mächtigen Hanse, kämpfen die Brüder Loytz um die Zukunft ihres Handelshauses – gegeneinander und auch gegen einen alten Erzfeind, den mächtigen Kurfürsten Joachim von Brandenburg …
(Text & Cover: © Rowohlt; Foto: © N. Eppner)

"Das Handelshaus" ist die im 16. Jahrhundert angesiedelte Geschichte der fiktiven Familie Loytz, die wie ihr reales Vorbild - Familie Loitz aus Stettin - dank vielerlei Schuldner dem Bankrott entgegensieht und um das eigene Überleben und dem des florierenden Handels, der seit mehreren Generationen in der Familie angesiedelt ist, kämpfen muss. Erschwert wird ihnen das Überleben durch die Fahrigkeit ihrer launenhaften Geschäftspartner, Zwist und Streit in der eigenen Familie und den Dreikronenkrieg, der 7 Jahre lang zwischen Dänemark und Schweden herrschte und den ganzen Norden beeinträchtigte.

"Das Handelshaus" ist mein erstes Buch des deutschen Autors Axel S. Meyer, der bereits einige historische Romane veröffentlichte, die durch viele positive Leserstimmen ausgezeichnet wurden. Verständlicherweise, denn Meyer versteht es Spannung und Historie so geschickt zu kombinieren, dass eine fesselnde Geschichte daraus wird.

Dank Meyer hörte ich zum ersten Mal vom Dreikronenkrieg, reiste zum ersten Mal in den Norden der Hanse-Zeit. Seine klare Sprache erleichterten mir die Vorstellung davon, wie sich das Leben im 16. Jahrhundert dort abgespielt haben musste. Der Einblick in die deutsche/polnische/dänische Geschichte war sehr interessant und zu keiner Zeit trocken oder langweilig.

Ganz im Gegenteil. Trotz der über 600 Seiten ist "Das Handelshaus" ein sehr kurzweiliges Vergnügen. Meyer versteht es durch geschicktes Setzen der Kapitel und steten Wechsel der Handlungsorte einen fesselnden Spannungsbogen aufzubauen. Hundert Seiten lassen sich leicht am Stück lesen und die Rückreise in die Gegenwart fiel mir eher schwer.

Für erhöhte Spannung sorgen auch die drei Protagonisten, die Loytzen Brüder Michael, Stephan und Simon. Drei sehr unterschiedliche Figuren, die durch ihre unterschiedlichen Charakterzüge immer wieder für Überraschungen und explosive Dialoge sorgten. Der Aufbau dieser, sowie einiger Nebenfiguren, hat mir besonders gut gefallen und zeigt dass der Autor sein Handwerk versteht und nicht nur durch Handlungen für Spannung sorgt, sondern mit vielschichtigen Charakteren für die nötige Tiefe sorgt. Keiner der Protagonisten ist vorhersehbar und hat mich manches Mal aufs Glatteis geführt, wenn ich dachte, ich könne den nächsten Schritt dieser Figur vorhersehen. 

"Das Handelshaus" hat mir spannende wie informative Lesezeit beschert. Ich werde mir ganz sicher auch noch weitere Bücher des Autors kaufen und kann diesen Roman, der in der Hanse-Zeit spielt, nur jeder Leserin und jedem Leser ans Herz legen, die/der auch nur ein bisschen Interesse daran hat, zu erfahren wie sich das Leben in einer anderen Zeit abgespielt hat. Neben individuellen Schicksalen kommt hier auch die politische Vergangenheit Deutschlands, sowie Teile Polens und Dänemarks, nicht zu kurz. 


Buchinfo:

Rowohlt (2019)
624 Seiten
Taschenbuch
10,99 €


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

23.06.19

[Leseliste] #PhantastikFive

In meinem Bücherregal stehen sehr viele ungelesene Fantasybücher. Richtig tolle Fantasybücher - glaubt man den Meinungen anderer Leserinnen und Lesern.
Fantasybücher auf die ich mich zum Teil schon seit Jahren freue.
Es ist Zeit die Vorfreude endlich in Lesevergnügen umzuwandeln.

Als Fan von (Lese-) Listen habe ich mal was vorbereitet...

Im Juli möchte ich fünf Fantasybücher der sehr verlockenden Fantasybücher aus meinem Regal lesen.




Wer zählen kann ist klar im Vorteil und hat sicher schon bemerkt, dass es sich nicht um 5, sondern um 6 Bücher handelt. Buch Nr. 6 ist der Joker, falls eins der Bücher doch schlechter ist, als erwartet und abgebrochen werden muss. Sollte der Juli nicht ausreichen, um alle Bücher zu lesen, werde ich sie natürlich nicht ins Regal stellen, sondern im August beenden.
Dies ist keine Challenge mit straffen Regeln, sondern einfach eine kleine Motivation mich mal wieder vermehrt dem Genre zu widmen, das mir am Herzen liegt.

In den sozialen Netzwerken findest du alle meine Beiträge zu der Aktion wie z.B. Leseupdates, Meinungen, Zitate etc. unter dem Hashtag #PhantastikFive.

Vielleicht hast du ja sogar Lust mitzulesen. Verwendest du in deinen Beiträgen #PhantastikFive, ist es für mich einfacher sie zu finden. Du kannst mich aber gerne auch einfach anschreiben. Vielleicht hast du ja auch noch eins der Bücher meiner Liste ungelesen im Regal und möchtest es mit mir gemeinsam lesen oder darüber plaudern.





"Die Königin der Schatten" | Erika Johansen | Heyne

Ein Königreich, das seit vielen Jahren von mächtigen Feinden bedroht wird. Eine junge Herrscherin, die von einem Tag auf den anderen die Verantwortung für Tausende von Menschen übernehmen muss. Und eine uralte Magie, die das Potenzial in sich birgt, ganze Welten zu retten oder zu zerstören ... Für Kelasea Raleigh ist nichts so, wie es sein sollte: Sie hat nie darum gebeten, mit neunzehn Jahren die Königin eines bettelarmen Landes zu werden. Niemand hat sie auf den Hass, der ihr am eigenen Hof entgegenschlägt, vorbereitet. Und nie hätte sie gedacht, dass zwei grundverschiedene Männer die Zukunft ihrer Regentschaft mitbestimmen werden. Hin zum Licht oder hin zum Dunkel ...(Text & Cover: © Randomhouse)

Von allen ausgewählten Büchern steht "Die Königin der Schatten" schon am längsten in meinem Bücherregal. 2015 erschienen hat es direkt eine Reihe Bloggerinnen und Blogger begeistert, deren Meinung ich sehr schätze. Unter anderem Damaris liest, die mir das Buch damals schon ans Herz legte. Gekauft, ins Regal gestellt, immer noch nicht gelesen. 






"Die 13 Gezeichneten" | Judith und Christian Vogt | Bastei Lübbe

Sygna, die Stadt des Handwerks. Die Stadt der magischen Zeichen. Seit die Armee von Kaiser Yulian die Stadt erobert hat, ist den Einheimischen die Ausübung ihrer jahrhundertealten Magie jedoch verboten. Eine Widerstandsgruppe will dies nicht hinnehmen.Auch Dawyd, Mitglied der Fechtgilde, wird für die Ziele der Rebellen eingespannt. Denn die kaiserliche Geheimpolizei strebt danach, die mächtigen Wort-Zeichen unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit ihnen wären die Besatzer in der Lage, Gefühle und Gedanken zu manipulieren, und das muss um jeden Preis verhindert werden …(Text & Cover: © Bastei Lübbe)

Vor einiger Zeit habe ich im Podcast der Phantastik Bestenliste das Autorenduo Judith und Christian Vogt entdeckt, die mir mit ihren Denkansätzen, die sie dort vorgetragen haben, direkt sehr sympathisch waren. Kurz drauf habe ich mich auf Judiths Science Fiction Roman "Roma Nova" gestürzt und war sehr angetan von der Schreibe der Autorin. Deshalb stand es für mich gar nicht zur Diskussion, ob ich "Die Dreizehn Gezeichneten" lese oder nicht.






"Waffenschwestern" | Mark Lawrence | Fischer TOR

Nona ist kein gewöhnliches Kind: Sie hat auffällig schwarze Augen und schwarze Haare und kann sich mit übernatürlicher Geschwindigkeit bewegen. Und sie ist erst acht, als sie ihren ersten Mord begeht. Nona steht schon im Schatten des Galgens, als sie von der Äbtissin des Klosters zur barmherzigen Gnade gerettet wird, wo sie man sie zur Kriegerin ausbildet. Doch der Mann, den sie getötet hat, gehörte einer der mächtigsten Familien des Reiches an – die alles daransetzt, sich an ihr und den Schwestern des Konvents zu rächen.
Doch Nona ist alles andere aIs leichte Beute. Im Kloster zur barmherzigen Gnade leben Mystikerinnen, die das Gewebe der Welt manipulieren, Schwestern der Verschwiegenheit, die sich der Kunst der Täuschung widmen, und hier werden die gefährlichsten Kriegerinnen des Reiches ausgebildet. Nona durchläuft ein rigides Trainingsprogramm, das sie mit dem mystischen Pfad vertraut macht, den geheimen Künsten des geräuschlosen Tötens und der Fähigkeit, mit den verschiedensten Waffen zu kämpfen. Mit den anderen Novizinnen ist sie in Freundschaft und Liebe – und manchmal auch leidenschaftlichem Hass – verbunden. Nicht alle werden es schaffen, aber diejenigen, die ihren Weg bis zu Ende gehen, werden Teil der Schwesternschaft. Sie werden die gefährlichsten Klingen des Reiches, sie werden Waffenschwestern sein.(Text & Cover: © S. Fischerverlage)

Ach wie sehr habe ich mich gefreut, als ich im Programm von Fischer Tor ein Buch von Mark Lawrence entdeckte. Seinen düsteren Antihelden Jorg aus "König der Dunkelheit" fand ich großartig. Im neusten Roman geht er mit einer Protagonistin an den Start, die sicher auch alles andere als gewöhnlich ist, denn das passt einfach nicht zu Lawrence. Bevor im Juli nun also der zweite Band erscheint, möchte ich "Waffenschwestern" doch endlich mal lesen.






Am liebsten versteckt sie sich hinter ihrer dicken Brille und einem Schal, der ihr bis zu den Füßen reicht. Dabei ist Ophelia eine ganz besondere junge Frau: Sie kann Gegenstände lesen und durch Spiegel reisen. Auf der Arche Anima lebt sie inmitten ihrer riesigen Familie und kümmert sich hingebungsvoll um das Erbe der Ahnen. Bis ihr eines Tages Unheilvolles verkündet wird: Ophelia soll auf die eisige Arche des Pols ziehen und einen Adligen namens Thorn heiraten. Was hat es mit der Verlobung auf sich? Wer ist der Mann, dem sie von nun an folgen soll? Und warum wurde ausgerechnet sie, das zurückhaltende Mädchen mit der leisen Stimme, auserkoren? Ophelia ahnt nicht, welche tödlichen Intrigen sie auf ihrer Reise erwarten, und macht sich auf den Weg in ihr neues, blitzgefährliches Zuhause.(Text & Cover: © Suhrkamp)

Der Suhrkamp (Insel) Verlag ist einer meiner Lieblingsverlage. Dort wird hochwertige Literatur veröffentlicht. Schon oft habe ich dort ein Buch entdeckt, das mich über alle Maße begeistert. Jocelyn Saucier wird bei Suhrkamp / Insel veröffentlicht, Elena Ferrante und Isabel Allende. Und jetzt machen die auf einmal Fantasy?? Geil! Sag ich da nur. Und da tolle Menschen wie meine liebe Tine und Mareike von Nordseiten ziemlich begeistert davon waren, muss ich es natürlich auch lesen. 






"Die Krone der Dunkelheit" | Laura Kneidl | Piper

Magie ist in Thobria, dem Land der Menschen, verboten – doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Zwillingsbruder entführt und seitdem versucht Freya verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland, das von magischen Wesen und grausamen Kreaturen, den Elva, bewohnt wird. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf den Weg dorthin und muss ungeahnten Gefahren ins Auge blicken.
Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Ihr gesamtes Dorf wurde einst von blutrünstigen Elva ausgelöscht, und Ceylan sehnt sich nicht nur nach Rache, sondern möchte auch um jeden Preis verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht. Doch ihr Ungehorsam bringt sie bei den Wächtern immer wieder in Schwierigkeiten, bis sie schließlich bestraft wird: Sie soll als Repräsentantin an der Krönung des Fae-Prinzen teilnehmen. Dafür muss sie nach Melidrian reisen, in ein Land, in dem es vor Feinden nur so wimmelt.

Und während sich die beiden Frauen ihrem Schicksal stellen, regt sich eine dunkle Macht in der Anderswelt, welche Thobria und Melidrian gleichermaßen bedrohen wird ...(Text & Cover: © Piper)

Von Laura Kneidl habe ich bereits "Water & Air" gelesen und fand es ganz gut. Ich mochte ihre Schreibe, aber bisher hat sie noch nicht so viele Bücher geschrieben, die inhaltlich nach meinem Geschmack sind. Viele ihrer Romane sind im Young / New Adult Zuhause und das ist eher nicht meins. Doch mit "Die Krone der Dunkelheit" hat sie einen Fantasyroman veröffentlicht, der von vielen Leserinnen und Lesern als richtig gute High Fantasy bezeichnet wird und das ist dann ja doch meins.





"Die Verzauberung der Schatten" | V. E. Schwab | Fischer Tor

»Die Verzauberung der Schatten« ist der zweite Band der Weltenwanderer-Trilogie von V. E. Schwab rund um den Antari Kell und Trickbetrügerin Delilah Bard. Eine Geschichte voller Magie, Abenteuer – und Piraten.
Die Stadt London gibt es vier Mal – im grauen wohnt die Langeweile, im weißen der Hass und im schwarzen das Nichts. Doch im Roten London, da wohnt die Magie …
Vier Monate ist es her, dass Kell gegen die dunkelste Form der Magie gekämpft hat. Noch immer leidet der Antari unter Albträumen, und die gewiefte Taschendiebin Delilah Bard, kurz Lila, geht ihm einfach nicht aus dem Kopf. Sie hat sich inzwischen jedoch einen Traum erfüllt: Sie segelt mit dem Nachtfalken über die Meere der Welt.
Das Rote London steht ganz im Taumel des Spiels der Elemente, einem Turnier, bei dem Magier aus aller Welt ihre Kräfte messen. Auch Kell will antreten. Während zahlreiche Gäste, darunter der berüchtigte Pirat Alucard Emery, in die Stadt kommen, bemerkt jedoch niemand, wie ein anderes London aus seinem düsteren Schlaf erwacht und diejenigen wiederkehren, die als für immer verloren galten.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage)

"Die Verzauberung der Schatten" ist Band 2 der Weltenwanderer Trilogie von V. E. Schwab. Der Auftakt "Vier Farben der Magie" hat mir sehr gut gefallen und deshalb wird es Zeit endlich mal weiterzulesen. Zur Auffrischung höre ich Band 1 gerade nochmal als Hörbuch.



Hast du Lust mitzulesen? Kennst du schon eins der Bücher?
Welche Fantasybücher stehen bei dir ungelesen im Regal und sollten unbedingt gelesen werden?



Text & Fotos: © 2019, Nanni Eppner

21.06.19

[Hörbuch zum Film] Drei Schritte zu dir | Rachael Lippincott (Sprecher: Maximiliane Häcke, Dirk Petrick)




Kann man jemanden lieben, den man nicht berühren darf? Stella hat ihr Leben voll im Griff –– bis auf den Umstand, dass sie an Mukoviszidose leidet und deshalb viel Zeit im Krankenhaus verbringt. Dort trifft sie auf Will. Mit seiner rebellischen Art und seinem frechen Charme scheint er rein gar nichts unter Kontrolle zu haben, kann sich aber dennoch irgendwie in ihr Herz stehlen. Die Krankheit verlangt, dass die beiden auf Abstand bleiben, doch mit jedem Tag wird die fehlende Nähe unerträglicher ……
(Text & Cover: © Der Audio Verlag; Foto: © N. Eppner)


"Drei Schritte zu dir" fällt in das Subgenre Sick Lit, das ich lange Zeit mied, weil ich das Gefühl hatte, dass sich die Geschichten ein ums andere wiederholen. Manchmal ist jedoch nicht das Was, sondern das Wie entscheidend, um von einer Geschichte berührt zu werden.

Stella und Will leiden beide an Mukoviszidose. Während Stella sehr sorgfältig mit ihrer Krankheit umgeht, ihren Tag durchstrukturiert und mit Hilfe eines YouTube Kanals für Aufklärung über die Krankheit sorgt, verhält sich Will scheinbar sorglos. Provoziert eine Verschlimmerung seiner Krankheit regelrecht. Doch was steckt wirklich hinter Wills Rebellion? Was hinter Stellas Verhalten?

Mit ganz viel Fingerspitzengefühl nimmt uns Autorin Rachael Lippincott mit in das Leben von Patienten mit der Diagnose einer Krankheit, die einen tödlichen Verlauf nimmt. Anders als in vielen anderen Sick Lit Romanen steht hier nicht nur die Geschichte zwischen den beiden Jugendlichen im Vordergrund, sondern was das Leben ausmacht. Ich frage mich mehr als einmal, wie ich wohl damit umgehen würde, wenn ich wüsste, dass ich in naher Zukunft sterben würde. Wie ich als Jugendliche damit umgegangen wäre und was wohl der "richtige" Weg ist. Auf ein paar Jahre verzichten und dafür intensiv leben? Oder ein paar Jahre mehr, um diese mit den Menschen zu verbringen, die ich liebe? Und wie berechenbar ist unser Leben überhaupt?

Ganz sanft, aber eindringlich nähern sich Will und Stella der Frage, was das Leben überhaupt lebenswert macht. Begegnen dabei mehr und mehr sich selbst. Nähern sich an, ohne sich nahe kommen zu dürfen. Schreiben ihre eigene Geschichte, die mich zu Tränen rührt.

Maximiliane Häcke, Synchronsprecherin und Schauspielerin aus Köln, spricht mit ganz viel Feingefühl die nachdenkliche Stella. Sympathisch wirken die beiden, werden eins, und berühren mich. Auch die Wahl von Wills Stimme ist mit Dirk Petrick, deutsche Stimme von Cole Sprouse, der den Will in der Verfilmung spielt, perfekt besetzt. Trotz seiner rauen Art mit seiner Krankheit umzugehen, ist Will ein sensibler Mensch, was von Petrick sehr gut verdeutlicht wird.

"Drei Schritte zu dir" ist die berührende Geschichte zweier Herzen, die füreinander schlagen, aber vom Schicksal davon abgehalten werden einander zu berühren. Der Roman von Rachael Lippincott basiert auf dem Drehbuch zu "Five Feet Apart", das von Mikki Daughtry geschrieben und von einer wahren Geschichte inspiriert wurde. 

"Drei Schritte zu dir" ist mehr, als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Sprachrohr für Krankheiten wie Mukoviszidose. Es ist eine Geschichte über Gefühle und Miteinander und eine Geschichte, die nachdenklich stimmt und sensibilisiert für das, was im Leben wichtig ist.


Hörbuchinfo:


6 Std. 57 Minuten
ungekürzte Lesung
ab 14 Jahre
Buchvorlage: dtv junior


Blogtour zum Buch:

20.06.19

21.06.19

22.06.19

23.06.19

24.06.19





Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

19.06.19

Hurentochter - Die Distel von Glasgow | Tabea König





Liebe, Verrat und Sehnsucht: Der Auftakt zur großen historischen Romantrilogie im viktorianischen Schottland
Glasgow, 1876: Emily strebt an der Seite von Liam und ihrer treuen Freundin Christine ein respektables Leben an, fern vom blühenden Laster des Bordells, in welchem sie als Spross einer Hure aufwächst. Doch dann wird ihre Mutter ermordet und Emilys Leben auf eine harte Probe gestellt. Um den Schuldigen zu überführen, muss sie zuerst ihren Namen reinwaschen. Einen Namen, den sie nicht einmal kennt, denn ihre Mutter nahm ein altes Familiengeheimnis mit ins Grab.
(Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


"Hurentochter" ist eins dieser "nur noch ein Kapitel" Bücher, über dem mir dann die Augen zufallen, weil es plötzlich viel später geworden ist, als geplant. Ganz schnell haben mich die Figuren eingenommen und die Handlung ist voller spannender und überraschender Wendungen, die mich ebenso fesseln, wie die darin verwobenen historischen Fakten.

Emily wächst in einem Bordell auf. Als ihre Mutter 16 Jahre zuvor ohne Erinnerungen auf der Straße gefunden wird, ist sie schwanger. Die einzige Möglichkeit ihre Tochter gesund zur Welt zu bringen, ist der Schutz des Freudenhauses. Im Kreis der Frauen findet Ines ein neues Zuhause für sich und ihre Tochter. Doch dann erfolgt ein Schicksalsschlag nach dem nächsten. Emily ist nicht mehr sicher, denn ein dunkles Geheimnis folgt ihr wie ein Schatten. Gemeinsam mit ihrem besten Freund und Liebhaber Liam flieht sie und versucht auf eigenen Beinen zu stehen. Keine leichte Aufgabe als Frau, im viktorianischen Schottland, mit einem Leben im Bordell als Vergangenheit.

Emily ist nur eine von vielen sympathischen Figuren dieser Geschichte. Schnell habe ich einen Zugang zu ihre gefunden, habe mit ihr gelitten und gebangt und mir gewünscht, dass sie niemals die Hoffnung verliert. Genau so ergeht es mir mit Liam. Sein Handeln ist nicht immer so besonnen, wie ich es erwartet habe, aber er ist ein feiner Kerl und dass Emily sich in ihn verliebt, kann ich gut nachvollziehen.

Eigentlich mag ich es gar nicht so gerne, wenn in einem historischen Roman große Liebesgeschichten vorkommen, aber die von Emily und Liam ist einfach nur schön und überlagert den Rest der Geschichte kein bisschen.

Es sind fast Krimiartige Züge, die der Teil des Romans mitbringt, der sich mit Emilys Familiengeheimnis beschäftigt. Tabea König legt den Aufbau des Romans so an, dass ich als Leserin recht schnell ahne, woher Ines und Emily kommen. Umso spannender ist es zu verfolgen wie sie selbst die Vergangenheit aufdecken. Die größte Überraschung war für mich das Ende. Die Auflösung des Geheimnis hätte mit banalen Handlungen erfolgen können, aber König legt hier nochmal einen drauf und schreibt ein wirklich großartiges Finale, in dem die Spannung nochmal bis zum Zerbersten ansteigt. 

"Hurentochter" lässt mir so gut wie keinen Raum für Kritik. Ich habe die Geschichte so gerne gemocht wie ihre Figuren (die Antagonisten habe ich natürlich abgrundtief gehasst) und war von der Handlung so gefesselt, dass ich durch den Roman nahezu durchgeflogen bin. Umso erfreuter bin ich, dass es einen zweiten Teil ("Hurenmord. Die Rose von Whitechapel" | ET: September 2019) geben wird, in dem wir auf eine alte Bekannte treffen.



Buchinfo:

Piper (2019)
450 Seiten
erhältlich als eBook und Taschenbuch



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner



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