17.03.19

Phönix | Michael Peinkofer






Die 15-jährige Callista und ihr 16-jähriger Freund, der Jäger Lukan, leben in einem kleinen Dorf, deren Bewohner ein einfaches, bäuerliches Leben führen. Tagsüber scheint alles friedlich, doch mit Anbruch einer jeden Nacht beginnt der Schrecken: Geheimnisvolle Wesen, die noch niemand je zu Gesicht bekommen hat, gehen im Dunkel des Waldes auf die Jagd nach Menschen. Als Callistas kleiner Bruder verschwindet und sie und Lukan sich aufmachen, ihn zu suchen, offenbart sich ihnen die erschütternde Wahrheit. Denn die Welt, die sie zu kennen glaubten, existiert nicht. Und ihre Feinde sind ebenso unberechenbar wie mächtig ...
(Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


Michael Peinkofers Geschichten wirken auf den ersten Blick immer etwas unscheinbar. Doch dann - bamm! - schlägt er zu. Mit vielen unverhofften Gedankengängen und Handlungssträngen. So erging es mir schon mit dem Auftakt von "Die Legenden von Astray" und so empfand ich es auch wieder mit "Phönix".

Mit dem Wunsch mal wieder ein wenig lockere Jugendfantasy zu lesen, griff ich nach dem Auftakt dieser Trilogie. Sehr schnell fand ich ins Geschehen, schwieriger wieder hinaus, denn Peinkofer beendet fast jedes Kapitel so spannend, dass ich noch eins und noch eins und noch eins lesen musste. Dabei baute er eine Spannung auf, die so sehr auf mich überging, dass ich tatsächlich nachts nicht gut schlafen konnte, weil ich noch so unter Strom stand.

Peinkofer schafft in "Phönix" eine Welt, die stark vom Glauben der Figuren bestimmt wird. Sie folgen starren Regeln und wer sich nicht daran hält muss mit brutalen Konsequenzen rechnen. Callista und Lukan fühlen sich dadurch eingeengt. Es ist kein böser Wille, der sie über die Stränge treibt, sondern eher Handeln aus reinem Menschenverstand. Natürliche Neugier lässt sie Dinge hinterfragen, die von ihren Mitmenschen einfach hingenommen werden. Als sie ein Geheimnis entdecken, dass all das, was sie bisher geglaubt haben, in Frage stellt, stoßen sie vor allem auf eins: Unverständnis. Bald schlägt diese in Wut und Hass um und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu fliehen.

Michael Peinkofer stellt in Band 1 den Glauben der Bewohner der von ihm erschaffenen Welt in den Vordergrund und schafft damit ein Exempel, dass sich gut in real existierende Glaubensgemeinschaften übertragen lässt. Es ist schon ein Sektenähnliches Verhalten, das die Bürger von Callistas Dorf an den Tag legen. Ihnen wird jede Möglichkeit genommen sich mit einer Außenwelt - sollte diese denn existieren, denn das ist eine der großen Fragen dieser Geschichte - in Verbindung zu setzen. Durch den Glauben bewegen sie sich in einem Rahmen, der ihnen wenig Spielraum lässt, der zeitgleich aber auch eine gewisse Sicherheit bietet, die mit dem Aufkommen von Callistas und Lukans Entdeckung komplett über den Haufen geworfen wird. Damit ist die Wut der Mitbürger ein Stück weit nachvollziehbar.

Mir hat der Auftakt der "Phönix" - Trilogie richtig gut gefallen. Peinkofer hält so manche Überraschung bereit, die für mich wirklich unvorhersehbar waren. Das Ende bietet einen Cliffhanger, der mich ziemlich neugierig auf Band 2 macht. Einzig die Liebesgeschichte, die im Roman beschrieben wird, wirkt auf mich aufgesetzt und unnötig. Aber ich empfinde sie nicht als so wichtig, dass es mein Lesevergnügen eintrübt.




Buchinfo:

Piper IVI (Oktober 2017)
352 Seiten
Paperback
15,00 €



Rezension: © 2019, Nanni Eppner

13.03.19

Sieben Heere 02: Revolution | Tobias O. Meißner





Das Land Akitanien wurde von einer gewaltigen Armee überrollt. Doch während die meisten Gemeinden nur hilflos mit ansehen, wie sich die in allen Belangen übermächtigen Gegner in ihrer Heimat niederlassen, ist es dem kleinen Dorf Hagetmau überraschend gelungen, sich gegen die Invasoren zur Wehr zu setzen. 140 Soldaren wurden durch kluges Vorgehen vernichtend geschlagen und in den Sümpfen verscharrt. Ohne es beabsichtigt zu haben, ist die kleine Ortschaft nun das Zentrum einer Revolution geworden. Ehemalige Außenseiter werden zu Symbolfiguren, besonnene Bürger zu Kämpfern. Doch die Zeit des Triumphes ist noch lange nicht gekommen. Mehrere Tausend Soldaren machen sich auf, um ihre Kameraden zu rächen, in ihren Reihen gefürchtete Gryphenreiter. Um diesen Kampf zu gewinnen, braucht Hagetmau weitaus mehr als nur eine List ...
(Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


Tobias O. Meißner ist für mich eine wichtige Persönlichkeit der Literatur. Seine Romane werden der Phantastik zugeordnet, beschäftigen sich aber mehr als manch belletristischer Roman mit wichtigen Themen des Weltgeschehens, üben Kritik an Systemen, sozialen Strukturen und Politik.

"Revolution" ist der zweite Teil der "Sieben Heere" - Trilogie, die sich u.a. damit beschäftigt wer oder wie Gut und Böse bestimmt werden, bzw. nicht kategorisch zu bestimmen sind. Wie schwer es ist vermeintlich Gutes zu tun und wie schnell ein Seitenwechsel vonstatten gehen kann.

Im Roman steht der Ort Hagetmau exemplarisch für eine Gruppe, die in ihrer (Meinungs-) Freiheit eingeschränkt wird und zum Befreiungsschlag ansetzt, um dann wiederum andere Dörfer in ihre Revolution mit einzubeziehen.

Revolution ist nun wirklich kein von der Phantastik erdachtes Thema, sondern brandaktuelles Weltgeschehen. In Band 1 "Sieben Heere" lässt Meißner so langsam das Fünkchen zur Revolution entflammen, in "Revolution" lodern die Flammen schon haushoch und zeigen deutliche Eigenschaften eines Feuers. Es wärmt und zerstört.

"Es gab Dinge, die passten nicht zusammen, prallten aufeinander und erzeugten ein Verhängnis." (S. 66)

Während die Hagetmauer bisher auf Dorfbewohner trafen, die bereitwillig gegen die Besatzung der Soldaren kämpften, erleben sie zum ersten Mal Gegenwehr. Erste Dörfer zeigen ein stoisches Ertragen von Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Leben lieber mit Abstrichen, als sich aufzuraffen und für Freiheit zu kämpfen. Klug oder nicht? Eine Situation, in der sich der wahre Charakter zeigt bzw. Charaktereigenschaften nach Außen gekehrt werden.

"Sieben Heere: Revolution" fordert durch eine gewisse Handlungsironie, durch eine fast unschuldige Naivität zum Nachdenken auf. Gewalteinwirkung, um Gewalt zu beenden - das ist so banal ironisch, dass man sich fragt, warum es in der Realität überhaupt angewendet wird. Oder rechtfertigt die Befreiung aus Gewaltvollen, intoleranten oder eingrenzenden Strukturen oder Systemen etwa den Einsatz von Gewalt oder Menschenleben?

Selten habe ich mir in einem phantastischen Roman so viele Notizen gemacht, wie in diesem. Meißner führt die Absurdität der Kriegsführung so eindeutig vor Augen, dass ich mich frage, warum dies nicht allen anderen Menschen auf der Welt bekannt ist. Egal, um welchen Krieg es sich handelt. Egal, um was gekämpft wird. Die Strukturen sind immer gleich, beginnend bei einer Person oder einer kleinen Gruppe, die sich im Recht fühlt, die sich mehr Macht wünscht, die glaubt zu wissen was für andere gut ist. Meist ist es Habgier, die zum Vorstoß führt, darauf folgt Rache, eine Umkehr der Strukturen und letztendlich die Schädigung des eigenen Volkes. Diejenigen, die nichts damit zu tun haben, sind diejenigen, die es ausbaden. 




Buchinfo:

Piper (April 2017)
416 Seiten
Paperback
16,99 €


Reiheninfo:

1. Sieben Heere
2. Sieben Heere: Revolution
3. Sieben Heere: Befreiung

Rezension: © 2016, Nanni Eppner

10.03.19

Gut Greifenau 01: Abendglanz | Hanna Caspian




Downton Abbey in Hinterpommern von 1913 bis 1919 - Der erste Teil der großen Familien-Saga über eine Grafen-Familie zwischen Tradition und wahrer Liebe am Vorabend des 1. Weltkriegs
Mai 1913: Konstantin, ältester Grafensohn und Erbe von Gut Greifenau, wagt das Unerhörte: Er verliebt sich in eine Bürgerliche, schlimmer noch – in die Dorflehrerin Rebecca Kurscheidt, eine überzeugte Sozialdemokratin. Die beiden trennen Welten: nicht nur der Standesunterschied, sondern auch die Weltanschauung. Für Katharina dagegen, die jüngste Tochter, plant die Grafenmutter eine Traumhochzeit mit einem Neffen des deutschen Kaisers – obwohl bald klar ist, welch ein Scheusal sich hinter der aristokratischen Fassade verbirgt. Aber auch ihr Herz ist anderweitig vergeben.
Beide Grafenkinder spielen ein Versteckspiel mit ihren Eltern und der Gesellschaft. So gut sie ihre heimlichen Liebschaften auch verbergen, steuern doch beide unweigerlich auf eine Katastrophe zu …
(Text & Cover: © Droemer Knaur; Foto: © N. Eppner)

Wie schön ist es in einem Buch zu versinken. Mit einem Buch in der Zeit zu reisen und dort auf Menschen und ihre Geschichten zu treffen. Genau so habe ich den ersten Teil der "Gut Greifenau" - Trilogie erlebt. Obwohl die Figuren und deren Schicksale fiktiv sind, wirken sie sehr dynamisch und der Zeitspanne realistisch nachempfunden. Geschichten, wie sie wirklich passiert sein könnten.

Konstantin ist der älteste Sohn des Grafen, hat Landwirtschaft studiert und möchte das Erlernte gerne umsetzen. Er schwärmt vom Einsatz moderner Technik und möchte den Betrieb nach dem Tod des Großvaters, der sehr patriarchisch über Familie und Angestellte geherrscht hat, gerne so umkrempeln, dass mehr Ertrag, bei weniger finanziellem und körperlichem Einsatz, möglich ist. Eine gleichgesinnte Seele findet er in der Dorflehrerin Rebecca Kurscheidt, die ebenfalls versucht altbackenen Traditionen und Konventionen den Garaus zu machen. Sie bietet Lese- und Schreibförderunterricht für Mädchen an und setzt sich dafür ein, dass die ältesten Söhne der gräflichen Pächter zur Erntezeit nicht im Unterricht fehlen, sondern ihrer eigenen Bildung nachgehen können. 

Mit Rebecca kann Konstantin Pläne für die Zukunft schmieden. Eine Zukunft, in der Bildung und Wirtschaft im Vordergrund stehen und modernisiert werden. Doch in einem Punkt sind sich die beiden nicht einig: Rebecca ist gegen monarchische Strukturen, wünscht sich wie viele andere auch, dass der Adel abgeschafft und Pächter frei über ihre Höfe bestimmen können. Das geht gegen alles, was Konstantins Familie bisher gelebt hat, so dass Rebecca ihnen ein Dorn im Auge ist. Sie wissen jedoch nicht, dass Konrads Herz für die junge Lehrerin schlägt. Noch nicht mal sie weiß es, denn Konstantin lässt sie glauben, dass er Albert Sonntag ist, der Kutscher der Familie, und nicht der Erbsohn.

Albert Sonntag ist ganz neu auf dem Gut. Macht einen sympathischen Eindruck auf die Familie und aufs Gesinde. Vor allem die jungen Mädchen im Haus finden Gefallen am attraktiven Kutscher. Doch der hat keinen Sinn für Liebeleien, ist er doch einzig aus einem besonderen Grund nach Greifenau gekommen. Einem Geheimnis, dessen Auflösung er sich im Dorf Greifenau verspricht und das seit Jahren seine Gedanken beherrscht.

Nesthäkchen Katharina steht unter der Fuchtel der strengen Mutter, deren Familie entfernt mit dem russischen Zaren verwandt ist. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Katharina sich dementsprechend benimmt und nicht unter, ja im Idealfall eher über ihrem Stand heiratet. Für Katka ist sowohl das eine, als auch das andere nicht einfach. Sie kann sich nur schlecht beherrschen, trägt ihr Herz auf der Zunge und verliert es prompt an einen nicht standesgemäßen jungen Mann. Als sie Opfer einer Tat wird, die heute als sexuelle Belästigung bezeichnet würde, zeigt sich, wie schwer es die junge Frau hat. Ihre Anschuldigungen werden ganz und gar unter den Teppich gekehrt, denn das sind die Opfer, die man für die Familie bringen muss.

"Abendglanz" ist eine spannende Einführung in das Leben der 1910er Jahre. Sowohl der gräfliche Alltg, als auch das der "einfachen Leute" wird bildlich beschrieben und ließ mich beim Lesen gänzlich vergessen, dass ich mich eigentlich in meinem eigenen Haus gut 100 Jahre später befinde. Der Einblick, den die Autorin in dieses Zeitalter gibt, hat mir sehr gut gefallen. Missstände in der Gesellschaft, Schwierigkeiten mit Reformen, Gesetzesgestaltung und Hierarchien sind gut recherchiert und in interessante Geschichten verpackt worden. Die Figuren haben vielfältige Charaktereigenschaften, die nicht nur zu Sympathien bei den LeserInnen führen. Eine gute Mischung an liebenswerten Figuren und Ekelpaketen, gibt dem Roman dieses Etwas, das mich an die Schicksale der einzelnen Charaktere fesselt.

Der erste Band endet mit fiesen Cliffhangern und dem Beginn des ersten Weltkriegs, der sicherlich auf vielerlei Arten Einfluss auf das Leben der Grafenfamilie und der Bewohner des Dorfes Greifenau nimmt. Ich bin so gespannt, wie es weitergehen wird.



Buchinfo:

Droemer Knaur (November 2018)
560 Seiten
Taschenbuch
9,99 €

Reiheninfo:

1. Gut Greifenau. Abendglanz (11|2018)
2. Gut Greifenau. Nachtfeuer (12|2018)
3. Gut Greifenau. Morgenröte (03|2019)



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

03.03.19

Mitten im Dschungel | Katherine Rundell




Mitten im Dschungel stürzt die kleine Propellermaschine ab und plötzlich sind Fred, Con, Lila und ihr kleiner Bruder Max auf sich allein gestellt. Wo sollen sie einen Unterschlupf und etwas zu essen finden. Und wie kommen sie aus diesem Urwald überhaupt wieder heraus? Immerhin ist ein Fluss in der Nähe und wilde Früchte, und Fred hat genug Abenteuerbücher gelesen, um ein Floß zu bauen. Aber ob das zum Überleben in der Wildnis reicht?
(Text & Cover: © Carlsen; Foto: © N. Eppner)


Kinder müssen Kind sein dürfen, um sich gesund entwickeln zu können. Sie brauchen Zeit, um eigene Erfahrungen machen zu können. Sie benötigen Freiheit, um aus diesen Erfahrungen lernen zu können. Und sie brauchen Abenteuer, um Körper und Geist zu schulen, zu fördern und zu stärken. 

"'Ich hätte auch gerne einen Raum, in dem ich mal so richtig brüllen kann.'"

Fred, Con, Lila und Max sind sehr gefangen in den Konventionen ihrer jeweiligen Lebensstile. Freds Vater ist sehr streng, wünscht sich, das Fred ein erfolgreicher Erwachsener ist und geht dafür Wege, die ich als nicht sehr kindgerecht empfinde. Fred ist noch nie auf einen Baum geklettert oder durch Pfützen gehüpft. Genau wie Con, die in einem Umfeld lebt, das nicht sehr familiär ist. Wenig Wärme und Zuneigung für sie erübrigt. So, dass sie selbst Schwierigkeiten damit hat, empathisch und freundlich auf andere Kinder zuzugehen. Lila ist ziemlich klug und interessiert sich für Tiere. Gerne hätte sie ein eigenes Haustier. Und ihr kleiner Bruder Max ist so, wie kleine Kinder nun mal sind. Neugierig, gerade heraus, ein bisschen laut und immer in Bewegung - also genau richtig.

"'Aber es stimmt. Die Welt könnte so riesig sein, dass sie die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Wie könnte sie da einfach sein?'"

Nach ihrem Absturz mit der Propeller Maschine sind die, auf den ersten Blick ungleich wirkenden, Vier auf sich allein gestellt. Das macht ihnen Angst, denn durch den bereits erwähnten bisherigen Lebenswandel, trauen sie sich nur wenig zu. Das ändert sich jedoch, als es notwendig ist ums eigene Überleben zu kämpfen. Dazu gehört im Dschungel nun mal auf Bäume zu klettern und durch den Regen zu laufen. Ohne, dass es ihnen wirklich bewusst ist, wachsen sie über sich selbst hinaus und machen Bekanntschaft mit dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben: dem eigenen Ich.

"'Und wo steht geschrieben, dass nur Erwachsene ein Floß bauen können?", erwiderte Fred genervt.'"

An Fred, Con, Lila und Max konnte ich etwas beobachten, was ich auch von meinen eigenen Kindern kenne: die Natur gibt ihnen Raum sich selbst zu finden. Fern ab von Reizüberflutung, starren Strukturen und vorgegebenen Mustern, können sie sich frei entfalten und einfach Kind sein. Im Fall der Protagonisten geht es auch darum Verantwortung zu lernen und daran zu wachsen. Mir gefällt die Aussage auf die Katherine Rundell so oft auf verschiedene Wege hinweist: Kinder können alles schaffen, wenn wir ihnen den Raum geben ihre Stärke ausleben zu können.

"'Ich hoffe, Menschenleben werden eines Tages genauso kostbar sein wie Land.'"

Natürlich könnte man anprangern, dass es unrealistisch ist, das vier Kinder im Alter zwischen fünf und dreizehn (?) allein im Dschungel überleben, aber was hat es nicht schon alles gegeben und außerdem ist hier ein kleines bisschen Fantasie erlaubt und der Fokus sollte nicht auf dem Setting liegen (das allerdings ziemlich cool ist), sondern viel mehr auf den Protagonisten. 

"'Jeder Mensch auf Erden ist ein Abenteurer. Und das bedeutet aufmerksam zu sein. Immer ganz genau hinzuschauen. Es gibt nichts Wichtigeres. Wenn ihr euch mit geschärften Sinnen durch die Welt bewegt, habt ihr wenig zu befürchten.'"

"Mitten im Dschungel" ist ein sehr kluges Buch, das mich extrem begeistert hat. Nicht nur, weil es spannend und mit einer Prise Humor erzählt wird, weil die Figuren liebenswert, fern der Norm und charakterstark sind, und weil es auf feine Art dafür sorgt, dass wir daran denken wie wertvoll Natur ist, sondern weil es sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene taugt. Nicht nur für Eltern, die manchmal vergessen, dass ihre Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sondern eigene Bedürfnisse und Ansprüche haben, sondern auch für all die Erwachsenen, die ihr eigenes inneres Kind zu sehr einengen. Und ganz besonders für diejenigen, die nicht wissen wie viel wir von Kindern, ihrer Art die Welt zu betrachten und zu erkunden, lernen können.

"'[...] Sagt allen, dass die Schönheit der Welt Verpflichtungen mit sich bringt. Das muss man den Menschen immer wieder in Erinnerung rufen. Wenn man die Welt für klein und schäbig hält, lässt man sich eher gehen. Aber die Welt ist groß und wunderschön. [...]'"

Ein Herzensbuch für das ich eine ganz besonders dringende Leseempfehlung ausspreche.


Buchinfo:

Carlsen (2018)
305 Seiten
Hardcover
Übersetzung: Henning Ahrens


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

01.03.19

#ZWEITAUSENDMEINZEHN: Abschied nehmen und loslassen

"Abschied nehmen"
So das Thema der #Zweitausendmeinzehn Challenge im Februar. 
"Wovon musst du loslassen, wenn du ganz für dich einstehst?"






Schon im zweiten Monat der Challenge geht es ans Eingemachte. Dieses Thema bedeutet Reflektion. Sich selbst ganz genau und möglichst objektiv unter die Lupe nehmen. Als ich begann mich mit diesem Monatsthema zu beschäftigen, wusste ich ganz ehrlich nicht, was ich dazu schreiben sollte.
Dann kam dieser eine Tag, ein Zusammenspiel aus verschiedenen Situationen, die mir verdeutlichten, was ich eigentlich schon wusste, aber nicht so recht wahrhaben wollte.

Es war einer dieser Tage, an denen ich morgens aufwache, übermüdet, schlecht gelaunt, weil ich nachts kaum zur Ruhe kam (nicht unbedingt wegen des Babys. Bin eine schlechte Schläferin, aber das ist ein anderes Thema).
Es sind die Tage, an denen ich Mitleid suche, an denen ich zuviel Schokolade und Kuchen esse, Kaffee und Cola trinke. Tage, an denen ich glaube, dass mir Genussmittel, Konsum oder das Heischen nach Mitleid helfen.






An manchen Tagen bin ich aber auch einfach wütend. Wütend darauf, dass ich nicht in meiner Heimat wohne, dass meine langjährigen Freunde weiter entfernt leben, dass meine Mama nicht mehr lebt, dass mit manche Dinge über den Kopf wachsen und vor allem, dass sich diese Wut dann in meinen Kindern spiegelt. 

In beiden Fällen suche ich die Schuld in meinem Umfeld. Angefangen beim falschen Kopfkissen, über mangelnde Endorphinausschüttung bis hin zu anderen Menschen. 

Schuld abwälzen ist einfach.
Und gefährlich.

Für mich.
Für meine Kinder.

So lange ich die Schuld bei anderen suche, renne ich gegen eine Wand. Ich schüre das Wutfeuer in meinem Bauch. An meiner Situation ändert das aber gar nichts. Veränderung, Verbesserung, Leichtigkeit in fühlen und denken, erreiche ich nicht, wenn ich versuche anderen die Schuld für bestimmte Situationen zu geben. Und schon gar nicht möchte ich meine Kinder mit einem Schuldgefühl belasten. Damit meine ich nicht ihnen die Schuld für irgendwas zu geben. Aber wenn ich ein Gefühl mit mir herumtrage, dann laden sich auch irgendwann die Kinder daran auf. Wird es bei ihnen zu einem eigenen Gefühl.





Überhaupt ist der Begriff Schuld völlig unangebracht und so negativ behaftet, dass es mir fast Angst macht Schuld und mich in einem Satz zu nennen. Denn auch ich bin natürlich an nichts Schuld. Schon gar nicht an den oben genannten Dingen.

Viel eher sehe ich mich in einem Loch, in einem Tal des Stillstands. Ich muss wieder in Bewegung geraten. Das Rad ins Rollen bringen, Dinge angehen, verändern oder eben auch akzeptieren. 

Eine Wunderlösung habe ich noch nicht, aber es erleichtert und beflügelt den Namen des Endgegners zu kennen. 


Kennst du deinen Feind? Weißt du, welches Gefühl, welche Faktor dich am glücklichsein hindert?Wenn du magst, teile doch gerne deine Gedanken mit uns. Über einen Austausch würde ich mich sehr freuen. 



18.02.19

Sondereinheit Themis 01: Auf Probe | Kerstin Rachfahl




​Sie sind Spezialisten und kämpfen gegen das Verbrechen in Deutschland und International. Themis eine Sondereinheit aus Polizisten und Soldaten.
Die ehrgeizige Natasha wird zum Einstellungstest der Sondereinheit Themis eingeladen. Zum ersten Mal im Leben scheitert sie an einem Sporttest.
Zu ihrer größten Überraschung wird sie dennoch auf Probe eingestellt. Der Mann, der dafür sorgen soll, dass sie beim nächsten Anlauf den Test schafft, ist ausgerechnet der Trainer, der ihr die Vorbereitungswochen zur Hölle machte.
Aber Natasha wäre nicht Natasha, wenn sie sich von einem Mann in die Knie zwingen ließe. Das bekommt auch ihr unfreiwilliger Trainer und Partner Peter zu spüren. Doch der hat nicht umsonst von seinen Kameraden den Spitznamen Pit - als Kurzform für Pitbull – erhalten. Das Themis Team schließt Wetten ab. Wer von den Beiden wird am Ende sein Ziel erreichen?
(Text & Cover: © Kerstin Rachfahl; Foto: © N. Eppner)


Krimis und Thriller sind nicht so ganz meins. Meine Nerven sind zu schwach, um die meisten der darin geschilderten Handlungen auszuhalten. Hin und wieder greife ich aber doch ganz gerne zu einem Buch dieses Genres. Und zwar dann, wenn Protagonisten und nicht blutige Taten im Vordergrund stehen. Das ist der Fall in den Romanen von Kerstin Rachfahl und deshalb hat es mir sehr viel Freude bereitet, den Auftakt ihrer "Sondereinheit Themis" - Reihe zu lesen.

Im Fokus des Romans steht Natasha, Polizistin mit viel Ehrgeiz. Ihr Wunsch in die Sondereinheit Themis aufgenommen zu werden, stirbt beim Einstellungstest. Ausgerechnet den Sportteil besteht sie nicht. Nicht nur ihr kommt der Verdacht, dass ihr Trainer Pit darin nicht ganz unschuldig ist. Deshalb bekommt sie eine zweite Chance, um erneut die Sportprüfung abzulegen. Die Vorbereitung dazu übernimmt allerdings Pit, der Brechreiz bekommt beim Gedanken daran, dass Natasha seine neue Partnerin werden könnte. Pit hat längst bemerkt, was Natasha bei anderen überspielen konnte: sie hat beim Einstellungsfragebogen geschummelt was ihre Erfahrung mit Hunden betrifft. Diese sind allerdings ein wichtiger Teil der Sondereinheit. 

Kerstin Rachfahl ist es mit nur wenigen Seiten gelungen meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Grund dafür sind vor allem die Protagonisten, die mit viel Sorgfalt zum Leben erweckt werden. Kleine Häppchen aus deren Privatleben, aus Vergangenheit, Auszüge ihrer Charakterdarstellung, machen mich neugierig auf mehr und schaffen eine Verbindung zwischen den Figuren und mir. So sehr, dass es mich auch nachhaltig interessiert, wie ihr Leben verläuft. Zum Glück gibt es ja mehrere Bände. In denen wird dann sicher auch Natashas Vergangenheit frei gelegt. Denn die birgt noch so manches Geheimnis, das sich zwar schon erahnen lässt, aber eben nicht zu hundert Prozent klar ist.

Lange ungewiss bleibt auch die Auflösung des Falls, mit dem Natasha und Pit betraut werden, obwohl noch nicht klar ist, ob Natasha in die Sondereinheit aufgenommen wird, und der Pit auf einer sehr persönlichen Ebene betrifft. Normalerweise ist mir recht schnell klar in welche Richtung solch ein Handlungsstrahl verläuft. Hier konnte mich Rachfahl jedoch überraschen und mit der Auflösung sogar zu einem Kloß im Hals rühren.

Einziger kleiner Kritikpunkt sind Dopplungen im Ausdruck der Figuren. Das sorgt an einigen Stellen dafür, dass sie ihre eigene Stimme vorübergehend verlieren und die der Autorin annehmen. Aber das sind nur klitzekleine Einbrüche in einem guten Gesamtkonzept, das mich so weit überzeugen konnte, dass ich mich darauf freu mehr von der Sondereinheit zu lesen. Ganz besonders auch deshalb, weil ich als Tierfreundin mit dem vierbeinigen Partner von Pit voll und ganz auf meine Kosten komme.


Buchinfo:

Taschenbuch
12,90 €
eBook
2,99 €



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

31.01.19

Liebe ist so scheißkompliziert | Sabine Schoder




Auf einer Party stürzt Nele mit Jerome ab, der alles verkörpert, wonach sie sich immer gesehnt hat. Als sie sich zum ersten Mal küssen, hat Nele hunderttausend Schmetterlinge im Bauch. Doch am nächsten Tag kursiert ein Video von ihr im Netz, auf dem sie eindeutig zu wenig anhat. Eigentlich kann nur Jerome dieses Video gemacht haben. Aber Nele ahnt, dass die Wahrheit viel komplizierter ist ...
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


Nach den Büchern "Liebe ist was für Idioten. Wie mich." und "So was passiert nur Idioten. Wie uns." ist "Liebe ist so scheißkompliziert" das dritte Buch der sympathischen Autorin Sabine Schoder, das in meiner Leseliste landet. Diesmal geht es jedoch nicht um Viki und Jay, sondern um Nele, die mit ihren fast zwei Metern nicht zu übersehen ist und trotzdem das Gefühl hat, nur in Fettnäpfchensituationen sichtbar zu sein. Davon gibt es ihrer Meinung nach reichlich. Vor allem seit sie mit Jerome, dem Star des Basketballteams ihrer Schule, zusammen geknallt ist. Besonders peinlich wird es, als ein Video von ihr im Netz auftaucht, das eigentlich nur von einem gedreht worden sein kann...

Der Verlag versucht über die Titel der drei Bücher einen Wiedererkennungswert herzustellen. Deshalb hatte ich im Vorfeld ein wenig Sorge, dass "Liebe ist so scheißkompliziert" eine Art Abklatsch der beiden wirklich sehr gelungenen Romane um das Pärchen Viki und Jay sein könnte. Sabine Schoder hat mich eines besseren belehrt und gezeigt, dass sie - scheinbar locker lässig - vielfältige Geschichten aus dem Ärmel schütteln kann.

"Liebe ist so scheißkompliziert" bietet vielerlei Themen für einen tiefgründigen Jugendroman. Vielleicht sogar ein klein wenig zu viele, denn leider sind nicht alle Fäden zu meiner Zufriedenheit zu Ende gesponnen worden. Nichts desto trotz schürft Schoder nicht nur an der Oberfläche, sondern traut sich auch unbequeme Themen zu verarbeiten.

Mit ihren Romanen trifft sie genau den Nerv ihrer Leser. Ihre ProtagonistInnen haben Tiefe, sind nicht einfach platt niedergeschrieben, sondern haben ihre eigenen Lebensgeschichten, die sie lebendig und authentisch wirken lassen. Figuren, die auf den ersten Blick kühl, aggressiv, unnahbar oder unsympathisch wirken, werden Seite für Seite aufgeschlüsselt. So entsteht eine Nähe zwischen LeserInnen und Charakteren, die eine gewisse Vertrautheit und Verständnis für deren Verhalten aufkommen lassen.

Am meisten mag ich den Humor der Autorin, die ich dank des Verlags schon live erleben durfte, und die genau so witzig und sympathisch ist, wie sie schreibt. Ihren Erzählton nehme ich ihr eins zu eins ab. Sie versucht nichts zu beschönigen, redet niemandem nach dem Mund, sondern trägt ihr Herz auf der Zunge und das ist einer der Gründe, warum ich ihre Romane so gerne lese. Auch wenn ich in "Liebe ist so scheißkompliziert" nicht jeden Weg mit ihr gehe, freue ich mich schon jetzt auf alle weiteren Bücher, die sie noch veröffentlichen wird.



Buchinfo:

Paperback
400 Seiten
Ab 14 Jahren


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

26.01.19

#ZWEITAUSENDMEINZEHN: Die Challenge









Kea von Garnier, Autorin, Poetin, Feministin, hat auf ihrem Instagram Account zur #ZWEITAUSENDMEINZEHN Challenge aufgerufen. 
Eine Challenge, die das ganze Jahr über dauern, in eigener Geschwindigkeit ausgeführt und zu nachhaltiger Veränderung bzw. überdenken der eigenen Situation führen soll. 



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"Ihr Ziel: Wir wollen lernen, ganz für uns selbst einzustehen. Uns zum Fixstern unseres Lebens zu machen und uns Schritt für Schritt in Selbstfürsorge zu üben. Wir entwickeln oder bauen den Glauben aus, dass wir sicher auf unseren zwei Beinen im Leben stehen."
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Monatlich gibt Kea ein Thema vor, zu dem jede(r) Teilnehmer(in) seine / ihre eigenen Gedanken posten kann





JANUAR:

~ Die Reise beginnt ~
Wer bist du?
Stell dich der #ZWEITAUSENDMEINZEHN Community vor. 

FEBRUAR:

~ Abschied nehmen ~
Wovon musst du loslassen, wenn du ganz für dich einstehen willst?

MÄRZ:

~ Motivation finden ~
Wie würde sich ein Leben in mehr Selbstfürsorge anfühlen?

APRIL:

~ Heilsame Routinen ~
Wir teilen unsere Skills in der Community.

MAI:

~ "Sowohl-als-auch" ~
Wir üben liebevoll auf unsere Schwächen zu schauen.

JUNI:

~ Mein Körper & ich ~
Unser Körper schreibt einen Brief an uns - was will er, was braucht er, was nicht?

JULI:

 ~ Die Neugier wecken ~
Wir lernen etwas Neues, wir probieren Ungewohntes aus und berichten davon.

AUGUST:

~ Zeit für eine Pause ~
Wir ruhen uns aus. Wir gönnen uns etwas. Wir pampern uns.

SEPTEMBER:

~ Lebendigkeit ~
Welche Orte / Dinge / Tätigkeiten lassen dich lebendig werden?

OKTOBER:

~ Erfolge anerkennen ~
Welche alte Überzeugung ist kleiner geworden?
Was konntest du schon loslassen?

NOVEMBER:

~ Nobody's Perfect ~
Wir sprechen offen über unsere Fehler und was wir aus ihnen gelernt haben.

DEZEMBER:

~ Let's celebrate ~
Wir sind noch nicht fertig - aber wir sind auf dem Weg - feiere dich & uns!







Ich bin eigentlich ein recht positiver Mensch, aber in diesem Herbst / Winter ist mir das ein wenig verloren gegangen. Es war bei uns einfach unfassbar stressig, ich habe mich über viele Dinge, die Menschen in meinem Umfeld getan haben, geärgert, und ich habe gemerkt, dass mich meine mangelhafte Wochenbettzeit zwar nicht physisch, aber psychisch einholt. 

Eine positive Lebenseinstellung zu haben ist sicher ein bisschen Veranlagung oder wie man es vorgelebt bekommt (bekommen hat), aber auch viel Arbeit. An der eigenen Person. 

Dazu gehört vor allem eine gute Reflektion des eigenen Verhaltens. Beobachten eigener Reaktionen, Einschätzen der eigenen Fähigkeiten. Und dafür finde ich diese Challenge richtig toll. So muss ich mir jeden Monat Gedanken über mich und mein Verhalten machen und finde so vielleicht wieder meine Mitte, wenn ich schwanke.

Meine Gedanken dazu möchte ich hier und auf meinem Instagram Account mit euch teilen.





JANUAR:

~ Die Reise beginnt ~


Ich bin Nanni, Jahrgang '84, zweifache Mutter, habe einen Studienabschluss als Dipl. Sozial Pädagogin und einen Trainer B Schein im Reitsport. 

Vor 5 Jahren habe ich meine Heimat, die ich sehr liebe, weil sie ein kleines Bullerbü ist, für meinen Herzensmann und unser eigenes, kleines Häuschen, verlassen. Im Herbst 2015 haben wir geheiratet, im Winter 2016 ist unsere große Tochter geboren, im Sommer desselben Jahres meine Mutter verstorben, im August 2018 sind wir ein weiteres Mal Eltern einer Tochter geworden.





Ich zähle diese Meilensteine meines Lebens auf, weil sie für mich derzeit sowohl positiv, als auch negativ die größte Relevanz haben. Weil sie mich bereichern und erschöpfen, weil sie mich glücklich und traurig machen, und weil es diese Ereignisse sind, die dazu führen, dass ich mich immer wieder selbst finden und ins Lot bringen muss. Diese Ereignisse haben mein Leben grundlegend geändert. Sie werden während dieser Challenge immer wieder auf den Tisch kommen.

Zur Zeit fühle ich mich recht geerdet. 
Ich habe einen guten Tagesablauf (das ist für mich sehr wichtig), versuche mich morgens mit Yoga in Schwung zu bringen, gehe viel spazieren / wandern, weil ich in der Natur Kraft tanken kann, verbringe meinen Tag mit meinen Kindern und lese in jeder freien Minute (wenn ich mich nicht vom Internet ablenken lasse). 





Seit einigen Wochen habe ich eine neue Frisur, die wie ich finde ganz gut zu meiner aktuellen Situation passt. Auch mein Kleidungsstil hat sich in der vergangenen Zeit etwas verändert. Ich spreche mich für Veränderungen aus, denn so ist es nunmal im Leben. Wir entwickeln uns, werden durch verschiedene Dinge, Situationen und Menschen beeinflusst. Es ist doch wirklich nichts auf der Stelle zu treten.

Ja, ich fühle mich gerade (trotz anhaltender Müdigkeit) ganz gut. Aber ich weiß auch wie schnell das wieder durcheinander gewirbelt werden kann. Deshalb möchte ich beständig daran arbeiten. Vor allem möchte ich (wieder) davon wegkommen mich so sehr durch Fremdeinwirkung aus dem Konzept bringen zu lassen.

Wie geht es dir? Wie fühlst du dich zur Zeit? Kennst du diesen Prozess der Auf's und Ab's? Wie stehst du dazu? Ist es für dich etwas, an dem du arbeitest oder hältst du dich sehr daran fest, dass Glück und unglücklich sein von Außen verantwortet werden?

Ich freue mich auf einen regen Austausch mit dir.




22.01.19

Café Morelli | Giancarlo Gemin





Als der vierzehnjährige Joe erfährt, dass das Café seines geliebten Nonno geschlossen werden soll, ist er entsetzt! Und schwört sich, alles zu tun, damit das nicht passiert. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn die glorreichen Zeiten des "Morelli" scheinen vorüber. Zum Glück aber hat Joe nicht nur den italienischen Dickkopf seines Großvaters geerbt, sondern in seiner Cousine Mimi auch eine raffinierte Köchin, die mit ihren großartigen Gerichten die gesamte Straße in Verzückung versetzt. So weht durch das kleine walisische Viertel bald schon ein Hauch Dolce Vita. Und Joe muss feststellen: Familie, Freunde und die beste Pasta der Welt – manchmal braucht es einfach nur die richtigen Zutaten.
(Text & Cover: © Carlsen; Foto: © N. Eppner)


Nach "Milchmädchen" ist "Café Morelli" bereits das zweite Buch des walisischen Autors mit italienischen Wurzeln, das ich mit Freude verschlungen habe. Beide Bücher ähneln sich in ihrer herzlich offenen Atmosphäre und werden sogar miteinander verknüpft, können aber unabhängig voneinander gelesen werden. 

Joe ist ein sympathischer vierzehnjähriger Protagonist, der sich sehr mit den italienischen Wurzeln seines Großvaters verbunden fühlt. Italien, das bedeutet für ihn Lebensfreude und ein fröhliches Miteinander. Joe verehrt seinen Nonno, weiß jedoch nichts darüber wie dieser nach Wales gekommen ist, wie er sein Leben dort begonnen hat. Erst der Zusammenbruch des Großvaters führt dazu, dass Joe die wahre Geschichte der Familie kennenlernt. Die - wie so viele andere auch - verbunden ist mit den Tragödien der Weltgeschichte.

Um die Familie während des Krankenhausaufenthalts des Großvaters zu unterstützen, kommt Cousine Mimi aus Italien nach Wales. Die fröhliche junge Frau verdreht bald dem ganzen Viertel den Kopf mit ihrem italienischen Charme und ihren Kochkünsten. Joe wusste gar nicht, dass Selbstgekochtes so viel besser sein kann, als das Essen seines Lieblingsfastfoodladens. 

Gemeinsam mit Mimi entdeckt er seine Liebe zum Kochen und entwickelt Ideen, mit denen er das Café Morelli vor dem Ruin bewahren möchte. Der Laden kommt in Schwung und mit ihm das ganze Viertel. 

Wie "Milchmädchen" auch, ist "Café Morelli" ein Roman über Menschlichkeit. Gemin schärft den Blick dafür, Mitmenschen genau anzusehen. Hinter jedem Mensch steckt eine Geschichte. Alle zusammengenommen sorgen für ein buntes Miteinander. 

"Café Morelli" ist lebhaft und steckt voller Herzlichkeit. Neben der Idee, dass es möglich ist Träume und Ideen zu verwirklichen, wenn man daran glaubt und dafür einsteht, steckt in dem Roman eine dramatische Handlung, die sich der Geschichte des Zweiten Weltkriegs bedient und so ähnlich in mancherlei Familien für eine Verschiebung der Wurzeln gesorgt hat. Die Kombination von ernst und fröhlich macht "Café Morelli" zu einer absoluten Leseempfehlung.



Buchinfo:

272 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
Übersetzung: Gabriele Haefs



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner


19.01.19

Gedankenkreisel: Konsumruhe | Konsumfasten




Zum Weihnachtsfest 2018 habe ich mir gewünscht, dass die Kinder nicht mit Geschenken überschüttet werden, dass wir zu Ruhe und Besinnlichkeit finden und dass wir den Zauber des Weihnachtsfest feiern, indem die Geschenke ganz klassisch vom Weihnachtsmann bzw. Christkind kommen. 

Nur ein par wenige, gut ausgewählte Geschenke (Anmerkung der Redaktion: die wenigsten haben sich daran gehalten). 

Unsere Adventszeit wurde von einem Wichtel gestaltet, der in der Zeit vor Weihnachten durch eine kleine Tür zu uns kommt und den Kindern kleine Gaben bringt. Das war eine tolle Sache. Er brachte selbstgemachte Dinge wie Filzfiguren, Wichtelgold, auch mal ein Pixi Buch oder einen Glitzerstift oder Obst. Am meisten hat sich die Räubertochter über Mandarinen gefreut.





Über dieses Adventskalenderding kam ich mit meiner lieben Bloggerkollegin Damaris ins Gespräch, die es im vergangenen Jahr auch minimalistisch anging und vor allem Zeit verschenkte, was bei ihren Kindern viel Anklang fand. Sie erzählte mir, dass sie sich mit dem Thema "Konsumfasten" beschäftigte und der Gedanke daran begann in mir zu wachsen. Dann las ich bei Fräulein Ordnung den Artikel "Konsumruhe" und der kleine Keim spross nach und nach zu einer Pflanze, die sich nun so weit entwickelt hat, dass ich sie mit euch teilen möchte.



Was bedeutet Konsum für mich?

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Konsum bedeutet für mich all das, was ich im Überfluss zusammentrage. All das, zu dem ich mir keine Gedanken über dessen Herkunft mache, dessen Qualität so schlecht ist, dass ich denke "hält eh nur kurz, aber dann kaufe ich mir eben ein Neues", und Dinge, die ich aus Launen herauskaufe, obwohl ich sie nicht brauche (Bsp. Ich bin schlecht drauf. Also kaufe ich mir einen roten Lippenstift, weil er so schön aussieht. Eigentlich benutze ich ihn aber sowieso nicht...). Konsum bedeutet für mich gedankenlos einkaufen.

Ich denke, dass Konsum eine Frage der Perspektive ist. 

Was bedeutet Konsum für dich? 






Dinge, bei denen ich in Konsumrausch verfalle | verfallen könnte:

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  •  Kinderkleidung
  •  Oberbekleidung für Erwachsene
  •  Zeitschriften
  •  Bücher
  •  Lebensmittel
  •  Haushalt






Wie möchte ich damit umgehen?

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Ich habe mir für die einzelnen Kategorien Strategien überlegt bzw. mir Gedanken gemacht, wie ich mein Kaufverhalten so verändern kann, dass ich auf lange Sicht zufrieden bin und nicht nur vom kurzen Glück des Kaufens berauscht.



K I N D E R K L E I D U N G


Das ist leider meine größte Schwachstelle. All diese niedlichen Klamotten, die immer auf Instagram gezeigt werden... Aber braucht ein Kind 7 Strickjacken? Nein! 

Zuallererst habe ich die Kinderkleidung sortiert. Begonnen im Schrank der Mädels. Was ziehen sie wirklich an? Was passt noch.

Dann auf dem Dachboden (der ist bei uns ausgebaut und bietet viiiiel Lagerfläche). Dort lagert Kinderkleidung in Kisten. Zuerst habe ich wieder geschaut was uns davon überhaupt noch gefällt und was wirklich noch relevant ist. Die kleine Raupe bspw. trägt die Kleidung ihrer großen Schwester auf und ist jetzt zwischen Größe 68 und 74. Sie braucht definitiv keine Sommerkleider / - hosen in 68. Bis der Sommer wieder da ist, ist sie daraus gewachsen. Also weg mit allen Bekleidungsstücken, die ich nicht ganz unbedingt behalten möchte, weil sie einen hohen Erinnerungswert haben oder weil wir vielleicht doch irgendwann noch ein drittes Kind bekommen. 

Was passt, wandert in den Schrank. Was (der Räubertochter) nicht mehr passt oder (der Raupe) erst demnächst passen wird, kommt in beschriftete Kisten. Aussortierte Kleidung wird an Freundinnen mit Kindern weitergegeben oder an eine Familie, die eine Pflegekinderstelle ist. Gerne werden solche Sachen auch von Kindergruppen angenommen. Das Budget, das vom Jugendamt für Kleidung ausgezahlt wird, ist leider nicht sehr hoch.

Übrig bleiben immer noch genügend Sachen für die Kleine. Die Große bekommt erst dann was Neues, wenn ein anderes Kleidungsstück den Schrank verlässt.





O B E R B E K L E I D U N G  F Ü R  E R W A C H S E N E


Selbes Spiel. Aussortiert was nicht mehr getragen wird. Bleibt noch genug übrig.

Was Bekleidung betrifft möchte ich mich vor allem von Slow Fashion in Richtung Fair Fashion bewegen. Lieber weniger Kleidungsstücke, dafür nachhaltig produzierte Kleidung aus guter Qualität. Für die nächsten Monate erlaube ich mir ein Kleidungsstück pro Monat bzw. darf ein bestimmtes Budget nicht überschritten werden (Unterwäsche ausgenommen).

In diesem Monat habe ich mir ein T-Shirt und einen Pullover des Labels Womom gegönnt. Sowohl Design, als auch Qualität und Tragekomfort haben mich überzeugt (bei Slow Fashion habe ich oft das Problem, dass mir die Schnitte gar nicht passen). Im nächsten Monat wird es eine Jeans sein (in dieser Kategorie habe ich zwei Verluste zu beklagen). Voraussichtlich von wunder[werk]

Hast du Tipps für tolle Mode von kleinen deutschen Labels, die Fair Fashion vertreiben?





Z E I T S C H R I F T E N


Ich glaube Zeitschriften sind meine größte Schwachstelle. Aber weißt du, was der Witz daran ist? A) sind es meist Zeitschriften, die sich um ähnliche Themen drehen (gerade gerne Achtsamkeit, Entschleunigung etc.) und b) lese ich sie in der Regel nur einmal. Wenn ich überhaupt dazu komme.

Im nächsten halben Jahr werde ich mir keine Zeitschriften kaufen, außer dem Flow Magazi, denn das lese ich wirklich gerne, und das Naturkind Magazin, das ich für vier Ausgaben (ein Jahr) abonniert habe.





B Ü C H E R


Dem Problem des Bücherüberschusses gehe ich schon seit einer Weile an den Kragen. Ich nehme / frage nicht mehr so viele Rezensionsexemplare an wie früher, nehme in diesem Jahr an keiner Lesechallenge teil und überlege mir gut, welche Projekte auf meinem Blog diesbezüglich stattfinden.

Den Bücherkauf muss ich noch ein bisschen runterfahren. Aber ich schaue jeden Morgen beim Yoga machen auf mein Bücherregal und sehe all die ungelesenen Bücher, die nach mir rufen. Dort stehen echt noch einige Schätze, die ich nun unbedingt mal lesen möchte.

In der kommenden Woche werde ich mit der Räubertochter in die Stadtbücherei meiner ehemaligen Heimatstadt fahren und dort mal wieder einen Ausweis beantragen. In den letzten Jahren hatte ich keinen mehr und ich merke wie ich nun schon immer mal daran denke, dass ich ein Buch, das ich auf einem Blog oder Instagram entdecke, nicht sofort kaufen möchte, sondern erstmal in der Bücherei suchen werde.





L E B E N S M I T T E L


Eigentlich leben wir schon lange nach dem Prinzip qualitativ hochwertige Lebensmittel, statt Billigessen. Ich koche fast täglich frisch, meist aus Bioprodukten. Die werden via Ökokiste vom Bauernhof geliefert. 

Soweit so gut. Doch dann fahre ich einkaufen. Und sehe ganz viele Lebensmittel, die wir unbedingt auf Vorrat brauchen. 

Seit einiger Zeit mache ich mir wieder einen Kochplan. Der beinhaltet die Lebensmittel, die in der Ökokiste sind. Hin und wieder gönnen wir uns auch Hello Fresh Kochboxen. Bleibt also nicht mehr viel übrig, was eingekauft werden muss. Auf den ersten Blick scheinen sowohl die Kochbox, als auch die Ökokiste teuer. Richten wir jedoch unseren Fokus darauf, verwenden die gelieferten Produkte und kaufen nicht noch so viel nebenher, ist es eine große Ressourcen-, Geld- und Zeitersparnis.




H A U S H A L T 


Hier darf ich das Stöckchen auch an meinen Mann weiterreichen.

Wir haben dieses tolle grüne Messer. Ein zweites kann nicht schaden. Dann kaufen wir es halt. Jetzt.

Muss gar nicht sein. Haushaltsgegenstände im Überfluss (kennst du dieses Tassenproblem??) und dann die Frage stellen wo das Zeugs unterkommen soll. Weniger ist in dem Fall mehr. Weniger Arbeit. Mehr Ordnung. 

In den nächsten Monaten gilt also zu Überdenken was tatsächlich nützlich ist. Was wir tatsächlich brauchen (und mehr als einmal im Jahr benutzen).





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Von dieser Aktion verspreche ich mir nicht nur eine Geldersparnis, sondern auch das kleine Glücksgefühl, das damit einhergeht, wenn man sich auf wenige gute Dinge fokussieren kann. Aktuell erfreue ich mich z.B. immer wieder am Anblick meines leeren und gut sortierten Kleiderschrankes. 


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Konnte ich dich mit meinem Artikel ein wenig zum Nachdenken anregen? Ein wenig motivieren? Oder ist das in deinen Augen ausgemachter Blödsinn?
Ich freue mich, wenn du deine Gedanken zum Beitrag im Kommentarfeld mit mir teilst.




14.01.19

Sonntags in Trondheim | Anne B. Ragde

ACHTUNG! "Sonntags in Trondheim" ist der vierte Teil der "Lügenhaus"-Reihe und daher enthält meine Rezension Spoiler zu vorangegangenen Bänden. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle vier Bücher.




Einst auf einem Schweinezüchterhof in Trondheim zu Hause, lebt die Sippe der Neshovs inzwischen weit verstreut. Torunn vergeudet ihre Zeit mit einem Mann, der Schlittenhunde züchtet – zu denen sie eine bessere Beziehung unterhält als zu ihm. Torunns Onkel Margido widmet sich mit fast religiöser Hingabe seinem Bestattungsunternehmen. Und sein Bruder Erlend, ein schwuler Schaufensterdekorateur, ist zwar seit Jahren glücklich in Kopenhagen verheiratet, aber ein wenig hysterisch. Eines Tages geschieht etwas, das die Familie zwingt, wieder näher zusammenzurücken ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Wie schön war es die Neshov Sippe wiederzutreffen. Ein Gefühl wie Weihnachten, nur, dass ich selbst nicht involviert bin, sondern mir all die Dramen und Tragödien von Außen anschauen kann. Davon gab es in den ersten drei Bänden der "Lügenhaus"-Reihe ziemlich viele. In "Sonntags in Trondheim" geht es ein wenig beschaulicher zu. Ein wenig entspannter und gefühlt ein wenig glücklicher. Und weil ich der Familie nach drei Bänden so nah bin, freut mich das, als sei ich doch ein Teil von ihnen.

Anne B. Ragde hat mit den Neshovs eine Familie konzipiert, die auf den ersten Blick ziemlich verschroben wirkt. Bei genauerem Hinsehen aber Züge erkennen lässt, die in jedem Haushalt, überall auf der Welt, so oder so ähnlich ablaufen könnten.

Im Mittelpunkt steht Torunn, die vor einiger Zeit erfahren hat, dass ihr Vater ein Schweinezüchter in Norwegen ist und dass er und ihre Mutter nicht zusammenlebten, weil die Großmutter die Verbindung der Beiden nicht für gut hieß, so dass Torunns Mutter vom Hof gejagt wurde. Als der Vater stirbt, erfährt Torunn, dass sie die Erbin des Hofes ist. Das überfordert sie jedoch so sehr, dass sie erstmal wieder abhaut. Zurück in die Arme ihres langjährigen Freundes, der sie permanent mit jüngeren Frauen betrügt. 

Torunn neigt dazu an alten Gewohnheiten festzuhalten und erträgt diesen Zustand ihrer Beziehung eine ganze Weile, bis es ihr doch zu bunt wird. Sie kehrt zurück auf den Hof ihres Vaters, denn wie sollte man der Schwierigkeit gesunde Beziehungen zu führen anders auf den Grund gehen, als dorthin zurückzukehren, wo die Beziehung der Eltern noch vor der Geburt gekappt wurde. Für Torunn eine Möglichkeit zu sich selbst zu finden?

Außerdem lebt ihr Onkel Margido in der Nähe. Ein einsam wirkender Endfünfziger / Anfang sechziger, der voll und ganz in seinem Beruf als Bestatter aufgeht. Seine Tagesabläufe sind penibelst genau durchgeplant. Systeme, die ihm Orientierung und Halt geben während er täglich dem Tod begegnet. Als Torunn bei ihm auftaucht, bringt sie sein Leben durcheinander. Ein ganz neues, gar nicht mal so unangenehmes Gefühl.

Und dann gibt es noch den schwulen Erlend, der sich gemeinsam mit seinem Mann und zwei befreundeten Leihmuttern eine eigene Familie "gebastelt" hat. Ein Familiensystem wie er es nie gekannt hat. So perfekt, obwohl überhaupt nicht ans klassische Familiensystem angelehnt. Oder eben doch, weil Kinder ein ganzes Dorf brauchen, um behütet aufzuwachsen. Zwei Väter und zwei Mütter tun es für den Anfang aber auch.

Hach ja, es steckt so viel Liebe in den Figuren, in all ihren Lebenswegen, ihren Entscheidungen, in all den Zwickmühlen und Verästelungen, die das Schicksal für sie ersinnt. Die Figuren leben. In der Sprache, in den Handlungen und ganz schnell auch in den Herzen der Leser. 

Während die Atmosphäre in den ersten drei Teilen eher von einem dünnen Nebelschleier überzogen ist, fühlt es sich so an, als komme Licht in das Leben aller Figuren. Dadurch unterscheidet sich "Sonntags in Trondheim" von Ton und Ambiente von den vorherigen Büchern, was dem Lesevergnügen jedoch nichts nimmt.



Buchinfo:


btb (207)
352 Seiten
Paperback
Taschenbuch erscheint im April 2019
Übersetzung: Gabriele Haefs


Reiheninfo:

1. Das Lügenhaus
2. Einsiedlerkrebse
3. Hitzewelle
4. Sonntags in Trondheim
5. Die Liebhaber (ET: Februar 2019)



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

05.01.19

Die 10. Buchsaiten Blogparade



Schon seit einigen Ausgaben nehme ich an der Buchsaiten Blogparade teil, die nun zum 3. Mal in Folge via Die Liebe zu den Büchern stattfindet.

Noch bis einschließlich Sonntag den 06. Januar kannst du deinen Beitrag dazu online stellen und in Petzis Kommentarfeld verlinken.

Auf Social Media Kanälen findest du den Beitrag unter #BSBP


1. Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?


"Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie" wollte ich zuerst gar nicht lesen, weil ich Anfang des Jahres die Nase voll hatte von diesen vermeintlichen Gute-Laune-Alles-wird-prima-wenn-wir-uns-alle-aneinander-kuscheln-Büchern. Glücklicherweise nahm ich es doch zur Hand und war schnell gefangen von den schüchternen, aber sehr liebevollen Charakteren. Von ihrem Wunsch füreinander da sein zu wollen und vor allem von ihrer Liebe zur Musik. Dieses Buch hat tatsächlich ganz viel Wohlgefühl in mir ausgelöst und mich mit ganz viel Herzlichkeit verzaubert.





2. Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?


Das war auf jeden Fall "Familiäre Verhältnisse" von Sophie Bassignac. Ich hatte auf eine amüsante Geschichte mit einer verschrobenen Familie gehofft, aber der Roman war flach, uninteressant und die Witze einfach nicht lustig.

3. Welches war eure persönliche Autorenneuentdeckung in diesem Jahr und warum?


Das war für mich definitiv Nini Haratischwili. Wie sehr habe ich ihren Roman "Das achte Leben (Für Brilka)" gemocht. Diese Sprache, diese Inszenierung von Landesgeschichte innerhalb einer Familie erzählt über mehrere Generationen. Es ist nicht ihr Debüt und es ist auch schon die Taschenbuchausgabe, die mir in die Hände gefallen ist, aber besser spät als nie. Vor kurzem war ich dann auf einer Lesung der Autorin zu ihrem aktuellen Roman "Die Katze und der General" und war sehr beeindruckt von Nino. Eine sehr sympathische Frau. Sehr straight, sehr präsent. Ihre Sprache ist ein Traum. Sie redet so ausdrucksstark wie sie schreibt, was mir sehr imponiert. Ich freue mich darauf in diesem Jahr "Die Katze und der General" zu lesen.





4. Welches war euer Lieblingscover in diesem Jahr und warum?


Das Cover vom Kinderbuch "Bienen" von Piotr Socha.
Ich liebe den Zeichenstil des Autors. Noch schöner ist das Cover seines neuen Buches "Bäume", aber das besitzen wir leider noch nicht.





5. Welches Buch wollt ihr 2019 unbedingt lesen und warum?


Neben dem bereits genannten "Die Katze und der General", "Odinskind" von Siri Pettersen. Ein Fantasyroman einer norwegischen Autorin.
a) sprechen mich Cover und Klappentext an
b) lebe ich in dem Glauben, dass eine norwegische Fantasyautorin sicher eng verbunden mit der Mytholigie ist und
c) ist Norwegen das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Passt also ganz gut.





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