29.04.19

Die dunklen Lande | Markus Heitz





1629. Der 30 Jährige Krieg mit seinen Konflikten erschüttert Europa und tobt besonders gnadenlos in Deutschland.
Die junge Abenteurerin Aenlin Kane reist in die neutrale Stadt Hamburg, um das Erbe ihres berühmten Vaters Solomon Kane zu ergründen. Zusammen mit ihrer Freundin Tahmina, einer persischen Mystikerin, gerät sie in die Wirren des Krieges. Sie nehmen einen folgenschweren Auftrag der West-Indischen Compagnie an: Eine zusammengewürfelte Truppe soll sich durch die Linien nach Süddeutschland durchschlagen, bis nach Bamberg, wo grausamste Hexenprozesse die Scheiterhaufen brennen lassen - doch es kommt vieles anders. Zu viel für einen Zufall!
Aenlin und Tahmina wissen um das Böse und die Dämonen, die sich auf der Erde tummeln und die Wirren des Krieges zu ihrem Vorteil nutzen. Schon bald geht es um mehr als einen Auftrag der Compagnie.
Und der Anführer der Truppe, Nicolas, hat ein düsteres Geheimnis …
(Text & Cover: © Droemer Knaur; Foto: © N. Eppner)


Richtig unterhaltsam, so empfand ich das Lesen von "Die dunklen Lande". Rasant, actionreich, mit einer passenden Prise Humor, flüssig und spannend. Reicht das schon, um dich zu überzeugen das Buch zu kaufen? Nicht? Dann also mehr Details.

"Die dunklen Lande" ist versehen mit zwei richtig coolen Protagonistinnen. Wer denkt, das männliche Autoren keine starken Heldinnen schreiben können, der / die wird hier eines besseren belehrt. Aenlin und Tahmina bringen alles mit, was ich mir von weiblichen Figuren in einem phantastischen Abenteuerroman wünsche. Sie sind stark, mutig und behaupten sich in einer Männerdominierten Welt. Heitz spielt lange Zeit damit dem Leser nicht klar darzustellen, ob die beiden eine Liebesbeziehung haben. Ich glaube, dass der Autor sehr viel Freude damit hatte die beiden Charaktere zu entwerfen und deren Szenen zu schreiben. Das Herzblut, das ihnen zugrunde liegt, springt förmlich aus den Seiten.

Neben den starken Frauen gibt es ein paar sehr skurrile Herren. Draufgänger, Außenseiter, Nichtsnutze und Helden. Nicht tiefgründig, aber sehr dynamisch. Manch einer von ihnen trägt ein Geheimnis, das sich nicht erahnen lässt.

"Die dunklen Lande" ist eine sehr gelungene Mischung aus historischem Abenteuer und Fantasy. Markus Heitz studierte Germanistik und Geschichte und hat daher solides Grundwissen, um den Roman im Deutschland des 17. Jahrhunderts anzusiedeln. Durch den Einfluss realer Gegebenheiten wie Lebensstil der Figuren, Denkweise, Kleidung und Waffen, bekommt der Roman die nötige Authentizität, um lebendig und eingängig zu werden. 

Wer Heitz Schreibstil bisher nur von der Zwerge Reihe kennt, wird sich wundern wie klar und gradlinig der Autor in diesem Roman schreibt. Es ist nicht mit der Komplexität und Erzählkunst der Zwerge Bücher zu vergleichen, aber sehr kurzweilig und mitreissend geschrieben. Der Roman dient als Grundlage für ein Album der deutschen Metalband Blind Guardian. Im November erscheint "The Dark Lands", das eine Art Fortsetzung von "Die dunklen Lande" sein wird. Ein spannendes Experiment, das ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde. Dass die CD in meinem Player landen wird, versteht sich von selbst.


Buchinfo:

460 Seiten
Klappenbroschur
16,99 €


Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

19.04.19

Roma Nova | Judith C. Vogt




Dämonische Kreaturen lauern am Rande des Mare Nostrums, darauf harrend, den Planeten Rom für immer von der Sternenkarte zu löschen. Sie überfallen das Raumschiff des Legaten Lucius Marinus, um die Sklavin und Seherin Morisa zu befreien und zu sich in den Hades, ein zerstörerisches Sternensystem um ein Schwarzes Loch, zu holen. Von dort aus plant Morisa ihre Rache an ihrem ehemaligen Herrn und dem gesamten Römischen Imperium.
(Text & Cover: © Bastei Lübbe; Foto: N. Eppner)


"Roma Nova" ist mein Einstieg in die Science Fiction für Erwachsene. Ich habe wenig Erfahrung mit diesem Genre und war mir lange Zeit unsicher, ob es was für mich ist, aber "Roma Nova" hat mir gezeigt, dass es ganz egal ist, in welchem Umfeld gute Geschichten spielen.

Dennoch ist gerade in diesem Roman das Setting sehr interessant. "Römer im Weltall" mit diesem Slogan wird das Buch vielerorts beworben. Klingt irgendwie abgefahren und sehr der Fantasie entsprungen. An den Haaren herbeigezogen? Ist es gar nicht. Die Römer waren gar nicht so viel anders, als heutige Gesellschaftsgruppen. Gruppen, Strukturen, Machtverhältnisse die es immer gegeben hat und vermutlich auch immer geben wird, wenn nicht doch irgendwann ein großes Umdenken stattfinden wird.

Genau das war es auch, was mich am Roman reizte. Aufmerksam geworden durch einen Podcast, in dem das Autorenpaar Judith und Christian Vogt über Bücher, über ihre Bücher sprechen, und die Autorin erklärt, dass sich deutliche Parallelen zeigen. Parallelen in der Struktur der Gesellschaft, im System der Politik, aber auch im Kleinen. Allzeit vorhanden ist die Gier nach Macht und das Ausspielen derselbigen, sobald man sie besitzt. Wer in einer Position über wem anders steht, spielt das aus. Psychologie, die auch in "Roma Nova" deutlich zum Einsatz kommt.

Der Einstieg ins Buch fiel mir etwas schwer. Ich wurde recht zügig mit einer komplexen Denkweise, einer Unbekannten Daseinsform mit nicht sehr leicht greifbaren Ideen und vielen weiteren Personen konfrontiert. Namen kamen mir bekannt vor aus dem Lateinunterricht (endlich macht er sich bezahlt! Ist aber absolut kein Muss, um das Buch zu verstehen), aber es sind direkt recht viele. 

Nach kurzer Orientierungslosigkeit konnte mich der Roman schnell in seinen Bann ziehen. Festgelage, die beherrscht wurden von Hemmungslosigkeit und eben jenem Ausspielen der eigenen Macht. Menschen werden benutzt wie Gegenstände, man suhlt sich darin eine provokative Außenwirkung auf andere zu haben. Reichtum steht über Schönheit über Charakter. Die Protagonisten sind zunächst unangenehme Zeitgenossen. Judith Vogt spielt mit ihren Lesern, lässt sie nicht einmal ahnen, wer Gut und wer Böse ist.

Später gibt es dann einen Twist. Mit dem Auftauchen der Kämpfe in einer Arena, treten auch Heldenfiguren auf. Klassisch, aber nicht herkömmlich und schon gar nicht sympathisch und doch gibt es schon schnell Figuren, denen ich wünsche, dass sie auch die letzte Seite überleben.

Zum konkreten Inhalt möchte ich gar nicht zu viel verraten. Fakt ist: Römer in der Science Fiction funktioniert. Meiner Meinung nach sehr gut. Es gibt viele Dinge, die an historische Sagen und Fakten angelehnt sind, die aber dank des Phantastik Hintergrunds des Romans viel mehr Freiraum bekommen. Nicht nur in der Handlung, sondern auch im Denken. Ich habe mir sehr oft Gedanken darüber gemacht wie angesprochene Themen in der Realität ablaufen und sehr viele Parallelen entdeckt.

"Roma Nova" hat mich gefordert. Im positiven Sinn. Ich musste mich auf einiges einlassen, dass ich aufgrund meines Wissens über Geschichte anders im Kopf hatte, und ich musste mich einigen unangenehmen Themen stellen, die der Gesellschaft, in der ich lebe, auch in der Realität begegnen. Aber ich bin auch unterhalten worden. Sehr gut sogar. Mit vielen spannenden Handlungen, überraschenden Wendungen und interessanten Charakteren. von mir gibt es für "Roma Nova" eine ganz klare Leseempfehlung.


Buchinfo:

623 Seiten
Taschenbuch



Rezensionen: © 2019, Nanni Eppner

06.04.19

Mein Märzlesestapel oder Wie ich es geschafft habe, so viel zu lesen





Seit der Geburt der kleinen Raupe habe ich nicht mehr so viel gelesen wie im März. Dabei ist es gar nicht so, dass ich im letzten Monat mehr Zeit hatte. Ich habe einfach einen für mich passenden Rhythmus gefunden. 

Für mich passend - sind die Schlüsselworte. Das mysteriöse Geheimnis hinter dem großen Stapel aus fast überwiegend tollen Büchern. 

Im Folgenden erzähle ich dir etwas über mich und mein Leseverhalten. Vielleicht kannst du das ein oder andere für dich mitnehmen und so dein Lesevergnügen erhöhen.




1. Ziele definieren.


Was erwarte ich vom Lesen? Lese ich rein aus Vergnügen? Zur Unterhaltung? Möchte ich mich qualitativ hochwertig weiterbilden?

Eigentlich lese ich ja (auch) gerne anspruchsvollere Romane und dicke Schmöker. Aktuell passt das aber nicht zu meiner Lebenssituation. Ich bin mit meinen Gedanken ständig bei Dingen, die meine Familie betreffen, muss organisieren, planen und hab den Kopf gerade einfach nicht frei für Literatur, die mich zu komplexem Denken herausfordert. Ich lese ja eh querbeet und finde, dass man ruhig mal die eigene Blase verlassen und auch mal Gewohnheiten ablegen oder ändern kann.

Ich möchte nicht umswitchen zu banalem Kitsch, aber ich brauche gerade einfach Bücher, die mich schnell einnehmen, die mich mitreißen, die spannend sind und in die ich schnell (wieder) hereinfinde.

Seit ich "umgedacht" habe, kann ich mich ganz anders auf die von mir ausgewählten Romane einlassen. Im März habe ich z.B. die Krimiautorin Ingrid Noll für mich entdeckt (dank der Empfehlung von Kerstin). Alltagskrimis über scheinbar harmlose Menschen, mit Tiefe und übelst gutem Sarkasmus. Endlich habe ich Lucy Clarkes "Die Bucht, die im Mondlicht versank vom SuB befreit, das dort schon seit über einem Jahr vor sich hin darbte, genau wie "Phönix" von Michael Peinkofer. Zwei richtig spannende Romane mit unverhofftem Ablauf.





2. Leserhythmus dem Tagesrhythmus anpassen


Ich bin Frühaufsteherin. Wenn es eben geht, verlasse ich um 5 Uhr das Bett (vorausgesetzt ich habe nicht die ganze Nacht ein weinendes Kind geschaukelt. Dann muss ich noch die eine Stunde weiterschlafen bis die kleine Raupe wach wird). 

Ich nehme mir eine halbe Stunde der Zeit, in der noch alles im Haus ruhig ist. In der ich noch voll konzentriert und von nichts abgelenkt bin.

Abends bringe ich die Kinder recht zeitig ins Bett. Meist bin ich dann selbst ziemlich ko und lege mich dazu. 

Nachdem ich vorgelesen und gesungen habe, wird das Licht gelöscht. Ist die Räubertochter dann noch wach, hört sie ein Hörspiel und ich lese im Dunkeln auf dem Reader. Sind beide Kinder eingeschlafen, kann ich nochmal das Licht anmachen und lesen. TV (haben wir im Schlafzimmer eh nicht) und Handy bleiben aus. Dass Social Media, das Internet und Whats App Lesekiller sind, muss ich dir ja nicht mehr erklären ;)





3. Lesezeit bestimmen


Ich setze mir immer ein bestimmtes Ziel an Lesezeit. 

Ich lese täglich 30 Seiten.
Manchmal ist es schwer in ein Buch reinzukommen. Ich dümpel dann so vor mich hin. Leg es wieder zur Seite. Nehme es vielleicht wieder, um ein paar Seiten zu lesen und leg es dann wieder weg.
Habe ich erst einmal 30 Seiten gelesen, bin ich ganz anders in einer Geschichte drin, als nach nur 5 Seiten. Meistens lese ich dann sogar noch mehr und falle nicht in diesen Rausch der Unzufriedenheit, der mich manchmal ergreift, wenn ich zu lange an einem Buch lese.

Ich lese immer bis zu einer bestimmten Uhrzeit.
Durch die Kinder ist unser Tag ziemlich durchgetaktet. Tatsächlich mehr, als vor der Elternzeit, als der Tagesablauf noch sehr von zur Arbeit gehen bestimmt war. 
Vor allem die kleine Raupe hat die Angewohnheit so vorhersehbar zu sein wie ein Schweizer Uhrwerk. Nach ihr könnte ich tatsächlich die Uhr stellen. Sie hat jede Nacht zur gleichen Zeit Hunger (+- 10 Minuten), schläft jeden Tag zur gleichen Zeit und wird morgens immer um 6.15 Uhr (+- 10 Minuten) wach. Für den Körper ist so eine Regelung ziemlich gut und deshalb versuche ich abends auch immer zur gleichen Zeit einzuschlafen. Manchmal möchte ich mein Buch schon früher zur Seite legen und mich doch einfach nur berieseln lassen. Dann sage ich dem inneren Schweinehund den Kampf an und ziehe meine Lesezeit durch.





4. Kleine Auszeiten schaffen


Früher habe ich gerne beim Frühstück gelesen. Beim Kinderwagen fahren. Während der Laptop eine neue Seite lädt. Oder oder.
Das hat jedoch eher zu Frust, als Produktivität geführt.

Heute nehme ich mir über Tag eine bewusste kleine Auszeit. Dann, wenn ich weiß, dass ich noch entspannt genug bin, um schnell ins Buch zu finden, und die Kinder auch mal 10-15 Minuten ohne mich spielen können. Das ist meist am Morgen, wenn die kleine Raupe nochmal schläft und die Räubertochter beschäftigt ist (Tipp: kaufe einen Wasserfarbkasten ;)). 
Dann brühe ich mir einen Kaffee auf, breche mir zwei Stück dunkle Schokolade ab und setze mich ganz gemütlich mit meinem Buch in meinen Lesesessel. Haben wir am Vormittag zu viel zu tun oder sind bei den Pferden, genehmige ich mir diese Auszeit am Nachmittag. Das gibt mir zudem Energie, um hundert weitere MAMA!!!-Rufe durchzustehen.





Manches davon klingt für dich nach Arbeit und du fragst dich, ob mir lesen so überhaupt noch Freude macht?


Oh ja! Mehr, als in den letzten Monaten, als ich nur 2-3 Bücher gelesen habe. 
Für mich ist lesen extrem wichtig. Wenn ich nicht lese, bin ich unglücklich. 
Es hilft mir Kraft zu tanken, mich wohl zu fühlen, nicht festzufahren und meine Perspektive zu erweitern. Und es wird einem im Leben nun mal nichts geschenkt. Auch kein großer Stapel gelesene Bücher.

Meine Highlights im März waren übrigens "Fitz Fups muss weg", ein richtig witziges, charmantes und einfallsreiches Kinderbuch, das mit einer Leichtigkeit den Unsinn von Diktatur erklärt und ganz wundervoll über Mut erzählt und "Lempi. Das heißt Liebe", die fein erzählte Geschichte einer Tragödie zwischen Krieg und Menschlichkeit.





Hast du besondere Lesegewohnheiten, Tipps oder Rituale? Oder bist du eher Typ "Es kommt wie es kommt"?

Über deinen Kommentar freue ich mich sehr.

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