11.10.19

Der Tote am Gletscher | Lenz Koppelstätter




Nachts auf dem Gletscher, da gehört der Mensch nicht hin. Da sind nur die Geister der Toten und der Sturm und der Schnee. Trotzdem entdeckt Skipisten-Toni im Dezember hoch oben ein seltsames Licht – und wenig später die Leiche eines Einsiedlers. Mit einer Pfeilspitze in der Schulter. Fast am selben Ort, an dem viele Jahre zuvor Ötzi, die weltberühmte Steinzeitmumie, gefunden wurde, die mittlerweile im Bozener Museum liegt. Ebenfalls von einer Pfeilspitze durchbohrt. Commissario Grauner, der an manchen Tagen lieber nur »Viechbauer« wäre, macht sich im tief verschneiten Schnalstal an die Ermittlungen. Unterstützt wird er von Saltapepe, seinem jungen Ispettore aus Neapel, der noch immer nicht versteht, was die Einheimischen an den Bergen finden. Zwischen Dorfintrigen, wortkargen Bewohnern, glühweinseligen Touristen, den kriminellen Machenschaften eines Skiliftunternehmers und kuriosen Ötzi-Spuren entwickelt sich ein hochspannender Fall, der weit in die Vergangenheit führt und die Ermittler vor immer neue Rätsel stellt.
(Text & Cover: Kiepenheuer&Witsch; Foto: N. Eppner)


Ich mag es mich mit entsprechender Lektüre auf bestimmte Lebenwege, Situationen oder den Urlaub einzustimmen. Auf Empfehlung habe ich mir den ersten Band der Krimireihe von Lenz Koppelstätter aus der Bibliothek geholt und war nicht nur begeistert vom Südtirol Flair, dass der Roman durch gekonnt eingesetzten Lokalkolorit, herüberbringt, sondern auch vom spannenden Kriminalfall, der ganz ohne Brutalität, aber mit viel Charme und gut durchdachten Wendungen, daherkommt.

Ein Mordfall, der dem des Ötzis ähnelt. Ein Einsiedler liegt tot im Schnee. Das Todeswerkzeug ein Pfeil, der ganz danach aussieht, als sei er vom Ötzi selbst zum Toten befördert worden. Wer steckt dahinter? Etwa der herrische Bürgermeister, vor dem alle kuschen? Oder dessen ehemals bester Freund, heute Gegner? Oder etwa der Holzunternehmer, der geradewegs in eine Insolvenz hineinschlittert? Doch warum ausgerechnet der Peppi, der doch schon so lange allein im Wald lebt?

Der Mord spielt im Schnalstal, einem Tal, das wir interessanterweise ausgerechnet in diesem Urlaub besuchen wollten. Und so bin ich tatsächlich dem ein oder anderen Ort, der im Buch vorkommt, begegnet. Autor Lenz Koppelstätter ist gebürtiger Südtiroler und die Atmosphäre im Buch ist so authentisch, dass ich mich nicht gewundert hätte, wenn mir der Bürgermeister oder der Kommissar Grauner selbst über den weg gelaufen wären, während ich mit meiner Familie durch die Berge wanderte.

Der Grauner, das ist genau so ein Ermittler, wie ich sie mag. Mit intaktem Familienleben, das allerdings hinter der Arbeit zurückstehen muss, mit einer starken Frau an seiner Seite und pubertierender Tochter, die er nicht so Recht versteht. Ein Einheimischer mit Leib und Seele, ein bisschen grummelig, aber im Herzen gutmütig. Ihm zur Seite steht der junge Ispettore aus Neapel. Ungebunden, charmant, temperamentvoll. Zwei völlig unterschiedliche Kulturen treffen ebenso aufeinander wie zwei gänzlich verschiedene Charaktere. 

Geschickt bindet Koppelstätter seine Leserinnen und Leser an das sympathische Ermittlerduo. Beide tragen ein dunkles Geheimnis mit sich herum, das in "Der Tote am Gletscher", Band 1 der Reihe aber nur Ansatzweise aufgeklärt wird. Es bleibt also auch um die beiden Kommissare spannend.


Buchinfo:

Kiepenheuer & Witsch (2015)
320 Seiten
Taschenbuch
9,99 €

Reiheninfo:

1. Der Tote am Gletscher
2. Die Stille der Lärchen
3. Nachts am Brenner
4. Das Tal im Nebel


Rezensionen: 2019, Nanni Eppner

Kommentare:

  1. Dieses Buch habe ich vor drei Jahren mal begonnen und dann wieder abgebrochen, obwohl ich gar nicht mehr so genau weiß, weshalb. Ich glaube, es war nicht ganz der richtige Zeitpunkt und vielleicht lag es auch an der Hörbuchfassung. Bei dir klingt der Krimi jetzt doch wieder verlockend und da ich dieses Jahr zu Silvester in Südtirol sein werde, könnte ich es damit vielleicht nochmal versuchen.

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    1. Ich habe ja im Frühlingsurlaub Luca D'Avenia gelesen, der mich auch fesseln konnte, aber in erster Linie, weil es so Nervenaufreibend war und ich das auch nicht gewohnt bin. Sein Roman "Das Böse, das bleibt" empfand ich als sehr konstruiert und habe mich gefragt, warum der Autor so hochgelobt wird.

      Koppelstätter konnte mich wirklich mehr begeistern. Ich finde er hat so einen leicht ironischen Unterton und seine Ermittler sind normal, aber nicht zu normal. Sie können auch mal ausrasten und haben ihre dunklen Geheimnisse, aber sie sind nicht solche Dandys wie die amerikanischen Kollegen. Und auch den Kriminalfall fand ich spannend. Ich hatte lange Zeit einen anderen Täter in Verdacht.

      Silvester in Südtirol. Wie schön. Das wünsche ich mir auch schon länger, aber mein Mann möchte lieber mit Familie oder Freunden feiern. Vielleicht schaffe ich es in ein paar Jahren mal ihn zu überreden ;) Dir wünsche ich auf jeden Fall jetzt schon mal eine schöne Zeit.

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    2. Danke! Ich fahre seit ein paar Jahren über Silvester immer mit einer Freundin weg, da wir beide zu der Zeit gerne aus Wien flüchten. Vielleicht kannst du deinen Mann ja auch irgendwann noch überzeugen!
      Auf jeden Fall werde ich dem Buch bei der Gelegenheit noch eine Chance geben. Ich bilde mir ein, dass mich damals auch der Hörbuch-Sprecher nicht überzeugen konnte, daher versuche ich es dieses Mal wohl besser mit der Print-Ausgabe.

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