02.04.20

[Monatsrückblick] März 2020



Der März 2020 wird uns allen im Gedächtnis bleiben. Der März 2020 hat unser aller Leben aus der Bahn geworfen. Das eine vielleicht mehr, das andere weniger.


Für uns bedeutet es unter anderem, dass mein Mann seiner Arbeit nicht mehr nachgehen darf und dass wir - wie viele andere auch - weder Freunde noch Familie sehen. Einschränkungen, mit denen wir alle zu kämpfen haben. 

In den ersten Tagen, in denen klar war, dass der Corona Virus von nun an unseren Tagesablauf bestimmen würde, stand ich völlig neben mir. Seitdem ist es ein Auf und Ab der Gefühle. Mir gehen viele Fragen, Ängste und Sorgen durch den Kopf, ich vermisse geliebte Menschen und kann gar nicht fassen, dass unter diesem strahlend blauen wunderschönen Frühlingshimmel ein Virus sitzt, der Menschenleben bedroht.

Ich bin gerade absolut dankbar dafür, dass wir in einer ruhigen Straße ohne andere Kinder wohnen, dass die Häuser weit auseinander stehen, dass wir einen Garten besitzen, an den ein Wald grenzt, zu dem nur wir Zugang haben. All das ist gerade pures Glück. Für die Kinder, aber auch für meinen Mann und mich.

Wie geht es dir gerade so? 


Ich möchte nun aber gar nicht weiter über Corona sprechen. Ich kann keine fundierten Nachrichten dazu bieten und möchte lieber für Ablenkung sorgen.

Mein Lesemonat März war echt okay. Ich hätte gerne noch etwas mehr gelesen, aber ich hatte arg Schwierigkeiten mich zu konzentrieren. Seit ein paar Tagen versuche ich den Medienkonsum wieder einzuschränken, um gedanklich so weit zur Ruhe zu kommen, dass ich in die schönen Geschichten, die auf meinem SuB warten, eintauchen kann. Ich habe natürlich auch eine Ausrede dafür, dass ich mit den Rezis hinterherhänge. Ich sage nur so viel: Wie schaffen die Eltern, deren Kinder Zuhause sind, ihre Arbeit im Homeoffice?



[Leseliste]

15) "Das neunte Haus" | Leigh Bardugo | Droemer Knaur
16) "Bleib doch, wo ich bin" | Lisa Keil | S. Fischerverlage
17) "Kein Teil der Welt" | Stefanie de Velasco | KiWi
18) "Schatten der Ewigkeit. Zwillingsblut" | Carolin Wahl | Droemer Knaur
19) "Die Schule am Meer" | Sandra Lüpkes | Rowohlt
20) "Willa of the Wood" | Robert Beatty | S. Fischerverlage KJB



[Räuberkinder]





[Gedanken]






Meine Märzbücher habe ich aus verschiedenen Genres zusammengesucht. Meine Auswahl war durch die Bank spannend und gut erzählt. Kauf und lies alle ;) 

Zwei der Bücher konnten mich besonders begeistern.




"Die Schule am Meer" von Sandra Lüpkes beruht auf einer wahren Geschichte. In den 1920ern wurde auf Juist ein Internat gegründet, das sich sehr von den schulischen Anforderungen anderer Einrichtungen unterschied. Das ist für einige der Inselbewohner*innen ein Dorn im Auge. Streitigkeiten, um Werte und Konventionen, die im Laufe der Zeit einen deutlichen Rechtsruck erfahren, gehören ebenso zum Alltag der Lehrer*innen wie die persönlichen Problem ihrer Schüler*innen. Ich mag ja einfach solche Geschichten, in denen historische Fakten und persönliche Schicksale (die in diesem Fall auch zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhen) verwoben werden. Sandra Lüpkes hat es handwerklich drauf und einen authentischen, bewegenden und mitreissenden Roman geschrieben, der von mir den Stempel Monatshighlight bekommt.




Ein Kinderbuch hat es im letzten Monat geschafft ein Herzensbuch zu werden. "Willa of the Wood" von Robert Beatty hat etwas von Ronja Räubertochter, ist klug und berührend. Es handelt von Rücksicht, von Respekt voreinander und vor der Natur, von Freundschaft und Hilfsbereitschaft, davon gradlinig zu sein und sich eine eigene Meinung zu bilden. 

Welches Buch konnte dich im März so richtig begeistern?


Noch eine Herzensangelegenheit. 
Falls du neue Bücher kaufen möchtest, aber nicht in die Buchhandlung gehen kannst, weil sie geschlossen ist, schau doch nach, ob deine örtliche Buchhandlung einen Lieferservice anbietet. Wenn nicht, unterstütze doch bitte eine andere Inhabergeführte Buchhandlung und nicht Kaufrauschriesen. Ich bestelle meine Bücher beim Buchladen am Freiheitsplatz. Dort ist der Service toll. Ich kann mich telefonisch beraten lassen, es werden alle Bücher besorgt (auch in Originalsprache) und Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands verschickt. Und das so schnell wie es den Mitarbeitern möglich ist. Neuerscheinungen kannst du vorbestellen, Spiele und Papeterie ebenfalls dort kaufen. Auf Genialokal kannst du aber auch nachschauen welche Buchhandlungen in deiner Nähe sind.



Im März:




...haben wir noch einmal einen schönen Nachmittag mit Freunden verbracht.
Mit wandern, Picknick und gemeinsam kochen.



...den ersten Kaffee draußen getrunken

...hat die Räubertochter Fahrrad fahren gelernt.

...haben wir ein bisschen Frühlings- und Osterhaft dekoriert.

...viel Vitamin C gegessen.




...glauben wir fest daran, dass am Ende alles gut wird.

29.03.20

Das neunte Haus | Leigh Bardugo





Acht mächtige Studenten-Verbindungen beherrschen nicht nur den Campus der Elite-Universität Yale, sondern nehmen seit Generationen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA – das neunte Haus jedoch überwacht die Einhaltung der Regeln. Denn die Macht der Verbindungen beruht auf uralter, dunkler Magie: So können die Mitglieder der »Skull & Bones« die Börsenkurse aus den Eingeweiden lebender Opfer vorhersagen, während Haus Aurelian durch Blutmagie Einfluss auf das geschriebene Wort nehmen kann – ebenso hilfreich für Juristen wie für Bestseller-Autoren …
Als auf dem Campus von Yale eine Studentin brutal ermordet wird, sind die Fähigkeiten der Außenseiterin Alex Stern gefragt, die eben erst vom neunten Haus rekrutiert wurde: Nur Alex ist es auch ohne den Einsatz gefährlicher Magie möglich, die Geister der Toten zu sehen. Um eine Verschwörung aufzudecken, die weit über 100 Jahre zurückreicht, muss Alex ihre Fähigkeiten bis aufs Äußerste ausreizen.
(Text & Cover: ©Droemer Knaur; Foto: ©N. Eppner)

"Das neunte Haus" ist Leigh Bardugos Ausbruch aus dem Grisha Universum, aus Ketterdam, dem Gebiet der Krähen und der von ihr erdachten magischen Welt der Grisha. Es ist ihr Ausflug in das Subgenre Urban Fantasy. Gelungen, spannend, wie immer voller Überraschungen.

Was ich an Leigh Bardugo sehr mag, ist ihre Fähigkeit sich mühelos in verschiedene Settings zu schreiben und Figuren zu erschaffen, die Charakter und Charisma haben, ohne dass diese sich ähneln und trotzdem ähnliche Begeisterung auslösen. 

Da ich alle bisher erschienen Bücher von Leigh Bardugo sehr mag, waren meine Erwartungen an "Das neunte Haus" sehr hoch. Vielleicht ein bisschen zu hoch. Nicht alle meine Wünsche an den Roman wurden erfüllt. Dennoch hat mich Bardugo sehr gut unterhalten und mit Alex' Geschichte begeistert.

Alex hat die Fähigkeit Geister zu sehen und wird aufgrund dieser Gabe von einer Studenten Verbindung der Universität Yale rekrutiert. Als anonymes Mitglied des neunten Hauses soll sie helfen den Mord einer Studentin aufzuklären. Vom Studieren hat sie keinen Plan, was ihre Arbeit als verdeckte Ermittlerin nicht gerade erleichtert. 

Für Alex kommt der Ausbruch aus ihrem alten Leben gerade Recht. In der Schule hielt man sie für verrückt, später verfiel sie Drogen und damit einhergehenden toxischen Beziehungen. Doch als in Yale ihr Mentor verschwindet gerät sie auch dort in einen Strudel aus Lügen und Gefahren.

Alex hat die Ecken und Kanten, die wir uns bei anderen Protagonistinnen wünschen, lässt sich von den Ansprüchen an sie nicht beeindrucken und ist nicht so streberhaft, wie wir es von anderen Figuren in einem Highschoolsetting kennen. Bardugo lässt sie so rau wie sie ist, poliert und feilt nichts und das macht sie zu einer unglaublich guten Protagonistin.

Es dauert einige Seiten bis ich die Orientierung in der Geschichte fand. Noch ein paar Seiten mehr und ich bekam zum ersten Mal eine richtig fiese Gänsehaut. Düster und bedrückend durch das, was Alex zustößt und Bardugos Fähigkeit Atmosphäre zu erschaffen. Von dieser Atmosphäre hätte ich mir noch mehr gewünscht.

Es wird mindestens einen weiteren Roman über Alex Stern geben und das ist auch gut so. Ich habe noch einige Fragen, die in "Das neunte Haus" nicht beantwortet wurden und trotz kleiner Kritikpunkte, habe ich das Buch sehr gerne gelesen.

Gemeinsam mit Damaris, die mir hin und wieder dabei unterstützen musste, die Orientierung nicht zu verlieren. Schau dir doch auf Damaris liest auch ihre Rezi an.


Bücherinfo:

Knaur Fantasy (2020)
528 Seiten
Paperback 18,00 €
ÜBERSETZUNG: Michelle Gyo


Weitere Bücher der Autorin:

LEGENDEN DER GRISHA TRILOGIE:
3. Lodernde Schwingen

GLORY OR GRAVE

THRON AUS ASCHE

Rezensionen: ©2020, Nanni Eppner

27.03.20

[Räuberkinder] Handmade Regal für unsere Lieblingstonies




Zum Weihnachtsfest habe ich mich endlich dazu überwunden eine Toniebox zu bestellen. Bis dato war ich etwas skeptisch, da die Tonies im Verhältnis recht teuer sind zu dem, was sie an Abspielzeit bieten.

Nun muss ich zugeben, dass es sich trotzdem lohnt in die Box und die detailliert gestalteten Figuren zu investieren. Bei uns dudelt das Ding den ganzen Tag. Es ist Spritzwasserfest, kann auch mal runterfallen ohne Schaden zu nehmen und ist auch vom kleinen Räubermädchen ganz einfach zu bedienen. 



Die Figuren sind so robust wie die Box selbst. Sie können bespielt und vollgesabbert werden (iiiieh), überleben eine Nacht draußen oder einen Nachmittag im Sandkasten.

Um diese Figuren schön unterzubringen, gibt es verschiedenste Angebote an Tonieregalen. Durch den Magnet im Fuß, ist es praktisch, wenn im Regalboden ein Gegenstück ist. So bleiben die Figuren sicher stehen.



Als der Mann neulich ein schönes Holzregal im Netz entdeckte, beschloss er, es nachzubauen.
Im Grunde ganz simpel. Es wurden drei Holzbretter in Form geschnitten, abgehobelt (abgeschmirgelt), um weicher zu sein und Splitter zu vermeiden. Ein gut getrockneter (!!!) Birkenstamm in die entsprechenden Stücke geschnitten, alles miteinander verschraubt und von der Räubertochter mit kleinen Metallplättchen beklebt.

Unsere Lieblinge sind übrigens:
Räubertochter: Der Räuber Hotzenplotz und Kikaninchen
Räubermädchen: Tilda Apfelkern und Kindergartenlieder
Ich: Bambi (allein diese Musik...hach) und Lieselotte




Nutzt ihr die Toniebox? Welche Tonies sind eure Lieblinge? Wie werden sie aufbewahrt?

25.03.20

[Räuberkinder] Wie man sich mit einem Gespenst anfreundet | Rebecca Green




Keine Bange vor Gespenstern! Man kann mit ihnen Freundschaft schließen. Davon erzählt Rebecca Green in ihrer liebevoll geschriebenen und illustrierten Geschichte für kleine Angsthasen und mutige Weltenerkunder:
Was machst du, wenn dir ein Gespenst begegnet?
1) Du servierst ihm ein paar seiner Lieblingssnacks wie Matschtörtchen und Ohrenschmalztrüffel.
2) Du erzählst ihm Gutenachtgeschichten (Gespenster lieben es, wenn man ihnen vorliest!).
3) Du sorgst dafür, dass keiner es mit Schlagsahne oder einem Marshmallow verwechselt, wenn du mal nicht guckst.
So gewinnst du einen Freund, der dir in diesem (und im nächsten) Leben liebevoll zur Seite steht.
(Text & Cover: © Diogenes; Fotos: © N. Eppner)


Hast du schon eine beste Freundin oder einen besten Freund? Nicht? Wie wäre es mit einem Gespenst? Gespenster sind treu, mögen Bücher und schlafen gerne im Kühlschrank. 

Rebecca Green hat ein zauberhaftes Kinderbuch (Erwachsenenbilderbuch) entworfen, das auf witzige und rührende Art davon berichtet, wie das Leben mit einer Freundin oder einem Freund aussehen kann. Wie es ist eine Freundin oder einen Freund zu finden, und diese Freundschaft zu pflegen.





Stellvertretend für alle Freundinnen und Freunde da draußen steht das kleine Gespenst. Damit schafft Green eine Brücke zu einem Thema, das manchen Kindern Angst macht. Wer sich seinen Ängsten stellt, kann Glück haben und etwas Positives zurückbekommen. 

Eine Freundschaft ist ein Abenteuer. Gemeinsam Furcht und Problemen entgegenzublicken, gehört ebenso dazu wie verrückte Dinge zu erleben. Mit Freunden ist alles halb so schlimm und macht doppelt so viel Spaß. 





Rebecca Green ist sowohl für Text, als auch Illustrationen zuständig und hat so einen kleinen humorvollen und liebenswerten Schatz geschaffen, der für Kinder ab 4 Jahre leicht zu verstehen ist und von mir gerne vorgelesen wird, weil es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt und ich gemeinsam mit meiner Tochter über die verrückte Freundschaft zwischen Mensch und Gespenst schmunzeln kann. Von der Idee die Gespenstergerichte nachzukochen konnte ich sie glücklicherweise abbringen.


Buchinfo:

Diogenes (2019)
40 Seiten
Hardcover 18,00 €
ab 4 Jahre


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

23.03.20

Der Gesang der Flusskrebse | Delia Owens






Chase Andrews stirbt, und die Bewohner der ruhigen Küstenstadt Barkley Cove sind sich einig: Schuld ist das Marschmädchen. Kya Clark lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Als zwei junge Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, öffnet Kya sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen. Delia Owens erzählt intensiv und atmosphärisch davon, dass wir für immer die Kinder bleiben, die wir einmal waren. Und den Geheimnissen und der Gewalt der Natur nichts entgegensetzen können.(Text & Cover: © Hanser; Foto: © N. Eppner)



"Der Gesang der Flusskrebse" bei mir einziehen zu lassen, war eine intuitive Bauchentscheidung. Danach habe ich leider - warum auch immer - lange nicht den richtigen Moment gefunden es zu lesen. Um mich herum häuften sich die positiven Meinungen, herausragenden Besprechungen und als mir eine Freundin, die nicht bloggt, dazu riet den Roman zu lesen, musste ich dem Folge leisten. Endlich. Zum Glück. 

"Der Gesang der Flusskrebse" hat Etwas, das nur wenige Bücher haben. Dieses Besondere, diese Feinheit, diese absolute Harmonie aus Handlung und Atmosphäre, die sich fast wie eine Aura um das Buch herum legt.

Protagonistin Kya Clark hat in ihrer Kindheit Erfahrungen gemacht, die dafür sorgen, dass sie nicht in der Lage ist eine gesunde Bindung einzugehen. Eine gute Version von geliebt werden, von Sicherheit durch Beziehung, kennt sie nicht. So ist es unabdingbar, dass es zu Schwierigkeiten kommt, als zwei junge Männer Kyas Nähe suchen. Als einer von beiden tot aufgefunden wird, ist für die Bewohner der nahe gelegenen Kleinstadt klar, dass nur Kya das Übel des Bösen sein kann. Schon immer ist den Menschen von Barkley Cove ein Dorn im Auge. Mit ihrer Andersartigkeit löst sie Ängste und Faszination aus, die sich in Ablehnung oder dem dringenden Wunsch sie zu besitzen äußern. 

Die Isolation in der Kya lebt, ist traurig und beklemmend. Ich wünsche ihr Freunde, Familie, einen Menschen, der ihr Sicherheit gibt, der oder die ihr eine Bindung bietet. Auf der anderen Seite lernt sie Kompetenzen, die eben aus dieser Isolation wachsen. Eine Verbundenheit zur Natur, die Fähigkeit die Natur in all ihrer Schönheit und Kraft wahrzunehmen. Eine Stärke zu der sie gezwungen ist, um zu überleben. Ich schwanke zwischen Ängsten und Hoffnung, zwischen Demut und Entsetzen. Owens wirft mich in einen Strudel aus Gefühlen, aus dem ich letztendlich mit einer wohligen Wärme im Bauch hervortauche.

Delia Owens erzählt auf zwei Ebenen. Die eine Ebene verläuft chronologisch nach vorn, die andere rückwärts. Beide Ebenen nähern sich einer Gegenwart an, die dann als Haupterzählstrang bis zum Ende weiter läuft. Sprachlich erinnert mich der Roman an Werke wie "Wer die Nachtigall stört", was vielleicht auch daran liegt, dass rassistische Ablehnung ein Thema des Buches ist. 

"Der Gesang der Flusskrebse" ist ein ganz wundervoller, sehr berührender, bedeutender und unvergesslicher Roman, der ganz viel anstößt in mir. Der Themen wie z.B. Entwicklungspsychologie der Kindheit auf so besondere Art, eindringlich und sanft zugleich, nahe bringt. Eine große Leseempfehlung!



Buchinfo:

464 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag 22,00 €
ÜBERSETZUNG: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

20.03.20

[Räuberkinder] Wie kleine Tiere groß werden: Das kleine Rotkehlchen | Sandra Grimm & Agnese Baruzzi




Es ist Frühling. Die Rotkehlchen bauen ein Nest. Sie legen Eier, bekommen Junge, müssen diese versorgen und beschützen. Bald schon sind die kleinen Vogelküken groß. Lernen fliegen und zwitschern vergnügt im Sonnenschein.

Ein für uns Erwachsene altbekannter und scheinbar simpler Vorgang der Tierwelt, für die Kleinen aber ein spannender Ausschnitt aus dem Leben der hübschen kleinen Vögel.




Die Texte sind einfach, klar und gut zu verstehen. Sie sind aufs wesentliche beschränkt und trotzdem eingängig. Da sie die abgebildete Szene beschreiben, sind sie leicht zu merken und können von größeren Kindern nach kurzer Zeit auswendig mitgesprochen werden.

Das Highlight dieser Reihe ist die Gestaltung. 

Auch die Illustrationen bedienen sich klarer Linien, wenig Schnörkel und einer natürlichen Farbgebung einer nicht zu breiten Farbpalette. Kleine Ausschnitte in den Seiten machen neugierig, lassen erahnen, was auf der nächsten Seite beschrieben werden könnte, bieten die Möglichkeit Formen zu erfühlen. 





Meine Kinder mögen sowohl die taktilen Möglichkeiten, die das feine Büchlein bietet, als auch den Inhalt. Gerne verfolgen sie wie Vater Rotkehlchen die großen Vögel verjagt, um seine Kinder zu beschützen. Noch lieber schauen sie wie die Würmer aus der Erde gezogen werden.

Eine rundum gelungene Reihe, von der wir gerne noch mehr Bücher in unserem Regal haben möchten. Informativ und hübsch zugleich.


Buchinfo:

ab 2 Jahre
24 Seiten
Pappbilderbuch 12,99 €

Reiheninfo:

(Stand März 2020)
Die kleine Raupe
Der kleine Hase
Der kleine Frosch


Rezensionen und Fotos: © 2020, Nanni Eppner

19.03.20

[Gedanken] Zu Corona. Zu mir. Zu euch.




Mir fällt es gerade etwas schwer meinen Blog und meine Social Media Accounts zu bespielen.
 
Ich habe viele ungelesene Bücher, aber die innere Ruhe zum Lesen fehlt.
Ich habe einige Buchempfehlungen in Petto, komme aber nicht dazu mich hinzusetzen, um sie niederzuschreiben.
Ich würde eigentlich gerne Fotos machen, aber es erscheint mir irgendwie absurd schöne Fotos zu machen, wenn gerade so viel durcheinander gewirbelt wird. 

Ich bin normalerweise immer positiv gestimmt und möchte hier auch nicht rumjammern, denn die äußeren Umstände sind immer noch besser, als die vieler anderer Menschen und ich mag es gerne, dass ich nun wieder beide Kinder so viel um mich herumhabe, aber diese Ungewissheit, die diese Pandemie mitbringt, macht mich sehr fahrig und ja, auch ein bisschen ängstlich. 

Mein Mann ist Selbstständig, hat Berufsverbot. Für wie lange? Wie wird es danach weitergehen? 
Das kleine Räubermädchen ist seit heute Nacht krank. Kein ihr wisst schon was, aber ein krankes Kind macht jedes Mutterherz traurig. Meinem Opa steht eine Herz OP bevor. Wann, weiß keiner.
Haben wir vor Corona eigentlich gewusst wie gut es uns geht?

Ich versuche zu lesen, zu bloggen, zu kochen, zu basteln. Für die Kinder und auch uns Erwachsene soviel Struktur und gewohnte Dinge in den Alltag einzubauen wie möglich. Das erdet. Das stärkt. Aber es ist gerade teilweise ein Kraftakt.

Wie ergeht es euch? Was wünscht ihr euch? Friede, Freude, Eierkuchenposts? Buchtipps wie immer? Fotos aus dem Garten, auch wenn ihr gerade Zuhause festsitzt? Ein bisschen Gejammer, weil es euch momentan auch so geht?

Gebt auf euch Acht und bleibt gesund.



13.03.20

Der Salzpfad | Raynor Winn



Raynor und Moth, seit 32 Jahren ein Paar, verlieren durch zwei Schicksalsschläge in kürzester Zeit beinahe alles. Sie geben ihre Farm in Wales auf und machen sich, nur mit dem Allernötigsten ausgerüstet, auf den Weg: zu einer rund 1000 Kilometer langen Wanderung auf dem längsten und wildesten Küstenweg Englands, dem South West Coast Path. Von Somerset über Devon und Cornwall nach Dorset, mit einem Budget von nur 50 Euro pro Woche.
Sie kämpfen mit Vorurteilen, Ablehnung und der Sorge, dass das Geld für den nächsten Tag nicht mehr reicht. Und zugleich entdecken sie auf ihrer großen Wanderung das Glück: herzliche Begegnungen, ihre neu erstarkte Liebe und die Fähigkeit, Kraft aus der Natur zu schöpfen. Allen Prophezeihungen zum Trotz führt sie der mehrmonatige Trip zurück ins Leben und öffnet die Tür zu einer neuen Zukunft.
»Damals hatte ich keine Ahnung, dass der South West Coast Path erbarmungslos war, dass wir fast so viele Höhenmeter bewältigen würden, als würden wir viermal auf den Mount Everest klettern, dass wir über Tausend Kilometer auf einem Weg wandern würden, der zum Teil nur dreißig Zentimeter breit war.« - Raynor Winn
(Text & Cover: ©DuMont Reisen; Foto: ©N. Eppner)


Vor einigen Jahren habe ich das Wandern für mich entdeckt. Die Heilsamkeit des Wanderns. Bis dato habe ich mich fast ausschließlich auf meinen Vierbeinern fortbewegt, aber ist die befreiende Wirkung des Wanderns durchgedrungen, kann frau sich ihrer nicht mehr verwehren. Zu Menschen, denen es ähnlich geht, hege ich sofort Sympathien. Ich mag ihre Geschichten, ihre Erfahrungsberichte, ihre Beschreibungen der Landschaft. Ich mag, was gehen mit ihnen macht.

So bin ich auf "Der Salzpfad" gestoßen, habe es mir von einer lieben Freundin zu Weihnachten gewünscht, und - weil sie weiß wie wirkungsvoll und verbindend nicht nur wandern, sondern auch Bücher sein können - von ihr geschenkt bekommen.

Zunächst vorbereitet auf eine Wander-, eine Naturgeschichte, war ich nicht gefasst auf die emotionalen Ereignisse, mit denen Raynor Winn mich konfrontierte. Das Leben der Winns ist ein Scherbenhaufen. Durch eine Fehlinvestition verlieren sie alles. Ihre geliebt Farm, die damit verbundenen Einnahmen, ihr Zuhause, ihre Zukunft. Sie sind obdach- und mittellos. Als ob das nicht ausreichen würde, bekommt Moth die Diagnose an einer Krankheit erkrankt zu sein, die einen tödlichen Verlauf nehmen wird. Die Welt der Winns bricht zusammen.

Sie entschließen sich den South West Coast Path zu laufen. Rund 1000 Kilometer. Mehr Höhenmeter, als die Besteigung des Mount Everest zu bieten hat. Raynor und Moth sind nicht extrem gut trainiert, mittleren Alters, teilweise erkrankt und haben ein Wochenbudget von 50 €. Für das sympathische Paar fühlt es sich trotzdem richtig an.

Die Wanderung ist durchzogen von Höhen und Tiefen. Nicht nur landschaftlich, sondern auch gesundheitlich und vor allem emotional. Die Sorge um Moth, die Sorge ums Geld, um die eigene Zukunft. 

"Der Salzpfad" ist ein großartiger Reisebericht voller Emotionen. Die Winns wachsen mir schnell ans Herz und am liebsten würde ich meine Wandersachen packen und mitlaufen. Die vielen Regengüsse und Unwetter, denen sie ausgesetzt sind, bremsen meinen Enthusiasmus allerdings ordentlich aus. Es ist eine große Freude die beiden zu begleiten. Wie sie Erfahrungen sammeln im übernachten in der Wildnis, beim Schafe scheren, beim experimentieren mit Nudelgerichten und bei einer Verwechslung, die für manche Annehmlichkeiten sorgt.

Trotz aller Widrigkeiten verlieren die beiden nicht ihren Humor, der auch in die Schreibe des Buches einfließt, wodurch das Lesen eine gewisse Leichtigkeit bekommt. Dennoch bleibe ich niemals an der Oberfläche. Werde von Emotionen, Trauer und Wut, aber auch Erleichterung, Hoffnung und einer unerschütterlichen Liebe zueinander mitgerissen. Eine Leseempfehlung!


Buchinfo:

DuMont Reisen (2019)
336 Seiten
Paperback 14,99 €
ÜBERSETZUNG: Heide Horn und Christa Prummer-Lehmair


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

29.02.20

[Monatsrückblick] Februar 2020




Der Februar, der macht was er will. So hat es sich zumindest angefühlt. Sonne, Schnee, Regen, viel Wind, sogar Sturm. Und wir dazwischen. Mit Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis, Husten, Schnupfen.

Manchmal komme ich mir echt schon vor wie so eine alte Oma, die gar keine andere Gesprächsthemen hat, außer das Wetter, aber es nervt mich in diesem Winter über alle Maßen.



Gefühlt war der Februar extrem anstrengend, aber eigentlich haben wir gar nicht viel gemacht. 

Sonntage sind bei uns für Familienzeit reserviert, aber es war nicht wirklich möglich etwas zu unternehmen, denn entweder waren wir zu krank oder es war Weltuntergangswetter. 

Ich sehne den Frühling so, so, so sehr herbei!




Die gute Nachricht: mein armer Pepper, der nun seit dem Stallwechsel lahmte, ist endlich auf dem Weg der Besserung. Dazu waren mehrere Hufschmiedtermine und eine osteopathische Behandlung notwendig. Hufgeschwür + verschobenes Knie und blockierte Hüfte, Kopfschmerzen und verklemmte Schulter. Der arme Kerl hat fürchterlich abgenommen und ziemlich gelitten. Die Behandlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber er ist endlich (!!!!) auf dem Weg der Besserung.


FEBRUAR:


7) "Der Gesang der Flusskrebse" | Delia Owens | Hanser blau
8) "Mr. Griswolds Bücherjagd 02. Der unlösbare Code" | Jennifer Chambliss Bertmann
9) "Was man von hier aus sehen kann | Mariana Leky | DuMont
10) "Der Gutshof im Alten Land" | Micaela Jary | Goldmann
11) "Könige der Finsternis" | Nicholas Eames | Heyne
12) "Der Salzpfad" | Raynor Winn | DuMont Reiseverlag
13) "Zwei Herzen: Maries Geschichte" | Sabrina J. Kirschner | Carlsen
14) "Bella Stella" | Brigitte Pasini | Rowohlt


Die Krankenzeit habe ich genutzt, um mich auszuruhen und zu lesen. Es lief leider auch sehr häufig der Fernseher, weil die Räuberkinder auch krank und ich nicht in der Lage war vorzulesen, aber so konnte ich wenigstens etliche Bücher lesen.




Ich habe übrigens erst beim Bearbeiten des Bildes bemerkt, dass zwei Bücher fehlen. Vielleicht funktionieren auch doch noch nicht alle Körperteile so richtig gut... Dann taute aber der Schnee und da ich zumindest ein Bücherbild im Schnee haben wollte, liegen "Zwei Herzen. Maris Geschichte" und das richtig tolle "Der Salzpfad" leider nicht mit auf dem Stapel. So what.

Ich habe schon einige Rezis vorbereitet, aber noch nicht beendet. Auch nicht die meines Februar Highlights "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens. Ich schließe mich den durchweg positiven Meinungen an: es ist ein großartiges, sehr berührendes und besonderes Buch. Falls du ähnliche Bücher kennst - immer her mit den Tipps.

Wer richtig gute High Fantasy sucht, ist mit "Könige der Finsternis" gut bedient. Spannend, witzig und die besten Charaktere, die mir seit langem begegnet sind. Die Crew der alten Helden würde ich gerne einmal persönlich kennenlernen. Ein bisschen Angst hätte ich in ihrer Gegenwart aber wahrscheinlich schon. Einige sind echt in Ordnung, andere ziemlich finster. Zum Glück gibt es bald ein Wiedersehen, denn Nicholas Eames hat eine Dilogie geschrieben und Band 2 "Die schwarze Schar" erscheint im April. Für die "Könige der Finsternis" konnte Eames die Filmrechte verkaufen, ich weiß aber nicht, ob eine Serie oder ein Film geplant ist.


Ich habe mir für den März keinen Bücherstapel zurecht gelegt, weil ich mal wieder nach Lust und Laune lesen möchte (evtl. habe ich auch das ein oder andere Buch gemedimopst). In den neuen Monat werde ich mit einem Buddyread mit Damaris starten. Gemeinsam werden wir "Das neunte Haus" von Leigh Bardugo lesen und ich freue mich schon riesig auf den Roman, der nicht im Grishaverse spielt.



Neben 3, 4, 5 Rezensionen habe ich einen Beitrag darüber geschrieben, was wir bei schlechtem Wetter gerne machen und mit welcher Ausrüstung wir nach draußen gehen und wie wir mit unserer Ökokiste leben.



Zum Valentinstag gab es eine Blogparade zum wunderschönen (Erwachsenen)Bilderbuch "Liebe" von Hélène Delforge und Quentin Gréban.



Im Februar...


... viele Äpfel gegessen...

... den Geburtstag der Räubertochter gefeiert ...

... einen Schneemann gebaut, dessen Frisur der eines unsympathischen Staatsoberhauptes ähnelt ...

... das Wasser beim Kreise ziehen beobachtet ...

... Traubenhyazinthen über Nacht ins Wasser gestellt und am nächsten Tag mit Kerzenwachs versiegelt (haben etwa 2-3 Wochen gehalten) ...

... gemeinsam mit Anja und Corinna "Was man von hier aus sehen kann" gelesen ...

... eine neue Lieblingssuppe aus roten Linsen, Möhren und Porree entdeckt. 


Und du so? Wie war dein Februar?
Hättest du gerne noch ein paar Tage ordentlich Schnee und Kälte oder kannst du es auch kaum erwarten dem Frühling zu begegnen?


26.02.20

Zwei Herzen - eine Pferdeliebe 02. Maries Geschichte | Sabrina J. Kirschner





Marie hat alles, wovon andere nur träumen. Sogar ein eigenes Pferd! Bis sie bei einem Unfall ihr Gedächtnis verliert. Plötzlich ist nichts mehr wie vorher. Denn Marie wird verwechselt und landet auf einem heruntergekommenen Schüler-Reiterhof. Dort entdeckt sie Dark Shadow, ein junges, wildes Pferd, das nur sie bändigen kann. Gemeinsam mit Robbie, dem Sohn des Besitzers, kümmert sie sich um ihn. Dass die beiden ein dunkles Geheimnis verbindet, ahnt sie nicht …
(Text & Cover: © Carlsen; Foto: © N. Eppner)


Maries Geschichte ist die Ergänzung zu Pias Geschichte. Gemeinsam ergeben sie eine spannende Erzählung, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte.

Zunächst dachte ich, Maries Geschichte sei einfach nochmal die gleiche Story, nur aus einer anderen Perspektive erzählt. Weit gefehlt, denn es ist keine Nacherzählung, sondern eine Ergänzung. Und was für eine!

Bis auf eine Auflösung, die ich schon recht früh erahnte, habe ich mit keiner Wendung, keinem Geheimnis, gerechnet und bin von einer actionreichen Handlung in die nächste geschlittert. Ja, Maries Geschichte ist turbulenter, ist rasanter und temperamentvoller. So, wie Marie es eben auch ist.

Kein Wunder, dass sie sich in der Rolle der ruhigen und schüchternen Pia nicht wohl fühlt und merkt, dass irgendetwas an ihrer Situation nicht stimmt. Ich bin begeistert von der Figur Marie, die doch im ersten Teil den Eindruck erweckte, als sei sie lediglich ein verwöhntes Töchterchen. In ihrer eigenen Geschichte räumt sie mit den Vorurteilen auf und entpuppt sich als zielstrebige und patente junge Frau, deren Herz für Pferde schlägt. Und für Robbie.

Natürlich gibt es auch hier eine Liebesgeschichte - das wird im ersten Teil ja schon angedeutet. Aber sie nimmt nicht zu viel Raum ein, sondern lässt Geheimnissen, Abenteuern und mysteriösen Gestalten den Vortritt. 

"Zwei Herzen" ist in sich sehr rund und ausgewogen. Etwas Liebesgeschichte, ein guter Schuss Pferderoman, eine Abenteuergeschichte und ein bisschen auch ein modernes Märchen. Ein großes Lesevergnügen mit kleinen Schwächen über die ich gut hinwegsehen kann. Es hat mir viel Freude bereitet meine Zeit mit Pia, Marie, Robbie und Helge zu verbringen.



Buchinfo:

Carlsen (2019)
352 Seiten
ab 11 Jahre
Hardcover 12,00 €



Reiheninfo:

1. Zwei Herzen - eine Pferdeliebe: Pias Geschichte
2. Zwei Herzen - eine Pferdeliebe: Maries Geschichte


Rezensionen & Fotos: © 2020, Nanni Eppner

25.02.20

Zwei Herzen - eine Pferdeliebe 01. Pias Geschichte | Sabrina J. Kirschner




Pia liebt Pferde. Doch vom Reiten kann sie nur träumen. Bis sie nach einem Unfall in einem neuen Leben aufwacht. Denn sie wird mit Marie verwechselt, Tochter reicher Gestütsbesitzer. Plötzlich hat Pia nicht nur einen Bruder zum Verlieben, sondern auch ein wunderschönes Pferd: Goldglanz. Doch Goldglanz ist in Gefahr! Und nur Pia kann ihn retten – wenn sie für eine Weile Marie spielt …
(Text& Cover: © Carlsen ; Foto: © N. Eppner)


Pferdegeschichten gibt es viele. "Zwei Herzen - eine Pferdeliebe" sticht aber definitiv aus der Masse heraus. 

Klar geht es auch hier um ein Mädchen, das sehr in ein wunderschönes Pferd verliebt ist und natürlich stehen dieser Liebe etliche Hindernisse im Weg. Doch das ist nur der äußere Rahmen der Geschichte. Der Kern ist ein ganz anderer. Er ist spannend, fantasievoll und fesselnd. Und wird dadurch perfektioniert, dass er erst so richtig stimmig ist, wenn beide Bücher "Pias Geschichte" und "Maries Geschichte" gelesen werden. Tricky, aber eine richtig gute Idee.

Pia hat kein einfaches Leben durchlaufen und wünscht sich nichts sehnlicher, als reiten zu dürfen. Ein Traum, der sich durch eine Klassenfahrt endlich erfüllen wird. 

Der Gedanke daran, dass sie bald auf einem Pferd sitzen wird, hält Pia aufrecht. So erträgt sie, die Hänseleien, denen sie ausgesetzt ist, weil sie die Neue in der Klasse ist und weil sie einen sozial schwachen Background hat. All das ist sie schon gewöhnt und all das ist vergessen, wenn sie nur endlich auf einem Pferd sitzen darf.

Die Ankunft auf dem Reiterhof ist etwas holprig, doch Pia meistert jede Hürde so gut es eben gut und befindet sich schon bald auf dem Rücken eines Pferdes. Nicht für lange Zeit, denn schon beim ersten Ausritt kommt es zu einem Unfall. Involviert ist auch Marie, die Reiterin des goldenen Pferdes, das Pia aus ihren Träumen kennt. Im Krankenhaus werden Pia und Marie, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, verwechselt. Pia möchte den Schwindel eigentlich aufklären, doch Robbie, der Reitlehrer des Reiterhofs, auf dem ihre Klasse Ferien macht, bittet sie darum mitzuspielen.

Schon bald findet sich Pia nicht nur in einer ungewohnten Welt wieder, in der es ihr erstmalig an nichts mangelt, sonder auch in Gegenwart ihres Traumpferdes Goldglanz. Doch irgendwas stimmt ganz und gar nicht mit dem schönen Tier, das einstmalig ein Star des Springsports war und nun, nach Angaben Maries, alles verweigert. Und irgendwie auch nicht mit Robbie, der so vehement darauf besteht, dass Pia weiterhin in Maries Leben schlüpft. Und schon gar nicht mit dem Mann im langen Mantel, der bei Pia ebenso Unbehagen auslöst, wie bei Goldglanz. Doch was steckt hinter all den Geheimnissen?

Das erfährst du nicht, wenn du nur Pias Geschichte liest, sondern erst, wenn du auch Maries Seite kennst. Bis dahin wirst du aber mit viel Spannung konfrontiert, die bei dir ganz sicher den Wunsch auslöst, mehr zu erfahren. 

Sabrina J. Kirschner hat ein geschicktes und spannendes Konzept zu Papier gebracht, das mich in nur wenigen Leseeinheiten begeistern konnte. Ich bin durch die Seiten geflogen, um mehr zu erfahren, um Geheimnisse zu lüften und vor allem, um mit Pia mitzufiebern. Eins habe ich aber schon erkannt: es ist egal, ob du arm oder reich geboren wurdest, ob du dir schicke Reitklamotten leisten kannst oder nicht, wichtig ist nur das, was in deinem Herzen vorgeht. Wichtig ist nur dass, was du lebst, was du an andere weitergibst und wie du dich ihnen gegenüber verhältst. Materielle Dinge sind austauschbar, ein gutes Herz nicht.

Buchinfo:

Carlsen (2019)
384 Seiten
ab 11 Jahre
Hardcover 12,00 €

Reiheninfo:

1. Zwei Herzen - eine Pferdeliebe: Pias Geschichte
2. Zwei Herzen - eine Pferdeliebe: Maries Geschichte




Rezensionen & Fotos: © 2020, Nanni Eppner




21.02.20

Der Gutshof im Alten Land | Micaela Jary




Frühling 1919: Edzard von Voss, der Patriarch eines herrschaftlichen Gutshofs im Alten Land, liegt im Sterben. Seine Söhne sind im Krieg vermisst und wahrscheinlich gefallen, der Erbe wäre nun sein raffgieriger Neffe Roland, den Edzards Tochter Finja aus Familienraison heiraten soll. Unerwartet steht jedoch ein Kamerad des jüngsten Sohnes Lennart vor der Tür, der diesem ähnlich sieht. Edzards Frau beschließt, den angenehmen Fremden als ihren Sohn auszugeben. Der Schwindel gelingt, Finja ist frei – sehr zum Ärger von Roland. Doch dann taucht plötzlich eine junge Frau auf, die behauptet, Lennart sei der Vater ihres kleinen Kindes ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)

Bücher von Micaela Jary sind für mich wie ein Nest, in das ich mich immer wieder betten kann, um mich geborgen und wohl zu fühlen. Ich weiß was auf mich zukommen wird. Ich werde unter Garantie einer guten Geschichte begegnen. Einer spannenden, ausgiebig recherchierten, authentisch wirkenden Geschichte mit starken Figuren. Das hat gar nichts mit Vorhersehbarkeit zu tun, sondern mit Micaelas handwerklichem Können.

Vorhersehbar ist der Roman "Der Gutshof im Alten Land", der im Jahr 1919 spielt, keineswegs. Die Handlung steckt voller Überraschungen und wie immer, wenn ich eins der Bücher von Micaela Jary lese, kann ich das gute Stück kaum aus der Hand legen und verschlinge es in zwei, drei Leseeinheiten.

Die Schreibe ist eingängig, erfahren im Beschreiben von historischen Begebenheiten unter Hinzunahme von fiktiven Personen und Handlungen. Meine Reise in die Vergangenheit bedurfte nur weniger Seiten, um anzukommen, um mittendrin zu sein im Geschehen und der Atmosphäre dieser Zeit, die geprägt ist von Verlusten, Ängsten und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Eine politische Umbruchsstimmung, die wir in "Der Gutshof im Alten Land" zwar nur am Rande mitbekommen, die aber dennoch deutlich zu spüren ist.

Alle verhoffen sich etwas von dieser Zeit nach dem Krieg. Finja, die Tochter von Gutsbesitzer Edzard von Voss, möchte Tiermedizin studieren - zu dieser Zeit eine noch eher ungewöhnliche Tätigkeit für eine junge Frau, vor allem, wenn sie dem (Land)Adel entspringt. Ungewöhnlich, aber nicht mehr abwegig, denn faktisch steht ein Umbruch bevor, der den Adel mit ganz neuen Lebensumständen konfrontieren wird, und auch die Rechte der Frauen werden sich ändern. 1919 dürfen  sie erstmalig wählen.

Finja ist starrköpfig und weiß nicht nur, was sie möchte, sondern auch, was sie nicht möchte. Ihren Cousin Roland heiraten. Das wird sie aber müssen, wenn sie weiterhin für die Belange des Gutes verantwortlich sein möchte. Da ihre Brüder beide verschollen sind, ist Roland der nächstmögliche Erbe. Vater Edzard von Voss liegt bereits im Sterben und ein Nachfolger wird in Bälde eingesetzt werden müssen.

Doch dann: ein unerwarteter Lichtblick. In Form von Clemens Curtius, einem Kriegskameraden Lennarts, der dem jungen Gutsherren zur Verwechslung ähnlich sieht. Caroline von Voss bittet Clemens kurzfristig in die Rolle ihres Sohnes zu schlüpfen, um Edzard von Voss am Sterbebett einen Herzenswunsch zu erfüllen. Ob dieses Verwirrspiel sinnvoll ist oder ob damit erst recht eine Tragödie beginnt, das muss schon jeder selbst herausfinden.

Ich kann nur sagen, dass ich wieder einmal völlig gefesselt war, von Micaela Jarys Fähigkeiten Leserinnen und Leser abzuholen und in eine Geschichte hinzuversetzen. Kopfkino pur und wie immer eine große Leseempfehlung.


Buchinfo:

Goldmann (2018)
416 Seiten
Taschenbuch 10,00 €



Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

19.02.20

[Lustig ist das Räuberleben] Mittwoch ist Ökokistentag





Mittwoch ist Ökokistentag.

Woche für Woche kommt, meist regionales und saisonales, Obst und Gemüse in Bioqualität.

Ab Freitag kann ich mit der Bestellung beginnen. Meist geht dem eine Essensplanung für die kommende Woche voraus. So kaufe ich bewusster und ökonomischer ein. Kaum kommt etwas um. Das schont auch den Geldbeutel.

Neben Obst und Gemüse, beziehen wir auch Milchprodukte (außer Kuhmilch, weil die Molkerei eh bei uns ums Eck ist) und andere Biolebensmittel, sowie Waschmittel und Haarseife über die Ökokiste.

Besonders toll ist, dass man dort versucht möglichst wenig Müll zu produzieren und so kann ich mir z.B. Trockenwaren wie Linsen, Reis und Kerne in Gläsern bestellen. Diese werden aus Großgebinden abgefüllt und mit einem Zettelchen versehen, das mich über die Ware informiert. Diese, sowie die Joghurtgläser, gehören zu einem Pfandsystem. Werden nach dem Benutzen gereinigt und zurückgegeben. 




Im Angebot sind Produkte aus regionaler Herstellung und Bioprodukte, die etwas Entfernung zurücklegen müssen. Wir versuchen möglichst regional zu kaufen, um nicht nur CO² einzusparen, sondern auch die hiesigen Landwirte zu unterstützen. Hofgut Friedelhausen setzt nicht nur auf Plastikfrei und verkauft den selbsthergestellten Käse in Pfandgläsern (der Beste überhaupt!!), sondern bietet Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz. Ich bin selbst schon dort gewesen und finde es dort traumhaft.

Manchmal kaufen wir auch Produkte, die einen längeren Transportweg hinter sich haben. Wie z.B. Mangos oder Avocados, die ja leider hochwertige Lebensmittel, aber eine schlechte Ökobilanz haben. Trotzdem würde ich behaupten, dass wir bewusster kaufen. Im Winter essen wir keine Weintrauben, nur selten Paprika und wenn, dann in moderaten Mengen und nicht mehr: kannste kaufen, kannste essen wie du Lust hast, kann dir egal sein, ob die Welt untergeht.

Der Bosshammerschhof, von wo wir unsere Ökokiste beziehen, ist zwar etwa eine Stunde entfernt, aber dadurch, dass der Lieferwagen nicht nur zu uns fährt, sondern direkt für viele Haushalte gepackt ist, wir dadurch nur noch wenige Produkte zusätzlich einkaufen und daher auch nicht so häufig mit dem Auto losmüssen, sparen wir auch hier wieder CO² ein.





Die Kinder lieben es Obst und Gemüse aus der Ökokiste zu essen. Selbst die Kleine weiß, wo die Kiste steht und das dort Leckereien drin sind. Dank der Ökokiste haben wir einen neuen Zugang zu Obst und Gemüse. Ich koche viel saisonaler als früher und kenne neue Gemüsesorten, die eigentlich gar nicht neu, sondern schon recht historisch sind. Meine Kinder bekommen dadurch von klein auf einen anderen Zugang und ein Umfangreiches Wissen auf diesem Gebiet.

Ich muss gestehen, dass ich selbst ein mäkeliges Kind war, was Essen betrifft. Ich mochte Fleisch, Kartoffeln, Spinat, Erbsen und Karotten, letztere aber bitte nur roh. Seit wir die Ökokiste bekommen, probiere ich alles, was angeboten wird. Meine Kinder auch. Manches schmeckt ihnen nicht - okay, aber sie haben einen Zugang dazu und das ist ein Anfang.

Falls du trotz meines langen Textes noch Fragen dazu hast - immer her damit!


Oder hast du vielleicht selbst schon Ökokisten Erfahrung? Wenn ja, teile sie doch gerne mit uns.