21.02.20

Der Gutshof im Alten Land | Micaela Jary




Frühling 1919: Edzard von Voss, der Patriarch eines herrschaftlichen Gutshofs im Alten Land, liegt im Sterben. Seine Söhne sind im Krieg vermisst und wahrscheinlich gefallen, der Erbe wäre nun sein raffgieriger Neffe Roland, den Edzards Tochter Finja aus Familienraison heiraten soll. Unerwartet steht jedoch ein Kamerad des jüngsten Sohnes Lennart vor der Tür, der diesem ähnlich sieht. Edzards Frau beschließt, den angenehmen Fremden als ihren Sohn auszugeben. Der Schwindel gelingt, Finja ist frei – sehr zum Ärger von Roland. Doch dann taucht plötzlich eine junge Frau auf, die behauptet, Lennart sei der Vater ihres kleinen Kindes ...
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)

Bücher von Micaela Jary sind für mich wie ein Nest, in das ich mich immer wieder betten kann, um mich geborgen und wohl zu fühlen. Ich weiß was auf mich zukommen wird. Ich werde unter Garantie einer guten Geschichte begegnen. Einer spannenden, ausgiebig recherchierten, authentisch wirkenden Geschichte mit starken Figuren. Das hat gar nichts mit Vorhersehbarkeit zu tun, sondern mit Micaelas handwerklichem Können.

Vorhersehbar ist der Roman "Der Gutshof im Alten Land", der im Jahr 1919 spielt, keineswegs. Die Handlung steckt voller Überraschungen und wie immer, wenn ich eins der Bücher von Micaela Jary lese, kann ich das gute Stück kaum aus der Hand legen und verschlinge es in zwei, drei Leseeinheiten.

Die Schreibe ist eingängig, erfahren im Beschreiben von historischen Begebenheiten unter Hinzunahme von fiktiven Personen und Handlungen. Meine Reise in die Vergangenheit bedurfte nur weniger Seiten, um anzukommen, um mittendrin zu sein im Geschehen und der Atmosphäre dieser Zeit, die geprägt ist von Verlusten, Ängsten und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Eine politische Umbruchsstimmung, die wir in "Der Gutshof im Alten Land" zwar nur am Rande mitbekommen, die aber dennoch deutlich zu spüren ist.

Alle verhoffen sich etwas von dieser Zeit nach dem Krieg. Finja, die Tochter von Gutsbesitzer Edzard von Voss, möchte Tiermedizin studieren - zu dieser Zeit eine noch eher ungewöhnliche Tätigkeit für eine junge Frau, vor allem, wenn sie dem (Land)Adel entspringt. Ungewöhnlich, aber nicht mehr abwegig, denn faktisch steht ein Umbruch bevor, der den Adel mit ganz neuen Lebensumständen konfrontieren wird, und auch die Rechte der Frauen werden sich ändern. 1919 dürfen  sie erstmalig wählen.

Finja ist starrköpfig und weiß nicht nur, was sie möchte, sondern auch, was sie nicht möchte. Ihren Cousin Roland heiraten. Das wird sie aber müssen, wenn sie weiterhin für die Belange des Gutes verantwortlich sein möchte. Da ihre Brüder beide verschollen sind, ist Roland der nächstmögliche Erbe. Vater Edzard von Voss liegt bereits im Sterben und ein Nachfolger wird in Bälde eingesetzt werden müssen.

Doch dann: ein unerwarteter Lichtblick. In Form von Clemens Curtius, einem Kriegskameraden Lennarts, der dem jungen Gutsherren zur Verwechslung ähnlich sieht. Caroline von Voss bittet Clemens kurzfristig in die Rolle ihres Sohnes zu schlüpfen, um Edzard von Voss am Sterbebett einen Herzenswunsch zu erfüllen. Ob dieses Verwirrspiel sinnvoll ist oder ob damit erst recht eine Tragödie beginnt, das muss schon jeder selbst herausfinden.

Ich kann nur sagen, dass ich wieder einmal völlig gefesselt war, von Micaela Jarys Fähigkeiten Leserinnen und Leser abzuholen und in eine Geschichte hinzuversetzen. Kopfkino pur und wie immer eine große Leseempfehlung.


Buchinfo:

Goldmann (2018)
416 Seiten
Taschenbuch 10,00 €



Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

19.02.20

[Lustig ist das Räuberleben] Mittwoch ist Ökokistentag





Mittwoch ist Ökokistentag.

Woche für Woche kommt, meist regionales und saisonales, Obst und Gemüse in Bioqualität.

Ab Freitag kann ich mit der Bestellung beginnen. Meist geht dem eine Essensplanung für die kommende Woche voraus. So kaufe ich bewusster und ökonomischer ein. Kaum kommt etwas um. Das schont auch den Geldbeutel.

Neben Obst und Gemüse, beziehen wir auch Milchprodukte (außer Kuhmilch, weil die Molkerei eh bei uns ums Eck ist) und andere Biolebensmittel, sowie Waschmittel und Haarseife über die Ökokiste.

Besonders toll ist, dass man dort versucht möglichst wenig Müll zu produzieren und so kann ich mir z.B. Trockenwaren wie Linsen, Reis und Kerne in Gläsern bestellen. Diese werden aus Großgebinden abgefüllt und mit einem Zettelchen versehen, das mich über die Ware informiert. Diese, sowie die Joghurtgläser, gehören zu einem Pfandsystem. Werden nach dem Benutzen gereinigt und zurückgegeben. 




Im Angebot sind Produkte aus regionaler Herstellung und Bioprodukte, die etwas Entfernung zurücklegen müssen. Wir versuchen möglichst regional zu kaufen, um nicht nur CO² einzusparen, sondern auch die hiesigen Landwirte zu unterstützen. Hofgut Friedelhausen setzt nicht nur auf Plastikfrei und verkauft den selbsthergestellten Käse in Pfandgläsern (der Beste überhaupt!!), sondern bietet Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz. Ich bin selbst schon dort gewesen und finde es dort traumhaft.

Manchmal kaufen wir auch Produkte, die einen längeren Transportweg hinter sich haben. Wie z.B. Mangos oder Avocados, die ja leider hochwertige Lebensmittel, aber eine schlechte Ökobilanz haben. Trotzdem würde ich behaupten, dass wir bewusster kaufen. Im Winter essen wir keine Weintrauben, nur selten Paprika und wenn, dann in moderaten Mengen und nicht mehr: kannste kaufen, kannste essen wie du Lust hast, kann dir egal sein, ob die Welt untergeht.

Der Bosshammerschhof, von wo wir unsere Ökokiste beziehen, ist zwar etwa eine Stunde entfernt, aber dadurch, dass der Lieferwagen nicht nur zu uns fährt, sondern direkt für viele Haushalte gepackt ist, wir dadurch nur noch wenige Produkte zusätzlich einkaufen und daher auch nicht so häufig mit dem Auto losmüssen, sparen wir auch hier wieder CO² ein.





Die Kinder lieben es Obst und Gemüse aus der Ökokiste zu essen. Selbst die Kleine weiß, wo die Kiste steht und das dort Leckereien drin sind. Dank der Ökokiste haben wir einen neuen Zugang zu Obst und Gemüse. Ich koche viel saisonaler als früher und kenne neue Gemüsesorten, die eigentlich gar nicht neu, sondern schon recht historisch sind. Meine Kinder bekommen dadurch von klein auf einen anderen Zugang und ein Umfangreiches Wissen auf diesem Gebiet.

Ich muss gestehen, dass ich selbst ein mäkeliges Kind war, was Essen betrifft. Ich mochte Fleisch, Kartoffeln, Spinat, Erbsen und Karotten, letztere aber bitte nur roh. Seit wir die Ökokiste bekommen, probiere ich alles, was angeboten wird. Meine Kinder auch. Manches schmeckt ihnen nicht - okay, aber sie haben einen Zugang dazu und das ist ein Anfang.

Falls du trotz meines langen Textes noch Fragen dazu hast - immer her damit!


Oder hast du vielleicht selbst schon Ökokisten Erfahrung? Wenn ja, teile sie doch gerne mit uns.

17.02.20

Hurenmord. Die Rose von Whitechapel | Tabea König





Whitechapel, 1888: Die junge Witwe Christine Gillard macht eine schwierige Zeit durch. Einst eine ehrlose Hure aus Glasgow, leitet sie heute in Whitechapel ein Frauenhaus. Der Körper ihres verstorbenen Gatten ist kaum erkaltet, da beginnen in ihrer Einrichtung die grausamsten Morde der Londoner Geschichte. Zusammen mit Liam und Emily unterstützt Christine die Polizei bei den Ermittlungen. Dabei kommt sie nicht nur dem attraktiven Inspektor John Pike näher, sondern auch in das Visier von „Jack the Ripper“. (Text & Cover: © Piper; Foto: © N. Eppner)


"Hurenmord. Die Rose von Whitechapel" ist ein weiterer Band aus der Feder Tabea Königs, der im viktorianischen England spielt. Einem Setting, das an sich schon faszinierend und spannend ist, von König aber noch durch selbstbewusste Frauenfiguren und einer Handlung rund um Jack the Ripper aufgepeppt wird.

Im Mittelpunkt des Romans steht Christine Gillard, deren Bekanntschaft ich schon in "Hurentochter. Die Distel von Glasgow" machen durfte. Obwohl es einige Überschneidungen zwischen den beiden Büchern gibt, können sie auch unabhängig voneinander gelesen werden. Mehr Lesevergnügen entsteht, wenn zuerst die Distel und dann die Rose gelesen werden.

Christine Gillard habe ich als selbstbewusste, moderne und etwas aufmüpfige junge Frau kennengelernt. Nun lebt sie in London und ist bereits Witwe. Ihr Mann war gut betucht, hat ihr reichlich Vermögen hinterlassen und war etliche Jahre älter als Christine. Sein Sohn Adrian ist eher ihr Jahrgang, ist aber nie mit der ehemaligen Prostituierten warm geworden und wirft ihr vor den Vater nur des Geldes wegen geheiratet zu haben. Dies ist niemals Christines Hintergedanke gewesen. Der Tod ihres geliebten Mannes stürzt sie in tiefe Trauer.

Dadurch vernachlässigt sie auch ihr Herzensprojekt: ein Frauenhaus. Ein Heim für Frauen, die mittellos sind oder vor dem eigenen Mann oder der Familie fliehen müssen. Ein weiterer Dorn in Adrians Auge.

Als grausame Morde London erschüttern muss Christine aus ihrer Lethargie erwachen. Die verstümmelt und zerschnitten aufgefundenen Frauenleichen sind allesamt Bewohnerinnen des Frauenhauses. Wer hat es auf die armen Geschöpfe abgesehen? Wer ist so grausam so hart gegen sie vorzugehen? Oder ist die Brutalität gar gegen Christine gerichtet, die mit dem Frauenhaus gegen viele Konventionen verstößt?

Wieder einmal ist Tabea König ein ausgesprochen kurzweiliger Roman gelungen, der mich sogar  noch mehr fesseln konnte, als der Vorgänger. Zwischen fiktiven Figuren und Geschichten bettet sie den Mythos Jack the Ripper, der sicherlich nicht derselbe war, wie im Roman, aber in der Realität durch eben diese Grausamkeit beim Morden berühmt wurde. 

Ich hatte zu Anfang eine Ahnung, wer der Mörder sein könnte, doch niemals eine Idee für das Motiv. Tabea König hat mich von Seite zu Seite in die Irre geführt, so dass die Aufklärung der Mordfälle letztendlich eine große Überraschung waren. 

Aus einigen Berichten der Autorin weiß ich, dass sie sehr ausführlich recherchiert. Dadurch bekomme ich als Leserin einen sehr guten Einblick in die Verhältnisse und das Leben der viktorianischen Zeit. Im Vordergrund des Buches steht das Bild der Frau. Widrigkeiten mit denen sie zu kämpfen hatten, Missstände ihrer Rechte und Erwartungen, die sie erfüllen sollten. 

Weil mich Tabea König bereits zweimal so begeistern konnte, werde ich auf jeden Fall auch "Hurenglück. Die Lilien von London" lesen.


Buchinfo:

Piper (2019)
336 Seiten
eBook 6,99 €

Reiheninfo 

(die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden)
Hurenmord. Die Rose von Whitechapel
Hurenglück. Die Lilien von London


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

14.02.20

Blogparade "Liebe": Eine Hommage an die Liebe (+ Gewinnspiel)



Als Steffi anfragte, ob ich Lust hätte an der Blogtour zu "Liebe" von Hélène Delforge und Quentin Gréban teilzunehmen, war ich sofort Feuer und Flamme. Ihr Buch "Mama" hat mich von Herzen berührt. Jedes weitere Buch des Autorinnen/Illustratoren-Duos würde es ebenfalls können.

Und genau so ist es. Schon nach wenigen Sätzen bin ich tief berührt. Delforge und Gréban wissen mit Emotionen umzugehen. Können diese in Worte kleiden. In Bildern lebendig werden lassen.



In "Liebe" geht es diesmal ausschließlich um die Liebe zwischen zwei erwachsenen Menschen. Liebe, die berührt, die Leben verändert, die Erinnerungen schafft, die für die Ewigkeit ist oder nur für einige Minuten.
"An diesem Morgen...
...lag so viel Liebe in der Luft, dass man sie greifen konnte.
Und nichts anderes hatte Bedeutung."
Delforge schreibt mir unter die Haut. Ihre Texte sind leicht und gleichzeitig poetisch. Mal als Prosa verfasst, mal als kleine Geschichte. Immer mit vielen Emotionen zwischen den Zeilen. Mit dem Wunsch Menschen zu berühren. 




Grébans Illustrationen sind herzlich, lebendig, zugänglich. Sind auch ohne Text zu verstehen, aber gemeinsam mit Delforges Worten sind sie perfekt. 

Ein Bilderbuch für Erwachsene. Ein Bilderbuch für diejenigen, die nicht so leseaffin sind wie ich und meine Bloggerkolleginnen der Blogtour. Ein Bilderbuch für Alle, die an die Liebe glauben.

Ein Thema zu finden, einen Text über Liebe zu schreiben, konnte ich mir gut vorstellen. Glücklicherweise ist Liebe ein fester Punkt in meinem Leben. Ich bin als Kind sehr geliebt worden, als ich meinen Mann zum ersten Mal sah, war es Liebe auf den ersten Blick, ich empfinde Liebe für meine Töchter, mehr als ich es jemals erahnte, und ich bin von klein auf mit der Liebe zu Pferden und Büchern infiziert.


Die Liebe in meinem Leben nimmt den Ursprung bei zwei Personen. Meinen Großeltern, die eins dieser besonderen Paare waren. Ihre Liebe ist für mich immer vorbildlich gewesen. Für mich war klar: der Mann, den ich heirate, muss wie mein Opa sein. 


2013

Meine Großeltern lernten sich 1951 kennen. Beide saßen im selben Zugabteil. Oma auf dem Weg zur Landwirtschaftsschule, wo sie hauswirtschaften lernen sollte, Opa auf dem Weg zur Arbeit. Seine Ausbildung als Postbote hatte er bereits absolviert. Sie 16, er 19. 

Es war Liebe auf den ersten Blick. Opa war ein großer, dunkelhaariger, sehr hübscher Mann. Oma eine kleine, zierliche, wunderschöne junge Frau mit diesem gewissen Glitzern in den Augen. Es hatte ihr schon so mancher Bursche den Hof gemacht, aber er musste nicht nur vor ihr, sondern auch vor der Familie bestehen.

Kurze Zeit später zog er auf den Hof meiner Ur-Großmutter. Mein Ur-Großvater war im Krieg gefallen. War trotz des landwirtschaftlichen Betriebs eingezogen worden, weil er von einem Nachbarn verpfiffen wurde. Mein Ur-Großvater war ein "Judenfreund". Meine Ur-Großmutter blieb zurück. Mit einem Hof, Land, das bewirtschaftet werden musste und drei Töchtern.

Wie wunderbar, dass die Älteste so einen patenten Mann kennengelernt hatte. Fritz brachte zwar kein eigenes Land mit, aber er war strebsam, fleißig und herzlich.





Die ersten Nächte ihrer Ehe verbrachten sie im Familienbett. Aus Mangel an ausreichenden Schlafplätzen, schliefen Oma, Opa und seine Schwiegermutter in einem Bett. Nichtsdestotrotz wurde meine Tante geboren, später mein Papa. Zu dem Zeitpunkt kam eine Schwester des verstorbenen Schwiegervaters aus der Stadt aufs Land. In der Stadt war so viel kaputt. Es gab so wenige Möglichkeiten. Opa überließ ihnen das Elternhaus meiner Oma. Es wurde neu gebaut.

Für die eigene Familie. Ein eigenes Haus für die eigene Familie. Es war Jeder jederzeit herzlich willkommen, aber es war endlich etwas eigenes. Für das Paar, das nun nicht mehr nur Paar, sondern auch Eltern war.

Die Zeit rannte so dahin. Aus Kindern wurden Leute. Der Alltag war geprägt von viel Arbeit, aber auch viel Freude. Man machte einen Ausflug ins Kino, traf sich mit Freunden, es wurde viel geschuftet, aber mindestens genauso viel gelacht. Mein Opa hatte immer ein offenes Ohr für die Wünsche seiner Mitmenschen, für kleine wie große Sorgen. Hatte immer ein Lächeln übrig und wenn es Streit gab, endete der mit den Worten "und jetzt nehmen wir uns wieder in den Arm".

Seine Liebe galt sein Leben lang seiner Anne (und ein bisschen Nana Mouskouri). Neben all seiner Herzlichkeit, legte er eine gesunde Strenge an den Tag, aber seiner Anne konnte er nichts ausschlagen. Sie wurde eh und je von ihm verwöhnt, Ausflüge unternahm man nur gemeinsam und sei es der wöchentliche Weg zum Einkaufen. Seine Mittagspause verbrachte mein Opa immer Zuhause. Seine Postroute verlief günstig und die Regelmäßigkeit seines Lebens - Oma kannte ja alle Marotten - trug sicher dazu bei, dass er einer der ausgeglichensten Menschen war, die ich jemals kennengelernt habe.


Hochzeit 2015

Ich glaube die Liebe meiner Großeltern war so tief, weil sie diese Liebe lebten. Kleine Gesten im Alltag, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, kleine Worte, kleine Berührungen. Liebe lag in der Luft. Nicht diese aufgeregte, sprunghafte Verliebtheit, sondern echte, tiefe, alles überdauernde Liebe.


"Dreiundvierzig Jahre lang 'Ja', gewöhnlich und doch magisch.The End.Gestern.Das Licht ist ausgegangen.Meine Tränen lasse ich fließen.Du bist nicht da,um mir in den Mantel zu helfen.Und der Regen ist eiskalt."

Auf dem Sterbebett war das schlimmste für meinen Opa, dass er nicht sehen würde, wie wir Kinder aufwachsen. Leider ist er viel zu früh verstorben. Meine Oma, da war er sich sicher, würde er an einem Ort, an den er fest glaubte, wieder in die Arme nehmen. Tag für Tag hat sie neben ihm gesessen, die Nächte an seinem Bett gewacht, bis er seinen letzten Atemzug nahm und für immer die Augen schloss.

Oma hat noch ein paar Jahre länger gelebt. Ist erkrankt, von uns gepflegt worden und als es an ihr war zu gehen, ging sie in einer wünschenswerten Gelassenheit, denn sie würde nun endlich ihren Fritz wiedersehen.




Denke ich an meine Großeltern zurück, dann sehe ich ein bestimmtes Bild vor mir. Opa legt eine Schallplatte auf (Freddy Quinn, Nana Mouskouri oder mal was wilderes wie Peter Kraus) und fordert Oma zum Tanz. Lachend schweben die beiden durch die Küche, halten sich, drücken sich, bevor wir alle aufgefordert werden und mittanzen. 




P.S.: Ja, ich habe einen Mann, der meinem Opa charakterlich recht ähnlich ist. Nur mit dem Tanzen, da hat er es nicht so ;) Er mag die Musik von Helene Fischer, ich nicht :D 


Hier findest du alle an der Blogparade teilnehmenden Blogs und deren Beiträge:

Nur Lesen ist schöner

Mint & Malve

Ronja Waldgänger

Kathrineverdeen

Kakaoschnuten

Buchkinderblog



Gewinnspiel:


Du hast Gefallen gefunden an den schönen Bildern und Texten über Liebe? Dann hast du die Möglichkeit ein Exemplar von "Liebe" zu gewinnen.

Beantworte im Kommentarfeld folgende Frage:Welches Paar aus deinem privaten Umfeld oder welches berühmte Paar ist für dich ein Vorbild zum Thema Liebe?

Teilnahmebedingungen:

  • Du bist 18 Jahre alt oder hast die Teilnahmeerlaubnis deiner Erziehungs-/Sorgeberechtigten.
  • Du erklärst dich damit einverstanden, dass dein Name im Gewinnfall öffentlich auf unserem Blog genannt wird.
  • Gewinnspielende ist am 21.02.2020 um 23:59 Uhr 
  • Der Gewinner meines Exemplares wird am 22.02.2020 bekanntgegeben und meldet sich bitte innerhalb von 48 Stunden mit seiner Postadresse unter nannimax@gmx.net
  • Teilnehmen kann jeder mit einem Wohnsitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich, eine Haftung für den Postversand wird nicht übernommen und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Der Versand erfolgt durch den Verlag arsEdition. Zu diesem Zweck (und nur dazu) gebe ich die Adresse der Gewinnerin/ des Gewinners an den Verlag weiter.


Text & Fotos: © 2020, Nanni Eppner
Banner: © Stephanie Sack
Cover: © arsEdition

04.02.20

Nächstes Jahr in Havanna | Chanel Cleeton




Havanna 1958: Elisa, Tochter eines Plantagenbesitzers, verkehrt in den besseren Kreisen Havannas und weiß kaum etwas über die Lage des Landes. Bis sie einem Mann begegnet, der tief verstrickt ist in die politischen Umwälzungen, die ihre Zukunft für immer verändern werden.
Miami 2017: Marisol macht sich auf den Weg nach Kuba. Sie wird zum ersten Mal das Land kennenlernen, in das ihre Großmutter zeit ihres Lebens zurückkehren wollte und in dem sie nun beigesetzt werden soll …
(Text & Cover: © Randomhouse; Foto: © N. Eppner)


Havanna. Zigarren. Rum. Fidel Castro. Die einzigen vier Bezeichnungen aus Kuba, die ich zumindest dem Namen nach kannte. Deren Bedeutung mir aber zu größten Teilen fremd war. Zumindest über Havanna und Fidel Castro wusste ich nichts. Eine Lücke in meinem Wissen über andere Länder und deren Geschichte. Über Politik. Ich bin wirklich froh, dass ich "Nächstes Jahr in Havanna" lesen durfte. Der Roman hat meinen Blick auf Kuba verändert. Dazu beigetragen meinen Blick auf Demokratie und Diktatur, Grundrechte und Armut zu schärfen. 

Klingt zunächst etwas staubig, ist es aber nicht. Chanel Cleeton hat einen unterhaltsamen wie lehrreichen, spannenden wie aufreibenden Roman geschrieben, der mich von den ersten Seiten an fesseln konnte. 

Protagonistin Marisol hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Großmutter Elisa, die als junge Frau mit ihrer Familie aus Kuba in die Vereinigten Staaten auswanderte. Als Elisa stirbt, ist Marisol diejenige, die Elisas Asche nach Kuba bringt, um dort einen geeigneten Platz für die letzte Ruhe der Großmutter zu finden. Ihr Job als Journalistin kommt ihr zugute. So kann sie die Reise als journalistische Recherche tarnen.

Was bei ihrem Arbeitgeber gut ankommt, ist in Havanna weniger gerne gesehen. Journalisten, die herumschnüffeln. Die politische wie soziale Missstände aufdecken wollen. Während Marisol erschütternde Geheimnisse über ihre Familie aufdeckt, gerät sie unverhofft in Gefahr.

Chanel Cleeton reist mit ihrem Roman in die Zeiten des Umbruchs. Der Revolution durch Fidel Castro. Ich las erschütternde Tatsachen, die ich mir so nicht vorgestellt hatte. Verpackt werden diese historischen Ereignisse, die Kuba bis heute prägen und gestalten, in eine fiktive Handlung voller Dramatik und großer Gefühle. Trotz dessen, dass Marisols persönliche Geschichte der rote Faden des Romans ist, gehen die Schwierigkeiten der politischen Lage Kubas, sowie die Gewalt und Beschneidung freier Meinung, die das Land sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart erfährt, nicht unter. 

Damit hat Cleeton einen lehrreichen, aufklärenden Roman geschaffen, der mich so sehr einnehmen konnte, dass ich sehr gerne auch den zweiten Teil der Kuba Saga "Wir träumten von Kuba" lesen möchte.


Buchinfo:

Heyne (2019)
464 Seiten
Klappenbroschur 10,99 €
ÜBERSETZUNG: Stefanie Fahrner

Reiheninfo:

1. Kuba Saga: Nächstes Jahr in Havanna
2. Kuba Saga: Wir träumten von Kuba


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

02.02.20

[lustig ist das räuberleben] Draußenzeit bei Usselwetter





Usselwetter kennste nicht? Wenn Usselwetter ist, dann ist es trüb, feuchtkalt, neblig-grau. Kein Wetter zum vor die Tür gehen. Oder doch?

Na klar. Denn Usselwetter macht schlechte Laune und die vertreiben wir am besten mit frischer Luft.


1. Vorbereitung ist alles. Schnell muss es gehen.


Eine schnelle Sache, die meine Kinder immer glücklich macht, ist ein Picknick. Draußen essen, draußen trinken - besonders in der kalten Jahreszeit etwas besonderes.

Fix ein bisschen Obst und Gemüse einpacken und Butterbrote schmieren. In Bienenwachstücher verpackt sind die Lebensmittel im Rucksack nicht so schwer und bleiben schön frisch.




Um bei kalten Temperaturen nicht zu frieren, gehört eine ordentliche Thermoskanne Tee dazu. Meine Kinder lieben Janoschtee von Lebensbaum. Egal ob warm oder kalt, die Bio Kräuter-Früchteteemischung kommt hier immer gut an. 






Beim Wandern trinken wir alle aus Emailletassen. Die sind nicht schwer und sind aus ähnlichen Bestandteilen wie Glas, daher weniger gesundheitsschädlich als Plastik. Emaille hält nicht warm. Ist die Tasse angenehm anzufassen, ist auch der Tee auf eine trinkbare Temperatur abgekühlt. Ein Verbrennen wie bei Thermosbechern kann hier ausgeschlossen werden.

Die Tassen unserer Kinder sind von Ava & Yves, da Emaille gerade ein Trend ist, sind die Tassen derzeit vielerorts erhältlich. Z.B. bei Avocadostore, dem online Store für nachhaltige Produkte und umweltfreundliche Herstellung.




Wenn es zu nass ist, um einfach auf einem Baumstamm zu sitzen und dort zu picknicken, kannst du vor deinem Ausflug hier nachschauen, ob es in deiner Nähe eine Schutzhütte für Wanderer gibt. Eine gute Möglichkeit, um trocken und trotzdem draußen zu sein.






2. Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur schlechte Kleidung.


Ja, ja, den Spruch kennen wir ja alle. Fakt ist: gute Kleidung ist die halbe Miete! Sind die Kinder warm und trocken angezogen, verringert das den Nörgelfaktor um ein vielfaches.





Wenn es nicht gerade in Strömen regnet, setzen wir auf Produkte aus Wollwalk. Ein Naturprodukt, das atmungsaktiv und warm ist. Dreckig werden darf die Kleidung aus Wollwalk auch. Waschen mag sie zwar nicht so gerne, aber ist der Dreck erst getrocknet, lässt er sich ganz einfach abbürsten.





Die Räubertochter trägt noch den Wollwalkanzug von HessNatur. Leider ist 98 die größte Größe, in der dieser produziert wird. Dann werden wir uns umschauen müssen (Tipps?) und obwohl ich ein großer Fan von Anzügen sind, weil keine nackte Haut rausschaut und kein Rücken kalt wird, sind sie für Kinder ohne Windel unpraktisch, wenn sie draußen mal Pipi machen müssen. Daher werden wir auch auf Walkhose plus Jacke umsteigen.

Das kleine Räubermädchen trägt den Wollwalkanzug von Petit Cochon. Dieser hat Baumwollbündchen und schließt deshalb noch etwas besser an Armen und Beinen. 

Beide Anzüge fallen sehr groß aus. Das kleine Räubermädchen trägt seit dem Alter von 6 Monaten Größe 0.




Wollwalk ist nicht gerade günstig, aber so robust, dass wir die Kleidung gerne gebraucht bei eBay Kleinanzeigen erstehen. Das schont den Geldbeutel und die Umwelt.

An den Füßen tragen die Mädchen gefütterte Winterstiefel von Waldviertler. Mit der richtigen Pflege sind sie Wasserdicht und sehr warm.





Im Kinderwagen nutzen wir die Schaffellsäcke von Hofbrucker. Die halten so toll warm, dass die Kinder im Wagen gegen jedes Wetter gerüstet sind. 

Schaffell ist atmungsfähig, feuchtigkeitsregulierend und temperaturausgleichend, weshalb die Kinder auch bei wärmeren Temperaturen darauf schlafen können. Bei uns sind sie das ganze Jahr über im Kinderwagen. So schlafen die Kinder auch im Sommer kuschelig gemütlich, aber ohne zu schwitzen.




Traglinge schlafen warm in den nachhaltigen Tragejacken von Mamalila. Ich selbst besitze die Softshelljacke und bin begeistert. Wasserdicht bei anhaltendem Regen lässt sie auch nicht stärkste Brise Wind durch. 




Das Tragecover kann so eingeschnallt werden, dass du dein Kind vorn oder auf dem Rücken geschützt tragen kannst.






Auch ohne Tragling eine schicke und angenehm zu tragende Jacke, deren Qualität mich absolut überzeugt.






3. Unterwegs und Zuhause. Sammeln, erkunden, basteln.


Im Rucksack lassen wir immer ein bisschen Platz oder packen noch eine Jutetasche mit ein, um Waldschätze zu sammeln. Zapfen, Blätter, Federn - was auf dem Weg liegt und gefällt nehmen wir mit nach Hause. 





Zu Hause werden die Naturschätze entdweder verbastelt oder in den Naturwebrahmen gesteckt, der ganz einfach aus Holz und Wolle herzustellen ist. Im Idealfall bindest du das Außengerüst zusammen und lässt es erst etwas trocknen, bevor du die Schnüre spannst. Dann hängen sie später nicht so durch (wie bei uns).






Ein tolles Begleitbuch für den Spaziergang in der Natur ist "Der Grüffelo Naturführer. Winter". Spielerisch lernen Kinder die Natur kennen. Was gibt es draußen zu entdecken? Welche Tierspuren kennst du? Welche Vögel oder Spinnen hast du gesehen? Fotos und Sticker, sowie die Möglichkeit Notizen aufzuschreiben oder -zeichnen machen die kleinen zum Grüffelo Naturforscher. Eine Auszeichnung, die mit einem entsprechenden Klebeorden belohnt wird.






Wie schauen eure Usselwetter-Spazieränge aus? 

Danke, dass du uns auf unsere Schlechtwettertour begleitet hast.

Liebe Grüße aus der Räuberhöhle.



WERBUNG. 
Der Text beinhaltet Produktempfehlungen. Diese Empfehlungen werden mir nicht vergütet und die Produkte wurden alle von mir persönlich gekauft. Meine Empfehlungen spreche ich aus Überzeugung aus.

31.01.20

[Monatsrückblick] Januar 2020





Der Januar zog sich wie Kaugummi. Zumindest war das mein Gefühl.

An Langeweile und zu wenig zu tun, hat es nicht gelegen. Vielleicht ist das Wetter Schuld (im Zweifel ist es ja immer das Wetter), dass sich alles andere als freundlich zeigte. Regen, Wind, Regen, Dunkelheit, nasse Kälte - bäh! Das mag ich so gar nicht. Klirrend kalt, Sonne, Schnee - so soll ein Winter aussehen. Die Wetterveränderung des Winters ist wohl ein eindeutiges Zeichen des Klimawandels.

Ein Indiz, dass Januar ist: wir waren / sind alle krank. Nervig. Ich sehne den Frühling herbei. Echt!

Und obwohl der Januar so lang war, habe ich es nicht geschafft Beiträge für den Blog fertigzustellen, wobei die Betonung auf FERTIG liegt, denn einige sind angefangen, in Bearbeitung oder fast fertig. Größtenteils fehlen Fotos (es war ja immer so dunkel! *nörgel, nörgel*) oder Texte. Im Januar bin ich wohl häufig in "morgen nehme ich mir Zeit dafür" und "ich will das nur mal schnell im Internet nachschauen" verfallen.

Neuer Monat, neues Glück.

Im Januar war ich eine fleißige Leserin. Ich muss aber dazu sagen, dass es mir die Auswahl an durchweg richtig guten Büchern vereinfachte.


JANUAR:


1) "King of Scars" | Leigh Bardugo | Knaur Fantasy
2) "Nach dem Tod gleich links" | Anna Buchwinkel | Piper
3) Nächstes Jahr in Havanna" | Chanel Cleeton | Heyne
4) "Zwei Herzen. Pias Geschichte" | Sabrina J. Kirschner | Carlsen
5) "Die 13 Gezeichneten. Die Verkehrte Stadt" | Judith und Christian Vogt | Bastei Lübbe
6) "Hurenmord" | Tabea König | Piper (leider nicht mit auf dem Foto)




Quer durch verschiedene Genres, habe ich spannende Schicksale verfolgt, viel gelernt und magische Begegnungen genossen (wäre ich noch 16 könnte ich hinzufügen, dass ich mich sehr in einen charmanten Piratenzar mit dunklem Geheimnis verliebt habe, aber aus dem Alter bin ich nun ja wirklich raus *hüstel*).

Leider konnte ich noch nicht alle Titel rezensieren, aber wenn du auf meinem Stapel ein Buch entdeckst, dass dich vom Genre | Cover | Titel etc. anspricht, lies es! Es sind wirklich alles Empfehlungen.

Obwohl ich alle Bücher mit Freude gelesen habe, war "King of Scars" mein absolutes Highlight, weil es einfach so, so gut ist. Für alle, die unsicher sind, ob sie ins Grishaverse einsteigen wollen, stelle ich hier die Trilogie Legenden der Grisha vor.

Ein sehr besonderes Buch ist "Nach dem Tod gleich links". Eine Geschichte zum Schmunzeln, zum Nachdenken, zum Lieb haben. 

Wie war dein Lesemonat Januar? Hast du viel oder wenig gelesen? Welches Buch war dein Highlight?

Für den Februar habe ich mir auch schon einen Stapel an Büchern, die ich lesen möchte zurechtgelegt. Allerdings hänge ich mit dem Januarstapel noch etwas hinterher.

Folgende Bücher werde ich in nächster Zeit lesen. Kennst du vielleicht eines davon?


Im Beitrag "Wie ich zum Jahreswechsel etwas gegen Unzufriedenheit unternahm" erzähle ich dir davon, welchen Weg wir nun beschreiten, wie und warum Pepper und Emma den Stall gewechselt haben und was das mit meinen eigenen Wünschen zu tun hat.



Im Januar...



...haben wir viel zu selten die Sonne gesehen.



...dafür aber den Grüffelo 



...startete ich einen Buddyread mit Stefanie, einer sympathischen Bloggerin, die einen ziemlich guten High Fantasy Geschmack hat.



...verbrachten die Kinder und ich wunderbare Familienzeit bei den Pferden.



... hatte es manchmal Frost.



... habe ich endlich mal wieder eine Tasse Tee draußen getrunken.


... konnten wir trotz schlechtem Wetter eine schöne Wanderung unternehmen, die in einer Waldhütte mit Waffeln, heißen Kirschen und Kaffee endete. I love it!



29.01.20

King of Scars | Leigh Bardugo




Niemand weiß, was der junge König von Ravka, während des blutigen Bürgerkrieges durchgemacht hat. Und wenn es nach Nikolai selbst geht, soll das auch so bleiben.
Jetzt, wo sich an den geschwächten Grenzen seines Reiches neue Feinde sammeln, muss er einen Weg finden, Ravkas Kassen wieder aufzufüllen, Allianzen zu schmieden und eine wachsende Bedrohung für die einstmals mächtige Armee der Grisha abzuwenden.
Doch mit jedem Tag wird in dem jungen König eine dunkle Magie stärker und stärker und droht, alles zu zerstören, was er aufgebaut hat. Schließlich begibt Nikolai sich mit einem jungen Mönch und der legendären Grisha-Magierin Zoya auf eine gefährliche Reise zu jenen Orten in Ravka, an denen die stärkste Magie überdauert hat. Denn nur dort besteht eine Chance, sein dunkles Vermächtnis zu bannen.
Einige Geheimnisse sind jedoch nicht dafür geschaffen, verborgen zu bleiben – und einige Wunden werden niemals heilen.
(Text & Cover: © Droemer Knaur; Foto: © N. Eppner)


Auf einen Protagonisten wie Nikolai Lantsov habe ich schon lange gewartet.

Bereits in der "Legenden der Grisha" - Trilogie konnte der Zarensprössling mit seiner charmanten Art mein Herz erobern. Ich mag diese Kombination aus Ganove und irgendwie doch zu gut und zu herzlich zu sein, um als Bösewicht durchzugehen.

Dass er in "King of Scars" die Hauptrolle spielen darf, ist nur gerecht. An seiner Seite die kühle Zoya, der nicht gerade die Herzen ihrer Grishakolleginnen und -kollegen zufliegen, die mutig und stark wirkt, tief im Inneren aber schwer verletzt wurde. Von demjenigen, der ihnen allen Schaden zufügte, während er seine eigenen Wünsche durchsetzte: der Dunkle.

"King of Scars" schließt, obwohl im Handlungsstrang einige Zeit vergangen ist, nahtlos an "Lodernde Schwingen", den Finalband der Grisha-Trilogie an. Das Dunkle wütet in Nikolai, der versucht sein Land zu retten, der Einigkeit und Frieden möchte. Ein Wunsch, der nicht nur von seinen Feinden, sondern von seinem eigenen Ich untergraben wird.

Mit großer Begeisterung habe ich "King of Scars" gelesen, das sprachlich, handwerklich noch mehr kann, als die ebenfalls grandiosen Vorgänger der Autorin. Spitzzüngige Dialoge, ein perfekt aus den Figuren entspringender Humor und eine extrem spannende Handlung machen den Roman zu einem echten Lesegenuss.

Kurzweilig und unterhaltsam, aber nicht oberflächlich. Zwischen all der dunklen Magie, zwischen persönlichen Streitigkeiten und Liebeleien, zwischen all dem schreibt Bardugo auch über die Konflikte, mit denen Nikolai als Landesoberhaupt konfrontiert wird. Über die Schwierigkeit Frieden herzustellen ohne den Einsatz von Gewalt und der Berücksichtigung aller Hoffnungen und Wünsche von Nationen mit verschiedenen Wertvorstellungen. Sie schreibt über Gier, die größer ist, als der Respekt vor Menschenleben, darüber wie abhängig Macht und Geld machen und wie schnell wir politischen und religiösen Vorstellungen verfallen, ohne diese zu hinterfragen. 

Bardugo denkt nicht schwarz-weiß und spiegelt das in ihren Figuren wieder. So ist ein lebhafter, fantasievoller, charmant humorvoller und extrem lesenswerter Roman entstanden, der sich ohne mit der Wimper zu zucken in die Riege meiner Lieblingsbücher einreiht.


Buchinfo:


Droemer Knaur (2019)
512 Seiten
ÜBERSETZUNG: Michelle Gyo
Paperback 16,99 €


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner

23.01.20

We will fall | Shannon Dunlap




Die sechzehnjährige Izzy ist nicht gerade begeistert, als sie mit ihren Eltern von Manhattan nach Brooklyn ziehen muss. Wie soll sie hier Freunde finden? Alle Leute in ihrem Alter sind mit ihren Machtspielchen beschäftigt, in ihrer Hackordnung gibt es keinen Platz für Neue.
Doch dann begegnet Izzy Tristan, dessen Cousin Marcus der Boss im Block ist. Izzy und Tristan verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Niemand ahnt, dass die beiden sich heimlich treffen, schon gar nicht Tristans Cousin. Doch als Marcus ausgerechnet Izzy als seine neue Freundin herauspickt, nimmt die Tragödie ihren Lauf.

»Es gibt Momente, in denen die Zeit stehenbleibt. Plötzlich weißt du, dass vor dir jemand steht, der auf irgendeine Weise Teil deiner Zukunft sein wird. Als ich Tristan zum ersten Mal sah, war das so ein Moment. Wir sahen uns an, und alles war klar. Ich wusste, dass ich mir jedes Detail seines Gesichts genau einprägen musste, damit ich mich später an alles erinnern könnte.«
In einer idealen Welt könnten Izzy und Tristan das absolute Traumpaar sein und beweisen, dass Liebe alle Gräben überwindet. Doch diese Welt ist nicht ideal.
(Text & Cover: © S. Fischerverlage; Foto: © N. Eppner)


"Eine Liebesgeschichte" lautet der Untertitel von "We will fall". Liebesgeschichte...mmh...eigentlich nicht meins. Auf Empfehlung von Büchermenschen, auf deren Meinung ich vertraue, greife ich doch zum Buch. Und werde überrascht.

Kein Kitsch, kein Schmalz. Liebe, ja. Mit viel Dramatik, viel echtem Leben, vielen Schockmomenten. Denn obwohl die Liebe im Vordergrund steht, ist "We will fall" vor allem ein Roman über Gesellschaftsstrukturen. Über Machtverhältnisse in einer Gegend, in der du allein wegen deiner Hautfarbe verhaftet wirst, und Machtverhältnisse innerhalb jugendlicher Gruppen. 

Wer gehört zu den coolen Kids? Wie kommt man in diesen kleinen Kreis und was muss man tun, um darin zu bleiben? Die wichtigste Regel lautet scheinbar sich selbst zu verraten. Eigene Gefühle und Wünsche zu unterdrücken. Sei es Empathie, Hilfsbereitschaft oder Liebe.

Wie schwierig ist die Liebe, wenn die beiden Liebenden aus unterschiedlichen sozialen Verhältnissen kommen? Auch das ein Aspekt, den ich, als privilegierte Weiße, nicht einmal erahnen kann. Dem mich Shannon Dunlap mit ihren ausdrucksstarken Figuren aber sehr gut näher bringt.

Um die Liebesgeschichte herum hat Dunlap ein Konstrukt gebaut, das mich nachhaltig bewegt. Es geht um Themen, die immer wieder auf den Tisch kommen sollten, weil sie wichtig sind, weil sie dringend einer Veränderung bedürfen. Diskriminierung, Mobbing, Machtmissbrauch. 

Dunlaps Schreibe liest sich sehr gut. Flüssig und spannend. Manchmal bringt sie mich zum Stocken. Damit was die Jugendlichen im Roman auf sich nehmen, um zu ihren Zielen zu kommen, aber auch damit wie schwer es für People of Color ist, aus dem Rahmen zu steigen, in den sie gewaltsam gepresst werden. 

Shannon Dunlap hat ein Buch geschrieben, das ich gar nicht so gerne ins Genre Jugendbuch einsortieren möchte, weil es so gut ist und neben der Verliebtheit junger Erwachsener auch Themen anspricht, die jedes Alter angehen. Mit ihrem spannende Schreibstil bietet sie die Möglichkeit von Aufklärung und ich hoffe, dass "We will fall" viele Leser*innen finden wird.


Buchinfo:

368 Seiten
Hardcover
ab 12 Jahren
ÜBERSETZUNG: Henriette Zeltner


Rezensionen: © 2020, Nanni Eppner


17.01.20

Legenden der Grisha | Leigh Bardugo




Im Herbst 2019 erschien die Trilogie "Legenden der Grisha" im Droemer Knaur Verlag im schicken neuen Gewand. Ein Schuber, den die Kräftemehrer zieren, die in Alinas Leben eine Rolle spielen und der durch eine hübsche Gestaltung und ein gutes Preisleistungsverhältnis besticht.

Mich konnte die Trilogie, die der Auftakt aller weiteren Romane ist, die im Grisha Verse angesiedelt sind, von der ersten Seite an begeistern. Hier und da empfinde ich kleine Längen und wer, wie ich bereits die Krähen Bücher gelesen hat, bemerkt, dass "Die Legenden der Grisha" sprachlich noch nicht so ausgereift sind, dass sie das Debüt der sympathischen Autorin sind, und nicht ganz an die folgenden Romane Bardugos heranreichen. Trotzdem ist diese Trilogie absolut lesenswert. Eine raue, magische Geschichte, die an alte Sagen erinnert. Mit Heldinnen und Helden, guten Geistern und dem Bösen, das im Gewand des verheißungsvoll Guten daherkommt. Spannend und fesselnd erzählt.

Legenden der Grisha 01. Goldene Flammen


Alina ist eine einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren von Ravka. Jemand, der entbehrlich ist – ganz anders als ihr Kindheitsfreund Malyen, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Doch als Alina Mal bei einem Überfall auf unerklärliche Weise das Leben rettet, ändert sich alles für sie, denn sie findet heraus, dass sie eine Grisha ist, die über große Macht verfügt.
Alina wird ins Trainingslager der Grisha versetzt, der magischen und militärischen Elite Ravkas. Dort findet sie einen ganz besonderen Mentor: Den ältesten und mächtigsten der Grisha, der nur der »Dunkle« genannt wird und der schon bald ganz eigene Pläne mit Alina verfolgt.
(Text & Cover: © Droemer Knaur)


Legenden der Grisha 02. Eisige Wellen


Nach ihrem furchtbaren Kampf gegen den Dunklen, den ältesten und mächtigsten der Grisha, mussten Alina und Mal aus Ravka fliehen. Doch selbst jenseits der Wahren See sind sie nicht sicher: Der Dunkle hat überlebt und ist entschlossener denn je, sich Alinas besondere Kräfte zunutze zu machen. Denn nur mithilfe ihrer Magie kann es ihm gelingen, den Thron von Ravka an sich zu reißen.
In die Enge getrieben, bittet Alina schließlich den berüchtigten Freibeuter Stormhond um Hilfe und macht sich auf, die Armee der Grisha anzuführen.
(Text & Cover: © Droemer Knaur)


Legenden der Grisha 03. Lodernde Schwingen


Tief unter der Erde versteckt sich Alina vor dem Dunklen, der nun endgültig die Macht in Ravka übernommen hat. Um sie hat sich ein Kult gebildet, der sie als Sonnenkriegerinverehrt – doch in den Höhlen kann Alina ihre Kräfte nicht anrufen. Und die einst mächtige Armee der Grisha ist fast vollständig zerschlagen.
Alinas letzte Hoffnung gilt nun den magischen Kräften des legendären Feuervogels – und der winzigen Chance, dass ein geächteter Prinz noch leben könnte. Gemeinsam mit Mal macht sich Alina auf die Suche. Doch der Preis für die uralte Magie des Feuervogels könnte alles zerstören, wofür sie so lange gekämpft haben.


Buchinfo:

Droemer Knaur (Oktober 2019)
Taschenbuch
1232 Seiten
ÜBERSETZUNG: Henning Ahrens
Einzeltitel je 12,99 €
Schuber 39,00 €


Rezensionen & Fotos: © 2020 Nanni Eppner